Narzissmus: Ein Mann schaut sich im Spiegel an.
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Narzissmus: Definition, Symptome und Typen

Narzissten können schillernde Persönlichkeiten sein: zielstrebig, erfolgreich, vielleicht ein wenig exzentrisch – und stehen am liebsten im Mittelpunkt des Geschehens. Doch was bedeutet Narzissmus genau und wann liegt eine krankhafte narzisstische Persönlichkeitsstörung vor? Erfahren Sie hier mögliche Symptome und mehr über den verdeckten Narzissmus sowie weitere Typen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Hinweis: In diesem Artikel wird aus Gründen der Lesbarkeit der Begriff "Narzisst" stellvertretend für alle Geschlechter verwendet.

Was ist Narzissmus?

Narzissmus wird oft mit der Definition einer übertriebenen Eitelkeit, Selbstliebe und Selbstbewunderung beschrieben. Narzissten wollen oftmals im Mittelpunkt stehen, Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten und bewundert werden. Mitmenschen nehmen Narzissten häufig als besonders arrogant wahr. Wer eine narzisstische Persönlichkeit aufweist, kann oft schlecht mit Kritik umgehen – Krisen und Misserfolge sind schwer zu handhaben. Das Hineinversetzen in das Gegenüber fällt Narzissten zudem oftmals schwer und es fehlt meist an Empathie, was den Umgang mit narzisstischen Personen meist schwierig macht.

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute bei Narzissmus zwischen

  • Narzissmus als eine Persönlichkeitseigenschaft, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein kann und
  • einer pathologischen, also krankhaften, narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Narzissmus oder narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Der Übergang von einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Persönlichkeitseigenschaft zu einer pathologischen, narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist fließend und daher nicht immer leicht festzustellen. Es ist jedoch wichtig, zwischen Narzissmus und einer krankhaften, narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden. Denn nicht jeder Narzisst leidet unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Die krankhafte Form, also die narzisstische Persönlichkeitsstörung, muss daher abgegrenzt werden. Dabei handelt es sich um eine psychosomatische Erkrankung mit funktionalen Störungen der eigenen Selbstwertregulation. Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung zeichnet ein krankhaft übertriebenes Selbstwertgefühl und Aufmerksamkeitsbedürfnis aus. Sowohl Gefühle der unbegrenzten Macht und des Erfolgs als auch der eigenen Vollkommenheit und Schönheit sind typisch. 

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist vielschichtig, zum Teil in sich widersprüchlich – und immer noch nicht ausreichend erforscht. So gingen Fachleute lange Zeit davon aus, dass das Selbstbewusstsein krankhafter Narzissten und Narzisstinnen andauernd überhöht ist. Mittlerweile hat sich jedoch gezeigt: Meist ist weder das Selbstkonzept noch das Selbstwertgefühl eines Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung wirklich stabil. Stattdessen schwanken beide häufig erheblich.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung: Häufigkeit

Etwa 0,8 bis 6,4 Prozent der Bevölkerung leidet unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. 75 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe sind dabei Männer. Mehr als die Hälfte der pathologischen Narzissten leidet zudem zusätzlich an affektiven Störungen. Dazu zählen zum Beispiel andere Persönlichkeitsstörungen, bipolare Störungen (früher bekannt als manisch-depressive Erkrankung) oder Angststörungen. Auch Abhängigkeitserkrankungen und Depressionen treten häufig gemeinsam mit dem krankhaften Narzissmus auf. Frauen leiden hingegen oftmals unter der Form des weiblichen Narzissmus.

Narzissmus: Unterschiedliche Typen

In der Wissenschaft werden verschiedene Subtypen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung diskutiert. So scheint es neben den typischen großspurig-arrogant auftretenden Narzissmus-Typen beispielsweise auch Betroffene zu geben, die sich eher gegenteilig verhalten: Sie sind unsicher und bescheiden, neigen dazu, sich selbst vor anderen abzuwerten, statt zu überhöhen. Allgemein werden Narzissten in drei Typen unterteilt. 

Vulnerabel-fragiler oder verdeckter Narzissmus

Der vulnerable-fragile Narzissmus ist geprägt von Depressionen, Scham und Angstzuständen, weshalb Fachleute diesen Narzissmus-Typ auch als verdeckten Narzissmus bezeichnen. Personen, die unter dieser Form leiden, sind äußerst sensibel – Misserfolge und Kritik sind oftmals schwer zu ertragen. Dennoch sind Betroffene sehr auf sich fixiert und wenig empathisch. Menschen mit verdecktem Narzissmus suchen jedoch häufig ärztliche Hilfe auf, da die Symptome einer Depression ähneln können.

Grandios-maligner Narzissmus

Menschen mit einem grandios-malignen Narzissmus fühlen sich meist zu großen Taten berufen und weisen eine übertriebene Selbstwahrnehmung auf. Erkennen Mitmenschen dieses Gefühl der Großartigkeit nicht an, reagieren Narzissten oftmals äußerst wütend und aggressiv. Werden diese Narzissten gewalttätig, können sie für die Gesellschaft daher auch gefährlich werden.

Exhibitionistischer Narzissmus

Wer unter diesem Narzissmus-Typ leidet, geht mit seinem Gefühl der eigenen Großartigkeit offen auf Mitmenschen zu und versteckt sich nicht. Exhibitionistische Narzissten sind unter fremden Menschen oft gefühlskalt – im privaten Umfeld jedoch häufig ängstlich und verunsichert, was sie oftmals versuchen, zu vertuschen. 

Narzissmus und narzisstische Persönlichkeitsstörung: Symptome

Narzissmus zeigt sich oftmals an typischen Anzeichen. Bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung und narzisstischen Charaktereigenschaften sind mitunter folgende Symptome möglich: 

  • Selbstüberschätzung: Narzissten sehen sich selbst, ihre Fähigkeiten und Taten als etwas Besonderes und Großartiges und erwarten, dass andere sie – auch ohne entsprechende eigene Leistungen – als überlegen anerkennen. Auf Kritik reagieren sie meist überempfindlich.

  • Fantasieren: Menschen, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung aufweisen, neigen dazu, sich grenzenlosen Erfolg, Glanz, Macht und Schönheit sowie ideale Liebe auszumalen und sind stark eingenommen von diesen Fantasien.

  • Überlegenheitsgefühle: Wer unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet, nimmt sich selbst größtenteils als besonders und einzigartig wahr und schaut auf andere herab. Narzissten glauben, dass sie nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen und Institutionen verstanden werden können. Zudem wollen sich Narzissten und Narzisstinnen möglichst nur mit "Seines- oder Ihresgleichen" umgeben.

  • Aufmerksamkeitssuche: Eine pathologisch narzisstische Persönlichkeit braucht viel Aufmerksamkeit. Sie liebt es, im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen und verlangt von ihren Mitmenschen übermäßige Bewunderung.

  • Überhöhtes Anspruchsdenken: Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen stellen überwiegend übertriebene Erwartungen an sich selbst und an ihre Mitmenschen. Sie wollen bevorzugt behandelt werden, außerdem sollen andere stets auf ihre Forderungen und Erwartungen eingehen.

  • Ausbeuterisches Verhalten: Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung zeigt sich auch darin, dass Betroffene ihre Mitmenschen häufig als "Erfüllungsgehilfen" für eigene Bedürfnisse missbrauchen und zwischenmenschliche Beziehungen vor allem nutzen, um die eigenen Ziele zu erreichen.

  • Mangel an Empathie: Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind oft weder willens noch fähig, sich mit anderen zu identifizieren, sich in andere hineinzuversetzen oder deren Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und anzuerkennen.

  • Neid: Wer an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet, ist häufig neidisch auf andere oder geht davon aus, dass andere neidisch auf die eigene Person sind.

  • Sozial unverträgliches Verhalten: Eine krankhaft narzisstische Persönlichkeit tritt auch darin zutage, dass Betroffene wenig bis kein Interesse an ihren Mitmenschen zeigen und sich ihnen gegenüber meist arrogant und überheblich verhalten.

Narzissmus und narzisstische Persönlichkeitsstörung: Ursachen

Aus welchen Gründen sich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt, ist bislang noch nicht geklärt. Expertenteams gehen jedoch davon aus, dass die Ursachen der Störung in einem Zusammenspiel von biologischen und sozialen Faktoren liegen.

Die Neigung zu ausgeprägtem Narzissmus ist zu einem gewissen Teil genetisch festgelegt. Doch auch das soziale Umfeld scheint eine Rolle dabei zu spielen, ob jemand im Laufe des Lebens eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt. Insbesondere gilt dies wohl für enge emotionale Bindungen, etwa zu den Eltern. Bekommt ein Kind nicht die Aufmerksamkeit, die es braucht, kann es keinen gesunden Narzissmus und kein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.

In eher kühl-distanzierten, ablehnenden oder abwertenden Familienverhältnissen können sich narzisstische Verhaltensweisen als eine Art Selbstschutz vor negativen Emotionen, vor Angst, Unsicherheit oder Zurückweisung entwickeln. In überbehütend-fürsorglichen, aber auch fordernden Verhältnissen können es wiederum die großen Hoffnungen und Erwartungen der Eltern sein, die in dem Kind ein unrealistisch erhöhtes, auf Lob und Bewunderung gestütztes Selbstbild entstehen lassen.

Da Menschen mit einem übersteigerten Narzissmus ihren Selbstwert und ihr Selbstkonzept häufig von den Rückmeldungen ihrer Mitmenschen abhängig machen, können Krisenerlebnisse wie beruflicher Misserfolg oder persönliche Zurückweisung unvermittelt das Gefühl auslösen, absolut wertlos zu sein. Dies kann in eine schwere depressive Phase münden: Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist die Persönlichkeitsstörung mit der höchsten Suizidrate von etwa 15 Prozent.

Narzissmus im Alltag

Ein Narzisst verhält sich seinen Mitmenschen gegenüber meist fordernd, arrogant-abschätzig und auch desinteressiert-abweisend. Bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind diese Merkmale und Verhaltensweisen so stark ausgeprägt, dass Betroffene selbst und das Umfeld massiv darunter leiden können. Doch auch der Alltag von und mit Menschen, die nur leichte narzisstische Züge aufweisen, kann sehr belastend und mit Problemen verbunden sein.

Fachleute gehen davon aus, dass der Narzissmus insgesamt in der Gesellschaft zunimmt, dass also immer mehr Menschen eine narzisstische Persönlichkeit entwickeln. Laut Expertenteams liegt das nicht an einer genetischen Veranlagung, sondern dass die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen narzisstisches, selbstverliebtes Handeln fördern. Folgende Beispiele führen Fachleute dafür unter anderem an:

  • Leistungsdruck und Erfolgsorientierung: "Auf das Ergebnis kommt es an" – Dieses Motto gilt sowohl in der Ausbildung als auch in der Arbeitswelt. Zudem soll das Ergebnis möglichst gut sein und schnell vorliegen. Kinder werden bereits häufig in der Schule darauf trainiert, gute Noten mit nach Hause zu bringen. Narzisstische Verhaltensweisen sind bei diesem Leistungsdruck mitunter hilfreich. 

  • Selbstoptimierung, -inszenierung und -vermarktung: Unter anderem befeuern Castingshows im Fernsehen und die sozialen Netzwerke im Internet eine Kultur der Selbstdarstellung, in der es vor allem zählt, wie man sich verkauft. Sich intensiv mit sich selbst zu beschäftigen, am eigenen Image zu arbeiten sowie sich selbstbewusst und anderen überlegen zu präsentieren, gehört im Grunde zu den narzisstischen Charaktereigenschaften.

Narzissmus in Beziehungen

Narzissmus in der Partnerschaft und anderen Formen von Beziehungen – das passt nur selten gut zusammen. Denn viele Narzissten neigen zu sozial unverträglichem und ausbeuterischem Verhalten. Das bedeutet: Ein ausgeprägter Narzisst oder eine ausgeprägte Narzisstin schaut häufig auf Mitmenschen herab und missbraucht sie gleichzeitig zum Erfüllen eigener Ziele. Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse der anderen Person sind dabei zweitrangig.

Häufig zeigen Narzissten zudem einen sogenannten spielerischen Liebesstil. Das bedeutet, dass es für sie mehr um eine Eroberung geht als um eine stabile Partnerschaft: Sie umwerben Personen so lange engagiert, bis eine Beziehung entsteht. Danach verlieren sie schnell das Interesse, insbesondere nach den ersten Schwierigkeiten.

Mit einem Menschen, der einen ausgeprägten Narzissmus hat, eine ausgewogene Partnerschaft zu führen, ist daher meist schwierig. Häufig leiden die nicht-narzisstischen Partner*innen darunter, dass sich alles immer nur um den anderen dreht. Doch auch für Narzissten bedeutet eine Beziehung ein Risiko: Narzissmus dient in vielen Fällen als eine Art Mauer, die das eigentlich ängstliche, unsichere und verletzliche Selbst schützen und verstecken soll. Liegt eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vor, verschärft sich die Situation sogar: Expertenteams gehen davon aus, dass Menschen mit krankhaftem Narzissmus kaum in der Lage sind, tiefe und dauerhafte Beziehungen mit anderen einzugehen.

Narzissmus und Beruf

Im Berufsleben kann ein gewisses Maß an Narzissmus durchaus hilfreich sein. Narzissten sind überwiegend sehr motiviert, Leistung zu bringen und übernehmen gerne Führungspositionen. In einigen Betätigungsfeldern wie der Politik oder dem Showgeschäft ist es ohne ein gewisses Maß an Narzissmus womöglich schwieriger, den hohen Anforderungen gerecht zu werden und sich durchzusetzen. 

Doch auch wenn Narzissmus in gewisser Weise karrierefördernd wirken kann: Langfristig gesehen stecken einige Gefahren darin. So neigen Narzissten und Narzisstinnen dazu, ihre eigenen Leistungen zu überschätzen. Werden diese dann nicht von anderen wie erwartet anerkannt und gelobt, kann dies zu ernsthaften Selbstwertkrisen führen. In solchen Situationen fehlen Betroffenen meist stabile soziale Beziehungen und Netzwerke, die sie auffangen könnten. Außerdem sind Menschen mit krankhaftem Narzissmus durch ihre hohe Arbeitsmotivation und Leistungsbereitschaft stark gefährdet, ein Burnout-Syndrom zu entwickeln.

Narzissmus und narzisstische Persönlichkeitsstörung: Diagnose

Meist suchen Narzissten erst ärztlichen Rat auf, wenn ein enormer Leidensdruck besteht, sie etwa ihre Arbeit verloren haben oder ihre Beziehung zerbrochen ist. Oftmals allerdings nicht wegen ihres Narzissmus – sondern aufgrund einer begleitenden Krankheit, etwa einer Sucht oder einer Depression. 

In einer psychotherapeutischen Praxis kann dann durch das Abklären spezifischer Fragen die Diagnose gestellt werden. Dabei muss bei Betroffenen zunächst ein andauerndes Muster von Bewunderung, mangelndem Mitgefühl und Grandiosität auffällig sein. Um die narzisstische Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren, müssen jedoch weitere Narzissmus-Symptome zutreffen. Typisch ist auch, dass es bereits im frühen Erwachsenenalter erste Anzeichen gab. Oftmals wird zur Diagnosestellung ebenso das Umfeld, etwa Geschwister oder der Partner bzw. die Partnerin, befragt. 

Narzissmus und narzisstische Persönlichkeitsstörung: Therapie

Krankhafter Narzissmus ist nur schwer behandelbar. Denn den Betroffenen fällt es häufig sehr schwer, die eigene Schwäche und mögliche Fehler in ihrer Selbstwahrnehmung anzuerkennen und zuzugeben. Zudem können selbst Menschen, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung aufweisen, meist relativ lange recht gut mit dieser leben und die negativen Aspekte der Störung kompensieren.

Es gibt bisher keine speziell auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung zugeschnittene Behandlung oder Psychotherapie, auch Medikamente wie beispielsweise Psychopharmaka sind bei dieser Störung noch nicht erprobt.

Die Ziele einer Therapie sollten sein:

  • Arbeit am Selbstbild
  • Verminderung narzisstischer Handlungsweisen
  • Verbesserung der Beziehungsfähigkeit
  • Verbesserung im Umgang mit negativen Emotionen

Da oft auch die Mitmenschen wie der Partner oder die Partnerin unter den Auswirkungen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden, kann auch eine Paartherapie sinnvoll sein.

Schon gewusst?

Der Begriff Narzissmus geht zurück auf die Figur des Narziss aus der griechischen Mythologie. Narziss war ein schöner Jüngling, der für sein arrogantes Verhalten von den Göttern bestraft wird: Da er alle, die ihn umwerben, kränkend zurückweist, belegt ihn die Rachegöttin Nemesis mit dem Fluch der unerfüllbaren Selbstliebe. Narziss verliebt sich daraufhin haltlos in sein eigenes Gesicht, das sich im Wasser eines Sees spiegelt. Er weiß, dass ihn diese Liebe niemals glücklich machen wird – doch er kann sich nicht mehr von seinem Spiegelbild abwenden. In einer Version des Mythos endet die Selbstliebe tödlich: Um sich mit seiner Spiegelung zu vereinigen, stürzt sich Narziss in den See und ertrinkt.

Die übersteigerte Selbstliebe, die Narziss zum Verhängnis wird, ist seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Gegenstand der medizinischen Wissenschaften; unter anderem ist sie ein zentraler Begriff in der Psychoanalyse von Sigmund Freud.