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Lungenmetastasen - Endstadium?

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  • Lungenmetastasen - Endstadium?

    Was haben Patienten und Angehörige zu erwarten, wenn der Krebs ins Endstadium kommt? Ich konnte bisher keinen Beitrag über erfolglose Krebsbehandlungen finden.

    Mein Bruder kam am Donnerstag ins Krankenhaus. Leider war bisher kein Arzt zu sprechen, weil der eine sich in den Fall noch nicht eingelesen hatte, der zweite nicht zur Station gehörte usw. Bisher wurde ich nur auf den Montag vertröstet, denn da sind alle wieder da.

    Nun noch eine konkrete Frage: Ist die Lungenentzündung und Dauerhusten ein Anzeichen, dass die Lebermetastasen sich vermehrten? Die Chemo für Montag ist bereits abgesagt, wegen des schlechten Gesundheitszustandes.

    Ilupeju


  • Zuletzt


    Hallo ilupeju,

    mein Schwiegervater (Jahrgang 1925) ist im Oktober 2002 nach einem Jahr bekannter Erkrankung an Lungenkrebs verstorben. Zwei Jahre zuvor habe ich die gleichgelagerte Krankengeschichte meines Chefs (mit 63 verstorben - kurz nach Renteneintritt) verfolgen können, der mir ein väterlicher Freund war - und mein erster persönlich erlebter Lungenkrebsfall.

    Bei meinem Schwiegervater habe ich zum ersten Mal den Sterbeprozess überhaupt miterlebt. Vom Sterben meines Chefs hat mir seine Frau sehr ausführlich berichtet. Beide Herren sind friedlich eingeschlafen. Keine Erstickungserscheinungen, keine Quälerei. Beide sind mit starken Medikamentengaben aus einer Art automatischer Pumpe ("Schiffsschaukel") versehen gewesen und haben in den Stunden vor dem Tod nicht mehr auf Ansprache oder Berührung reagiert. Die Angehörigen konnten jederzeit zu ihnen und waren immer in alle Vorgänge eingebunden. Ein Gefühl, fehl am Platze zu sein, kam nicht auf. Das ist für die Angehörigen sicher eine beruhigende Perspektive, bei aller Angst, die so eine Erkrankung macht.

    Wenn ich Dir insgesamt etwas mehr über den Krankheitsverlauf oder/und von den letzten beiden Lebenstagen meines Schwiegervaters erzählen soll, die für mich persönlich weit weniger schmerzhaft waren als erwartet, weil die Betreuung gestimmt hat, dann mache ich das selbstverständlich gern.

    Ich möchte Dir zunächst nur raten, den gegenwärtigen Schwächezustand Deines Bruders nicht unmittelbar als "Endstadium" anzunehmen. Mein Schwiegervater hatte ebenfalls einen Chemotermin absagen müssen, weil er so schwach und mitgenommen war, und lebte noch weitere 9 Monate, in denen er beinahe wiederhergestellt und topfit aussah.

    Die Unerreichbarkeit von Ärzten kann einen schon nervös machen. Husten, Lungenentzündung, Atembeschwerden, das alles ist im Verlauf der Krankheit mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt, und als Angehöriger rechnet man immer und überall mit dem Schlimmsten. Die Krankheit bleibt aber unberechenbar. Ich bin heute noch überzeugt, dass nicht einmal die Ärzte genau wissen, wann konkret noch wieviel Zeit bleibt für ihren Patienten. Der Hausarzt meines Schwiegervaters hat sogar jede Prognose als Ketzerei bezeichnet, die weder dem Patienten noch den Angehörigen weiterhilft.

    Dein Bruder kann also durchaus noch Wochen oder Monate mit der Krankheit leben. Und wenn es denn so sein sollte, dass der Tod an sein Bett tritt, dann gibt es in seiner und eurer Nähe Ärzte und Medikamente, die euch einen würdevollen Abschied und dem Bruder einen schmerzfreien Tod ermöglichen werden.

    Ich wünsche euch viel Kraft auf dem weiteren Weg.

    Liebe Grüße
    Anke

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    • RE: Zuletzt


      Hallo Anke,
      Vielen Dank für Deine Antwort.
      Sie ist sehr nett und einfühlsam verfasst.
      Ich bin froh, dass ich diese gelesen haben.
      Gruss Christiane

      Kommentar


      • RE: Zuletzt


        Hallo Anke,

        als ich Deine Antwort las, fiel mir ein dicker Brocken von der Brust und als ich dann meiner Schwester davon erzählte flog der zweite runter. Eigentlich müsste der Plumps als Erdbeben zu hören gewesen sein.

        Dann gab es aber heute noch eine gute Nachricht. Roman hat keine Lungenembolie, keinen Herzinfarkt, sondern eine Lungenentzündung und massig Schleim auf der Lunge. Der Arzt machte einen sehr sicheren Eindruck, dass dies zu schaffen sein müsste.
        Meine Schwester sprach heute mit dem Hausarzt und der würde die ärztliche häusliche Betreuung übernehmen. Zusammen mit dem Pflegedienst hoffen meine Schwester und ich die Pflege erledigen zu können.
        Aber nach Deiner Mail ist die erste Panik verflogen. Ich versuche jetzt noch ein Seminar für Angehörige zu finden, vor allem, hoffe ich da zu hören, was man leisten kann und was man in die Hände von Fachleuten geben soll.

        Lieben Gruß
        Ilupeju

        Kommentar



        • RE: Zuletzt


          Hallo zusammen,

          nein, hier war kein Erdbeben! ;-) Aber ich kann mir natürlich vorstellen, wie erleichternd das ist, zwischen all diesen unkonkreten Auskünften und dem Rätselraten endlich mal von jemandem zu hören, was tatsächlich passiert (passieren kann), wenn man sterbenskrank ist oder einen solchen Angehörigen hat.

          Es ist sehr mutig von euch, euren Bruder zu Hause versorgen zu wollen. Meine Freundin hat mit ihren 3 Schwestern im vergangenen Jahr ihre Mutter (Hirntumor) begleitet. Sie ist zu Hause in ihrem Bett friedlich eingeschlafen, und es hat natürlich sehr, sehr viel Kraft gekostet, rund um die Uhr jemanden bei ihr zu haben - trotz Arbeit und eigener Familie. Frag mich nicht, wie es im Eheleben meiner Freundin zeitweise ausgesehen hat.

          Eine ihrer Schwestern hat mit deren Freundin einen gemeinsamen Freund begleitet (multipler Krebs, der junge Mann war erst Anfang 30). Gerade diese letzte Sterbebegleitung war für alle Beteiligten sehr anstrengend, weil der Mann gekämpft hat wie ein Löwe und sich gerade zum Schluss nicht hat im Bett halten lassen. Viele jüngere Krebspatienten werden noch einmal unruhig, wenn sie merken, dass jedes Nachgeben der eigenen Müdigkeit auch heissen kann, nie wieder aufzuwachen...

          Mein Schwiegervater ist in der Nachsorgekur in Bad Lippspringe verstorben. Die Reise dorthin hat er in merklich trüber Stimmung angetreten, obwohl sein Gesundheitszustand sehr gut war - äußerlich. Nach einer Woche dortigen Aufenthalts hatte er jedoch so deutlich abgebaut, dass ihn die Ärzte der Kurklinik in eine Klinik mit Palliativ-Station überwiesen haben. Dort ging es zu wie in einem Hospiz. Wir bekamen Decken, Sessel und Fürsorge angeboten (ja, auch für die Angehörigen!), es wurde uns Essen und Trinken angeboten, wir hätten auch im Zimmer übernachten können, wenn wir gewollt hätten. Montags kam er dort hin, Mittwochs erreichte uns zu Hause der Ruf, doch bald anzureisen, und am Donnerstag Abend ist er verstorben.

          Es hängt viel von eurer persönlichen Kraft, von der Einstellung des Patienten und von der hausärtzlichen Versorgung ab, ob ihr die Pflege zu Hause bis zum Ende gewährleisten könnt und wollt. Es ist nicht schlimm, sich irgendwann die körperliche und seelische Erschöpfung einzugestehen, die eine solche Aufgabe mit sich bringt. Vielleicht solltet ihr euch rechtzeitig mit dem Hausarzt beraten, welche Medikamente ihr selbst geben dürft und welche nicht. Die schon erwähnte Freundin hat eine ausgebildete Krankenschwester zur Schwester, die vom Arzt tatsächlich auch sehr hochwirksame Mittel zum Spritzen dagelassen bekommen hat. Das ist nicht selbstverständlich, und die meisten Angehörigen stehen dann vor dem schweren Schritt, doch ein Krankenhaus kontaktieren zu müssen, damit die schmerzfreie Versorgung des Sterbenden geleistet werden kann.

          Vielleicht gibt es in eurer Nähe ein Hospiz oder eine Klinik mit Palliativ-Station. Wenn ihr rechtzeitig auch auf diese letzten Schritte vorbereitet seid, dann fällt es euch nachher nicht so schwer, an alles zu denken, was euch den Abschied leichter macht. Und dass es leichter ist, die Trauer schon bei der Sterbebegleitung zu beginnen, das weiß ich, seit ich mit der Familie bei meinem Schwiegervater am Bett gesessen und bis zu seinem letzten Atemzug ausgeharrt habe. Wenn ich jemals wieder Abschied nehmen muss, dann auf diese Weise und nicht anders. Es tut sonst zu lange zu weh.

          Weiterhin viel Kraft und Liebe wünscht euch

          Anke

          Kommentar


          • RE: Lungenmetastasen - Endstadium?


            Wir glauben zu wissen, was auf uns zukommt. Aber der Hausarzt hat schon grünes Licht gegeben und wird Roman zu Hause betreuen. Aber zu Sicherheit werden wir versuchen ein Hospitz aufzutreiben und wenn es nur darum geht, uns mal von der Last zu erholen.

            Danke für die mail, sie hilft mir ein bisschen ruhiger zu werden.

            Ilupeju


            ilupeju schrieb:
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            Was haben Patienten und Angehörige zu erwarten, wenn der Krebs ins Endstadium kommt? Ich konnte bisher keinen Beitrag über erfolglose Krebsbehandlungen finden.

            Mein Bruder kam am Donnerstag ins Krankenhaus. Leider war bisher kein Arzt zu sprechen, weil der eine sich in den Fall noch nicht eingelesen hatte, der zweite nicht zur Station gehörte usw. Bisher wurde ich nur auf den Montag vertröstet, denn da sind alle wieder da.

            Nun noch eine konkrete Frage: Ist die Lungenentzündung und Dauerhusten ein Anzeichen, dass die Lebermetastasen sich vermehrten? Die Chemo für Montag ist bereits abgesagt, wegen des schlechten Gesundheitszustandes.

            Ilupeju

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