Schleifendiuretika

Wirkstoffgruppe || Quellen (Stand: 14. November 2007)

auch bezeichnet als:
high-ceiling-Diuretika

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Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Schleifendiuretika" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Schleifendiuretika sind Wirkstoffe, die der Entwässerung des Körpers dienen. Aufgrund ihrer sehr starken und rasch einsetzenden Wirkung sind Schleifendiuretika immer dann wertvoll, wenn man eine schnelle und intensive Wirkung erreichen will.

Schleifendiuretika haben drei Einsatzgebiete: Die Behandlung von Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), von Bluthochdruck und von akuten Vergiftungen.
  • Häufige Ursache von Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) ist die mangelnde Funktion von Organen wie Herz, Niere und Leber.

    1. Bei Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) reicht die Herzleistung nicht aus, die Niere richtig mit Blut zu versorgen. Die Niere versucht daher, ihre Blutzufuhr durch Erhöhung des Blutdrucks zu steigern. Das erreicht sie auf zwei Wegen: durch Ausschüttung des Stoffs Angiotensin II, der die Gefäße zusammenzieht, und durch Produktion des Hormons Aldosteron, das die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser bremst. Beides zusammen sorgt für einen höheren Druck im Gefäßsystem, was das Herz zusätzlich belastet. Andererseits führt der Druck auch zum Übertritt von Flüssigkeit in das Gewebe, also zu Wassereinlagerungen.

    2. Zu so genannten nierenbedingten Ödemen kommt es zum Beispiel bei Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis). Diese Krankheit führt zu vermehrter Zurückhaltung von Kochsalz und des daran gebundenen Wassers im Körper. Auch ein so genanntes nephrotisches Syndrom kann nierenbedingte Ödeme verursachen. Es kommt dabei zu einer gesteigerten Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin und einem entsprechenden Eiweißmangel des Bluts. Das Blut wird "wässriger", es entlässt mehr Flüssigkeit durch die Gefäßwände in das Gewebe.

    3. Ist die Leber geschädigt, wird weniger Eiweiß produziert und ins Blut ausgeschieden. Auch hier entlässt das "wässrige" Blut Flüssigkeit durch die Gefäßwände, wodurch sich im Gewebe Wasseransammlungen bilden.
  • Die unterstützende Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) mit Schleifendiuretika beruht auf folgendem einfachen Effekt: Durch die vermehrte Wasserausscheidung verringert sich die Menge des kreisenden Blutes und der Druck in den Gefäßen sinkt. Zur Blutdrucksenkung werden einzelne Schleifendiuretika alleine, aber auch in Kombination mit anderen Blutdrucksenkern wie ACE-Hemmern, Betablockern und Calciumkanalblockern eingesetzt.
  • Bei Vergiftungen wird die starke Entwässerung durch die Schleifendiuretika zur Ausschwemmung von Giftstoffen aus dem Körper (forcierte Diurese) genutzt.
Zu den Schleifendiuretika gehören Bumetanid, Furosemid, Piretanid, Torasemid und Etacrynsäure.

So wirken Schleifendiuretika

Die Niere besteht aus einem Gewebe unzählicher winziger Röhrchen. An einem Ende besitzen sie ein Bläschen, das von Blutgefäßen umfangen ist. Hier findet die Filtration des Blutes statt. Schadstoffe, aber auch Mineralien und Wasser werden in das Bläschen ausgeschieden. Diese Lösung läuft das Röhrchen entlang in das Nierenbecken und dann in den Harnleiter.

An verschiedenen Stellen des Röhrchens sorgen Transporteiweiße für die teilweise Wiederaufnahme der Mineralien und des Wassers. So kann der Wassergehalt des Körpers je nach Bedarf geregelt werden. An einer solchen Stelle, der Henle‘schen Schleife, greift die Wirkung der so genannten Schleifendiuretika an. Sie blockieren ein Eiweiß, das für den Rücktransport und die Wiederaufnahme von Kalium, Natrium und Chlorid und dem an sie gebundene Wasser aus dem Harn sorgt. So erreichen die Schleifendiuretika eine verstärkte Ausscheidung der Mineralien und des Wassers. Schleifendiuretika sind stark wirksam. Wenn man genügend trinkt, ist es möglich, eine Harnausscheidung von 35 bis 45 Litern pro Tag zu erreichen.

Die vermehrte Ausscheidung von Mineralsalzen und Wasser durch die Schleifendiuretika möchte der Körper durch eine Gegenregulation ausgleichen. Werden die Schleifendiuretika abgesetzt, bleibt nach Behandlungsende anfangs diese Gegenregulation erhalten. Sie führt zu einer verminderten Harnmenge und damit wieder zur Bildung von Ödemen. Schleifendiuretika dürfen daher nicht plötzlich abgesetzt werden, sondern müssen nach Anweisung des Arztes ausschleichend dosiert werden. Aufgrund ihrer starken Wirksamkeit sind Schleifendiuretika vorsichtig einzusetzen. Es ist auf einen ausgeglichenen Wasserhaushalt und einen entsprechenden Ersatz von Natrium, Chlorid und Kalium zu achten.

Die einzelnen Schleifendiuretika unterscheiden sich durch die Menge, in der sie vom Körper aufgenommen werden, sowie durch die Dauer ihres Verbleibs im Körper und damit durch die Länge ihrer Wirkung. Bei Furosemid und Bumetanid hält der entwässernde Effekt nur über kurze Zeit an. Zur Behandlung akuter Wasseransammlungen wird Furosemid gespritzt oder beide werden mit weiteren Entwässerungsmitteln kombiniert. Torasemid und Piretanid allerdings eignen sich aufgrund ihres langen Verbleibs im Körper auch gut zur alleinigen Behandlung von Bluthochdruck und Herzmuskelschwäche. Für diese Anwendungsgebiete werden beide Substanzen aber gleichfalls oft mit anderen Wirkstoffen kombiniert.

Etacrynsäure stellt einen Sonderfall dar. Sie ist ein prodrug. Eigentlich wirksam ist ihr Stoffwechselprodukt, das den Wirkungsmechanismus der Schleifendiuretika zeigt. Wegen ihrer schweren Nebenwirkungen auf das Gehör wird Etacrynsäure heute nur noch in der Klinik als Injektion verwendet.




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