Das Bild zeigt einen Jungen und einen Hund.
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Würmer (Helminthen)

Unter dem Begriff Würmer (fachsprachlich: Helminthen) versteht man mehrzellige, als Parasiten lebende Organismen, zu denen biologisch gesehen die Stämme der Plattwürmer (Plathelminthen) und Fadenwürmer (Nematoden) zählen.

Allgemeines

Die zu den Helminthen zählenden Spezies leben parasitär, das heißt der Lebenszyklus der Würmer erfordert einen oder mehrere Wirte beziehungsweise Zwischenwirte, zu denen auch der Mensch gehören kann. Die Würmer gelangen hierbei in der Regel über mit Wurmeiern oder Wurmlarven kontaminierte Nahrung oder verunreinigtes Wasser in den Körper. Auch über den direkten Kontakt zu befallenen Tieren kann es beim Menschen zu einer Infektion mit Würmern kommen (z.B. Hundebandwurm). Einige Helminthen-Arten können auch über Stechmücken, Kriebelmücken oder Fliegen übertragen werden (z.B. Onchocerca volvulus), diese Arten leben jedoch nicht in Mitteleuropa. Im Körper entwickeln sich die Eier oder Larven zu ausgewachsenen Würmern weiter, die wiederum Eier beziehungsweise Larven produzieren können.

Würmer können beim Menschen zu zahlreichen Erkrankungen führen. Welche Symptome dabei auftreten, hängt zum eine von der Art der Würmer und zum anderen oft auch von der Zahl der Würmer im Körper ab. Bei geringem Wurmbefall kann die Erkrankung unter Umständen völlig unbemerkt bleiben. Zur Behandlung von Wurmerkrankungen stehen verschiedene Wurmmittel (Antihelminthika) zur Verfügung.

Am häufigsten kommt es in Deutschland durch Nematoden (z.B. den Madenwurm Enterobius vermicularis) zu gesundheitlichen Problemen. Sie verursachen gut 90 Prozent aller Wurmerkrankungen. Erkrankungen durch Bandwürmer machen dagegen nur circa 9 Prozent aller Wurmerkrankungen aus, während Saugwürmer nur in etwa 1 Prozent der Fälle Ursache für einen Wurmbefall sind.

Vor einer Erkrankung durch Würmer kann man sich nicht direkt schützen. Sie können einer Wurminfektion jedoch durch verschiedene Maßnahmen indirekt vorbeugen und das Infektionsrisiko dadurch reduzieren, wobei diese Maßnahmen je nach Wurmart variieren können. Einer Infektion mit dem Fuchs- oder Hundebandwurm können Sie zum Beispiel mit folgenden Tipps vorbeugen:

  • Entwurmen Sie Haustiere wie Hunde und Katzen regelmäßig.
  • Waschen Sie sich nach dem Kontakt zu möglichen Endwirten (z.B. Hunde, Katzen, Füchse) die Hände.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse, das durch Tierkot verunreinigt sein könnte, vor dem Verzehr gründlich (z.B. Waldbeeren, Pilze, Fallobst, Salat Gemüse). Das gilt insbesondere für Selbstgepflücktes und Selbstgesammeltes.

Plattwürmer (Plathelminthen)

Ihren Namen haben Plattwürmer (Plathelminthen) wegen ihrer typischen, eher platten Körperform. Wissenschaftlich gesehen unterteilt man die Plattwürmer in:

  • Saugwürmer (Trematoden) und
  • Bandwürmer (Zestoden).

Saugwürmer (Trematoden)

Die sogenannten Saugwürmer (Trematoden) haben eine abgeplattete Körperform und ein ovales bis lanzettförmiges Aussehen. Sie besitzen zwei Saugnäpfe als Haftorgane, einen Mundsaugnapf und einen Bauchsaugnapf. Mithilfe der Saugnäpfe saugen sich die Trematoden im Wirtskörper fest. Der Mundsaugnapf umgibt dabei die Mundöffnung der Trematoden. Die Mundöffnung ist zwar mit einem Verdauungstrakt verbunden, dieser endet jedoch blind. Nährstoffe nehmen die Trematoden über ihre Körperoberfläche auf.

Die meisten Saugwürmer sind Zwitter, das heißt sie besitzen sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Nur die Trematoden-Gattung Schistosoma ist getrenntgeschlechtlich.

Für die Trematoden sind Schnecken die ersten Zwischenwirte, die zweiten Zwischenwirte sind bei einigen Arten Arthropoden oder Fische. Nicht alle Trematoden lösen beim Menschen Erkrankungen aus.

Tabelle: Ausgewählte Trematoden-Arten

Name Erkrankung Verbreitung
Schistosoma haematobium (Pärchenegel) Schistosomiasis (Bilharziose) Afrika, Madagaskar, Vorderasien bis Irak
Schistosoma mansoni Schistosomiasis (Bilharziose) Afrika, Madagaskar, Arabien, Brasilien, einige Karibische Inseln
Schistosoma japonicum Schistosomiasis (Bilharziose) China, Philippinen, Indonesien
Fasciola hepatica (großer Leberegel) Fasciolasis v.a. in Mittel- und Südamerika, Südfrankreich, England, Nordafrika – in Deutschland selten
Dicrocoelium dendriticum (kleiner Leberegel, Lanzettegel) Dicrocoeliasis weltweit, v.a. Nordhalbkugel
Opisthorchis felineus (Katzenleberegel) Opisthorchiasis Osteuropa, Ukraine, Westsibirien
Clonorchis sinensis (chinesischer Leberegel) Clonorchiasis Russland, China, Korea, Taiwan, Japan
Paragonimus westermani (Lungenwurm) Paragonimiasis Ost- und Südostasien

Bandwürmer (Zestoden)

Die Bandwürmer (Zestoden) gehören zu den Plathelminthen (Plattwürmer) und bestehen im ausgewachsenen Stadium aus einem Kopfabschnitt (Scolex), einem Hals und einem Abschnitt aus vielen kettenartigen Gliedern. Wie die Saugwürmer (Trematoden) nehmen sie Nährstoffe aus ihrer Umgebung über ihre Körperoberfläche auf. Sie besitzen keine Verdauungsorgane und entwickeln sich über ein oder zwei Zwischenwirte.

Einige Bandwurm-Arten leben im ausgewachsenen (adulten) Stadium als Parasiten im Dünndarm des Menschen. Die Larvenstadien (Finnen) entwickeln sich in Geweben des menschlichen Körpers und können dadurch größeren Schaden anrichten als die im Dünndarm lebenden ausgewachsenen Stadien.

Zu einer Infektion mit Bandwürmern kommt es beim Menschen durch Eier oder Larven, die über den Mund in den Körper gelangen (z.B. durch verunreinigte Nahrung).

Tabelle: Ausgewählte Zestoden-Arten

Name Erkrankung Verbreitung
Diphyllobothrium latum (Fischbandwurm) Fischbandwurm-Infektion Binnenseen in Mitteleuropa, Donaudelta, Ostseeländer, Sibirien und Wolgabecken, Japan, Nordamerika
Taenia saginata (Rinderbandwurm) Rinderbandwurm-Infektion weltweit
Taenia solium (Schweinebandwurm) Schweinebandwurm-Infektion weltweit, v.a. in Osteuropa, China, Madagaskar, Südafrika, Mexiko bis Südamerika
Echinococcus granulosus (kleiner Hundebandwurm) Hundebandwurm-Infektion weltweit, in Nord- und Mitteleuropa dank Fleischbeschau selten
Echinococcus multilocularis (kleiner Fuchsbandwurm) Fuchsbandwurm-Infektion v.a. Nordhalbkugel, insbesondere in Europa, Asien (Türkei, Iran, Japan), Nordamerika (Alaska, Kanada, nördliche und zentrale USA)
Hymenolepsis nana (Zwergbandwurm) Zwergbandwurm-Infektion (Hymenolepiasis) Tropen und Subtropen

Nematoden (Fadenwürmer)

Nematoden bezeichnet man auch als Rundwürmer oder Fadenwürmer. Wie die Plattwürmer sind sie ein Stamm der Helminthen (Würmer). Nematoden haben eine eher runde Körperform ohne Segmente auf und können einen Millimeter bis einen Meter lang werden.

Nematoden sind getrenntgeschlechtlich, das heißt es gibt weibliche und männliche Tiere mit den entsprechenden Geschlechtsorganen. Fadenwürmer besitzen eine komplex aufgebaute Körperhülle (Integument) sowie verschiedene innere Organe. Über ihre Längsmuskulatur können sie sich schlängelnd bewegen.

Vom Erkrankungsbild her unterscheidet man Nematoden-Arten, die den Darm besiedeln, von Arten, die andere Körpergewebe oder die Gefäße befallen.

Tabelle: Ausgewählte Nematoden-Arten

Name Erkrankung Verbreitung
Enterobius vermicularis (Madenwurm) Oxyuriasis (Enterobiasis) weltweit (gemäßigte Klimazonen)
Ascaris lumbricoides (Spulwurm) Askariasis v.a. Südostasien, Afrika, Lateinamerika; in Mitteleuropa selten
Ancylostoma duodenale / Necator americanus Hakenwurmkrankheit Tropen, Subtropen
Strongyloides stercoralis (Zwergfadenwurm) Strongyloidiasis v.a. in Ländern mit feuchtwarmem Klima
Trichinella spiralis (Trichinen) Trichinellose weltweit
Trichuris trichiura (Peitschenwurm) Trichuriasis (Peitschenwurm-Infektion) weltweit, v.a. feuchtwarme Gebiete mit schlechten Hygienebedingungen

Filarien

Zu den Nematoden zählen auch die Filarien – unter diesem Begriff versteht man bestimmte Vertreter der beiden Nematoden-Familien Filariidae und Onchocercidae. Häufig wird der Begriff Fadenwürmer auch synonym für die Überfamilie Filarien verwendet.

Filarien weisen eine fadenförmige Körperstruktur auf. Bei den Filarien-Arten, die beim Menschen vorkommen, können die ausgewachsenen Stadien (Makrofilarien) 2 bis 50 Zentimeter lang werden.

Tabelle: Ausgewählte Filarien-Arten

Name Erkrankung Verbreitung
Wuchereria bancrofti lymphatische Filariose Tropen und Subtropen
Onchocerca volvulus Onchozerkose (Flussblindheit) Westafrika bis Angola, Zentral- u. Ostafrika; Mexiko bis nördliches Brasilien und Ecuador; isolierter Herd in Jemen
Loa loa (afrikanischer Augenwurm) Loiasis v.a. in tropischen Regenwaldgebieten in West-, Zentral- und Ostafrika

Würmer: Therapie

Wann zum Arzt?

Treten nach einem Aufenthalt in tropischen oder subtropischen Gebieten Verdauungsstörungen wie Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe auf, sollte zur Ursachenfindung ärztlicher Rat aufgesucht werden. Das gilt ebenso bei Fieber unklarer Ursache, Husten mit Auswurf oder anderen Krankheitserscheinungen.

Treten Blutungen aus dem Darm, beim Husten oder blutiges Erbrechen auf, sollte sofort ein*e Ärzt*in aufgesucht werden. Finden sich beim Stuhlgang ungewöhnliche Strukturen im Kot, sollte ebenfalls eine diagnostische Abklärung erfolgen.

Wenn Kinder über starken nächtlichen Juckreiz im Bereich des Afters klagen, schlecht schlafen und in einem insgesamt schlechten Allgemeinzustand sind, ist ebenfalls ein Arztbesuch erforderlich.

Unklare Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und eine Gelbfärbung der Haut und der Augen sind Anzeichen für eine Störung der Leberfunktion und bedürfen auf jeden Fall einer ärztlichen Abklärung.

Was kann bei Wurmerkrankungen helfen?

Welches Mittel gegen Wurmerkrankungen (Anthelminthika) zum Einsatz kommt, wird nach der Art der Würmer entschieden. Es stehen eine ganze Reihe von Wirkstoffen wie etwa Albendazol, Mebendazol, Niclosamid, Pyrantel oder Praziquantelzur Verfügung.

Bei Bandwürmern und Schistosomen ist zum Beispiel der Wirkstoff Praziquantel, bei RundwürmernMebendazol am besten wirksam und verträglich. Diese Mittel führen letztendlich zum Tod und zur Ausscheidung der Würmer.

Die einzelnen Wirkstoffe unterscheiden sich zum einen in ihrem Wirkmechanismus, zum anderen in ihrer Verteilung im menschlichen Körper. Dabei ist eine Wirkung im Darm wesentlich einfacher zu erzielen als eine Wirkung in abgekapselten Zysten in der Leberoder anderen Organen. Dementsprechend variieren die Behandlungsdauer, die Dosis der angewendeten Mittel und die entsprechenden Nebenwirkungen.

Das können Sie selbst tun

Die Ansteckung mit Würmern lässt sich vor allem durch eine gute Hygiene vermeiden. Regelmäßiges Händewaschen nach dem Toilettengang und vor dem Essen verringert die Gefahr einer Ansteckung.

Bei Reisen in tropische und subtropische Länder werden strenge Hygienemaßnahmen empfohlen. Auf den Verzehr von ungekochten Speisen, Obst, Gemüse, Salat und Wasser sollte verzichtet werden. Das gilt besonders für rohes oder nur halbgares Fleisch.

Katzen, Hunde und Nagetiere im gemeinsamen Haushalt sollten regelmäßig (vierteljährlich) entwurmt werden.