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So jung schon Demenz?

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  • So jung schon Demenz?

    Lieben Forum, bevor ich mich völlig verrückt mache hoffe ich, hier den einen oder anderen Rat zu bekommen.
    Mein Vater ist 66 und war immer sehr jung für sein Alter (mit 64 auf die Loveparade „Nur mal gucken, was da los ist“ , letztes Jahr noch für 4 Wochen allein mit dem Motorrad durch Norwegen).
    Seit 9 Monaten baut mein Vater allerdings extrem schnell ab. Ich sehe ihn alle 3-4 Wochen und erschrecke mich jedesmal, wie sehr er sich verändert.

    Seine Figur hat sich trotz normalen Essens völlig verändert. Vor einem Jahr noch gut im Futter, ist er nun richtig schmächtig mit regelrecht dürren Beinen. (laut Check up -Untersuchung ist gesundheitlich alles bestens)

    Seit kurzem nuschelt er, seine Worte überschlagen sich/wirken hektisch. Mitten im Satz vergisst er plötzlich Namen.
    Mein Vater war immer ein Organisationstalent und Logiker. Jetzt macht er die einfachsten Dinge sehr kompliziert. Kürzlich z.B. war ein Lampenschirm schief. Statt ihn einfach anzufassen und gerade zu schieben (hat er schon 100x gemacht), war er total unsicher. Es schien, als würde er überhaupt nicht wissen wie, wo und wie fest er den Lampenschirm überhaupt festhalten kann. Er brauche 3 Anläufe bis er ihn angefasst hat…
    Kurz: er ist manchmal richtig tüddelig!

    Er war immer sehr ausgeglichen. Bevor er sich stritt, räumte er lieber das Feld. Meine Mutter berichtet aber, dass er immer häufiger bei Kleinigkeiten aus der Haut fährt, regelrecht zickig wird, wenn man ihm widerspricht. Er behauptet steif und fest Dinge, die so nicht waren; mal liegen sie länger, mal nur 1 Tag zurück.
    Meine Mutter ist derzeit denke ich „betriebsblind“. Sie ist einfach nur genervt, ärgert sich über Papa…

    Ich mache mir riesige Sorgen. Wenn er sich in nur 9 Monaten so verändert hat, wie soll das weitergehen?

    Kann diese Veränderung eine erste Demenz sein? So früh? Mit gerade 66 Jahren?

    Ich habe mal gehört, dass meine Großmutter bereits Ende 50 nicht mehr „Herrin ihrer Sinne“ war. Allerdings weiß ich nicht, ob damit Demenz oder eine psych. Erkrankung gemeint war, da ich sie nicht kenne.

  • Re: So jung schon Demenz?


    Liebe(r) Saturn80,
    am besten versuchen Sie einmal, mehr Zeit mit ihrem Vater zu verbringen, notieren nachher die Auffälligkeiten und bitten seinen Hausarzt um ein erstes Gespräch. Dieser kann dann besser abschätzen, ob und welche Untersuchungen gemacht werden sollten. Wichtig ist, die Sache möglichst ruhig anzugehen, um ihren Vater, der ja bestimmt auch unter seinen Einschränkungen leidet, nicht noch mehr zu verunsichern.

    Es gibt Beratunsstellen. An die können Sie sich auch jederzeit wenden. So etwas zum Beispiel:
    http://www.caritas-pb.de/caritas_pb/...echstunde.html

    Falls es eine Demenz ist, muss man sich vorstellen, was das für ein Stress für die Betroffenen ist. Wenn man ihnen dann Freund und Verbündeter sein kann, hilft das sehr, um gemeinsam Hilfe zu suchen.

    Und vielleicht ist es etwas anderes, was man behandeln kann.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute,
    Eva Franziska




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    Mein Steckbrief (Stand Januar 2010): Mutter, 86, betreut von mir (Tochter), 52, selbstständig. Keine weiteren Verwandten; Wohnen im selben Haus; Schweregrad: Anfang mittleres Stadium; Verstärkte Auffälligkeiten seit zirka 2006 nach Narkose wegen Arm-OP. Therapie nach Diagnose seit August 2009: Citalopram 20mg, Aricept 5mg, 1-2x/Woche Krankengymnastik wegen Gang-Ataxie; 1x/Woche tiergestützte Ergotherapie mit Hirnleistungstraining; 1x/Woche 2Std. Betreuung (über Betreuungsgeld) durch eine befreundete Ergotherapeutin mit Austausch über verschiedene Lebensthemen. Ich versuche hauptsächlich mit Hilfe integrativer Validation (Nicole Richard) die Grundstimmung zu stabilisieren.

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    • Re: So jung schon Demenz?


      Lieber Saturn,
      lassen Sie die Dinge nicht weiter im Umgewissen laufen, auch wenn es schwierig wird, lassen Sie Ihren Vater neurologisch untersuchen. Die Ausfälle können die verschiedensten Ursachen haben, aber in jedem Falle ist es wichtig, frühstmöglich zu therapieren - egal um welche Erkrankung es sich handelt. Sollte es sich tatsächlich um eine Alzheimer Demenz handeln, so stehen doch z.B. die Cholinesterasehemmer Exelon, Reminyl und Aricept zur Verfügung, die in unserem Fall (Exelonpflaster) eine deutliche Besserung brachten und uns wertvolle zwei Jahre schenkten. Zögern Sie also nicht - versuchen Sie Ihrem Vater klar zu machen, dass man etwas tun kann, damit er sich wieder besser fühlt. Gehen Sie mit dem Begriff Demenz zurückhaltend um, sprechen Sie besser von Mitteln, die das Gedächtnis stärken oder die Durchblutung verbessern. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Ihrem Vater, dass er sich auf den Arztbesuch (besser eine Gedächtnisambulanz oder Neurologische Klinik) einlässt.
      Herzlichst Leona

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      • Re: So jung schon Demenz?


        Ihnen beiden ganz herzlichen Dank. Manchmal kommt man vor lauter "Betriebsblindheit" nicht auf die einfachsten Dinge...alles Auffällige aufzuschreiben und zu beobachten ist ein toller Tipp, auf den ich gar nicht mehr gekommen bin. Danke!
        Ich werde im nächsten Monat gemeinsam mit ihm in den Urlaub fahren und hoffe dann klarer zu sehen, wenn ich 24 Std. am Tag mit ihm zusammen bin. Sicher bietet sich dann auch Gelegenheit, in Ruhe über einen Arztgang zu reden.

        Herzlichen Dank!

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        • Re: So jung schon Demenz?


          Hat sich dein Verdacht der Demenz eigentlich bestätigt? Manchmal kann die Ursache für ein solches Verhalten auch einfacherere Gründe haben, z.Bsp. falsche Medikamenteneinnahme. Medikamente richtig nehmen, ist wichtig und wird häufig unterschätzt und kann auch u.U. zu solchen Symptomen führen wie du sie bei deinem Vater schilderst.

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          • Re: So jung schon Demenz?


            Hallo, ich war auch völlig überrascht mit meinem Mann,er ist heute 61.
            Er konnte im Dez 2003 die Altersteilzeit noch beantragen.
            Diese begann am 1.9.2004 und sollte am 1.9.2009 enden.
            Also 2.5 Jahre voll arbeiten und 2.5. Jahre Ruhe und dann ab in die Rente.Bis ca Jan.2005 ging alles gut, dann wurde er vergesslicher und hatte auch einen Auffahrunfall nur mit Blechschaden.Wir gingen zu unserem Hausarzt , weil er viele Sachen verlegte oder einfach nicht mehr fand. Mein Mann wurde krankgeschrieben, weil er auch noch Beschwerden mit dem Rücken und den Knien hatte. Er hat immer körperlich schwer gearbeitet. Ich wollte eine Überweisung zum Neurologen. Ich bekam diese, hatte aber den Eindruck das der Hausarzt meinte man man würde symolieren um schneller zu Hause bleiben zu können. Der Neurologe stellte fest das mein Mann Deppressionen hat und er bakam dagegen ein Mittel Citalopram oder ähnl. Der Zustand wurde aber nicht besser und bei meinem Mann wurde im Krankenhaus ein Kopfuntersuchung vorgenommen und ein Demenztest gemacht. Das Ergebnis war beginnende Demenz wurde aber vom Neurolgen ignoriert und er bakam das gleiche Medikament wie vorher.Dann beantragten wir eine Kur die auch bewilligt wurde. Das war dann Mai 2006.Mein Mann ging nicht zu den Anwendungen weil er nicht mit der Zeit zurecht kam oder den Raum nicht fand. Er schrieb sich seine Zimmernummer auf die Hand und die Straße. Ich mußte zum Kurort fahren um meinem Mann behilflich zu sein. Ich holte ihn auch wieder ab und die Kur brachte nicht den gewünschten Erfolg.Seine Fähigkeiten zu malen und zu werkeln alles handwerkliche konnte er nicht mehr. er wurde weiter krank geschrieben bis zum Ende der Arbeitszeit März 2007. Aber auch zu Hause besserte sich der Zustand meines Mannes nicht. Wir gingen zu einem anderen Psyscholgen/Neurolgen Ende 2007, dieser stellte fest das er ein fortgeschritte Demenz hat .Dort bekam er Remynil erst 8mg/16mg/ dann 24 mg. Der Arzt verbot meinem Mann auch das Autofahren , das macht er schon nicht mehr aber es wurde verboten das ist dann ein Unterschied.Seit 2009 hat mein Mann Pflegestufe II , ich bin seine Betreuerin . Mein Mann kann heute sich nicht mehr richtig anziehen , weiß nicht immer wo die Toilette ist kann nicht mehr schreiben oder rechnen. Er kann sich noch unterhalten es hat aber oft keinen Sinn . Er sieht Dinge die nicht vorhanden sind. Er geht jetzt einen Tag in der Woche in die Tagespflege. Bei der ganzen Körperpflege braucht er Hilfe. Beim Essen muß alles kleingeschnitten werden.Er ist wie das 3 Kind. Anfangs bin ich verzweifelt aber im Laufe der Jahre wächst man mit der Aufgabe.Unsere Söhne helfen auch wenn es nötig ist. Er weiß das er krank ist und möchte auch oft helfen bei der Arbeit . Er schält dann Kartoffeln und einfache Sachen wie spülen oder etwas tragen beim Einkaufen wir machen alles zusammen.Er weiß auch schon zum Teil nicht mehr wie unsere Kinder heißen oder wo sie wohnen. Aber so ist das Leben in Guten wie in schlechten Zeiten.Ich hoffe immer daß es so bleibt, aber ich merke selber wie alle Fähigkeiten nachlassen. Ich wünsche Euch allen Kraft und versucht die Zeit so schön wie möglich zu gestalten. LG Sonnenberg. Ps. Ich bin 56 Jahre

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            • Re: So jung schon Demenz?


              Hallo an "So jung schon Demenz", mein Mann erhielt die Diagnose Alzheimer-Demenz mit 50 Jahren. Wenn ich genau bedenke, fielen mir erste Ausfälle schon 10 Jahre davor auf, die man aber nie in diese Richtung interpretiert hätte. Ansonsten dachte ich immer an beruflichen Stress, mein Mann arbeitete 200km entfernt vom Heimatort, war Wochenendpendler. Auf der Arbeit, er war Ingenieur, fielen die Probleme auch auf und der Betriebsarzt rief mich eines Abends an und meinte, ich soll meinen Mann aus dem Verkehr ziehen,er hätte wohl Alzheimer.Ich habe das einfach nicht geglaubt und alle möglichen anderen Krankheiten gesucht, die ebenfalls in Frage kommen könnten. Mein Mann war längere Zeit in einer Uniklinik, alles wurde bedacht, aber nein, keine Chance Ich war zu dem Zeitpunkt 48 Jahre alt, unser jüngster Sohn 11. Es war der totale Schock und ich habe bestimmt ein halbes Jahr gebraucht, um selbst wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen.Mein Mann erhält 10mg Aricept und 20mg Axura. Es geht ihm, und damit uns, noch immer besser als 2008, als alles begann. Ich arbeite weiterhin voll als Lehrerin, mein Mann macht, so gut es geht, den Haushalt. Mit Zetteln und gewissen Abstrichen ist es ganz ok. Der mmst ergab 18 Punkte,damit man den Stand vielleicht einschätzen kann. Bei Diagnosestellung waren es 16 Punkte, zwischendurch 21, nach Einsetzen der Medikamente. Trotzdem ist es alles ganz schön blöd, mit Sicherheit nicht das, wie wir uns das Leben vorgestellt haben, aber ich weiß, dass es auch schlimmere Schicksale gibt und wir versuchen auch, unsere Zeit, so gut es geht zu genießen. Ich ärgere mich manchmal über mich selbst, wenn ich nicht gut genug vorausdenke oder ungeduldig bin. Gibt es jemanden in ähnlicher Situation wie uns? Ich denke damit vor allem an unser dafür doch recht "junges" Alter und unseren Sohn. Der geht allerdings und zum Glück so lieb und geduldig mit seinem Papa um, dass ich darüber staune. Die Eltern meines Mannes sind 75 und 80 Jahre alt und bei vollem Verstand. Für die ist es natürlich auch schlimm, diese Diagnose für ihren Sohn zu akzeptieren,für seltsamerweise auch den einzigen aus der Familie, der Abitur und Studium hat, auch seltsam.
              Na ja, das ist unser Beitrag von wegen "zu jung..." Alles Gute!

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