Jenacard retard 20mg/-60mg

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 18.09.2007
Hersteller: MIBE GmbH Arzneimittel
Wirkstoff: Isosorbiddinitrat
Darreichnungsform: Retardkapsel
Rezeptpflichtig

Wirkung

Jenacard retard 20mg/-60mg enthält den Wirkstoff Isosorbiddinitrat.

Isosorbiddinitrat wird hauptsächlich zur Vorbeugung und als dauerhafte Therapie der Brustenge (Angina Pectoris) eingesetzt. Hier kommt es als Verzögerungspräparat (Retardpräparat) zum langfristigen Einsatz.

Daneben kann es auch für die Behandlung eines akuten Anfalls der Brustenge (Angina Pectoris) gegeben werden, dann wird es allerdings als Tablette unter die Zunge (sublingual) gegeben.

Ferner werden bestimmte Arzneimittel mit diesem Wirkstoff zur Behandlung der akuten oder andauernden Herzmuskelschwäche eingesetzt. Teilweise wird auch ein akuter Herzinfarkt mit dem Wirkstoff behandelt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Isosorbiddinitrat sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen gefäßerweiternde Mittel auf Nitro-Basis, durchblutungsfördernde Mittel, zu welcher der Wirkstoff Isosorbiddinitrat gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • Vorbeugung vor Angina Pectoris und Langzeitbehandlung der Angina Pectoris

Dosierung

Die Dosierung ist abhängig von Art und Schwere der Erkrankung.
Häufig wird jedoch zweimal täglich eine Retardkapsel Jenacard retard 20 Milligramm oder einmal täglich eine Retardkapsel Jenacard retard 40 Milligramm oder Jenacard retard 60 Milligramm eingenommen.
Die Kapseln werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Maisstärke
  • Farbstoff E 132
  • Farbstoff E 127
  • Farbstoff E 171
  • Gelatine
  • Lactose
  • Saccharose
  • Schellack
  • Talkum

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen (Nitratkopfschmerz, besonders zu Behandlungsbeginn)

Häufige Nebenwirkungen:
Erstanwendung/Dosiserhöhung: Störungen der Kreislaufregulation wie Blutdruckabfall, Pulsanstieg, Schwindel, Schwächegefühl.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übelkeit, Erbrechen, flüchtige Hautrötungen (Flush), allergische Hautreaktionen, starker Blutdruckabfall mit Verstärkung der Symptomatik der Brustenge, Kollaps, Ohnmacht, Herzrhythmusstörungen.

Seltene Nebenwirkungen:
allergische Hautreaktionen, Hautrötung, allergische Kontaktentzündung der Haut, Übelkeit, Erbrechen, Symptome der Herzenge (Angina Pectoris) wie Herzschwäche oder Sauerstoffmangel (Hypoxämie).

Sehr seltene oder vereinzelte Nebenwirkungen:
Hautentzündung mit Bläschenbildung und Hautablösung (exfoliative Dermatitis/Stevens-Johnson-Syndrom), Schwellung von Haut und Schleimhäuten (Angioödem).

Besonderheiten:
Gerade im Falle einer Erstbehandlung oder nach einer Dosiserhöhung kann es bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit zu Symptomen der Brustenge und zu Blutdruckabfall, Benommenheit, Schwindel, Schwächegefühl sowie Herzschlagerhöhung (Tachykardie) kommen.

Der Körper gewöhnt sich an die Wirkung des Isosorbiddinitrats. Deshalb kann es sein, dass die Wirkung im Verlauf der Behandlung abnimmt (Toleranzentwicklung). Dies muss bei der Einnahme berücksichtigt werden.

Eine Erhöhung der Dosis und eine Änderung der Abstände zwischen den Wirkstoffgaben können zu Wirkungsabschwächung und Wirkungsverlust führen.

Wechselwirkungen

Das Arzneimittel zeigt Wechselwirkungen mit allen Medikamenten, die ebenfalls blutdrucksenkend wirken. Dazu zählen Vasodilatatoren, Ca-Antagonisten, Betablocker, ACE-Hemmer und entwässernde Mittel.

Aber auch andere Substanzen wie Alkohol, Phosphodiesterasehemmer (z. B. Mittel gegen Erektionsstörungen wie Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil) oder Arzneimittel wie Neuroleptika und tri- und tetrazyklische Antidepressiva, die auf die Psyche einwirken, verstärken die blutdrucksenkende Wirkung.

Dagegen wird die blutdrucksteigernde Wirkung von Dihydroergotamin verstärkt.

Die Wirkung von Heparin kann durch gefäßerweiternde Mittel auf Nitro-Basis abgeschwächt werden.

Gegenanzeigen

Isosorbiddinitrat darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere gefäßerweiterndee Mitteln auf Nitro-Basis besteht.

Der Wirkstoff darf nicht angewendet werden bei akutem Kreislaufversagen. So ein Kreislaufkollaps kann beispielsweise durch einen allergischen Schock oder ein Herzversagen ausgelöst werden. Auch bei einem sehr niedrigen Blutdruck ist der Einsatz von Isosorbiddinitrat nicht angezeigt.

Wird der Patient mit Phosphodiesterasehemmern beispielsweise gegen Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion) behandelt, darf Isosorbiddinitrat nicht eingesetzt werden.

Der Wirkstoff darf auch nicht angewendet werden, wenn Patienten, die Phosphodiesterasehemmer zur Behandlung von Erektionsstörungen eingenommen haben, plötzlich Beschwerden einer akuten Brustenge entwickeln.

Der Wirkstoff sollte nur eingeschränkt und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden, wenn das Herz in seiner Leistung stark beeinträchtigt ist. Hierzu zählen Entzündungen, ein akuter Infarkt oder eine schwere Herzschwäche, eine Verstopfung der Blutwege oder allgemein Kreislaufregulationsschwierigkeiten.

Ebenfalls nur unter Einschränkungen ist die Verwendung bei Patienten zugelassen, die aufgrund einer Verletzung oder einer Krankheit einen erhöhten Schädelinnendruck (beispielsweise nach einer Gehirnerschütterung) aufweisen.

Der Wirkstoff ist in Form von Pflastern, Kapseln oder Tabletten nicht zur Behandlung der akuten Herzenge geeignet.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Über die Anwendung von Isosorbiddinitrat bei Schwangeren liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor. Es ist ebenfalls nicht bekannt, ob Isosorbiddinitrat in die Muttermilch übergeht. Deshalb sollte Isosorbiddinitrat in der Schwangerschaft und Stillzeit aus Gründen der Vorsicht nur nach extrem sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter ärztlicher Überwachung angewendet werden.

Es ist noch nicht bekannt, ob Isosorbiddinitrat in die Muttermilch übergeht. Bei einer Einnahme in der Stillzeit ist deshalb beim Säugling auf mögliche Arzneimittelwirkungen zu achten.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Isosorbiddinitrat ist für die Anwendung bei Erwachsenen vorgesehen.

Warnhinweise

  • Die Reaktionsfähigkeit kann eingeschränkt werden!
  • Die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt werden.
  • Alkohol verstärkt die Wirkung.
  • Die intravenöse Therapie sollte unter stationären Bedingungen erfolgen.
  • Der Wirkstoff ist in verzögerter (retardierter) Form als Verzögerungspräparat (Retardpräparat) nicht zur Therapie der akuten Brustenge geeignet.
  • Das Medikament soll nicht zusammen mit Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil (Mittel zur Potenzsteigerung) eingenommen werden.
  • Das Medikament sollte nicht verwendet werden bei einer erblichen Fruktose- oder Galaktoseüberempfindlichkeit, Saccharase-Isomaltase-Mangel oder einer Glukose-Galaktose-Aufnahmestörung.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Retardkapsel)
50 Stück Retardkapseln
20 Milligramm Isosorbiddinitrat
100 Stück Retardkapseln
20 Milligramm Isosorbiddinitrat
50 Stück Retardkapseln
60 Milligramm Isosorbiddinitrat
100 Stück Retardkapseln
60 Milligramm Isosorbiddinitrat
20 Stück Retardkapseln
20 Milligramm Isosorbiddinitrat

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Jenacard retard 20mg/-60mg sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Isosorbiddinitrat (ggf. auch Generika).


Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.