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Thrombose durch Pille?

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  • Thrombose durch Pille?

    Hallo Dr. Scheufele!

    Ich nehme die Pille "Petibelle". Nun habe ich gehört, dass eine junge Frau in meinem Alter (22 Jahre) durch die Einnahme dieser Pille Thrombose bekommen und sogar Embolien hatte. Petibelle war ihre erste Pille und sie hat sie aufgrund der Thrombose dann nur fünf Monate genommen. Ist es bei allen Pillen so, dass sie solche Nebenwirkungen bzw. drastische Veränderungen im Körper hervorrufen können oder woher kommt dies? Ich habe vorher sechs Jahre "Microgynon" genommen und nehme nun den zweiten "Petibelle"-Blister.

    Was mir auf gefallen ist: Ich habe seit gestern Schmerzen in den Waden (beidseitig) und ich weiss nicht genau, ob es Muskelkater ist. Wenn ich sie Waden anspanne, tut es mehr weh, wenn ich sie locker lasse, weniger. Nun ja, ich Frage mich, wie sich solch eine Thrombose äußert und was überhaupt weh tut - wenn man den daran erkrankt ist.

    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    MfG Katja


  • RE: Thrombose durch Pille?


    Wahrscheinlich steigern alle (Verhuetungs-)Hormone das Thromboserisiko, einige mehr (Oestrogene=weibliche Hormone) andere weniger (Gestagene=maennliche Hormone). Jeder Mensch hat beide Sorten in sich, in der Pille sind meist Kombinationen, die heute so niedrig wie moeglich dosiert werden. So ist der Anteil des Oestrogens in beiden genannten Pillen gleich (0,03mg Ethinyloestradiol) und die Dosierung des Gestagens aehnlich, es ist nicht so direkt vergleichbar, da die verwendeten Substanzen unterschiedlich sind.

    Wenn jemand eine Thrombose bekommt, sucht man nach der Ursache und wenn sonst nichts in Frage kommt und der betreffende hat die Pille genommen, dann schiebt man ihr die Schuld zu, da man sie nicht ausschliesen kann. So wird es wahrscheinlich bei der Freundin mit der Petibelle gewesen sein.

    Ich glaube nicht, dass sich in Studien ein entscheidender Unterschied zwischen Petibell und Microgynon zeigen wuerde, aber genau das ist das Problem: die Studien, es gibt zu wenige.

    Ich bemuehe mich seit Jahren um eine Zusammenstellung von Studiendaten zu diesem Thema, da z.B. nach einer Thrombose immer wieder die Frage auftaucht "und wie soll ich jetzt verhueten?" Da wird z.B. die sogenannte Hormonspirale empfohlen, die nur Gestagen enthaelt, aber es gibt keine Studie, die je bewiesen hat, dass das Thromboserisiko darunter nicht doch (gering?) erhoeht ist.

    Sicher ist: Je mehr Risikofaktoren zusammenkommen, um so gefaehrlich wird es. Zu diesen Risikofaktoren gehoeren:
    Thrombose gehabt
    Schwangerschaft
    erhebliche Anstrengungen, Muskelverletzung
    Krebskrankheit
    schlechter Allgemeinzustand
    schlechte Venen (Schwellneigung, Krampfadern)
    Hormonersatz in den Wechseljahren
    Thrombose in der Familie
    Ansteckende Krankheit (Fieber)
    erhebliches Uebergewicht
    langes Stehen oder sitzen
    mehr als 3 Schwangerschaften
    Gerinngsstroerung (APC-Resistenz, Protein C-Mangel, Prothrombinmutation)
    zuveil Homozystein im Blut

    Langer Rede kurzer Sinn: Petibell oder Microgynon nimmt sich wahrscheinlich nichts. Beide gehoeren zu den modernen, niedrig dosierten Pillen mit (relativ) geringem Risiko. Nur mit Gestagen wird das Risiko anzunehmenderweise niedriger.

    Dr. Ive Schaaf

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