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Hochzeitstag

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  • Hochzeitstag

    Weihnachten war traumhaft schön: M. ist zum Christfest in ihrem Element, die Vorbereitung drängt ihren Arbeitsstress in den Hintergrund, sie liebt Weihnachten, und sie macht es für die Kinder und damit auch für mich zu einem ganz wunderbaren Fest.
    Gut: Mein Geschenk hat ihr nicht gepasst. Es war eine Tasche, die sie vor einigen Wochen in einem Schaufenster ausgiebig bewundert hatte. Nicht ganz genau das bewunderte Modell: Der Stoff war gleich, die Lederbesätze waren gleich, die Größe war die gleiche. Aber das zwei Zentimeter große Markenlogo war bei der Schaufenstertasche aus weißem Kunststoff, bei der geschenkten aus Leder. Zu bieder. Ich nehm das nicht persönlich: Den Rücksendeschein habe ich noch Heiligabend ausgedruckt (im dem Laden war die Tasche längst ausverkauft). Mit dem Portemonnaie vor vier Jahren war es ja das Gleiche. Ich halt das gut aus. Immerhin haben die anderen, kleinen Geschenke gepasst.

    Die kleine Weihnachtsfeier im Freundeskreis, die wir zwischen den Feiertagen immer zelebrieren, war dieses Jahr auch wunderbar. M. genießt das immer sehr, und sie ist dann das, was sie seit Jahrzehnten im Freundeskreis ist: Mit Abstand die charmanteste, schönste, warmherzigste Frau im Raum. Seit Jahrzehnten sonne ich mich im Neid der männlichen Freunde.

    Vor Silvester kommt dann unser (standesamtlicher) Hochzeitstag. Ein Tag, dem sie vor vielen Jahren noch eine gewisse Bedeutung beimaß. Damit, dass das langsam weniger geworden ist, kann ich gut leben. Ich lebe an dem Tag meine Rolle: Wecker um sieben gestellt, um halbacht sieben wunderschöne rote Rosen aus der Gärtnerei geholt, dann noch frische Semmeln, Croissants, ihre Lieblingspralinen und ein Lindt-Herz. Tisch feierlich gedeckt, Blumen in der Vase, Pralinen, Herz und duftender Kaffee an ihrem Platz.

    "Achso, feiern wir heute wieder Hochzeitstag?" war ihr Überraschungskommentar. Wir frühstückten mit den Kindern, die sich an den Rosen kaum sattsehen konnten. "Sind das schöne Blumen! Warum bringst du nicht öfter Rosen mit, Papa?"

    Nach dem Frühstück verschwand M. an ihren Schreibtisch. Bis zum ersten Arbeitstag im neuen Jahr waren es noch acht Tage, aber sie erledigt solche Sachen lieber so schnell wie möglich. Vom Schreibtisch ist sie dann schwer wegzubekommen, aber Kino am Abend wird ja gehen. Seit Wochen wollen wir in den neuen Tarantino. Man kann ihn schon auf DVD kaufen und wir haben es noch nicht ins Kino geschafft, aber am Hochzeitstag muss das doch klappen.

    "Das ist eine wunderbare Idee, aber doch nicht heute! Morgen kommen die Silvestergäste, und da ist noch so viel vorzubereiten!" Was genau, das ist mir nicht klar. Ich habe geputzt, die Gästebetten gerichtet, eingekauft und angefangen, die vorbereitbaren Sachen vorzubereiten.

    "Eines wollte ich dir noch sagen: Du hast wohl in zwanzig Jahren noch nicht verstanden, dass Rosen nicht meine Lieblingsblumen sind. Wie oft muss ich das eigentlich wiederholen, damit du das verstehst?"

    Meine Antwort war kurz: "Die Blumen waren nicht für dich, sondern für uns. Ich habe sie danach ausgesucht, was ich für den zwanzigsten Hochzeitstag schön finde. Und, falls du dich nicht erinnern kannst: Ich habe dir seit 23 Jahren keine Rosen mehr geschenkt, weil ich das beim ersten Mal verstanden habe."

    Nach der Zurechtweisung war der Hochzeitstag kein Thema mehr für M. Halt, ich will nicht lügen: Sie hat mir eine von den Pralinen angeboten. Die mag ich aber nicht. Könnte sie nach zwanzig Jahren Ehe eigentlich wissen.

    Nachdem die Silvestergäste weg waren und wir die Rosen wieder auf den Tisch gestellt haben, meinte sie "Eigentlich sind Rosen schon tolle Blumen." An meinem Entschluss hat das aber nichts mehr geändert. Am nächsten Hochzeitstag werde ich mich alleine an 1999 erinnern. Ich werde die Frau sehr vermissen, in die ich mich vor 28 Jahren bis über beide Ohren verliebt hatte. Ich werde sie aber garantiert nicht mehr vermissen als am zwanzigsten Hochzeitstag.

    Um die Kinder werden wir natürlich einen Rosenkrieg führen. Ehrensache.






  • Re: Hochzeitstag

    Aus welchem Roman stammt das?
    Ich habe es vergessen....

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    • Re: Hochzeitstag

      Meinen Namen kennen Sie aus einer sehr Zukunfts-zugewandten Fernsehserie. Die Geschichte ist meine. Das Thema Trennungskinder kommt sehr lapidar - in Wirklichkeit treibt es mich sehr um. Aber die Kälte ist echt.

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      • Re: Hochzeitstag

        Und hast du dazu auch ein Anliegen an uns?

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        • Re: Hochzeitstag

          Falls es echt so abläuft, dann schauts danach aus, dass du auf deinen Rachetag wartest, aber vorher zeigst du ihr noch, auf was sie alles verzichten muss, wenn sie dich tollen, perfekten, zu guten Mann nicht mehr hat.

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          • Re: Hochzeitstag

            tired, man muss mal Dampf ablassen dürfen, dafür sind diese Seiten ja da!

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            • Re: Hochzeitstag

              Kack mal hierher, hier nimmts dir keiner übel. Das Forum ist ein riesengroßer stabiler Mistkübel...

              Lieber Curtis, mit was hast du deine Frau so beleidigt, dass sie dir nicht mehr die Hand geben mag??? Irgendwas hast du gesagt, was sie dazu veranlasst hat, dich nicht mehr willkommen zu heißen.

              Wie man sehen kann, seid ihr im Krieg. Die insgeheim geplante Trennung ist wie ein gezielter Gegenschlag, genau auf den Hauptnerv, wo man sie am meisten treffen kann. Du musst ganz schön wütend sein.

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              • Re: Hochzeitstag

                tired, man muss mal Dampf ablassen dürfen, dafür sind diese Seiten ja da!
                Dagegen habe ich doch nichts

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                • Re: Hochzeitstag

                  Vor Silvester kommt dann unser (standesamtlicher) Hochzeitstag. Ein Tag, dem sie vor vielen Jahren noch eine gewisse Bedeutung beimaß. Damit, dass das langsam weniger geworden ist, kann ich gut leben. Ich lebe an dem Tag meine RolleI: Wecker um sieben gestellt, um halbacht sieben wunderschöne rote Rosen aus der Gärtnerei geholt, dann noch frische Semmeln, Croissants, ihre Lieblingspralinen und ein Lindt-Herz. Tisch feierlich gedeckt, Blumen in der Vase, Pralinen, Herz und duftender Kaffee an ihrem Platz.
                  Mir scheint es so, als ob du schon seit Jahren nur noch eine "Rolle lebst" ... und dennoch immer gehofft hast, dass es mal wieder so wird wie zu Beginn der "Liebe".

                  Du scheinst verbittert ... aber lass das nicht an den Kindern aus. Die können nichts aber auch gar nichts für das was zwischen dir und deiner Frau ist oder vorgefallen ist.

                  Manchmal ist es so, dass ein "Alltag" der immer gleich ist und das über Jahre, einen mehr auseinander bringt als zusammenführt. Auch der Alltag kann über Jahre hinweg nur eine "Rolle" sein.

                  Aber sei ehrlich, dir gefällt diese Rolle nicht mehr ... es zwingt dich aber auch keiner diese Rolle weiter zu spielen. So versuche doch einfach dein Leben so zu leben wie du es möchtest und das Leben deiner Frau so zu leben wie sie das möchte. Ein Rosenkrieg wird die Situation nicht verändern ... und je länger du diesen führst, um so später beginnst du mit deinem neuem Leben!
                  Und wenn du Pech hast, verlierst du bei einem Rosenkrieg auch deine Kinder ... ist es das alles Wert nur weil man vielleicht "im Stolz verletzt ist" ?
                  Na klar, ist es nie schön wenn man über Jahre versucht eine Ehe irgendwie zu retten > durch eine Rolle ..!!! Aber ist das wirklich noch Liebe???

                  Versuch doch einfach das Ende der Ehe als einen neuen Beginn deines Lebens zu sehen

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                  • Re: Hochzeitstag

                    Es müsste nicht zu Ende sein, es könnte auch eine Aussöhnung in Frage kommen. Aber Katzi, weißt eh, der Mensch kann so stur sein, so irrsinnig gnadenlos überheblich und Rechthaberisch.

                    Der nächste Partner wird auch nicht Fehlerfrei sein.

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                    • Re: Hochzeitstag

                      Wir sind nicht im Krieg. Und ich hege keine Rachegefühle. Das mit dem Rosenkrieg habe ich eigentlich als Wortspiel gemeint. An den Kindern werde ich garantiert nichts auslassen.

                      Natürlich verbittert mich ihre Kälte und ihr Desinteresse. Zur Weihnachtszeit, wenn sie aus ihrem Arbeitsstress auftaucht und sich so liebevoll um Familienangelegenheiten kümmert, fällt das ganze halt besonders auf. Dass das Gemaule wegen der Rosen komplett daneben war, ist ihr offensichtlich selbst aufgefallen.

                      Die Trennung wird ziemlich kompliziert. Sie hasst ihren Job, hat auf dem Papier 50 Prozent Teilzeit und ist im Schnitt 50 Stunden in der Woche damit beschäftigt. Die Bezahlung ist unter aller Sau. Ich verdiene ziemlich genau siebenmalsoviel wie sie. Was dabei auf keinen Fall passieren darf: Dass sie aus Geld-Panik auf Vollzeit geht. Ich will, dass es den Kindern gutgeht, und ich hätte sie wirklich lieber bei mir als bei ihr. Ich habe überhaupt keine Beziehung zu Geld und ich würde den Dreien alles gönnen, aber ich will auch genug Spielraum haben, hinterher ein eigenes Leben zu leben.

                      Ich bin tieftraurig über die Situation. Es gibt eine Frau, die sich total nach mir verzehrt, die mir immer wieder in Nachrichten zu verstehen gibt, dass sie an mich denkt und die wildesten Phantasien zu mir entwickelt. So wie deren Liebe zu mir hoffnungslos ist, ist meine Liebe zu meiner Frau seit Jahren hoffnungslos. Das interessiert sie schon lange nicht mehr. Es ist ihr wichtig, nach außen die Fassade der glücklichen und erfolgreichen Familie aufrechtzuerhalten. Es ist ihr wichtig, dass die richtigen Blumen auf dem Tisch stehen. Eigentlich müsste sie ihre Energie in die Änderung ihrer Arbeitssituation stecken. ich biete ihr seit über zwanzig Jahren meine Unterstützung dazu an, aber sie wird das niemals ändern und als verbitterte, kranke Frau in Pension gehen. Die nächsten zwanzig Jahre Elend sind jetzt ihre Sache. Ich werde mich nicht mehr beteiligen.

                      Elektra, ja, das ist Auskotzen, was ich hier mache. Ich lese hier schon sehr lange mit, und ich wüsste gerne, wie es bei Verzweifeltermann weitergeht. Früher gab es den Postmann, der die gleiche Situation beschrieben hat wie der Verzweifelte. Wie wickelt man eine Familie ab, in der die Mutter keine Lust mehr hat, Ehefrau zu sein? Ich werde es herausfinden.

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                      • Re: Hochzeitstag

                        Man wickelt sie fair ab, entrichtet seinen Obulus ohne murren, denn er kommt ja den Kindern zugute und begegnet sich respektvoll und freundlich, bemüht Streitigkeiten zu vermeiden.
                        Man teilt sich das Sorgerecht, vielleicht auch die Zeit mit den Kindern und geht erwachsen damit um, ohne alte Kamellen auf den Tisch zu knallen, oder Schuldzuweisungen anzubringen.

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                        • Re: Hochzeitstag

                          Neben mir läuft eine Diashow im digitalem Fotoanzeiger und gerade sehe ich die Hochzeit meines Ältesten, die mich äußerst berührt, weil sie sich so lieb anschauen, die Zwei. Immer noch, nach so vielen Jahren ist das so. Daran beteiligt ist die Art meiner Schwiegertochter.

                          Die "verzehrt" sich nicht nach ihm, die säuselt auch nie, sie hat ihn zu ihrem Mann gewählt und dazu steht sie ohne Wenn und Aber. Meinem Sohn bleibt nichts anderes übrig, als sich bei ihr sehr wohl zu fühlen, so friedlich, geborgen, liebend wie es bei denen zugeht mit ihren mittlerweile drei Kindern.

                          Ich will damit sagen, eine bewusste Entscheidung, ich bin dein Mann, du meine Frau, ohne Kompromisse, hätte auch eure Ehe aus den Widrigkeiten geholfen, denen man so ausgesetzt ist.

                          Deine Frau ist gekränkt und zutiefst beleidigt, du ebenso. Offenbar könnt ihr nicht mal mehr aussprechen, was da alles in euren Köpfen schwelt. Ein riesiger Stau von Frust geht von dir aus, von ihr wohl auch.

                          Die Frau, die dich so umschwärmt ist bestimmt nach einer Zeit auch kalt und herzlos, spätestens, wenn sie mitkriegt, dass du sie nicht aus Liebe genommen hast, sondern aus Kalkül.

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                          • Re: Hochzeitstag

                            Du kannst meiner Meinung nach nicht erwarten, dass es gut und schön wird, solange du in diesem depressiven Muster hängst. Geh dich mal gesund machen und hole dir Hilfe.

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                            • Re: Hochzeitstag

                              Ich will die Frau nicht, die sich nach mir verzehrt. Meine Frau hat das auch nie getan. Sie fand mich gut und sie war scharf auf mich. Jetzt ist ihr Leben von dem Job dominiert, der ihr noch nie Erfüllung gegeben hat, von dem sie sich aber nicht lösen will oder kann.

                              Ich habe diese Verzehrfrau ins Spiel gebracht, weil sie die Absurdität meiner Situation dokumentiert: Meine Liebe zu meiner Frau war so hoffnungslos wie die dieser Frau zu mir. Dabei hat meine Frau mich ja geheiratet. Aber das bedeutet nichts mehr.

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                              • Re: Hochzeitstag

                                Verfahren, aber halte dir vor Augen, auch so was lässt sich zu einem guten Ende führen.

                                Trennen ist eine Option, sich begreifen, verstehen, sich miteinander wieder auf eine gute Ebene bringen geht aber auch, wenn man will.

                                Siehst du DEINE Fehler?

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                                • Re: Hochzeitstag

                                  Du sagst, deiner Frau ist richtig wichtig, die Fassade zu bewahren, den Schein aufrecht zu erhalten und die Familie in einem guten Rahmen zu haben. Das ist ein Ansatz, das ist vielleicht eure Chance.
                                  Mir selbst war das auch sehr wichtig und wegen dem habe ich viele Kompromisse gemacht und Trennungsideen hatten wegen dem weniger Chance auf mich einzuwirken. Mich lieber mit meinem Mann vertragen, als die Häme davontragen, ein Looser zu sein. Auch das sind wichtige Argumente und warum bemängelst du das, das ist ja koscher, Gründe zu kennen, warum man bleibt!

                                  Ihr seid zerstritten, innerhalb dieses Rahmens. Der Rahmen ist euer Halt, trotzdem noch.

                                  Jetzt müsstet ihr bloß einen Weg finden, für die früher ja vorhandene Liebe wieder den Zugang frei zu kriegen.

                                  Welche Bedingungen stellt sie? Welche du??

                                  Kommentar


                                  • Re: Hochzeitstag

                                    Nachdem ihr eh nicht so schnell alles über Bord werfen könnt, weil das zu kompliziert wäre derzeit, nicht so schnell machbar ist, kannst du doch jetzt alles auf Risiko setzen, weils eh wurscht ist, du hast nichts zu verlieren.
                                    Zeig mal keine Maske mehr, zeig dich selbst.

                                    Da wunderst du dich, dass sie dich wie einen Fremden behandelt, aber zugleich verstellst du dich, tust wie wenn und sie auch. Du bist Fassade, sie auch und was ist dahinter???

                                    Sie kann dich nicht leiden, sie findet dich eklig, (herrlich jedenfalls nicht ( mehr) und sie tut, als wärst du der letzte Depp, mit dem sie alles machen kann. Das ist eine Sichtweise, die das ausmacht, sie sieht dich derzeit so und denkt, das ist wahr.
                                    Deine Aufgabe wäre, ihr eine komplett andere Sicht auf dich zu gewähren. Sie muss dich kennenlernen als komplett anders, als sie meint und denkt.

                                    Ich hatte oft und oft mit meiner Tochter schlechteste Gefühle und Befindlichkeiten. Sie ging mit mir um, als wär sie berechtigt dazu, kaltschnäuzig, offensichtlich feindselig, lieblos, verletzend. Ich habe alles mögliche probiert, um sie da zu ändern. Bin praktisch zu Kreuze gekrochen, um ihre Gunst wieder zu bekommen. Das war jedenfalls nicht zielführend.
                                    Irgendwann hab ich mich nicht mehr gekränkt gefühlt, ich habe auf einmal anders darüber gedacht, hab auf einmal schmunzeln können über unser deppertes Umgehen miteinander. Ab da war alles komplett anders.

                                    Lieber Curtis, eigentlich ziehts euch so runter, weil ihr komisch umgeht mit dieser Lage.
                                    Du kriechst ihr zu Kreuze, du entschuldigst dich und versuchst alles zu richten und zu schlichten, als dass du ihr sagst, geh leck mich doch am A, du kannst mich mal! Das wär ehrlich, das wär normal. Kriechen ist irgendwie unangebracht und gekränkt sein sowieso. Du kannst mich mal hab auch ich zu mir gesagt und mir war auf einmal ganz leicht, ich war amüsiert, statt niedergeschlagen und am Boden liegend.

                                    Heb mal deine Laune und reagiere vielleicht etwas weniger ernst und schon gar nicht wie wenn euer Theater wahr wäre.

                                    Ich habe meine Tochter auf einmal wieder richtig im Blick. Sie macht das nicht mehr, ohne dass wir geredet haben darüber. Es hat einfach gereicht, dass ich lache heute über meine Befindlichkeit von früher- wo ich so kreuzbrav gekrochen bin, statt diesem Gehabe endlich überlegen zu sein.

                                    Vielleicht war das die Lektion. Bist du sicher, dass sie dich nicht mag? Sie redet vielleicht nur so, tut vielleicht nur so, insgeheim und ohne sich das bewusst zu sein, wird sie happy sein, dass du noch da bist. Wer weiß?

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                                    • Re: Hochzeitstag

                                      Ich will die Frau nicht, die sich nach mir verzehrt. Meine Frau hat das auch nie getan. Sie fand mich gut und sie war scharf auf mich. Jetzt ist ihr Leben von dem Job dominiert, der ihr noch nie Erfüllung gegeben hat, von dem sie sich aber nicht lösen will oder kann.

                                      Ich habe diese Verzehrfrau ins Spiel gebracht, weil sie die Absurdität meiner Situation dokumentiert: Meine Liebe zu meiner Frau war so hoffnungslos wie die dieser Frau zu mir. Dabei hat meine Frau mich ja geheiratet. Aber das bedeutet nichts mehr.
                                      Diese Verzehrfrau unterliegt einem Wahn. Sie zieht vor, dich anzuschwärmen, als Ventil vielleicht, um sich ablenken zu können vom Lebensfrust. Ich habe das auch so gemacht. Irgendwann aber ging ich davon runter, weil das so unnüchtern kindisch war und eigentlich nichts anderes, als (unbedingt) Habenwollen und dann spinnen, wenn ich es nicht gekriegt habe.

                                      Das ist deren Trip und nimms nicht persönlich. Das ist wie Selbstbefriedigen mit guten Vorstellungen im Kopf. Falls sie sich zu sehr hineinsteigert und vielleicht gar zur Stalkerin wird, hol sie zum Boden der Tatsachen zurück. Da hilft auch der Humor am leichtesten.

                                      Apropos Humor, der fehlt dir wohl, stimmts??

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                                      • Re: Hochzeitstag

                                        Die Verzehrfrau ist nicht recht schlau. Ich will die nicht. Die Kette des unerfüllten Begehrens reißt da aber noch nicht ab: Ich weiß einen, der der Verzehrfrau seit Jahren nachstellt, weil sie blond ist und süß aussieht. Der ist ein wichtiger Manager in der Schweiz, hat einen Haufen Geld aber keine Frau mehr, weil die ihn (mit einem beträchtlichen Teil seines Geldes) verlassen hat.

                                        Du fragst nach meinen Fehlern. Natürlich mache ich Fehler. Dauernd, jeden Tag. Der schlimmste Fehler, den ich gemacht habe, ist, dass ich sie im Jahr 2003, als mir zum ersten Mal klar geworden ist, wie sie sein kann, wenn der Job die totale Kontrolle übernimmt, und dass sie diesen Beruf niemals aufgeben wird und sie aber noch in Vollzeit gearbeitet hat, nicht verlassen habe. Ganz am Ende des langen Sommerurlaubs haben wir uns damals zusammengerauft. Wir hielten es beide für eine gute Idee, Kinder zu haben. Und das war eine gute Idee. Aber sobald das jüngere im Kindergarten war, war der Job wieder da. Dass er jetzt nur Teilzeit ist, macht im Gefühl überhaupt keinen Unterschied. Wenn das ginge, würde sie 150 Stunden in der Woche für den 50-Prozent-Job arbeiten.

                                        Natürlich sprechen wir sehr oft darüber. Es ist ihr bewusst, dass sie da raus muss. Aber sie tut nichts dafür. Sie ist seit über zwanzig Jahren im falschen Film und geht nicht raus. Deswegen muss ich aber nicht in der Vorstellung bleiben.

                                        Kommentar


                                        • Re: Hochzeitstag

                                          "Sie fand mich gut und sie war scharf auf mich. Jetzt ist ihr Leben von dem Job dominiert"

                                          Eine Frage hätte ich. Sie ist eher akademischer Natur und auch im Moment nicht hilfreich für Sie.
                                          Trotzdem wäre es liebenswürdig, wenn Sie gelegentlich antworteten.

                                          Wie war Ihre Hochzeit? Große Feier, großer Aufwand, Reise danach?

                                          Es gibt nämlich eine Regel in den Reihen der Paartherapeuten, nämlich, dass sich Aufwand der Hochzeit und die Qualität der Langzeitbeziehung danach entgegen gesetzt proportional verhalten.

                                          Im Laufe der Berufstätigkeit findet man viele Beispiele, die das zu bestätigen scheinen.
                                          Allerdings ist die betreffende Klientel meist eine "negative" Selektion und somit nicht ganz repräsentativ.

                                          Kommentar


                                          • Re: Hochzeitstag

                                            Ich fürchte, wir passen nicht in eine ihrer Schubladen. Die standesamtliche Hochzeit haben wir sechs Wochen vorher beim Abendessen beschlossen. Gar keine Feier. Hochzeitsnacht im Hotel. Wir haben auch kirchlich geheiratet. Brautkleid hat die Schwiegermutter genäht (ganz schlicht). 100 Gäste, Band. Aber ganz einfacher Landgasthof. Hochzeitsreise war erst drei Monate später. Mit dem Rucksack.
                                            Was vermutlich schon in ihre Schublade passt: Am Tag nach der kirchlichen Hochzeit war ich total beschwingt. Ich war morgens im Bett sehr verschmust, sie zog es aber vor, sich die Aufnahmen von der Videokamera, die mein Bruder mir am Abend noch zugesteckt hatte, anzusehen. Und da begann ihre Laune, sich zu verfinstern. Ein paar Dinge, die sie sich ausgemalt hatte, liefen nicht so. Es gab zum Beispiel keinen Auszug aus der Kirche, weil es in Strömen regnete. Meine Tante war während der Trauung umgekippt und mein dämlicher Bruder hat doch tatsächlich den Trubel um sie gefilmt.
                                            In dem Video fielen ihr hundert Details auf, die sie störten. Und natürlich war das Video selbst nicht gut genug. Für alle Gäste und für mich war das die schönste vorstellbare Feier, weil die Band genial war und weil das Improvisieren wegen des schlechten Wetters viele nette Situationen erzeugt hat. Für sie war das Fest ein Fehlschlag. Da habe ich lange nicht mehr dran gedacht.

                                            Kommentar


                                            • Re: Hochzeitstag

                                              Ihr ward also immer schon grundverschieden.
                                              Da ist es schwierig, da kann nur helfen wenn man die Einstellung zueinander ändert und akzeptieren kann dass der andere ist wie er ist.
                                              Eventuell auch eine Paartherapie, die dafür sorgen könnte euch einiges bewusst zu machen und zu entscheiden ob es sich lohnt das anzugehen, oder eher nicht.

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                                              • Re: Hochzeitstag

                                                Das mit der Hochzeit ist zu vergleichen mit wen, der mal zeigen will, wie gut er Torte backen kann und die bröselt dann vor den Zeugen, die man beeindrucken wollte. Das hat nichts mit dir zu tun, sondern das ist ein Persönlichkeitsproblem.
                                                Die, die berühmt werden wollen leiden an Minderwertigkeitsgefühlen und mit Berühmtwerden, sehr erfolgreich werden wollen sie das kompensieren. Schaut, wie toll ich bin, oder ICH bin auch gut, nicht nur ihr!

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                                                • Re: Hochzeitstag

                                                  Wenn ich selbst in so einer Lage wäre, wo ich für alles keine Zeit mehr habe, für nichts mehr Interesse habe, als für den Versuch, ein Bild wieder gerade zu rücken, fünfzig Stunden die Woche, das schief ist, ( ich muss schaffen, dass ich gut dastehe!) dann würde mir helfen, wenn mich da wer liebevoll in andere Interessen wieder zieht, die Augen öffnet für was anderes und mich wieder erinnert an das, was vergessen wurde in dieser Besessenheit.

                                                  Zum Beispiel war ja Weihnachten bei ihr wie eine Rückführung in eine Zeit, die anders ist.. das hat sicher seine Wirkung gehabt auf sie.

                                                  Sie will ja auch bloß glücklich sein und weiß nicht mehr, wo das ist, dieses Glück.
                                                  Du bist ihr Kritiker und der, der immer meint, sie macht alles falsch, sie ist plemplem und sollte sich schämen, weil sie nicht macht, was du ihr vorschlägst und worauf du drängst.

                                                  Du bist nicht gerade wer, der ihr bester Freund ist und der Versteher von ihr, der sie lieb hat, wie sie nun mal ist, mit all ihren Unzulänglichkeiten und Ideen, machts bei mir den Eindruck.

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