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an Dr.Wust

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  • an Dr.Wust

    Lieber Dr. Wust,
    meine Frage ist vielleicht etwas ungewöhnlich, aber ich werde sie trotzdem einfach mal stellen.

    Meine Mutter ist am kleinzelligen Bronchialkarzinom erkrankt. Es sind noch keine Metastasen vorhanden und momentan wird der 3. Zyklus der ACO- Therapie verabreicht.

    Bei meinen "Recherchen" im Internet lese ich immer wieder, wie schlecht die Prognose beim SCLC ist. Auch hier habe ich eine Prognose von nur 4-12 Monaten Lebensdauer gelesen. Das kann ich im Moment gar nicht glauben, denn meine Mutter hat keinerlei Symptome und auch die Chemo verträgt sie sehr sehr gut.
    Nun meine (vielleicht dumme) Frage bzw. Vermutung: Ist es denn wirklich nicht möglich, das kleinzellige Bronchialkarzinom "zu besiegen"? Oder besteht vielleicht doch eine Chance (und wenn auch nur eine kleine), daß meine Mutter den Krebs besiegt? Redet man bei dieser Krebsform wirklich von einer "unheilbaren" Krankheit???

    Irgendwo habe ich gelesen, daß ca. 5% die 5-Jahresgrenze erreichen. Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die man erfüllen muß, um zu dieser Gruppe zu gehören? Oder ist es einfach nur Glück?

    Verzeihen Sie mir bitte diese "unkronkete" Frage, aber ich stelle sie mir immer und immer wieder und weiß leider nicht, an wen ich mich damit wenden soll.

    Ich hoffe sehr auf eine Antwort von Ihnen und bedamke mich schon einmal im voraus dafür!


  • RE: an Dr.Wust


    Es gibt beim kleinzelligen Bronchuskarzinom schon ein paar Heilungen, zumindest Patienten, die die 5 Jahresgrenze erreichen. Sie haben den Prozentsatz genannt: 5-10%. Am Anfang der Therapie ist das ein sehr kleiner Prozentsatz und man vermeidet es, den Patienten übertriebene Hoffnungen zu machen. Wenn man in der Therapie voranschreitet, sie gut verträgt, planmäßig durchführt und (das ist wichtig) der Tumor gut anspricht und sich schließlich vollständig zurück-bildet, erhöht sich sukzessive die Wahrscheinlichkeit. Es ist wie bei der Ziehung der Lottozahlen: vor der Ziehung ist die Wahrscheinlichkeit auf 6 Richtige 1:13.000.000. Wenn schon 5 Richtige gezogen wurden, beträgt die Wahrscheinlichkeit aber 1:49. Also: nach erfolgreicher Primärtherapie gehört man schon zu einer besseren Gruppe. Je länger man dann rezidivfrei bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, doch geheilt zu werden. Es ist also immer angebracht, Hoffnung zu haben, und man sollte versuchen, die Therapie planmäßig durchzuführen.

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    • Danke für Antwort!


      Sehr geehrter Herr Prof. Wust,

      vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort! Das Beispiel mit den Lottozahlen fand ich sehr einleuchtend und hat mir tatsächlich wieder etwas Hoffnung gemacht. :-) Auch, daß sie schreiben, man vermeidet es, dem Patienten am Anfang übertriebene Hoffnung zu machen, hat mich etwas beruhigt. Gerade die Tatsache, daß die behandelnden Ärzte meiner Mutter wenig bzw. gar nicht von Heilung oder "Krebs besiegen" sondern nur von "verlängerter Lebenszeit" oder von "wir tun, was wir können" sprechen, macht meiner Mutter und uns Angehörigen große Angst.

      Vielleicht darf ich noch ein , zwei Fragen an Sie richten?
      Sie sprechen davon, es ist wichtig, die Therapie "Planmäßig durchzuführen". Bei meiner Mutter wird momentan die ACO-Chemo Therapie gemacht, alle drei Wochen.Momentan der dritte Zyklus. Insgesamt sollen vier Zyklen stattfinden. Der behandelnde Arzt (Prof. Dr. Hirnle, Klinikum Bielefeld Mitte) sagt, im Anschluß wird dann entschieden, ob eine präventive Bestrahlung gemacht werden soll oder nicht. Denken Sie, daß die Therapie richtig ist? (Metastasen sind nicht vorhanden) Wie denken Sie über eine präventive Bestrahlung? Meiner Mutter geht es körperlich eigentlich sehr gut. Klar, die Haare sind ihr ausgefallen, aber ca. 3 Tage nach der Chemo ist sie wieder "Fit". Sie geht nach wie vor z.B. in den Garten und macht ihre Hausarbeit. Außerdem würde mich Ihre Meinung interessieren, was die Rolle von Ernährung, Sport und psychischer Einstellung in Bezug auf "rezidivfrei bleiben" angeht. Kann man selber irgendetwas dafür tun?

      Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir noch mal antworten würden. Mir ihrer letzten Antwort haben sie mir nämlich sehr weitergeholfen. Vielleicht an dieser Stelle mal ein Dankeschön, daß Sie es ermöglichen, im Internet Fragen zu stellen!!!

      MfG Alisa

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      • RE: Danke für Antwort!


        Nach kompletter Remission (also vollständiger Rückbildung) nach Chemotherapie gehört die konsolidierende Radiotherapie der primär befallenen Lungen- und Thoraxanteile mit zur Standardtherapie (ca. 50 Gy). Das würde ich also unbedingt empfehlen, und möglichst schnell nach Chemotherapie. Auch die prophylaktische Bestrahlung des Schädels hat zur Verhinderung von Hirnmetastasen nach vorliegenden Untersuchungen etwas gebracht (Anhebung von 15% auf über 20% 3-Jahresüberleben). Letzteres ist allerdings nicht ganz unumstritten und der Benefit nicht so riesig, so daß man darüber diskutieren kann.
        Gesunde Ernährung und Lebensweise spielt wohl eine Rolle beim Verlauf. Man sollte alles tun, was Spaß macht, essen, was einem schmeckt und keine starren Regeln aufstellen (oder gar irgendeinen Diätterror veranstalten)

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