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Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland

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  • Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland

    Hallo und guten Abend,

    in der neuen "Brigitte" habe ich gerade eine interessante Reportage gelesen. Es geht um ein Pilotprojekt in der Nähe von Amsterdam, und zwar um ein Demenzdorf. Dort kostet ein Pflegeplatz 5.400 Euro und der Staat bezahlt.

    In Alzey soll so etwas auch geplant sein und wird im Frühjahr 2014 eröffnet.

    Grüße
    Karin


  • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


    Ich bins nochmal. Das Projekt in Alzey heißt "Stadtquartier für Menschen mit Demenz (www.bengeo.de). Was das kosten wird, steht leider noch nicht drin, bestimmt ganz schön teuer.

    Aber immerhin: es geht auch anders.

    Grüße Karin

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    • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


      Hmm. Evtl. eine Alternative und es sieht ja auch in diesen Berichten immer sehr schön aus. Das kann bei uns nur leider niemand bezahlen. (Die NL haben eine Einheitsrente und dieses Dorf war und ist DIE Vorzeigeeinrichtung.)

      Ich möchte auch niemanden entmutigen. Ich frage mich allerdings, wo sind all diejenigen, die bettlägerig sind, die den ganzen Tag schreien, die herumirren, die ihre Vorlagen in allen Räumen verstecken, die ihr Geschäft in irgendwelchen Zimmerecken erledigen möchten, die Wasserflaschen durch die Gegend werfen, deren Wahn- und Angstvorstellungen nicht in den Griff zu bekommen sind, die mit den Kathedern und Magensonden, jene eben die 100%-ige Aufmerksamkeit in jeder Minute benötigen und nicht singen oder Kuchen backen.

      In diesen Berichten sehe ich immer nur Menschen, die man meiner Meinung nach noch zu Hause betreuen könnte oder die mit einer Tagesbetreuung auskämen.

      Ich weiß, meine Wahrnehmung, komplett desillusioniert. Aber so ist es heute.

      Eine schöne Adventszeit mit Euren Lieben.

      Grüße, Marge

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      • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


        Ergänzend zu dem was Sie sagen, Marge:

        Ich bin immer wieder zutieft über mich SELBST erschrocken und beschämt, dass ich jemals den Umgang mit alten Menschen, wie er in unserer Gesellschaft TOLERIERT wird (mit Ausnahmen natürlich), damit entschuldigt habe, dass wir so wenig Pflegekräfte haben. ICH war das !!!

        Ich erinnere mich noch an eine Zeit vor 35 Jahren, als man schon sagte, "wenn Du nichts kannst", werde doch Altenpfleger.

        Ich kann es kaum in Worte fassen, was ich empfinde und fühle mich so hilflos.

        Und - bitte nicht, dass jemand denkt, ich wolle einzelne Gruppen angreifen! ICH und WIR, und niemand sonst ist schuld an den heutigen Zuständen.

        Oder? Ich lasse mich gerne korrigieren.

        Eva Franziska

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        • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


          Ein bisschen ist natürlich jeder an allen Mißständen auf dieser Welt schuld, so lange er sich auf seinem Sofa hin- und herwälzt und gar nichts tut, nie und nirgendwo und schön wegsieht. Aber es ist wirklich schwierig, etwas zu verändern.

          Natürlich haben wir zu wenig Pflegepersonal, ich sehe das im Pflegeheim täglich, aber auch hier gilt eben nur der Profit. Es gibt eine Gesetzesvorgabe, wie viele Personen in wie viel Zeit wie viele Bewohner wie zu betreuen haben. Das ist ja immer nur eine Richtlinie, also ein Mindestvorgabe. Ob ein z.B. karitativer Verein dann doppelt so viele Mitarbeiter einstellt, ist dem Gesetzgeber ja egal. Und so lange Pflegekräfte sich dermaßen ausnutzen lassen, mit Doppelschichten 100-ten von Überstunden aus Angst (vor was weiß ich, den Job zu verlieren) oder was weiß ich, sind auch sie nicht ganz unschuldig an dieser Situation. Und wenn eine Pflegeschülerin aus obigen Gründen dann als Aushilfe verheizt wird, wird sie es sich nochmal überlegen, ob das wirklich ihr Traumberuf ist. Ich höre immer nur Schülerinnen die sagen "ich kann das hier gar nicht machen, was ich gelernt habe, keine Zeit". Von der Bezahlung fang ich gar nicht erst an.

          Es ist vertrackt. Je mehr die Situation eskaliert, umso mehr Gesetze werden erlassen und dies immer von Menschen, die noch nie direkt mit der Pflege konfrontiert waren und mal eben aus der Hüfte schießen.

          Und die Angehörigen müssten selbstverständlich mehr auf die Barrikaden gehen, was die wiederum nicht tun, aus ANGST, ihre Schutzbefohlenen müssten dies "ausbaden".

          Wie bin ich jetzt darauf gekommen ? Ach so, wer ist schuld. Jeder hat seinen Anteil daran. Das gehört eigentlich gar nicht zu unserem Thema Demenz. Sorry.

          Es gibt im Augenblick nur eine beste Möglichkeit, und die ist natürlich die Pflege zu Hause. Aber nicht einer allein. Jetzt wo ich es schreibe, kommt mir allerdings der Gedanke, es sei denn, man hat einen eher geselligen Angehörigen, der sich in Sing- und Spielgruppen wohler fühlen würde und zu Hause unterfordert ist. Es gibt gute Heime, muss man ein bisschen suchen. Man wählt sowieso immer nur zwischen zwei Übeln.



          __________________________________________________ __________________
          Mein Steckbrief (Stand Jun 2012): Mutter (84), Betreuer Tochter (57), vollzeitberufstätig. Erste Hirnleistungsstörungen diagnostiziert in 1994. Im März 09 als "mittelschwere" Altersdemenz eingestuft. Medikamente in 2009: 1 x wöchentlich Imap-Spritze, morgens und abends eine Piracetam Tablette. Seit Jan 10: Axura 5 mg morgens. Mit Axura deutliche Verbesserung in Wahrnehmung und Wortfindung. Wir werden wieder mit unseren richtigen Namen angesprochen, auch wenn sie nicht weiß, wer wir sind. Sie formuliert ab und zu wieder ganze Sätze, wenn auch kurze. Seit März 10 wieder mehr Stimmungsschwankungen, Weinen, Angst. Es kommen Rückenschmerzen und dadurch eingeschränkte Beweglichkeit hinzu. Ab 23.03. Fentanyl-Pflaster. Am 28.03. 10 Tage Krankenhaus wegen starker Durchfälle. Ab 06.04. auf mehrmaliges Anraten des Neurologen auf die geronto-psych. Abtlg. Dort bekommt sie Solian. Am 20.04.2010 Umzug in ein Seniorenheim. Weiterhin nur Solian (1/2 morgens und abends), nachts Pipamperonsaft (5 ml), sonst keine Medikamente.

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          • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


            Finde es schon passend, dass Sie den Tipp durch Ihre Bedenken ergänzt haben.

            Im Bereich der Fürsorge ist es besonders gravierend, wenn die Zustände zu bedrohlichen Situationen für Betroffene aller Seiten führen. Den Himmel auf Erden kann man nie erreichen, aber die Definition "menschenwürdig" sollte man peinlichst genau als Maßstab anlegen.
            Soweit ich weiss, ist man verpflichtet, Straftaten zur Anzeige zu bringen. Es gibt immerhin auch die Heimaufsicht, die unabhängig vom Heim angesprochen werden kann.

            Ich wollte aufrütteln, weil wir manchmal gar nicht merken, wie abgestumpft wir sind.
            Ich habe mit Heimen noch kaum Erfahrungen gemacht und will nicht großspurig reden, mir fiel nur mein eigenes verdrehtes Denken auf und das war so ein Schock, dass es mir zum Anliegen wurde, das irgendwie zu vermitteln, weil das ein Denken ist, das man jeden Tag genau so hört.
            Manchmal ist der Anstoß, der schließlich zur größeren Veränderung führte, ganz winzig klein.

            Viiiiieeeeeel Kraft (und hoffentlich auch ein wenig Erfreuliches) für diese Adventzeit, die ja in unserer Situation auch wieder ihre ganz eigenen Facetten hat ...
            LG, Eva Franziska

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            • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


              Zitat: Und die Angehörigen müssten selbstverständlich mehr auf die Barrikaden gehen, was die wiederum nicht tun, aus Angst, ihre Schutzbefohlenen müssten dies "ausbaden".

              Genau! Aber es ist nicht nur diese Angst, sondern auch Resignation, warum soll ich mir Ärger machen, bringt doch sowieso nichts.

              Es bringt sehr wohl was, wenn man die Pfleger anspricht und ihnen Fehler vorhält. Es steckt normalerweise ja keine Boshaftigkeit dahinter, sondern Gedankenlosigkeit, die aber für die Bewohner, die sich nicht selbst helfen können, eine Zumutung bedeutet.
              Dass z. B. die verschmutzten Windeln in einen offenen Abfallbehälter im Zimmer geworfen werden, anstatt in die geschlossenen Behälter im Gang.
              Im Büro zu meckern nutzt nichts, man muss sich schon die Person greifen und sie im Zimmer probeschnuppern lassen. Das überzeugt.

              In dem Zusammenhang zeigt sich auch, wie unendlich wichtig eine umfassende Vollmacht ist, dann hat man nämlich das Recht auf Beanstandungen - und muss sich nicht sagen lassen "das hat der Arzt so angeordnet". Ich erlebe es immer wieder, dass Angehörige mit diesem Spruch abgebügelt werden - oder der Patient selbst.
              Erst kürzlich mitgehört: Patient: "Diese Tablette will ich nicht mehr nehmen, davon wird mir der Kopf immer so schwer." [Er hat tatsächlich oft Wunden an der Stirn, weil der Kopf gelegentlich auf die Tischplatte knallt.] Pfleger: "Das haben nicht sie zu entscheiden, sondern der Arzt."
              LG louisanne

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              • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


                Eigentlich sitzen die Pflegekräfte und die Betroffenen in einem Boot, aber wie soll man sich zusammentun? Die Pflegestammtische, damals von Claus Fussek initiiert, waren ein guter Ansatz, mir scheint aber, es ist im Sande verlaufen. Die Organisationen sind zu mächtig und die Menschen zu abhängig, zu ängstlich und teilweise auch zu träge, um etwas zu unternehmen.

                Ich habe mal spaßeshalber für Köln und einen Umkreis von 50km nach den Pflegenoten des MDK für die einzelnen Heime gesucht: www(Punkt)pflegelotse(Punkt)de. Dort kann man sich auch jeweils den "Transparenzbericht" herunter laden. Zirka 700 von 724 Heimen wurden mit einer Note "Sehr gut" bis 1,9 bewertet.

                Wie bitte???

                Was kann man machen? Man könnte z.B. die verschiedenen Selbsthilfegruppen, die es ja vor Ort gibt, informieren. Empfehlungen oder Warnungen sprechen sich sehr schnell herum. Grobe Missstände müssen an die Heimaufsicht gemeldet werden, die untersuchen dann auch ohne Nennung des Namens. Wenn man als überforderter Angehöriger sich nicht aktuell zu Aktionen durchringen kann, könnte man es vielleicht doch später nachholen.

                Dass insgesamt so wenig an die Öffentlichkeit dringt und bewegt wird, könnte auch damit zusammenhängen, dass viele Patienten in den Heimen zu oft von ihren Angehörigen sehr alleine gelassen werden. Ich will das nicht bewerten, aber es ist fruchtbar traurig.

                LG, Eva Franziska

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                • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


                  Die Pflegenoten kann man getrost vergessen, die beziehen sich ja eh nur auf die sorgfältig ausgefüllte Dokumentation und die Feuerschutztüren im Hause ;-).

                  Und natürlich würde ich auch gerne noch viel mehr tun, aber wie die meisten Angehörigen arbeite ich, sonst wäre meine Ma ja gar nicht in einem Heim. Also 07:00 im Büro, ab 16:30 im Heim, ab 19:30 zu Hause und platt. Ich schaffe es kaum, in dieses Forum zu schauen. Und im Heim treffe ich durch die 3 Schichten auch immer wieder andere Pflegekräfte an, von den Auszubildenden, Nachtschwestern und Aushilfen ganz zu schweigen. Lückenlose Kommunikation ist Wunschdenken. Wirklich alles sehr schwierig.

                  Womit wir vom Demenzdorf beim Pflegenotstand gelandet wären.

                  Falls noch jemand vor Weihnachten hier reinschaut, allen schöne Feiertage und uns allen viel Kraft und Durchhaltevermögen im nächsten Jahr.

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                  • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


                    De Hogeweyk soll wirklich sehr gut sein. Es ist ja von einem vorher traditionell geführten Heim zu einem "geschützten Dorf" umgewandelt worden. Tatsächlich soll man dort ohne Neuroleptika auskommen und arbeiten - Umwelt und Alltag werden den Patienten angepasst. Sie können frei in einer geschützten Innen- und Außenwelt (Park mit Telefonzelle, Bushaltestelle, Supermarkt, Friseur...)spazieren - keine Weglaufgefahr, weniger "Aggression". Auch die Pflegenden sagen, dass sie sehr viel zufriedener mit der neuen Arbeitssituation seien..

                    Ich denke, man geht dort zumindest in richtige Richtung.
                    Besucher von außerhalb sind übrigens gern gesehen - es gibt ein Cafe, das von Externen und Internen besucht werden kann und das sich angeblich großer Beliebtheit erfreut.

                    Ob das Projekt in Alzey tatsächlich ebenso arbeiten wird..warten wir es ab. Wir brauchen aber nicht ein Projekt - sondern viele dieser Art, verteilt über das gesamte Bundesgebiet.

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                    • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


                      Wer kann noch mehr zu dem Projekt und der geplanten Einrichtung in Alzey sagen? Gibt es vielleicht bundesweit noch andere ähnliche Ansätze?

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                      • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


                        http://bengeo.de/aktuelles-presse/

                        Hallo Leona, bin ja aus m Pott und weiß deshalb darüber sehr wenig. Sonst wär ich ja schon längst vorbeigefahren ;-).

                        Aber wenn man den Herrn J Bennewitz und sein Unternehmen googelt, macht es einen professionellen und wohl überlegten Eindruck, dieses Projekt, und ich bin ja eher eine von der ganz skeptischen Sorte.

                        Und einer, der keine Papp-Bushaltestellen aufstellt, damit macht er für mich schon Pluspunkte.

                        Grüße

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                        • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


                          Was ist mit den Papp-Bushaltestellen ...

                          ... fragt Eva Franziska, die Ahnungslose

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                          • Re: Demenzdorf "De Hogeweyk" in Holland


                            Also, es wird eine nicht existente Welt nachgebaut. Man stellt eine Bushaltestelle in den Garten eines Heimes, an der die Bewohner auf "ihren" Bus warten können, der natürlich nie kommt. Man malt einen Kiosk an eine Hauswand etc. Ist auch völlig unnötig. Der Demenzkranke fragt auch in der Küche des Wohnheimes "wann kommt der Bus endlich?" Sie sind ja schon in ihrer eigenen Welt.

                            Mir erschließt sich das auch nicht. In meinen Augen eine ziemliche V..... - ich will das Wort gar nicht schreiben. Erwachsene wie Kita-Kinder behandeln. Regt mich wirklich auf.

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