Ein älteres Paar liegt im Bett.
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Wechseljahre, Erektionsstörungen, Libidoverlust: Was verändert sich ab 50?

Wer die 50 überschreitet, ist oft mit körperlichen und psychischen Veränderungen konfrontiert. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihr Sexleben wieder aufblühen lassen und dem Verlust der Libido entgegenwirken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Es scheint zunächst paradox: Mit den Jahren einer gemeinsamen Beziehung schläft das Sexualleben häufig etwas ein. Gleichzeitig gibt ein Großteil der Männer und Frauen, die in einer Partnerschaft leben und 50 Jahre oder älter sind, an, dass ihnen regelmäßige sexuelle Befriedigung nach wie vor wichtig ist.

Heute ist Sexualität im höheren Alter kein Tabuthema mehr. Auf der anderen Seite stehen aber die körperlichen Veränderungen, die mit dem Alter einhergehen und sich auf das Erleben der Sexualität auswirken können.

Andropause, Midlife-Crisis und Erektionsstörungen: Womit Männer zu kämpfen haben

Andropause oder "Wechseljahre des Mannes"

Was bei den Frauen die Wechseljahre sind, existiert in ähnlicher Form auch beim männlichen Geschlecht: Genau wie bei der Frau sinkt auch bei der Andropause (vom Griechischen andros = Mann) der Hormonspiegel im Blut – nur dass es sich bei Männern um Testosteron handelt. Dies kann nicht nur die Haut verschlechtern, sondern auch die Haare stumpf und brüchig werden lassen. Zudem fehlt es einigen Männern in dieser Phase an Energie und sexuellem Verlangen. Studien haben ergeben, dass die Andropause bei etwa zehn bis 50 Prozent aller Männern vorkommt.

Unser Tipp:

Bevor man sich für eine Hormonersatztherapie entscheidet, sollte man abklären, ob der Libidoverlust tatsächlich mit einem Mangel an Testosteron zu erklären ist. Vereinbaren Sie am besten einen Termin bei Ihrem Hausarzt. Dieser kann Sie über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten informieren und Sie individuell beraten.

Midlife-Crisis

In der Tat ist die Lebensphase um die 50 Jahre herum von zahlreichen Veränderungen geprägt. Nicht nur der eigene Körper ist hiervon betroffen. Auch was die Familie und das soziale Umfeld betrifft, muss man sich häufig umstellen: Die Kinder werden flügge, der Ruhestand rückt immer näher und häufig hat man sich in der Ehe (wenn sie denn noch besteht) im Laufe der Zeit ein Stück weit voneinander entfernt.

Diese krisenhafte Phase kann sich zum Beispiel äußern durch eine – meist nur zeitweilige – Depression, Libidoverlust oder das plötzliche Bedürfnis nach drastischen Veränderungen.

Unser Tipp:

Leider gibt es kein Patentrezept: Jeder muss für sich selbst herausfinden, wie er am besten mit einer Midlife Crisis umgeht und ob vielleicht die professionelle Hilfe eines Arztes oder Psychotherapeuten angeraten ist.

Impotenz

Erektionsstörungen sind für die meisten betroffenen Männer nur sehr schwer zu akzeptieren, da sie dadurch unter Umständen ihr Selbstbild verletzt sehen. Leider passiert dies im Alter zwischen 40 und 50 aber recht häufig. Es gibt zahlreiche Gründe für Impotenz. Diese können sowohl psychischer (Eintönigkeit in der Partnerschaft, Stress) als auch physischer Natur sein. Die häufigste Ursache ist eine unzureichende Blutzufuhr zum Penis.

Unser Tipp:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Behandlung, unter anderem auch mit Medikamenten. Überwinden Sie Ihre Scham und besprechen Sie Ihre Proleme mit Ihrem Arzt!

Körperliche und psychische Veränderungen bei Frauen

Wechseljahre

Was die meisten Frauen als am stärksten belastendes Symptom in den Wechseljahren wahrnehmen, ist das endgültige Ausbleiben der Monatsblutung – und damit die Gewissheit, von nun an nicht mehr fruchtbar zu sein. Auch wenn in diesem Alter meist kein Kinderwunsch mehr besteht, geht für viele mit der Möglichkeit der Fortpflanzung auch das Gefühl des "Frauseins" verloren.

Der Östrogenspiegel sinkt, wodurch es zusätzlich zu physischen und psychischen Veränderungen kommt: Der Hormonmangel löst bei 80 Prozent der Frauen Symptome wie Hitzewallungen, Gelenkschmerzen, Libidoverlust, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Probleme beim Wasserlassen sowie Gewichtsverlust aus.

Unser Tipp:

Besprechen Sie am besten mit Ihrem Hausarzt oder Gynäkologen, ob bei Ihnen eine Hormonersatztherapie Sinn machen kann.

Scheidentrockenheit

Ist die Vagina beim Geschlechtsverkehr nicht ausreichend feucht, kann dies Schmerzen auslösen und auch die Lust beeinträchtigen. Für die Feuchtigkeit der Scheide sind die weiblichen Geschlechtshormone, also die Östrogene, zuständig. Da der Östrogenhaushalt mit Eintritt der Wechseljahre sinkt, kann es bei der Frau zu einer vaginalen Trockenheit kommen, die ein wahrer Liebeskiller ist.

Unser Tipp:

Scheidentrockenheit kann man durch Mittel wie Vaginalgele gut in den Griff bekommen. Diese gibt es rezeptfrei in der Apotheke und in Drogeriemärkten.

Erfahrungen einer Leserin

Wir haben uns mit einer Lesern, Jacqueline, 57, aus Frankreich, darüber unterhalten, wie sie die Wechseljahre positiv erlebt hat.

Onmeda: Inwieweit haben die Wecheljahre Ihr Sexualleben beeinträchtigt?

Jacqueline: Ich habe den Beginn der Wechseljahre eigentlich gar nicht als schlimm erlebt. Vielleicht weil mich sowohl mein Frauenarzt als auch mein Hausarzt so gut darauf vorbereitet haben. Mir wurde wirklich jede einzelne Frage bis ins Detail beantwortet und ich habe mich immer gut aufgehoben gefühlt. Ich glaube, es ist wichtig, dass man einen Arzt hat, vor dem man sich nicht schämt. Auch meine Freundinnen haben mir sehr geholfen – vor allem diejenigen, die schon in den Wechseljahren waren und wussten, was auf mich zukommt. Sie haben mir Tipps gegeben und mir geraten, mich nicht hängen zu lassen und vor allem meinen Körper nicht zu vernachlässigen.

Wie hat Sie Ihr Ehemann unterstützt?

Jacqueline: Er war immer für mich da, auch wenn ich mal schlecht gelaunt war. Manchmal hatte ich schon mit all den körperlichen Veränderungen zu kämpfen. Wir haben sehr viel miteinander gesprochen und ich habe ihm immer erzählt, was mir auf der Seele brennt. Das tue ich heute noch. Ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb unser Sexleben kaum unter dieser Phase gelitten hat. Auch wenn wir keine 30 mehr sind: Wir begehren uns immer noch.

Wie würden Sie Ihr Sexleben heute beschreiben?

Jacqueline: Ich bin durchweg befriedigt. Die Beziehung zu meinem Mann erfüllt mich, auch wenn es natürlich Höhen und Tiefen gibt. Meine Kinder sind inzwischen ausgezogen und selbstständig. Was mich betrifft, ich fühle mich nicht unattraktiv oder alt.

Haben Sie vielleicht ein paar Tipps für Frauen, die nicht mit so einer Leichtigkeit durch die Wechseljahre kommen?

Jacqueline: Nicht den Kopf in den Sand stecken! Das Leben geht weiter, auch wenn sich einiges verändern mag. Außerdem glaube ich, dass ärztlicher oder auch psychologischer Rat oft hilfreich sein kann. So habe ich es auch gemacht – und bin damit gut gefahren. Generell bin ich der Meinung, dass vieles auch Einstellungssache ist. Wenn man sich positive Gedanken macht, auf seine Gesundheit achtet und mit Freude durchs Leben geht, wird auch die sexuelle Lust nicht so einfach verschwinden.

Übersetzte Version von unserem französischen Partnerportal Onmeda.fr