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Bypass

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  • Bypass

    Habe 2003 1. Bypass OP im Oberschenkel. Im Febr. 05 bekam ich eine Sepsis, wurde mit
    Antibiotika behandelt. Nach 6 Wochen erneute Sepsis. Im April 05 stellte sich heraus,daß
    der Bypass (Kunststoff) vereitert war. Es folgte eine umfangreiche OP mit körpereigenem
    Material. Der Bypass reicht nun von der Leiste bis zum Fuß. Habe seither Beschwerden.
    Seit einigen Wochen habe ich beim Gehen typische Wadenschmerzen, muskelkater-
    ähnliche Beschwerden in den Oberschenkeln und ein taubes Gefühl in der Füßsohle. Eine
    erneute Untersuchung mit Kontrastmittel und Blutmessung waren ohne Befund.
    Aber keiner kann mir sagen, woher die Beschwerden kommen.
    Hat jemand ähnliche Probleme? Können Vernarbungen die Ursache sein?


  • RE: Bypass


    Wenn die Durchblutung schlecht ist, dann betrifft das nicht nur die großen Adern, die man durch Bypässe ersetzen kann, sondern gerade auch die kleinen Adern, für die man operativ nichts tun kann. Stellen Sie sich vor, das Nil-Delta ist verschlammt und Sie verbessern den Zufluss zum Delta durch einen Kanal, der von der Seite Wasser zum Delta hinbringt. Dann sind die vielen kleinen Endäste des Deltas immer noch verschlammt, nur der Druck des Wassers das dort ankommt ist mehr geworden. So ähnlich ist die Situation in Ihrem Bein. Auch ist es so, dass ein langer Bypass das Blut sehr weit nach unten bringt, vorbei am Oberschenkel, Knie und oberen Anteil des Unterschenkels z.B. Die bessere Versorgung des Fußes kann also mit einer schlechteren Versorgung dieser Teile des Beines einhergehen, denn das Blut wird nun auf direktem Wege und ohne vorherige Abzweigungen direkt zum Unterschenkel geleitet.

    Was ich sagen will: Bypasschirurgie ist sehr wichtig, aber unvolkommen im Vergleich zu dem, was der liebe Gott einmal angelegt hatte. Sie haben allerdings die Möglichkeit aus eigener Initiative Ihre Situation zu verbessern. Der besagte Herr im Himmel hat für den Fall, dass in unserem Körper etwas kaputt geht, Reparaturmechanismen vorgesehen.

    Zum einen kann der Körper verstopfte Aderen wieder frei putzen. Das weiß man von Untersuchung an amerikanischen Soldaten, die vor dem jahrelangen Einsatz in Vietnam Ablagerungen in den Adern hatten und anschließend nicht mehr, weil sie in der Zwischenzeit statt Hamburgern Fisch und statt Pommes Reis essen mussten. Dieser Reparaturmechanismus arbeitet allerdings sehr langsam und bringt nur dann spürbare Erfolge, wenn es "noch nicht so schlimm" ist, also zwar Ablagerungen aber noch keine Verschlüsse bestehen.

    Es gibt aber noch einen weiteren Mechanismus und der funktioniert gerade dann, wenn es schlimm ist: Der Körper hat Reserven in Form von sehr kleinen Adern, die er trainieren kann, so dass sie größer werden und die Transportfunktion der kranken Adern übernehmen können. Dazu muss man ein Gehtraining machen. Jeden Tag, sehr konsequent und sehr geduldig, denn so etwas dauert.

    Vor allem aber müssen Sie die Voraussetzung dafür schaffen, dass es den Adern gut geht. Adern hassen Nikotin, sie ziehen sich beim ersten Zug aus der Zigarette zusammen. Adern hassen Cholesterin, denn es macht eine Entzündung in der Arterienwand. Adern lieben frische Luft, denn dann ist das Blut so schön sauerstoffreich. Adern lieben eine gute Durchblutung der Haut (Kneippen, Wechseldusche, evtl vorsichtig Sauna), denn dann werden die Endgefäße so schön weit und man kann mal so richtig entspannen. Adern hassen es wenn sie frieren müssen (immer warme Socken tragen).

    Einzig was den Blutdruck angeht, bin ich nicht davon überzeugt, dass es gut ihn mit Gewalt auf die aktuellen Richtwerte zu drücken. Im Gegenteil: Solange die Durchblutung schlecht ist, darf man den Blutdruck gar nicht zu sehr senken, sonst führt die Druckdifferenz - im Bereich der Verstopfungen geht Druck verloren - zu Schmerzen und Mangeldurchblutung am Fuß.

    Meine Patienten machen Gehtraining und zwar fast 100%, obwohl in großen amerikansichen Studien bewiesen worden ist, dass nur knap 10% der Patienten den Anweisungen des Arztes folgen. Ich denke, das hat 2 Gründe: Erstens erkläre ich meinen Patienten, dass ich ihnen nur sagen kann, was sie tun müssen, es aber nicht für sie tun kann. Die Verantwortung liegt also ganz allein beim Patienten und ich kann nur beraten. Zweitens mache ich meinen Patienten klar, was Sache ist und dass sie eigentlich nur diese eine Chance haben. Bypässe sind unvollkommen und gehen irgendwann zu. Die Umleitungen, die man sich durch Training erarbeitet, sind sehr perfekt, denn sie entstehen genau dort, wo sie am meisten gebraucht werden und sie bleiben meist für den Rest des Lebens erhalten. Ich bringe das mit so drastischen Worten auf den Punkt wie: Wenn Sie auf beiden Beinen durch den Rest Ihres Lebens gehen wollen, dann haben sie praktisch keine andere Wahl.

    Dann erkläre ich das Gehtraining und dann sage ich noch etwas, was ich wirklich aufrichtig meine: Wenn es mal nicht klappt oder Sie verzweifeln, dann akzeptieren das. Nehmen sie sich einen Tag Pause zum verschnaufen, aber fangen Sie am nächsten Tag wieder an. Ich glaube daran, dass Sie das schaffen können.

    Zugegeben, ich freu mich blöd, wenn es wirklich klappt, jedes Mal wieder.

    So, Sie wollen jetzt wahrscheinlich wissen, wie Gehtraining geht.

    Sie müssen im FLOTTEN TEMPO spazieren gehen und zwar möglichst in der Ebene, also ohne Steigung. Zählen Sie die Schritte bis DER SCHMERZ KOMMT. Bleiben Sie sofort stehen und rechnen Sie Anzahl der Schritte minus 10%, also z.B. 30-3=27. Diese 27 Schritte sind Ihre Trainingsstrecke. Sie sollen also bei Gehtraining KEINE sCHMERZEN HABEN. Am Sonntag dürfen Sie austesten, ob sich die schmerzfreie Strecke schon verändert hat, sonst so weitermachen.

    Wer Glück hat, spürt schon nach 2-3 Wochen, dass sich etwas tut. Wer länger warten muss, soll Geduld haben. Es kann 3 Monate dauern bis die Gehstrecke besser wird.

    Fürs Gehtraining ist es nie zu spät!!!

    Es geht besser, wenn man dabei positiv denkt, z.B. ich möchte wieder gehen können,
    ich möchte um den Wannsee laufen ohne stehen bleiben zu müssen, ich möchte den Höhenweg auf der Zugspitze gehen, wie schön ist es, den Sonnenuntergang zu genießen, meinem Hund ist es noch nie so gut gegangen, ich hätte nie gedacht, dass der Herrn von nebenan so nett ist, den ich jetzt jeden Tag sehe...

    Alles Gute und einen schönen Tag wünscht

    Dr. Ive Schaaf

    Kommentar


    • RE: Bypass


      Wenn die Durchblutung schlecht ist, dann betrifft das nicht nur die großen Adern, die man durch Bypässe ersetzen kann, sondern gerade auch die kleinen Adern, für die man operativ nichts tun kann. Stellen Sie sich vor, das Nil-Delta ist verschlammt und Sie verbessern den Zufluss zum Delta durch einen Kanal, der von der Seite Wasser zum Delta hinbringt. Dann sind die vielen kleinen Endäste des Deltas immer noch verschlammt, nur der Druck des Wassers das dort ankommt ist mehr geworden. So ähnlich ist die Situation in Ihrem Bein. Auch ist es so, dass ein langer Bypass das Blut sehr weit nach unten bringt, vorbei am Oberschenkel, Knie und oberen Anteil des Unterschenkels z.B. Die bessere Versorgung des Fußes kann also mit einer schlechteren Versorgung dieser Teile des Beines einhergehen, denn das Blut wird nun auf direktem Wege und ohne vorherige Abzweigungen direkt zum Unterschenkel geleitet.

      Was ich sagen will: Bypasschirurgie ist sehr wichtig, aber unvolkommen im Vergleich zu dem, was der liebe Gott einmal angelegt hatte. Sie haben allerdings die Möglichkeit aus eigener Initiative Ihre Situation zu verbessern. Der besagte Herr im Himmel hat für den Fall, dass in unserem Körper etwas kaputt geht, Reparaturmechanismen vorgesehen.

      Zum einen kann der Körper verstopfte Aderen wieder frei putzen. Das weiß man von Untersuchung an amerikanischen Soldaten, die vor dem jahrelangen Einsatz in Vietnam Ablagerungen in den Adern hatten und anschließend nicht mehr, weil sie in der Zwischenzeit statt Hamburgern Fisch und statt Pommes Reis essen mussten. Dieser Reparaturmechanismus arbeitet allerdings sehr langsam und bringt nur dann spürbare Erfolge, wenn es "noch nicht so schlimm" ist, also zwar Ablagerungen aber noch keine Verschlüsse bestehen.

      Es gibt aber noch einen weiteren Mechanismus und der funktioniert gerade dann, wenn es schlimm ist: Der Körper hat Reserven in Form von sehr kleinen Adern, die er trainieren kann, so dass sie größer werden und die Transportfunktion der kranken Adern übernehmen können. Dazu muss man ein Gehtraining machen. Jeden Tag, sehr konsequent und sehr geduldig, denn so etwas dauert.

      Vor allem aber müssen Sie die Voraussetzung dafür schaffen, dass es den Adern gut geht. Adern hassen Nikotin, sie ziehen sich beim ersten Zug aus der Zigarette zusammen. Adern hassen Cholesterin, denn es macht eine Entzündung in der Arterienwand. Adern lieben frische Luft, denn dann ist das Blut so schön sauerstoffreich. Adern lieben eine gute Durchblutung der Haut (Kneippen, Wechseldusche, evtl vorsichtig Sauna), denn dann werden die Endgefäße so schön weit und man kann mal so richtig entspannen. Adern hassen es wenn sie frieren müssen (immer warme Socken tragen).

      Einzig was den Blutdruck angeht, bin ich nicht davon überzeugt, dass es gut ihn mit Gewalt auf die aktuellen Richtwerte zu drücken. Im Gegenteil: Solange die Durchblutung schlecht ist, darf man den Blutdruck gar nicht zu sehr senken, sonst führt die Druckdifferenz - im Bereich der Verstopfungen geht Druck verloren - zu Schmerzen und Mangeldurchblutung am Fuß.

      Meine Patienten machen Gehtraining und zwar fast 100%, obwohl in großen amerikansichen Studien bewiesen worden ist, dass nur knap 10% der Patienten den Anweisungen des Arztes folgen. Ich denke, das hat 2 Gründe: Erstens erkläre ich meinen Patienten, dass ich ihnen nur sagen kann, was sie tun müssen, es aber nicht für sie tun kann. Die Verantwortung liegt also ganz allein beim Patienten und ich kann nur beraten. Zweitens mache ich meinen Patienten klar, was Sache ist und dass sie eigentlich nur diese eine Chance haben. Bypässe sind unvollkommen und gehen irgendwann zu. Die Umleitungen, die man sich durch Training erarbeitet, sind sehr perfekt, denn sie entstehen genau dort, wo sie am meisten gebraucht werden und sie bleiben meist für den Rest des Lebens erhalten. Ich bringe das mit so drastischen Worten auf den Punkt wie: Wenn Sie auf beiden Beinen durch den Rest Ihres Lebens gehen wollen, dann haben sie praktisch keine andere Wahl.

      Dann erkläre ich das Gehtraining und dann sage ich noch etwas, was ich wirklich aufrichtig meine: Wenn es mal nicht klappt oder Sie verzweifeln, dann akzeptieren das. Nehmen sie sich einen Tag Pause zum verschnaufen, aber fangen Sie am nächsten Tag wieder an. Ich glaube daran, dass Sie das schaffen können.

      Zugegeben, ich freu mich blöd, wenn es wirklich klappt, jedes Mal wieder.

      So, Sie wollen jetzt wahrscheinlich wissen, wie Gehtraining geht.

      Sie müssen im FLOTTEN TEMPO spazieren gehen und zwar möglichst in der Ebene, also ohne Steigung. Zählen Sie die Schritte bis DER SCHMERZ KOMMT. Bleiben Sie sofort stehen und rechnen Sie Anzahl der Schritte minus 10%, also z.B. 30-3=27. Diese 27 Schritte sind Ihre Trainingsstrecke. Sie sollen also bei Gehtraining KEINE sCHMERZEN HABEN. Am Sonntag dürfen Sie austesten, ob sich die schmerzfreie Strecke schon verändert hat, sonst so weitermachen.

      Wer Glück hat, spürt schon nach 2-3 Wochen, dass sich etwas tut. Wer länger warten muss, soll Geduld haben. Es kann 3 Monate dauern bis die Gehstrecke besser wird.

      Fürs Gehtraining ist es nie zu spät!!!

      Es geht besser, wenn man dabei positiv denkt, z.B. ich möchte wieder gehen können,
      ich möchte um den Wannsee laufen ohne stehen bleiben zu müssen, ich möchte den Höhenweg auf der Zugspitze gehen, wie schön ist es, den Sonnenuntergang zu genießen, meinem Hund ist es noch nie so gut gegangen, ich hätte nie gedacht, dass der Herrn von nebenan so nett ist, den ich jetzt jeden Tag sehe...

      Alles Gute und einen schönen Tag wünscht

      Dr. Ive Schaaf

      Kommentar


      • RE: Bypass


        Vielen Dank für die Schnelle Antwort. Da es meinen Schwiegervater betrifft, muß ich die Antwort erst weiterleiten.Melde mich wieder.
        Gisbert

        Kommentar