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Erstdiagnose Prostatakarzinom

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  • Erstdiagnose Prostatakarzinom

    Bei meinem Partner ( 45 Jahre ) wurde nach rezidiv. Harnwegsinfekten eine urolog. Untersuchung durchgeführt. Es zeigte sich eine leicht einseitig vergrößerte Prostata im Ultraschall. PSA im Februar 0,46 ng/ml. Eine Stanzbiopsie ( insg. 4 PE re. und li. wurde durchgeführt. Bei einer Zystoskopie wurde ein suspekter Befund an der Blasenwand gesehen, der noch abzuklären ist.( Zystitis bedingt DD Tumor )Ergebnis der Biopsie: Adenokarzinom der Prostata im re. Lappen, das durchschnittlich 10% der Gewebezylinder einnimmt. G IIa, Gleason Score 3+3=6, li. tumorfreies Prostata- gewebe.Staging Untersuchungen waren unauffällig. CT o.B. Vorschlag unseres Urologen: PE der Blase, dann radikale Prostatektomie. Wir bitten Sie um Ihre Meinung? OP? Alternativen? Können Sie uns einer Klinik mit hoher Fallzahl und guten Ergebnissen nennen?

    Herzlichen Dank im Voraus für Ihr Bemühen!


  • RE: Erstdiagnose Prostatakarzinom


    Hallo,
    zunächst muss der Befund der Blase abgewartet werden. Sollte sich dort auch ein Tumor zeigen, muss das weitere Vorgehen unter Umständen angepasst werden.
    Die Biopsie bei einem PSA von 0,46 ist ungewöhnlich. Ohne einen klinischen Hinweis beim Tasten oder Ultraschall würde man normalerweise keine Biospie bei diesem PSA machen. Insofern muss die Prostata nicht nur einseitig vergrößert gewesen sein, sondern Ihr Urologe muss einen Verdacht gehabt haben, dass ein Tumor vorliegt. Dies würde ein Tumorstadium von zumindet cT2a bedeuten. Die Zusammenschau der Befunde PSA, klinisches Stadium und Gleason Score ergeben jedoch noch ein sog. low rsik stadium, d.h. es besteht ein niedriges Risiko für eine Ausbreitung ausserhalb der Prostata. Diese low risk Stadien können sehr gut therapiert werden sowohl mit der Radikaloperation als auch mit den Bestrahlungen (externe Bestrahlung oder Seeds). In anbetracht des jungen Alters des Patienten muss festgestellt werden, dass für die Bestrahlungsoptionen lediglich Nachbeobachtungszeiten von ca. 15 Jahren vorliegen. Für die Radikaloperation hat man längere Nachbeobachtungs-Erfahrungen. Man muss jedoch auch anmerken, dass die Überlebenskurven der Radikaoperation und der Bestrahlungen auch nach 10-15 Jahren mit denen der Radikaloperation parallel verlaufen und an zu nehmen ist, dass dies auch im weiteren Verlauf so sein wird. Insofern kann man sowohl die Radikaloperation als auch die Bestrahlungen sei es von aussen oder besser von innen mittels der Seeds als Therapieoption ansehen.
    Falls sie uns mitteilen, aus welcher Gegend Sie kommen, kann ich Ihnen eine erfahrene Klinik in Ihrer Nähe für jede der Therapieoptionen nennen.

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    • RE: Erstdiagnose Prostatakarzinom


      Danke für Ihre Antwort. Wir kommen aus dem Südwestdeutschen Raum( Karlsruhe/ Baden-Baden) . Sind aber nicht unbeding fixiert auf unsere Gegend.

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      • RE: Erstdiagnose Prostatakarzinom


        In Karlsruhe sind Sie zur Radikaloperation sicher bei Prof. Frohneberg im Städtischen Klinikum am besten aufgehoben. Ich hatte das Privileg mehrere Monate im Austausch dort zu arbeiten und habe dort viel lernen können. Die Klinik ist für die Radikaloperation sicher eine gute Wahl.
        Bezüglich der Brachytherapie sind wir in Berlin eine der führenden Einrichtungen in Deutschland und haben als Ausbildungszentrum sehr große Erfahrung mit dieser Therapie.
        Zur externen Bestrahlung sollte man ein Zentrum aufsuchen, das auch IMRT beherrscht, das ist in Ihrer Nähe am ehesten Heidelberg oder Tübingen. Ein ausgesprochener Experte auf dem Gebiet dieser speziellen Bestrahlung ist Dr. Böhmer von der Charite hier in Berlin.

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        • RE: Erstdiagnose Prostatakarzinom


          Lieber Dr Kahmann, herzlichen Dank erst einmal für Ihren Rat.

          Nun ist die Blasenbiopsie gemacht und es scheint kein bösartiger Tumor zu sein. Bei der Kontrolle des PSA im Krankenhaus war der Wert nochmals auf 0,15 gesunken. Nochmals auf Ihre Vermutung zurück zukommen, warum der Urologe eine Stanze durchgeführt hat. Der Urologe sah eine assymmetrisch einseitig vergrößerte Prostata mit Kalkstippchen. Das war der Grund für die Biopsie.

          Bei dem nun so niedrigen PSA Wert sind wir nun sehr verunsichert, ob wir eine Op durchführen lassen oder erstmals abwarten sollen. Gibt es Tumore , die nicht mit dem PSA Werte korrelieren? Befindet sich der Tumor in einem so frühe Stadium, daß kein PSA freigesetzt wird? Wie sieht es mit noch bestehendem Kinderwunsch aus? Samenspende oder ist nach OP eine Hodenbiopsie zur Samengewinnung möglich?

          Danke für Ihr Bemühen.

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          • RE: Erstdiagnose Prostatakarzinom


            In der Tat gibt es Tumore der Prostata, die nur sehr wenig PSA exprimieren. Dies sind jedoch üblicherweise Tumore mit hohen Gleason Scores. Es wurde jedoch ein Gleason von 6 diagnostiziert, was nicht so ganz passt. Zuwarten ist eine mögliche Alternative, die jedoch wegen des jungen Alters sehr mit Vorsicht zu geniessen ist. In den USA wird vermehrt sogenannte "active surveillance" durchgeführt, bei der der PSA ständig beobachtet wird und jedes Jahr eine erneute Biopsie angestrebt wird. Falls sich in der Kontrolle der PSA stark erhöht oder die Biopsie progredient ist, wird zu einer aktiven Therapie geraten. Parameter wann man dieses Vorgehen empfiehlt sind jedoch kleine Tumoren mit nur einer positiven Biopsie und Gleason bis 4. Die Empfehlung einer aktiven Therapie (OP, externe Radiatio oder Seeds) ist schwer, speziell in Anbetracht des jungen Alters. Bezüglich des Kinderwunsches empfiehlt sich eine Samenspende. Eine Biopsie zur Spermiengewinnung ist möglich, jedoch sollte man die Samenspende vorziehen, wenn dort genügend Spermien gewonnen werden können.

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