Eine Frau in Bademantel cremt ihre Füße ein.
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Entgiftungspflaster: Funktionieren sie wirklich?

Tee, Saftkuren, Pillen, Pulver: Der Detox-Markt boomt. Ein Produkt liegt derzeit ganz besonders im Trend: das Entgiftungspflaster. Es soll über Nacht Schadstoffe aus dem Körper herausziehen und so Erkrankungen, Entzündungen und Stress lindern. Kann das wirklich funktionieren?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was sind Entgiftungspflaster?

Entgiftungspflaster sind selbstklebende Pflaster, die Giftstoffe aus dem Körper herausziehen sollen. Weitere bekannte Begriffe für das Produkt sind Vitalpflaster, Chi Pads, Detox Pads, Detox Patches oder Detox-Pflaster. Der Begriff "Detox" steht für Detoxifikation, also Entgiftung. Die Pflaster werden in der Regel über Nacht auf den Fußsohlen angebracht. In dieser Zeit soll dann eine Entgiftung stattfinden, auch als Entschlackung bekannt.

Der Begriff "Schlacken" ist wissenschaftlich nicht definiert. Dabei soll es sich um Ablagerungen aus Schad- und Giftstoffen handeln, die über ungesunde Ernährung und Umwelteinflüsse in unseren Körper gelangen.

Inzwischen gibt es zahlreiche Hersteller der Detox-Pflaster. Der Preis liegt im Schnitt bei 2 Euro pro Pflaster. In der Regel werden die Pflaster allerdings nicht einzeln, sondern in größeren Verpackungen verkauft. So zahlen die Kund*innen direkt mehr. Im Netz finden sich auch zahlreiche Anleitungen, um Entgiftungspflaster selbst herzustellen. Die Inhaltsstoffe einzeln zu kaufen ist aber nicht unbedingt günstiger. 

Die Pflaster sind für eine einmalige Verwendung gedacht. Sie decken die gesamte Fußsohle ab und bleiben die ganze Nacht kleben. Erst am nächsten Morgen werden sie entfernt. Nach dem Abziehen ist eine Verfärbung zu erkennen, die das Ergebnis der Entgiftung anzeigen soll: Zu Beginn der "Pflaster-Kur" sollen laut Verpackungsangabe deutlich stärkere Rückstände sichtbar sein als zum Ende hin. 

Woraus bestehen Entgiftungspflaster?

In aller Regel enthalten Detox-Pflaster überwiegend pflanzliche Inhaltsstoffe, die eine entgiftende Wirkung haben sollen. Dazu zählen zum Beispiel folgende Substanzen:

Was sollen Entgiftungspflaster bewirken?

Hersteller von Detox-Produkten wie Entgiftungspflastern argumentieren, dass der Mensch heutzutage konstant schädlichen Einflüssen ausgesetzt sei. Über Lebensmittel nehmen wir zum Beispiel ungesunde Giftstoffe in unseren Körper auf, so heißt es. Die Detox-Industrie suggeriert: Wer sich nicht regelmäßig von diesen Giftstoffen befreit, riskiert, dass sich gefährliche Schlacken ansammeln. Diese Schlacken sollen wiederum Krankheiten begünstigen, Entzündungen auslösen und das Hautbild verschlechtern.

Auffällig ist, dass sich die Produktbeschreibungen je nach Hersteller stark unterscheiden, was die Wirkung der Pflaster betrifft. Folgende Beschwerden sollen sich unter anderem lindern lassen:

Funktionieren Entgiftungspflaster?

Bislang gibt es keinerlei Studien, die die Wirksamkeit von Entgiftungspflastern belegen. Aus naturwissenschaftlicher Perspektive ist eine Entgiftung – zumindest nach bisherigem Stand – weder möglich noch nötig.

Der Körper kann sich selbst entgiften

Zwar können sich durchaus Schadstoffe im Organismus ansammeln, die wir über Nahrungsmittel aufnehmen. Doch unser Körper verfügt über mehrere Methoden, um diese Stoffe wieder loszuwerden.

Ein gesunder Körper kann sich selbst entgiften. Mehr noch: Der Organismus braucht sogar eine gewisse Herausforderung, um optimal zu arbeiten. Nicht jeder Giftstoff ist also grundsätzlich erst einmal schlecht. Eine wichtige Rolle hierfür spielt die Leber. Sie filtert Giftstoffe aus dem Blut heraus und transportiert sie anschließend weiter, sodass sie über den Urin oder den Stuhl wieder ausgeschieden werden.

Wie gelangen die Inhaltsstoffe vom Pflaster in den Körper?

Ein weiterer Punkt, der Zweifel hervorruft: Die menschliche Haut wirkt wie eine natürliche Schutzhülle für den Körper. Das bedeutet, dass sie nicht für alle Substanzen durchlässig ist. So stellt sich die Frage, wie die im Pflaster vorhandenen Inhaltsstoffe überhaupt in den Organismus gelangen. Hierzu werden sogenannte Trägersubstanzen benötigt. Das sind in der Regel Öle oder Fette, die in den Entgiftungspflastern aber nicht enthalten sind. Auch hierzu fehlt es bislang an aussagekräftigen Studien.

Fazit

Was Detox-Produkte wie Entgiftungspflaster versprechen, mag für Kund*innen erst einmal plausibel klingen. Eine geschickte Vermarktung tut ihr Übriges: Ansprechende Designs und Produktnamen suggerieren, dass wir unserem Körper etwas Gutes tun. Ein gesundheitlicher Nutzen konnte bisher allerdings nicht nachgewiesen werden. Inzwischen sind sogar Fälle vor dem Gericht gelandet: Hier wird darüber entschieden, inwieweit "Detox" eine unerlaubte gesundheitsbezogene Angabe ist.

Schaden können die Pflaster nach bisherigem Kenntnisstand nicht. Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, sollte aber vor allem auf einen gesunden Lebensstil achten, sich ausreichend bewegen und ausgewogen ernähren.