Psychopath oder Soziopath?
© Getty Images/unomat

Psychopath oder Soziopath: Was ist der Unterschied?

Rücksichtslosigkeit, Gewaltbereitschaft, ein Mangel an Empathie: All das ist typisch für Psychopathen – und für Soziopathen. Hier erfahren Sie, worin sich Psychopathen und Soziopathen unterscheiden. Außerdem erklären wir Ihnen, was einen "hochfunktionalen Soziopathen" auszeichnet und was der Unterschied zwischen Psychopathen, Soziopathen und Narzissten ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Psychopath vs. Soziopath

Psychopathen und Soziopathen unterscheiden sich vor allem in

  • ihrer Fähigkeit zu fühlen und
  • ihrem Verhältnis zu Mitmenschen.

Während Soziopathen meist noch über ein gewisses Maß an Empathie verfügen, haben Psychopathen mitunter überhaupt kein Einfühlungsvermögen. Der österreichische Psychologe Werner Stangl beschreibt Psychopathen als gefühlskalt, aber charmant und manipulativ genug, um oberflächliche Beziehungen aufzubauen. Sie seien daher oft gut in die Gesellschaft integriert und erfolgreich im Beruf.

Soziopathen hingegen hätten zwar Gefühle, seien aber nicht dazu in der Lage, diese zu kontrollieren. Aufgrund ihrer Impulsivität und Aggressivität gelinge es ihnen nicht, Bindungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten.

Psychopath und Soziopath gleichzeitig geht das?

Jein: Ein Psychopath ist immer auch ein Soziopath, aber ein Soziopath ist nicht zwangsläufig ein Psychopath. Soziopathie ist ein anderer Begriff für die antisoziale Persönlichkeitsstörung. Psychopathie ist eine besonders schwere Form dieser Störung. Daher könnte man stark vereinfacht sagen: Psychopathen sind Hard-Core-Soziopathen.

Psychopathen und Soziopathen ähneln einander zwar in vielem. Vor allem mangelt es beiden an Empathie. Allerdings ist dieser Mangel bei Psychopathen weitaus stärker ausgeprägt als bei Soziopathen.

Soziopath & "hochfunktionaler" Soziopath

Soziopathie ist ein anderer Begriff für die sogenannte dissoziale oder antisoziale Persönlichkeitsstörung. Die Betroffenen

  • haben auffallend wenig Einfühlungsvermögen (Empathie),
  • missachten soziale Regeln und Verpflichtungen,
  • sind nicht dazu in der Lage, längerfristige Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten,
  • sind reizbar, lassen sich leicht aus der Fassung bringen und werden schnell aggressiv,
  • neigen zu Gewalt,
  • haben kaum Schuldbewusstsein und lernen nicht aus Bestrafung.

Meist zeigt sich diese Störung bereits in der Kindheit oder in der frühen Jugend. Warum und wie genau sie sich entwickelt, ist nicht geklärt. Forscher vermuten, dass verschiedene Einflüsse eine Rolle spielen, unter anderem die erbliche Veranlagung, die Erziehung und Funktionsstörungen in bestimmten Bereichen des Gehirns.

"Hochfunktionaler" Soziopath: Was heißt das?

"Ich bin kein Psychopath. Ich bin ein hochfunktionaler Soziopath!" stellt der Detektiv Sherlock Holmes in der bekannten BBC-Serie mehrfach genervt klar. Warum Sherlock kein Psychopath sein kann, ist offenkundig: Er ist zwar arrogant, unhöflich und unbeholfen im Umgang mit Mitmenschen. Aber er ist auch zu tiefen Gefühlen fähig, zum Beispiel für seinen Freund und Kollegen Watson.

Was genau "hochfunktional" heißen soll, erklärt Sherlock in der Serie jedoch nicht. (Stattdessen fordert er sein Gegenüber auf, das mal zu recherchieren.) Vermutlich meint er damit, dass seine sozialen Kompetenzen ausreichen, um nicht "am Rande der Gesellschaft leben" zu müssen, wie es laut dem Psychologen Werner Stangl für Soziopathen typisch ist.

Woran erkennt man Psychopathen?

Für die Diagnose gibt es einen Test, der auf der Psychopathie-Checkliste des kanadischen Kriminalpsychologe Robert D. Hare basiert. Nach dieser Checkliste (beziehungsweise der aktualisierten Fassung dieser Liste) erkennt man einen typischen Psychopathen an folgenden Eigenschaften:

  • Er nutzt andere aus und ist berechnend.
  • Er ist sprach­gewand­t und kann andere durch oberflächlichen Charme für sich gewinnen.
  • Er hat ein er­heblich ü­ber­steiger­tes Selbst­wert­ge­fühl und neigt zur Selbstüberschätzung.
  • Er lügt, betrügt und manipuliert.
  • Er ist gefühlskalt, nur zu oberflächlichen Gefühlen fähig und empfindet kaum oder keine Empathie.
  • Es mangelt ihm an Schuldbewusstsein oder Gewissensbissen.
  • Er ist nicht dazu bereit und fähig, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.
  • Er handelt impulsiv und kann sein Verhalten nicht ausreichend kontrollieren.
  • Ihm ist ständig langweilig und er hat permanent das Bedürfnis nach aufregenden Erlebnissen.
  • Er verfolgt keine realistischen, langfristigen Lebensziele.
  • Seine Partnerschaften sind von kurzer Dauer bzw. er hat mehrere Partner zur gleichen Zeit.

Auch Menschen ohne Persönlichkeitsstörung können einzelne dieser Eigenschaften aufweisen. Psychopathie wird erst diagnostiziert, wenn die meisten dieser Merkmale in einer bestimmten Ausprägung vorhanden sind.

Mehr zu Psychopathie

Unterschied zwischen Psychopath, Soziopath & Narzisst

Im Alltag werden die drei Begriffe oft synonym verwendet als Schimpfwort für rücksichtslose und gefühlskalte Menschen. Aus psychologischer Sicht ist das falsch. Hinter Soziopathie, Psychopathie und krankhaftem Narzissmus verbergen sich zwei unterschiedliche Störungen, nämlich

  • die dissoziale Persönlichkeitsstörung und
  • die narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Soziopathen und Psychopathen sind Menschen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung. Soziopathie ist ein anderer Begriff für diese Störung. Psychopathie ist eine schwere Form der Soziopathie.

Narzissten haben nicht unbedingt eine psychische Störung. Narzissmus ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die sich in übertriebener Selbstliebe und Eitelkeit äußert. Die Eigenschaft selbst ist aber noch nicht krankhaft. Die Diagnose "narzisstische Persönlichkeitsstörung" erhält eine Person nur, wenn der Narzissmus bei ihr sehr stark ausgeprägt ist.

Zwischen Psychopathen und krankhaften Narzissten gibt es durchaus Gemeinsamkeiten: Auch Narzissten verhalten sich typischerweise rücksichtslos und manipulativ. Wie Psychopathen neigen sie zu einem ausbeuterischen Beziehungsstil, also dazu, ihre Mitmenschen auszunutzen.

Es gibt aber zwei Merkmale, die bei Psychopathen in der Regel deutlich stärker ausgeprägt sind als bei krankhaften Narzissten:

  • ihr Mangel an Empathie
  • ihre Gewissenlosigkeit