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OP ja oder nein

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  • OP ja oder nein

    Sehr geehrte Frau Dr. Schaaf, ich habe seit Jahren Venenprobleme im rechten Bein, bin auch in Behandlung gegangen. Am Unterschenkel habe ich einige Besenreiser und sichtbare, oftmals auch schmerzhafte und heiße sichtbare Venen. Meine
    besonderen Beschwerden begannen dann vor einigen Jahren im rechten Oberschenkel, ich hatte das Gefühl, daß der OS deutlich dicker ist als der linke und ich empfand ein eigenartiges Gefühl, so als
    würde mir jemand das Bein kurz unter dem Becken
    mit einer Schlinge abdrücken. An manchen Tagen kann ich schlecht stehen und gehen, das Bein
    schwillt auch insgesamt an. Nun wurde mir die Diagnose gestellt, daß ich eine Insuffizienz 2. Grades
    der Vene magma haben soll (genau an der Stelle am
    OS, an der ich die geschilderten Beschwerden ver-
    spüre). Ich habe einen Termin für eine ambulante
    OP erhalten, habe aber Angst davor, besonders vor
    der Narkose. Was genau passiert eigentlich beim
    sog. Venenstripping? Könnte ich die OP noch länger
    verschieben? Sollte ich lieber ins Krankenhaus
    gehen? Warum wird in Deutschland eigentlich
    immer nur das Venenstripping angewendet? Kann
    ich mich auch unter örtlicher Betäubung operieren
    lassen.
    Ich bitte um Verständnis für meine vielen Fragen, leider sind Gefäßchirurgen immer sehr kurz ange-
    bunden und reden kaum mit ihren Patienten.
    MfG - skorpion -
    P.S. Ich bin übrigens 39 Jahre alt

  • RE: OP ja oder nein


    Hallo Skorpion,

    vorweg: Ich hoffe mit Ihnen, dass die Maulfaulheit in den Arztpraxen bald aussterben wird. Ich find´s unmöglich, dass jemand nach dem Arztbesuch noch so viele Fragen hat. Alle Ihre Fragen sind typisch, wenn es um die Frag OP oder nicht geht und gehören meines Erachtens geklärt, selbst wenn der Patient gar nicht selber daran denkt, sie zu stellen.

    Ich versuche mal, eins nach dem anderen zu beantworten, eben auch die Fragen, die Ihnen noch gar nicht klar sind.

    Ich denke, die wichtigste Frage ist: Was wird mir die OP bringen? Werden meine Schmerzen nach der OP verschwinden?
    Wenn es sich um tyische Venenbeschwerden handelt, kann man diese Frage - unter dem Vorbehalt, dass es Ausnahmen gibt - bejahen und dem Patienten Besserung in Aussicht stellen. Ich bin mir nach Ihrer Schilderung nicht uneingeschränkt sicher, dass das für Sie so eintreffen wird. Es gibt aber eine Möglichkeit, das vorab "auszutesten". Sie brauchen nach einer Venenoperation sowieso Oberschenkel-Kompressionsstrümpfe der Klasse II. Lassen Sie sich diese Strümpfe jetzt schon verschreiben und tragen Sie sie mindestens zwei Wochen lang, vor allem bei den Tätigkeiten, die Ihnen üblicherweise die Beschwerden machen. Wenn die Probleme mit Strümpfen nicht mehr auftreten, werden Sie aller Wahrscheinlichkeit von der OP profitieren. Wenn nicht, dann sollten Sie erst mal nach einer anderen Ursache Ihrer Beschwerden suchen, denn ich gehe davon aus, dass es Ihnen in allererster Linie darum geht, die Schmerzen los zu werden.

    Die nächste Frage würde ich gern so formulieren: Warum sollte man Krampfadern überhaupt operieren lassen? Und: Soll man sie selbst dann operieren lassen, wenn sie nicht weh tun?
    Die Antwort: Eine Krampfader ist ein Venenabschnitt, in dem die Venenklappen ihre Funktion als Ventile aufgegeben haben. In diesem Venenabschnitt staut sich das Blut und das hat zur Folge, dass erstens immmer mehr Venen ihre Transportfunktion verlieren und zweitens das tiefe Venensystem mehr arbeiten muss als sonst. Das kann es nur eine bestimmt Zeit leisten, bevor es dann auch Schaden nimmt.
    Zusammenfassung: Es macht immer Sinn, krankhaft veränderte Venenabschnitte (= Krampfadern) zu behandeln, damit das Blut anschließend nur noch über gesunde Venen fließt. Der Zeitpunkt hängt aber von den Bedürfnissen des Patienten ab, wenn keine akute Gefahr besteht.

    Nächste Frage: ambulant oder stationär?
    Ich bevorzuge die ambulante OP, wenn keine schwerwiegenden Grunderkrankungen vorliegen. Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, eine Stripping-OP stationär durchzuführen. Je eher der Patient wieder in seiner gewohnten Umgebung ist, um so eher wird er seine Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen und das ist die beste Maßnahme, um rasch wieder gesund zu werden und Komplikationen zu vermeiden. Ein Erwachsener, der Bettruhe einhält, läuft Gefahr eine Thrombose zu bekommen, selbst wenn er nicht operiert worden ist.

    Zur Frage Narkose oder örtliche Betäubung:
    In der Venenchirurgie werden alle Narkoseverfahren angewandt: Vollnarkose, Teilnarkose und örtliche Betäubung. Am besten ist es, man lässt sich vom Operateur eine Methode empfehlen und fragt den Hausarzt, ob er damit einverstanden ist, wegen eventueller Grunderkrankungen. Alle Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile, nur eins sollten Sie vorab wissen: Die ambulante Vollnarkose ist etwas ganz anderes als eine Vollnarkose wie Sie sie von früher oder von stationären OPs möglicherweise kennen. Unmittelbar nach Ende des Eingriffs sind Sie wieder wach, dürfen schon kurze Zeit später etwas essen und sind nach etwa 2 bis 4 Stunden so fit, dass Sie ohne Probleme nach Hause gehen können. Aus meiner Sicht braucht man vor einer solchen Narkose keine Angst zu haben. Aber tun Sie sich keinen Zwnag an: Vereinbaren Sie vor der OP einen Termin mit dem Narkosearzt. Nennen Sie ihm Ihre Bedenken und lassen Sie sich von dem beraten, der dann auch tatsächlich die Narkose durchführt.

    Letzte Frage: Warum wird in Deutschland nur das Venenstripping durchgeführt?
    In Deutschland wird sehr viel mehr gemacht. Kleinkalibrige Varizen der oberen Hautschichten lassen sich nicht strippen (herausziehen) und werden deshalb verödet oder galvanisiert, siehe Beiträge Besenreiser. Kleine Krampfadern, sogenannte Seitenäste können verödet oder mittels Ministripping entfernt werden. Die große Rosenvene (Vena saphena magna) schließlich wird tatsächlich meist getrippt, es gibt aber auch andere Verfahren. So verfechten manche Leute die ausschließliche Behandlung "strategisch wichtiger Punkte" in der Annahme, dass sich der Rest dann von allein richtet. Meine Erfahrungen mit Patienten, die so operiert wurden, sind nicht gut. Das soll nicht heißen, dass das Verfahren nicht gut ist, aber zu mir kommen nur Leute, die damit nicht zufrieden ist. Außerdem hat sich die Methode irgendwie nicht durchgesetzt, obwohl sie eigentlich zahlreiche Vorteile aufweist.
    Noch relativ neu sind Laserverfahren.
    Ebenfalls innovativ ist die Schrumpfung der Vene mit Radiowellen (hat nichts mit Radioaktivität zu tun). Dieses so genannte VNUS Closure Verfahren zeichnt sich dadurch aus, dass auf den Schnitt in der Leiste verzichtet wird und auch kein Bluterguss am Oberschenkel entsteht. Dadurch sind die Betroffenen sehr viel schneller wieder voll fit als beim normalen Stripping. Langzeitergebnisse liegen bis jetzt noch nicht vor. Die Kontrollen nach einem Jahr sind aber so gut, dass man davon ausgeht, dass die Dauerprognose genauso gut ist wie nach einem klassischen Stripping ist. Nach beiden Verfahren können sich natürlich wieder neue Krampfadern bilden, da der Mensch die Veranlagung behält, aus gesunden Venen kranke zu machen.

    Weitere Fragen? Nicht alles ausreichend beantwortet? Mir dürfen Sie´s sagen. Ich stehe Ihnen so lange zur Verfügung bis alle Klarheiten beseitigt sind.

    Herzliche Grüße
    Dr. Ive Schaaf

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    • RE: OP ja oder nein


      Sehr geehrte Frau Dr. Schaaf. vielen, vielen Dank für die mehr als ausführliche Beantwortung meiner
      Anfrage. Ich habe noch einmal meine genaue Diagnose nachgelesen, diese lautet: Insuff. der
      Vena saphena magna dextra. Mein behandelnder
      Gefäßchirurg sprach davon, daß nur Insuff. bis zum
      Knie bestehen soll und wahrscheinlich auch nur die Vene bis zum Knie herausgezogen werden soll. Nach Abklingen der OP-Beschwerden darf ich dann auf eigene Kosten die sichtbaren Adern sowie Besenreiser im Unterschenkelbereich entfernen lassen (pro Sitzung ca. 40 €!!!), Nun meine Frage:
      Kann ich mit dem Arzt reden und verlangen, daß er
      während des Strippings auch gleich die große Krampfader im US mit entfernt? Schließlich habe ich dort Schmerzen und sie hat bereits angefangen, diese kräusilge Form annzunehmen, wie man sich
      herkömmliche Krampfadern so vorstellt. Es tut mir leid, aber ich habe bei Chirurgen immer ein so merk-
      würdiges Gefühl, so als würde dort auf Masse hin operiert, ohne sich so richtig mit dem genauen Problem zu befassen und wer fragt, wird abgekanzelt. Ich bin einfach unsicher, ob ich wirklich
      operiert werden muß und habe auch ein Problem mit
      den Oberschenkel-Strümpfen. Ich habe seit Monaten
      Strümpfe im Schrank, die ich noch nie getragen habe, einfach aus dem Grund, weil sie nicht genau bis zur Leiste reichen, sondern wie ein halterloser
      Damenstrumpf am Bein anliegen. Oben quillt alles raus und eine Kompression ist an der "strategisch
      wichtigen Stelle" nicht gegeben. Sollte ich hier nicht
      lieber eine Strumpfhose tragen? Wie lange werde ich den nach der OP Schmerzen und einen Bluter-
      guss haben, wird eine Krankschreibung wirklich 3
      bis 4 Wochen dauern? Ich habe Sorgen um meinen
      Arbeitsplatz und möchte eigentlich nicht so lange ausfallen.
      Sehr geehrte Frau Dr. Schaaf, ich habe wieder viele
      Fragen gestellt, hoffe aber, daß ich Sie nicht allzusehr von Ihrer Arbeit abhalte.
      Mit freundlichen Grüßen
      Skorpion

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      • RE: OP ja oder nein


        Hallo Skorpion,

        ich antworte gerne.

        Es gibt tatsächlich Operateure, die im ersten Durchgang nur die Vena saphena magna herausziehen uund Seitenäste später behandeln, sei es per Ministripping, z.B. in ärtlicher Betäubung oder per Verödung. Die Behandlung von Seitenästen ist allerdings eine Kassenleistung. Ich sehe keinen Grund, warum Sie die selber bezahlen sollten.

        Anders verhält es sich bei Besenreisern. Deren Behandlung ist keine Kassenleistung und muss daher ggf. vom Patienten selbst übernommen werden. 40 Euro pro Situng sind im Rahmen. Da muss man sich eher die Frage stellen: Weiviel wird in einer Sitzung gemacht? Dazu habe ich schon haarsträubende Geschichten gehört.

        Zurück zur OP. Ich denke, es ist vorteilhaft, unmittelbar nach dem Stripping auch die Seitenäste operativ zu entfernen. Eine Krankschreibung für drei bis vier Wochen ist meiner Erfahrung nach nur in Ausnahmefällen erforderlich. 14 Tage reichen in der Regel aus. Patienten, die mit dem VNUS Verfahren behandelt werden, können nach spätestens einer Woche wieder alle normalen Tätigkeiten ausführen.

        Zu den Strümpfen: Auch ich verschreibe halterlose Oberschenkelstrümpfe, wenn die Form der Oberschenkel nicht dagegen spricht. Das Problem mit dem "Drüberquellen" wäre in der Tat ein Grund, eher eine Strumpfhose zu wählen. In solchen Fällen ist das Sanitätshaus gefordert, den Patienten richtig zu beraten, ihm zu zeigen, wie der Strumpf richtig angezogen wird, welche Fehler vermieden werden sollten und Tipps für eventuell auftretende Probleme zu geben. Die Sanitätshäuser können dazu im Rahmen von Schulungen besondere Kompetenz erreichen.

        Zum Thema "Mit dem Arzt verhandeln":
        Ich halte es für gut, mit dem Arzt klar darüber zu sprechen, was einen davon abhält, ihm den Auftrag für die Operation zu geben. Sie sollten allerdings schon das Gefühl haben, dass Sie auf offene Ohren stoßen werden, sonst investieren Sie vergeblich Zeit und Mühe. Der Ausweg könnte sein, einen anderen Chirurgen nach seiner Meinung und seinem Vorschlag zum weiteren Vorgehen zu befragen. Eine "Zweitmeinung" einzuholen ist völlig in Ordnung.

        Auf jeden Fall alles Gute für Sie.

        Dr. Ive Schaaf

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