Tivicay 25 mg/ -50 mg Filmtabletten

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 13.04.2017
Hersteller: ViiV Healthcare UK Limited
Wirkstoff: Dolutegravir
Darreichnungsform: Filmtablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Tivicay 25 mg/ -50 mg Filmtabletten enthalten den Wirkstoff Dolutegravir. Zu beachten ist außerdem die besondere Wirkung von Tivicay 25 mg/ -50 mg Filmtabletten.

Dolutegravir wird in Kombination mit anderen virenhemmenden Mitteln zur Behandlung von Infektionen mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV), dem Erreger von AIDS bei Erwachsenen und bei Jugendlichen im Alter von über zwölf Jahren eingesetzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Dolutegravir sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe virenhemmende Mittel, zu welcher der Wirkstoff Dolutegravir gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • Infektionen mit dem AIDS-Erreger HIV bei Erwachsenen und bei Jugendlichen im Alter von über zwölf Jahren - in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten

Dosierung

Eine Behandlung mit dem Medikament sollte nur von einem Arzt verschrieben
und betreut werden, der in der Behandlung von HIV-Infektionen erfahren ist.

Die Dosierug erfolgt nach Körpergewicht: bei Kindern von 15 bis unter 20 Kilogramm werden einmal täglich zwei 10mg-Tabletten eingenommen (ein entsprechend dosiertes Präparat steht zur Verfügung). Kinder von 20 bis unter 30 Kilogramm erhalten eine 25mg-Tablette täglich. Ein Körpergewicht von 30 bis unter 40 Kilogramm erfordert die einmal tägliche Dosierung von einer 25mg- und einer 10mg-Tablette.

Kinder und Erwachsene über 40 Kilogramm Körpergewicht nehmen einmal täglich eine 50mg-Tablette ein. Sie sollten aber zweimal täglich eine 50mg-Tablette nehmen, wenn gleichzeitig andere virenhemmende Mittel wie Efavirenz, Nevirapin, Tipranavir oder Ritonavir oder das Tuberkulose-MittelRifampicin angewendet werden.

Wird eine Integrase-Inhibitor-Resistenz der Viren festgestellt oder vermutet, beträgt die empfohlene Dosis zweimal täglich eine Tablette. Die Entscheidung, Dolutegravir bei diesen Patienten anzuwenden, wird der Arzt nach Tests auf die Art der Viren fällen. Die gleichzeitige Anwendung von virenhemmenden Mitteln wie Efavirenz, Nevirapin, Tipranavir/Ritonavir oder Tuberkulose-Mitteln wie Rifampicin sollte bei dieser Patientengruppe vermieden werden, um die Wirkung des Medikaments nicht zu gefährden.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Macrogol
  • mikrokristalline Cellulose
  • Talkum
  • Titandioxid (E171)
  • Eisenoxide und -hydrate (E 172)
  • Mannitol
  • Natriumstearylfumarat
  • Poly(O-carboxymethyl)stärke-Natriumsalz
  • Poly(vinylalkohol)
  • Povidon K29/32

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall.

Häufige Nebenwirkungen:
Schlafstörungen, unnormale Träume, Schwindel, Erbrechen, Blähungen, Schmerzen im Oberbauch, Bauchschmerzen, Bauchbeschwerden, Hautausschlag, Juckreiz, Abgeschlagenheit, Leber-Enzym-Wertveränderungen (Anstieg von ALAT und/oder ASAT im Blut, Anstieg der Kreatin-Phosphokinase im Blut.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktion, Immun-Rekonstitutions-Syndrom, Leberentzündung.

Besonderheiten:
Bei Auftreten von Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion (wie schwerer Hautausschlag oder Hautausschlag, der mit einem Anstieg an Leber-Enzymen einhergeht, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Blasenbildung, Mundschleimhautwunden, Bindehautentzündung oder Gesichtsschwellungen) sollte die Behandlung mit Dolutegravir und anderen dafür in Betracht kommenden Wirkstoffen sofort beendet werden.

Das Immun-Rekonstitutions-Syndrom entwickelt sich bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Defekt der körpereigenen Abwehr meist zu Beginn einer Kombinationstherapie mit virenhemmenden Mitteln. Es handelt sich dabei um eine entzündliche Reaktion auf bisher nicht entdeckte Infektionen. Der Verlauf ist oft sehr schwer.

Wechselwirkungen

Folgende Wirkstoffe können die Blutkonzentration von Dolutegravir absenken:
  • die virushemmenden MittelTipranavir und Ritonavir
  • das Tuberkulose-MittelRifampicin
  • die AntiepileptikaCarbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital und Oxcarbamazepin
  • Johanniskraut (gegen Depressionen)
  • säurebindende Mittel (Antazida) aus Magnesium- oder Aluminium-Verbindungen
  • Eisen-Verbindungen
  • Calcium-Verbindungen
  • Multi-Vitamin-Präparate.
Im Falle einer Unempfindlichkeit der Viren gegen Hemmstoffe ihres Integrase-Enzyms ist die Verminderung der Konzentration von Dolutegravir im Blut besonders gefährlich. Um keine Unwirksamkeit zu riskieren, dürfen die genannten Antiepileptika und Johanniskraut keinesfalls zusammen mit Dolutegravir gegeben werden.

Magnesium- und Aluminiumhaltige Antazida sollten wie Eisen- oder Calcium-Präparate mit deutlichem zeitlichen Abstand zur Einnahme von Dolutegravir genommen werden (mindestens zwei Stunden danach oder sechs Stunden davor).

Dolutegravir kann die Konzentration des oralen AntidiabetikumsMetformin im Blut erhöhen. Die Patienten sollten daher während der Therapie ihren Blutzuckerwert sorgfältig überwachen. Gegebenenfalls wird der Arzt ihre Metformin-Dosis anpassen.

Gegenanzeigen

Bei Überempfindlichkeit gegen Dolutegravir darf der Wirkstoff nicht verwendet werden.

Manche HI-Viren sind gegen Hemmstoffe ihrer Integrase-Enzyme unempfindlich (resistent). Dadurch ist die Wirksamkeit von Dolutegravir beträchtlich eingeschränkt. In welchem Ausmaß Dolutegravir bei Vorliegen einer Integrase-Hemmstoff-Resistenz eine zusätzliche Wirksamkeit bietet, ist nicht bekannt. Die Anwendung liegt dann im Ermessen des Arztes.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle der Leberwerte sollten Patienten mit zusätzlichen Leberentzündungen durch Hepatitis-B- und/oder Hepatitis-C-Viren mit Dolutegravir behandelt werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Nach vermehrter Anwendung von Dolutegravir auch in der Schwangerschaft haben sich bei manchen Neugeborenen Missbildungen des Rückenmarkskanals ("offener Rücken") gezeigt. Dolutegravir darf daher bei Frauen im gebährfähigen Alter nur eingesetzt werden, wenn der Arzt eine Schwangerschaft vorher sicher ausgeschlossen hat. Auch muss während der ganzen Behandlungszeit eine sichere Verhütungsmethode angewendet werden. Sollte es dennoch zu einer Schwangerschaft kommen und diese im ersten Drittel der Schwangerschaft festgestellt werden, wird der Arzt wenn möglich auf andere virenhemmende Mittel einsetzen.

Es ist nicht bekannt ob Dolutegravir in die Muttermilch übergeht, wie es in den Tierexperimenten der Fall war. Bei säugenden Ratten erreichte Dolutegravir in der Milch eine höhere Konzentration als im Blut des Muttertieres. Daher, und auch um eine Übertragung des HI-Virus zu vermeiden, wird empfohlen, dass HIV-infizierte Mütter ihre Kinder unter keinen Umständen stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Dolutegravir bei Kindern unter zwölf Jahren oder mit einem Gewicht unter 40 Kilogramm ist bisher nicht in Studien erwiesen. Für Kinder und Jugendliche, die mit HIV-1 infiziert sind und eine Integrase-Inhibitor-Resistenz aufweisen, sind keine ausreichenden Studien verfügbar, um eine Dosierung empfehlen.

Warnhinweise

  • Das Medikament sollte nur von einem Arzt angewendet werden, der in der Behandlung von HIV-Infektionen (AIDS) erfahren ist.
  • Bei Auftreten von Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion ist die Behandlung mit dem Medikament sofort abzubrechen.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Filmtabletten)
30 Stück Filmtabletten
50 Milligramm Dolutegravir
90 Stück Filmtabletten
50 Milligramm Dolutegravir
30 Stück Filmtabletten
25 Milligramm Dolutegravir

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Tivicay 25 mg/ -50 mg Filmtabletten sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Dolutegravir (ggf. auch Generika).

Medikament
Darreichungsform

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.