Mann drückt Hausnotruf-Knopf
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Hausnotruf: Kosten, Anbieter und was die Pflegekasse zahlt

Von: Dr. Justus Meyer (Medizinautor und Pflege-Experte)
Letzte Aktualisierung: 18.06.2026

Ein Hausnotruf kann Sicherheit geben, wenn Menschen zu Hause sturzgefährdet sind, gesundheitliche Einschränkungen haben oder im Ernstfall schnell Hilfe benötigen. Per Knopfdruck wird eine Verbindung zur Notrufzentrale hergestellt, die dann passende Unterstützung organisiert. Erfahren Sie hier, wie genau der Hausnotruf funktioniert, was pflegebedürftige Personen und ihre Angehörigen beachten sollten und welche Zuschüsse es gibt.

Was ist ein Hausnotruf – und wie funktioniert er?

Ein Hausnotruf ist ein technisches Pflegehilfsmittel: In der Wohnung steht eine Basisstation, dazu kommt ein Alarmknopf (zum Beispiel an einem Armband oder einer Halskette). Technische Pflegehilfsmittel sollen die Pflege erleichtern oder eine selbständigere Lebensführung ermöglichen.

Das passiert bei einem Hausnotruf typischerweise:

  • Die Person drückt den Notrufknopf oder ein zusätzlicher Sensor (zum Beispiel ein Rauchmelder) löst aus.

  • Ein Bestätigungston nach dem Drücken des Notrufknopfs signalisiert: der Alarm wurde ausgelöst.

  • Die Basisstation stellt eine Verbindung zur Notrufzentrale her (meist per Festnetz oder Mobilfunk).

  • Die Mitarbeitenden der Zentrale sprechen über eine Freisprecheinrichtung der Basisstation in den Raum, die auslösende Person kann ganz normal antworten und muss dafür nicht direkt am Gerät stehen.

  • Antwortet die Person nicht, arbeitet die Zentrale nach dem hinterlegten Notfallplan: Sie ruft beispielsweise benannte Kontaktpersonen an, schickt einen Hintergrunddienst oder alarmiert den Rettungsdienst (je nach Vereinbarung und Situation).

  • Die Notrufzentrale nimmt Kontakt auf, klärt die Situation und entscheidet, welche Hilfe notwendig ist.

  • Je nach Bedarf werden Angehörige, Pflegedienst, ein Hintergrunddienst (auch Interventions- oder Bereitschaftsdienst genannt) oder der Rettungsdienst informiert.

Je nach Anbieter/System gibt es zusätzlich oder alternativ:

  • Kontaktaufnahme über einen tragbaren Funksender mit Sprechfunktion (seltener, eher bei bestimmten Geräten).
  • Rückruf auf ein Telefon/Handy oder Benachrichtigung an Angehörige (z. B. wenn eine mobile Lösung genutzt wird oder das so vereinbart ist).

Hausnotruf und mobiler Notruf sind nicht dasselbe. Ein Hausnotruf ist vor allem für die Wohnung gedacht. Mobile Notrufsysteme sind für unterwegs konzipiert und arbeiten häufig mit Standortfunktion. 

Für wen ist ein Hausnotruf sinnvoll?

Ein Hausnotruf kann besonders hilfreich sein für:

  • Menschen, die überwiegend allein leben und ein erhöhtes Sturzrisiko haben
  • Personen mit chronischen Erkrankungen, bei denen plötzlich Hilfe nötig werden kann
  • die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn zu Hause noch Unsicherheit besteht
  • pflegende Angehörige, die entlastet werden möchten, weil sie nicht jederzeit erreichbar sein können 

Grenzen hat ein Hausnotruf vor allem dann, wenn die betroffene Person den Alarm nicht zuverlässig auslösen kann, zum Beispiel bei fortgeschrittener Demenz. Dann kann es sinnvoll sein, Zusatzfunktionen zu aktivieren oder eine andere Form der Absicherung zu prüfen. 

Welche Leistungen gehören zum Hausnotruf?

Im Basispaket sind je nach Anbieter meist enthalten:

  • Basisstation für die Wohnung (mit Freisprechfunktion)
  • Notrufknopf als Sender
  • Verbindung mit einer Notrufzentrale (rund um die Uhr)
  • Einrichtung/Einweisung und Funktionskontrolle (anbieterabhängig)

Viele Anbieter bieten optionale Zusatzleistungen an. Häufig sind das:

  • Schlüsselhinterlegung oder Schlüsseltresor, damit Hilfe schnell in die Wohnung kommt
  • Bereitschaftsdienst, der bei Bedarf vor Ort unterstützt
  • zusätzliche Sender oder zusätzliche Geräte
  • weitere Melder (zum Beispiel Rauch- oder Wassermelder, je nach System)
  • bei mobilen Lösungen: Standortfunktion und teils automatische Sturzerkennung 

Hausnotruf-Kosten: Womit müssen Sie rechnen?

Die Preise unterscheiden sich je nach Region, Technik und Leistungsumfang. Zur Orientierung: Der Basistarif liegt häufig bei etwa 25 Euro pro Monat, Zusatzleistungen erhöhen die Kosten.

Je nach Anbieter können zusätzlich einmalige Kosten anfallen für:

  • Anschluss/Installation und Einweisung (manchmal im Basistarif enthalten)
  • Schlüsseltresor oder Schlüsselbox (wenn genutzt)

Zuschuss der Pflegekasse: Wann wird der Hausnotruf bezahlt?

Der Hausnotruf zählt zu den technischen Pflegehilfsmitteln. Pflegehilfsmittel können Pflegekassen für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5 übernehmen, wenn die Versorgung zu Hause stattfindet.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme

Eine Kostenübernahme ist in der Regel möglich, wenn:

  • ein Pflegegrad (1-5) vorliegt
  • jederzeit eine Notsituation eintreten kann
  • der Notruf in einer Notsituation nur mithilfe des Systems ausgelöst werden kann, zum Beispiel nach einem Sturz
  • die Person überwiegend allein lebt oder mit Menschen zusammenlebt, die im Notfall selbst keinen Notruf auslösen können 

Wie hoch ist der Zuschuss – und was wird genau bezuschusst?

Die gesetzliche Pflegeversicherung kann auf Antrag derzeit bis zu 25,50 Euro monatlich übernehmen. Damit ist in der Regel der Basistarif abgedeckt. Voraussetzung ist meist, dass der Anbieter von der Pflegekasse anerkannt ist.

Zusatzleistungen wie Schlüsselservice, Hintergrunddienst oder zusätzliche Geräte werden je nach Vertrag häufig nicht vollständig durch die Pauschale abgedeckt und müssen ganz oder teilweise selbst bezahlt werden.

Privatversicherte erhalten vergleichbare Leistungen über die private Pflegepflichtversicherung, häufig im Erstattungsprinzip nach Rechnung. Details hängen vom Tarif ab.

Hausnotruf-Kosten bei Pflegegrad 2 und 3

Gerade bei den Pflegegraden 2 und 3 leben die betroffenen Personen häufig noch im eigenen Zuhause. Es gelten allerdings keine gesonderten Bestimmungen. Die Pauschalen und die Übernahme zusätzlicher Kosten sind genauso geregelt wie bei Pflegegrad 1, 4 und 5. 

Hausnotruf ohne Pflegegrad: Gibt es Alternativen zur Finanzierung?

Ohne Pflegegrad läuft die Finanzierung in der Regel nicht über die Pflegekasse.
Je nach individueller Situation können auch andere Stellen zuständig sein. Das ist immer ein Einzelfall und sollte mit einer Beratungsstelle geklärt werden. Die eigene Pflegekasse ist dafür allerdings ein guter Ansprechpartner.

Hausnotruf-Anbieter im Überblick: DRK, Johanniter, Malteser, ASB, BRK und weitere

Hausnotrufsysteme werden von verschiedenen Organisationen und Unternehmen angeboten. Die Ausgestaltung kann regional unterschiedlich sein.

Wichtige Unterschiede betreffen vor allem:

  • Ablauf in der Notrufkette: Wer wird zuerst kontaktiert, wer leistet Hilfe vor Ort
  • Zusatzoptionen: Schlüsselhinterlegung, Hintergrunddienst, zusätzliche Geräte
  • Vertragliches: Laufzeit, Kündigungsfristen, Kosten bei Wechsel oder Rückgabe
  • Technik: Festnetz oder Mobilfunk, Reichweite des Senders in der Wohnung
  • Kosten: Leistungen, die nicht durch den Basistarif abgedeckt sind

Preislisten und Kostenvergleich: Worauf Sie achten sollten

In Preisübersichten stehen oft nicht nur die Grundgebühr, sondern weitere Kostenpunkte, zum Beispiel:

  • einmalige Anschluss- oder Installationskosten
  • Kosten für Schlüsselservice oder Schlüsseltresor
  • Aufpreise oder Einsatzkosten für Hintergrunddienst
  • Miete oder Aufpreis für Zusatzgeräte

Achten Sie besonders darauf, ob für Einsätze Kosten entstehen können, auch wenn kein Rettungsdienst benötigt wird, und welche Leistungen im Basistarif wirklich enthalten sind. 

Hausnotruf-Preisliste: Ein Beispiel

Hinweis: Das ist eine Muster-Preisliste, wie sie bei Hausnotruf-Anbietern in Deutschland typischerweise aufgebaut ist. Preise können je nach Region, Technik und Leistungsumfang abweichen.

1) Basistarife und Pakete (monatlich)

  • Basisleistung (Notrufzentrale rund um die Uhr, Hausnotrufgerät, 1 Handsender): 25,50 bis 30 Euro/Monat
  • Komfortpaket (häufig mit Schlüsselhinterlegung und Hilfe vor Ort durch Bereitschaftsdienst): 45 bis 55 Euro/Monat
  • Komplettpaket oder All-inclusive (Schlüsselhinterlegung, Hilfe vor Ort ohne zusätzliche Einsatzkosten, Zusatzfunktionen je nach Paket): 52 bis 75 Euro/Monat

2) Einmalige Kosten (bei Vertragsstart oder Service)

  • Aufstellen, Anschließen, Einweisung: 0 bis 50 Euro einmalig
  • Technikerpauschale (inklusive Anfahrt und bis 1 Stunde Arbeitszeit): 99 Euro einmalig (anlassbezogen)
  • Reinigungspauschale (zum Beispiel bei starker Verschmutzung nach Rückgabe): 50 Euro einmalig

3) Schlüsselmanagement (monatlich oder pro Leistung)

  • Schlüsselhinterlegung (wenn nicht im Paket): 10 bis 12,50 Euro/Monat
  • Schlüsseltresor (Miete): 10 Euro/Monat
  • Zusätzliche Leistungen außerhalb der Vereinbarung (zum Beispiel Schlüsseltausch ohne Notfall): 99 Euro pro Einsatz

4) Zusatzgeräte und Zusatzfunktionen (monatlich)

  • Zusätzlicher Handsender: 5 Euro/Monat
  • Zusätzliche Sprachstation: 8 Euro/Monat
  • Reichweitenverstärker: 9 Euro/Monat
  • Powerline-Adapter (Netzwerk über Stromleitung): 4 Euro/Monat
  • Falldetektor (Sturzerkennung): 8 Euro/Monat
  • Rauchwarnmelder (1. Melder): 8,90 Euro/Monat
  • Rauchwarnmelder (ab dem 2. Melder): 4,90 Euro/Monat
  • Temperaturmelder: 9,90 Euro/Monat

5) Hintergrunddienst und Einsätze (wenn nicht im Paket enthalten)

  • Einsatz Hintergrunddienst tagsüber (Montag bis Freitag, 7:00 bis 19:00 Uhr): 75 Euro pro Einsatz
  • Einsatz Hintergrunddienst nachts und am Wochenende (19:00 bis 7:00 Uhr, Samstag und Sonntag ganztägig): 95 Euro pro Einsatz
  • Monatliche Fixkosten-Variante mit Schlüsselhinterlegung, Einsätze zusätzlich: 38 Euro / Monat zuzüglich Einsatzkosten

6) Gebühren bei verspäteter Rückgabe oder Verlust (monatlich oder einmalig)

  • Entgeltpauschale bei Verzug mit Geräte-Rückgabe: 12 Euro/Monat (Hausnotrufgerät)
  • Entgeltpauschale bei Verzug mit Rückgabe mobiler Geräte: 18 Euro/Monat
  • Entgeltpauschale bei Verzug mit Rückgabe Handsender: 9 Euro/Monat
  • Ersatz bei Verlust oder Beschädigung (Richtwert, anbieterabhängig): 20 bis 80 Euro einmalig

Hausnotruf in der Nähe finden

So gehen Betroffene und Angehörige sinnvoll vor: Zuerst wird der Bedarf geklärt – also ob der Basistarif ausreicht oder ob Zusatzleistungen notwendig sind. Danach lohnt sich ein Vergleich von Anbietern vor Ort, inklusive Beratung, Vertragsunterlagen und Leistungsbeschreibung. Hierbei können die Pflegeversicherung und öffentliche Beratungsstellen unterstützen.

Im nächsten Schritt sollte transparent geprüft werden, welche Kosten die Pflegekasse übernimmt und welche Ausgaben als Eigenanteil bleiben. Anschließend folgt die Antragstellung, bei der die Anbieter in der Regel die antragstellende Person unterstützen.

Checkliste für das Erstgespräch mit einem potenziellen Anbieter:

  • Welche Technik wird genutzt (Festnetz oder Mobilfunk)?
  • Funktioniert das System bei Stromausfall oder Routerausfall, und wie ist das abgesichert?
  • Wie weit reicht der Sender in der Wohnung (auch Keller oder Balkon)?
  • Ist die Notrufzentrale rund um die Uhr erreichbar?
  • Welche Reaktionszeiten sind in meiner Region realistisch?
  • Wie läuft die Entscheidung ab, ob Angehörige, Hintergrunddienst oder Rettungsdienst gerufen werden?
  • Wie werden Kontaktpersonen informiert?
  • Gibt es einen Hintergrunddienst und ist er im Preis enthalten?
  • Wie wird der Schlüssel sicher hinterlegt?
  • Welche Kosten fallen einmalig und monatlich an?
  • Gibt es flexible Einsatzkosten oder Pauschalen?
  • Wie sind Laufzeit und Kündigungsfristen geregelt?