Migräne: Wie eine Studie neue Behandlungswege eröffnen kann

Letzte Aktualisierung: 07.05.2026

Jahrelange Schmerzen, sozialer Rückzug und wenig Perspektiven: Für viele Menschen mit Migräne gehört das zum Alltag. Gleichzeitig entwickeln sich die Behandlungsmöglichkeiten stetig weiter, auch durch klinische Studien. Welche Chancen sich daraus ergeben können, zeigt die Erfahrung von Claudia Tetling.

Claudia Tetling steht mit Sonnenbrille im Haar vor einer Steinwand und lächelt in die Kamera

„Meine Kopfschmerztage haben sich halbiert“

Claudia Tetling

Migräne beginnt oft früh und bleibt lange unerkannt

Die ersten Symptome traten bereits in der Kindheit auf. Rückblickend erinnert sich die heute 61-jährige Claudia Tetling, dass sie schon im Grundschulalter unter Beschwerden litt. Neben Kopfschmerzen kamen auch ungewöhnliche Wahrnehmungen hinzu: "Ich sah merkwürdige Bilder, von denen ich nicht wusste, ob sie wirklich waren."

In der Pubertät verstärkten sich die Beschwerden. Licht, Geräusche oder Gerüche wurden kaum ertragen, häufig blieb nur der Rückzug in ein abgedunkeltes Zimmer. Die Attacken ließen sich damals noch "wegschlafen", doch mit der Zeit veränderte sich das Krankheitsbild.

Die Schmerzen traten häufiger auf, hielten länger an und wurden durch verschiedene Auslöser verstärkt, etwa hormonelle Schwankungen, Stress oder Wetterwechsel. Dennoch blieb die Diagnose lange aus.

Auch nach der Diagnose wenig Unterstützung

Erst viele Jahre später wurde die Migräne eindeutig erkannt. Auslöser war eine besonders belastende Lebensphase, in der zusätzlich neurologische Symptome auftraten: "Auf einmal hatte ich extreme Sehstörungen und Wortfindungsstörungen, ich konnte nicht mehr sprechen", erzählt Claudia Tetling.

Die Diagnose brachte zwar Klarheit, aber zunächst kaum neue Perspektiven. Denn die Behandlung beschränkte sich auf Schmerzmittel, eine weiterführende Aufklärung oder individuelle Therapieansätze blieben aus.

In der Folge verschlechterte sich ihre Situation, die Migräne wurde chronisch. "Ich litt unter andauernden Kopfschmerzen, Übelkeit oder Nackenschmerzen und war nie richtig befreit oder fröhlich", erinnert sich die Betroffene.

Neue Ansätze in der Migräneprophylaxe

Eine neue Möglichkeit ergab sich erst später durch die Teilnahme an der TEMPLE-Studie. Darin ging es um eine Migräneprophylaxe am spezialisierten Kopfschmerzzentrum des Universitätsklinikums Essen.

Untersucht wurden zwei unterschiedliche Behandlungsstrategien. Eine etablierte Therapie mit dem Wirkstoff Topiramat sowie eine moderne Behandlung mit dem sogenannten CGRP-Antikörper Atogepant. Im Fokus standen Wirksamkeit, Verträglichkeit und Therapietreue der Teilnehmenden.

Die Entscheidung zur Teilnahme fiel Claudia Tetling trotz möglicher Nebenwirkungen nicht schwer. Denn die engmaschige Betreuung im Rahmen der klinischen Studie gab ihr Sicherheit: regelmäßige Untersuchungen, klare Ansprechpartner*innen und die Möglichkeit, die Teilnahme jederzeit abzubrechen.

Deutliche Verbesserung der Beschwerden

Bereits in den ersten Monaten zeigte sich ein spürbarer Effekt, obwohl sie zunächst nicht wusste, welches Medikament sie erhielt: "Meine Kopfschmerztage haben sich um mehr als die Hälfte reduziert, ich hatte keine Übelkeit mehr."

Mit der weiteren Behandlung verbesserte sich die Befinden von Claudia Tetling zusätzlich. Insgesamt zeigte die Studie, dass die Migräneprophylaxen mit dem Wirkstoff Atogepant bei vergleichbarer oder besserer Wirksamkeit oft besser verträglich sind. Zudem brechen weniger Betroffene die Therapie ab.

Moderne Therapien noch nicht für alle zugänglich

Inzwischen ist der untersuchte Wirkstoff zur Migräneprophylaxe zugelassen. Allerdings kommen moderne Wirkstoffe wie der CGRP-Antikörper erst dann infrage, wenn klassische Behandlungen nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, unter anderem aus Kostengründen.