Klinische Studien: Persönliche Tipps für die Teilnahme
Viele Menschen zögern, wenn es um die Teilnahme an klinischen Studien geht. Zu groß sind die Unsicherheiten, zu unbekannt das Terrain. Dabei kann eine Studienteilnahme echte Vorteile bieten, gerade bei schweren Erkrankungen. Norman Roßberg weiß das aus eigener Erfahrung. Hier erklärt er, worauf es bei einer Studienteilnahme ankommt.
Norman Roßberg erhielt 2016 die Diagnose multiples Myelom. Heute engagiert er sich ehrenamtlich für die Interessen von Betroffenen und ist Mitglied im Advisory Board der Initiative STUDIENWIRKEN. Sein Ziel ist es, über klinische Studien zu informieren und Vorbehalte abzubauen.
Im Krebsbereich gibt es bei Studien keine Placebos! Entweder man bekommt die aktuelle Standardtherapie, also das beste Medikament, das es zu dem Zeitpunkt gibt. Oder man bekommt einen neuen, noch wirksameren Wirkstoff, der einem im besten Fall das Leben erleichtert.
Was steckt wirklich hinter klinischen Studien?
Eines der hartnäckigsten Missverständnisse rund um klinische Studien betrifft Placebos. Viele Betroffene fürchten, ein wirkungsloses Scheinpräparat zu erhalten, während ihre eigentliche Behandlung auf der Strecke bleibt. Im Krebsbereich ist das jedoch schlicht falsch: Denn hier werden keine Placebos eingesetzt.
Das bedeutet: Wer an einer onkologischen Studie teilnimmt, wird in jedem Fall behandelt – entweder mit der besten verfügbaren Standardtherapie oder mit einem vielversprechenden neuen Wirkstoff.
Versuchskaninchen? Dieser Gedanke ist ein Irrtum
Die Sorge, in einer Studie schutzlos neuen Substanzen ausgesetzt zu sein, ist verständlich. Dennoch ist sie unbegründet. Bevor eine klinische Studie in Deutschland überhaupt starten darf, durchläuft sie einen aufwändigen Prüfprozess: Ethikkommissionen, Zulassungsbehörden und gesetzliche Regularien stellen sicher, dass Sicherheit und Wohl der Teilnehmenden an erster Stelle stehen. "Teilnehmende sind also definitiv keine Versuchskaninchen!", stellt Norman Roßberg klar.
Vorteile der Studienteilnahme
Neben dem möglichen Zugang zu neuen Therapieansätzen bringt eine Studienteilnahme oft eine engere medizinische Begleitung mit sich. Untersuchungen erfolgen in festgelegten Abständen, der Gesundheitszustand wird systematisch dokumentiert und Veränderungen werden frühzeitig erfasst.
Auch die Betreuung ist meist intensiver organisiert als im Alltag der regulären Versorgung. Feste Ansprechpartner*innen begleiten den Verlauf und koordinieren die einzelnen Schritte. Dadurch entsteht eine kontinuierliche Rückmeldung zum Krankheitsverlauf.
So findet man eine passende Studie
Wer sich für eine Studienteilnahme interessiert, sollte nicht abwarten, sondern aktiv nach geeigneten Angeboten suchen. Eine erste Orientierung bieten spezialisierte Informationsstellen und digitale Plattformen. Auch behandelnde Ärzt*innen sowie Selbsthilfe- und Patientenorganisationen kennen häufig passende Studien.
Norman Roßberg empfiehlt, verschiedene Quellen zu nutzen und sich breit zu informieren: "Ich empfehle Patient*innen, ihre Erkrankung selbst in die Hand zu nehmen, also aktiv zu werden. Fragt eure Ärzt*innen, informiert euch bei Patientenverbänden, beim Krebsinformationsdienst, hört euch bei anderen Betroffenen um."
Mögliche Anlaufstellen sind unter anderem:
- der Krebsinformationsdienst
- Patientenorganisationen zur jeweiligen Erkrankung
- digitale Studienregister und Studienfinder
- die behandelnde Praxis oder Klinik
Auch KI-gestützte Suchtools können erste Hinweise liefern, ersetzen jedoch keine medizinische Beratung.
Gut vorbereitet ins Aufklärungsgespräch
Um gut vorbereitet in das Aufklärungsgespräch zu gehen, kann es hilfreich sein, sich vorab zentrale Fragen zu notieren. Wichtige Themen sind die folgenden:
Ziel der Studie: Zunächst sollte klar sein, welches Ziel die Studie verfolgt und wie sie abläuft. Dazu gehört, welche Untersuchungen vorgesehen sind, wie lange die Teilnahme dauert und in welchen Abständen Termine stattfinden. Auch die Frage, ob die Behandlung stationär oder ambulant erfolgt, spielt eine Rolle.
Nutzen und Risiken: Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft Nutzen und Risiken. Welche Vorteile sind zu erwarten, welche Nebenwirkungen sind bekannt und wie werden diese überwacht?
Auswirkungen: Darüber hinaus ist relevant, welche Auswirkungen die Teilnahme auf den Alltag hat. Bleiben bisherige Behandlungen bestehen? Müssen Gewohnheiten angepasst werden? Und wie läuft die Abstimmung mit der bisherigen medizinischen Betreuung?
Organisation: Auch organisatorische Fragen sollten geklärt werden. Dazu zählen mögliche Kosten, eine Aufwandsentschädigung sowie die Übernahme von Behandlungsleistungen.
Datenschutz: Nicht zuletzt geht es um den Umgang mit persönlichen Daten und die eigene Entscheidungsfreiheit. Eine Studienteilnahme ist freiwillig und kann jederzeit beendet werden. Wichtig ist zu wissen, welche Konsequenzen das im Einzelfall hat.
Nach Abschluss der Studie stellt sich zudem die Frage, wie es weitergeht, etwa ob ein getestetes Medikament weiterhin verfügbar ist und Ergebnisse kommuniziert werden.
[Anzeige] Warum klinische Studien eine wichtige Rolle spielen
Eine Teilnahme an klinischen Studien kann sowohl für die einzelne Person als auch für die medizinische Forschung relevant sein. Neben einer engmaschigen Betreuung und möglichen neuen Therapieoptionen trägt sie dazu bei, Erkenntnisse über Erkrankungen und Behandlungen zu gewinnen.
Ohne klinische Studien lassen sich neue Therapien nicht ausreichend prüfen und weiterentwickeln. Gleichzeitig bleibt die Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme immer individuell und sollte gut abgewogen werden.
Weitere Informationen und einen Studienfinder gibt es bei der Inititative STUDIENWIRKEN