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Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

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  • Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

    Hallo, liebe Community,

    ich habe mich heute hier angemeldet und erhoffe mir einen Rat von euch.
    Ich bin Annea, 42 Jahre alt und seit mehreren Jahren alleinerziehend. Es geht um meine Tochter, die im Teenageralter ist.

    Eigentlich war sie von Anfang an ein Problemkind.
    Sie war motorisch entwicklungverzögert, lernte spät laufen, Radfahren, schwimmen. Beim Radfahren und später bei ihrem großen Hobby Reiten kam es immer wieder zu unerklärlichen Stürzen. Meine Tochter konnte sich das nicht erklären, sie fiel einfach und der Aufprall fühlte sich ihren Worten nach wie ein Schock an. Sie war von Anfang an auch in allem unglaublich langsam, wirkt bei allem sehr verträumt und etwas unbeholfen.
    Wenn ich das bei den Untersuchungen ansprach, hieß es lapidar: "Das wächst sich raus".

    In der Grundschule war sie noch eine gute Schülerin. Sie nahm aber wenig am Unterricht teil und es machte sich eine gewisse Rechenschwäche bemerkbar.
    In der 4. Klasse gab die Klassenlehrerin die Empfehlung, meine Tochter auf eine Realschule zu schicken, auf dem Gymnasium hätte sie keine Chance. Für mein Mädchen war das richtig tragisch, weil sie dadurch ihre einzige Freundin verlor. Durch ihre Schüchternheit und Langsamkeit war sie immer Außenseiterin.

    Auf der Realschule erfolgte erst einmal ein totaler Absturz bei den Noten. Sogar in Deutsch, was immer die Stärke meiner Tochter war, gab es nur noch schlechte Noten. Erst nachdem ich Gespräche mit verschiedenen Lehrern geführt hatte, wurde es etwas besser. Eine Lehrerin gab mir aber den Rat, mit meiner Tochter einen Psychologen aufzusuchen, weil sie so verschlossen war und so wenig Kontakt zu ihren Klassenkameraden hatte. Auch sei eine gewisse emotionale Unreife erkennbar.
    Ich ging also mit ihr zu einem Psychologen, der einen sehr einfühlsamen und väterlichen Eindruck machte. Ein halbes Jahr lang ging meine Tochter zu ihm in Therapie in einer Gruppe mit anderen Jugendlichen. Ich merkte, dass sie sich dort unwohl fühlte, weil sie sich von den anderen nicht ernst genommen fühlte.

    Seit dem Ende der Therapie vor 2 Jahren hat sich nichts geändert. Ich bemerke, dass meine Tochter viel in einer Traumwelt lebt und weiß nicht, wie ich ihr helfen soll. Leider habe ich nicht immer die Zeit für sie, die ich gern hätte, weil ich voll berufstätig bin.
    Durch ihren Reitunterricht hat sie Kontakt zu anderen Mädchen. Sie ist mit keinem befreundet, fühlt sich aber wohl unter den 12- bis 13-jährigen.

    Im letzten Jahr kam ich auf die Idee, meine Tochter mal von einem Neurologen untersuchen zu lassen, vor allem wegen ihrer extremen Langsamkeit und ihrer teilweise vorhandenen Schusseligkeit. Der Neurologe nahm sich viel Zeit und meinte zunächst, dass er bei der Symptomatik an ADS denke. Es wurde dann ein EEG veranlasst, um andere Erkrankungen auszuschließen. Leider kam dabei heraus, dass es sich um eine leichte Form von Epilepsie (Absence-Epilepsie) handelt. Für mich war das ein Schlag, auch wenn der Arzt meinte, dass sich diese Form bis zum Erwachsenenalter meistens rauswachse.

    Meine Tochter ist nun auf ein Medikament eingestellt, und zufrieden sind wir beide nicht. Sie ist oft müde und dadurch weiterhin stark verlangsamt und leidet unter Konzentrationsstörungen.

    Ihre Noten sind weiterhin eher unterdurchschnittlich. Im letzten Schuljahr war die Versetzung stark gefährdet, doch sie hat es so gerade geschafft und so hoffen wir beide, dass sie nächstes Jahr die mittlere Reife schaffen wird.

    Was aber danach kommen wird, ist mehr als ungewiss.
    Ich war schon mit meiner Tochter zur Berufsberatung beim Arbeitsamt und sie wurde nach ihren Berufswünschen gefragt. Ihre Antwort war: Reitlehrerin oder Fremdsprachenkorrespondentin, was beides irgendwie utopisch ist. An den typischen Mädchenberufen wie Büro- oder Einzelhandelskauffrau oder Arzthelferin hat sie kein Interesse. Sie wirkt auf mich so antriebs-und orientierungslos.

    Könnt ihr mir einen Rat geben, wie ich meinem Mädchen helfen kann?

    Viele Grüße,
    Annea

  • Re: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

    Praktika, Praktika, Praktika! Anders kann das Mädchen gar nicht wissen, wo seine Stärken liegen. Dafür darf man sich ruhig auch ein Jahr nach der Schule zeit nehmen. Vielleicht ist sie eine talentierte Requisiteurin oder Floristin, sie sollte dann einfach mal den Arbeitsalltag erleben. Tolle Schülerpraktika gibt es an spannenden Orten, z.b. beim Radio.
    Beim Wort "Mädchenberufe" klingeln bei mir schon die Alarmglocken. Vielleicht macht sie sich ja gut als Schweißerin, sie muss nicht im Bleistiftrock im Büro sitzen wenn sie nicht will.
    Mit den Problemen deiner Tochter ist das sicher beängstigend, aber heutzutage wissen selbst die reifsten mit 15 noch nicht sicher, was sie werden möchten.

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    • Re: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

      Sie könnte auch Pferdewirtin werden, oder mal ein Auslandsjahr machen, das hilft beim Reifen und Horizont erweitern.
      Island, auf einem Hof mit Islandponys z.B.

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      • Re: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

        Die Berufswünshce würde ich nicht als utopisch abtun.
        Wenn sie was findet für das sie brennt, dann kann sie manches in der Abendschule nachholen was sie dafür braucht, sei es ein Schulabschluss, oder Fremdsprachen.

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        • Re: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

          Hallo Josalia,

          danke für deine Antwort.

          Du hast wohl recht, ein paar Praktika könnten meiner Tochter helfen, den passenden Beruf für sich zu finden.
          Pferdewirtin käme schon aus dem Grund nicht infrage, weil man dort körperlich belastbar sein und flink arbeiten muss.

          Meine Tochter eckt ja aber mit ihrer Langsamkeit überall an. In der Schule ist es eh ein großes Problem und auch im Reitstall hat sich ihre Reitlehrerin schon über sie lustig gemacht, weil sie manchmal eine Stunde lang an einem Pferd rumputzt. Es liegt auch nicht unbedingt daran, dass meine Tochter alles besonders gründlich machen möchte, sondern ihre Motorik ist halt stark verlangsamt.

          Ich würde daher sehr eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung befürworten. Es gibt dort Ämter, wo ja wirklich "eine ruhige Kugel geschoben" wird. Meine Tochter kann sich das aber ebenso wenig vorstellen wie eine Bürotätigkeit.

          Aber ich weiß ja, ich kann und darf sie zu nichts drängen.

          Hallo Tired,

          deinen Rat, ein Auslandsjahr zu machen, finde ich nicht schlecht. Das hätte ich für mich in meiner Jugend super gefunden. ;-)
          Das würde auch die Selbständigkeit meiner Tochter fördern.

          Sie hat schon zweimal Ferien auf einem Reiterhof gemacht und ist gut zurecht gekommen. Auch wenn ihr da wohl auch wieder bewusst geworden ist, dass andere Mädchen in ihrem Alter viel weiter sind als sie selbst. Gleichaltrige können mit ihr nichts anfangen und so hat sie sich wie zu Hause nur mit 12-jährigen abgegeben und hat mit einer davon noch intensiven Kontakt.

          Manchmal habe ich Angst, dass meiner Tochter ihre Entwicklungsverzögerung immer im Weg stehen wird.

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          • Re: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

            Ich glaube du machst dir zu viele Sorgen.
            Versuche deine Tochter zu unterstützen, auch wenn es manchmal nicht realistisch scheint und denke nicht so viel darüber nach was sie nun genau machen soll.
            Auch fitte Jugendliche brauchen ihre Findungsphase, beginnen dann was und lassen es wieder sein, bis es irgendwann für sie passt.
            Gib deiner Tochter Gelegenheit in artverwandte Berufe rein zu schnuppern, die ihren Interessen nahe kommen.

            Lass ihr aber Zeit, sie wird nicht untergehen, selbst wenn sie erst in drei, vier, fünf Jahren weiß was sie machen möchte, ist das immer noch nicht zu spät, Hauptsache sie lernt vieles kennen, erweitert ihren Horizont und fühlt sich dabei wohl.

            Nimm ihr den Druck zu einem bestimmten Datum Startbereit zu sein, sprich mit ihr über die Möglichkeiten von einem Auslandsjahr, über Praktika, über Berufe die mit Tieren zu tun haben, oder mit Sprachen (da gibt es sicher noch mehr als nur die beiden genannten), gib ihr das Gefühl dass du Geduld hast, sie nicht unter Druck setzt und ihr vertraust, das kann beflügeln.

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            • Re: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

              Für mich ist das Blasphemie zu behaupten, sie ist ZU langsam. Sie ist einzigartig und genau das wird ihr helfen, ganz etwas Einzigartiges mal zu haben und zu sein.
              Es gibt Berufe, da MUSS man zehnmal langsamer sein, als sonst wo. Archäölogen zum Beispiel müssen sich extrem Zeit lassen, bei dem, was sie machen, oder Forscher, Masseure, Laborhelfer, Hausaufpasser, Buchautoren, Musikschreiber, Geschichtenerfinder, Kinderkriegerin und Familienoberhäuptin und vieles mehr. Sie wird schon ihren Platz finden.

              Wichtig wär halt, diesem Kind immer wieder die Freude am Leben zu vermitteln und auch die Freude darüber, dass es so sein darf, wie es will und kann und mag.

              Ich habe auch ein Außenseiterdasein führen müssen, weil ich nicht konform bin mit der Masse, was aber nichts weiter bedeutet, ich habe meinen Platz gefunden, brauchte zwar viel Zeit dafür, aber immerhin, im Ausschlussverfahren wurde ich dann fündig. Nichts hat mich begeistert, nichts interessiert bis ich dann die Kunst für mich entdeckte. Da bin ich daheim und geb sogar Unterricht und das Beste ist, meine Enkeltochter, der man nachsagt in der Schule, sie ist zuuuuu langsam, zu verträumt, zu trödelig, zu unterentwickelt in manchen Feinheiten, die ist hochtalentiert und zeigt das in vielen Dingen, wenn sie weg ist von Stress und Druck zaubert sie die wunderschönsten Dinge, erzählt und liest wie ein Erwachsener, malt unvorstellbare Bilder, hat so viel Zutaten in sich, die einfach nur gut sind und ich freu mich irrsinnig, dass sie ist, wie sie ist.

              Das wünsch ich dir auch, dass du dich schrecklich freust über dein Mädchen und ihm das auch vermitteln kannst: du bist mir lieb, so wie du bist! Du brauchst und musst nicht anders sein, als Gott dich erschaffen hat. Der bringt dich dahin, wo du genau sein sollst.

              In einer Gärtnerei vielleicht?

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              • Re: Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Tochter (15 Jahre)!

                Warum muss sie die mittlere Reife machen? Will sie das? Wozu muss sie schneller sein, oder in einer Clique Anschluss finden? Das alles kann ein Nachteil für ihre persönliche Entwicklung sein, weil sie ja mit dem Tempo Gleichaltriger nicht mithalten kann und dadurch immer gestresst wird, wenn die neben sind. Sie geht nicht gern in diese Schule, das zeigen ja die Noten bereits. In dem Bereich, wo man hingehört, da ist man gut, da hat man Spaß an dem, was man macht, da quält man sich nicht, da geht alles wie geschmiert und leicht und einfach. Geht vieles quer, dann ist das für mich ein Hinweis, da darf man nicht bleiben.
                Pflanzen brauchen auch den richtigen Standort, um gedeihen zu dürfen, so wie sie sind. Aus einem Apfel wird nie eine Birne zu züchten sein.

                Ich weiß, du hast Angst um sie, aber das brauchst du nicht. Diese Angst steckt sie an und sie leidet dann drunter. Ebenso ist es mit dem schlechten Gewissen, von wegen mehr kümmern um sie. Sie muss spüren, wissen, erleben und erkennen, sie ist richtig herzlich willkommen und um dieses Gefühl zu vermitteln brauchts oft nur einen Blick und eine tägliche Zusage an sie und das Feeling, zuversichtlich abwarten zu können, was der liebe Herrgott für Überraschungen bereit hält für sie. Denn sie ist SEIN Mädchen und du hast sie gekriegt und bist ihr Bewahrer und Helfer und Fürsorger, bis sie in andere Hände kommt, die auch für sie sorgen werden.
                Macht es euch einfach, seid relaxt und entspannt und sucht in aller Ruhe nach Möglichkeiten, wo sie hineinschnuppern kann, bis sie sagt, DAS interessiert mich...und wenn das "bloß" Sortieren in einem Lager sein sollte eine Weile, oder irgendwas sonst, wo Langsamkeit von Vorteil ist.

                Keine Angst, rede dir nicht ein, dass du Sorgen haben musst. Der beste Platz fürs Mädchen ist der, wo es mit seinem "So bin ich" genau hinpasst. Viel Glück beim Suchen und Finden dieses Plätzchens!

                Lieben Gruß

                Elektraa

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