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Echinacea bei Kindern wirkungslos

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    Echinacea bei Kindern wirkungslos

    Sonnenhutpräparat und Scheinbehandlung bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten gleichrangig

    Medikamente mit Echinacea (Sonnenhut), einer beliebten Pflanze in der Naturheilkunde, werden vorwiegend als Presssäfte, alkoholische Extrakte oder in Tablettenform verabreicht. Neben der Wundbehandlung sollen sie Abwehrkräfte steigern und bei der Vorbeugung und Behandlung von grippalen Infekten helfen.
    Sonnenhutpräparate zählen mit Umsätzen von jährlich 300 Millionen Dollar zu den bestverkauften pflanzlichen Heilmitteln in den USA. Eine kürzlich veröffentlichte Studie an amerikanischen Kindern kam zu dem Ergebnis, dass das Mittel nicht besser als ein Scheinmedikament (Placebo) wirkt.

    Laut Studienleiter Dr. James Taylor vom Institut für Kindergesundheit in Seattle konnte kein positiver Effekt durch die Behandlung mit dem Sonnenhut ausgemacht werden. Beide Gruppen - ob sie nun einen Sirup mit oder ohne den getrockneten Presssaft des purpurnen
    Sonnenhuts (Echinacea purpurea) einnahmen - litten durchschnittlich neun Tage an Krankheitssymptomen und das bei gleicher Schwere des Krankheitsverlaufs. Auch bei den anderen Detailergebnissen wurde kein Vorsprung bei der Echinacea-Gruppe festgestellt; im Gegenteil sank z.B. das Fieber bei Verabreichen des Tonikums nach
    durchschnittlich 0,8 Tagen, bei Ausgabe des wirkstofffreien Sirups schon nach 0,6 Tagen (allerdings ein unbedeutender Unterschied).
    Außerdem wurden in der Patientengruppe, die das Sonnenhutmittel erhielt, dreimal so viele allergische Reaktionen in Form von Hautausschlägen beobachtet wie in der Placebogruppe; diese unerwünschten Erscheinungen waren aber insgesamt eher selten
    (etwa 7 % der Fälle) und milder Natur. Kam dieses Ergebnis überraschend? Nein, denn schon bei einer Studie an 148 Studenten, die von Medizinern der Universität in Madison (Wisconsin) durchgeführt wurde, zeigte das verwendete Medikament aus über-
    und unterirdischen Teilen zweier Echinacea-Arten keinen positiven Verlauf bei einem akuten grippalen Infekt. Bei Echinacea-Behandelten waren die Studienteilnehmer nach 6,3 Tagen wieder gesund, bei Probanden mit Scheinmedikamenten nach 5,8 Tagen.
    Wie die Leiter der Studie im letzten Jahr im angesehenen "Journal of the American Medical Association" weiter berichteten berichten, hatte die Verabreichung der einschlägigen Mittel auch keine
    vorbeugende Wirkung.

    Naturheilkundler wie Mark Blumenthal vom American Botanical Council halten dem entgegen, dass Echinacea am besten beim Auftreten der ersten Symptome genommen werden soll (also nicht erst in der akuten Phase). Ferner ist strittig, ob die von der Firma
    Madaus zur Verfügung gestellten Präparate (die überwiegend Pflanzenextrakte aus der Blüte des purpurnen Sonnenhuts beinhalteten) den gleichen Effekt haben können, wie Zubereitungen aus der Wurzel des Heilkrauts. Studienergebnisse, die mit unterschiedlichen Zubereitungen aus unterschiedlichen Sonnenhutarten erzielt wurden, lassen sich nur schwer vergleichen.
    Jim Bruce von der amerikanischen Niederlassung des Echinacea- Herstellers Madaus verweist auf diverse frühere Studien, die sehr wohl einen Effekt bei Erkältungen gezeigt hätten, und zwar bei vorbeugender Einnahme.

    An wissenschaftlichen Untersuchungen zu Echinacea herrscht kein Mangel (siehe die Auflistung bei Herbmed.org), es handelt sich also um eine ebenso populäre wie intensiv bearbeitete Pflanze. Im
    Reagenzglas ("in vitro") zeigen Sonnenhutpräparate eindeutige pharmakologischen Wirkungen, sodass auch eine klinische Wirksamkeit zu vermuten ist. Diese jedoch in überzeugenden Studien zu fassen, ist bisher nur unzureichend gelungen. D. Melchart und seine Koautoren kommen in einer Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass einige Sonnenhut-Präparate besser als Placebo sein könnten. Allerdings wiesen viele der Studien methodische
    Mängel auf. Die Quintessenz: Es gebe nicht genug Belege, um ein bestimmtes Produkt zu empfehlen. Seitdem sind einige Arbeiten erschienen, die sich mit den noch offenen Fragen befasst haben - ohne jedoch den eindeutigen Nachweis für eine Wirkung von Echinacea am Menschen zu liefern.

    Es besteht aus praktischer Sicht keine Notwendigkeit, sich bei Erkältungen auf den Sonnenhut zu verlassen. Diejenigen, die jetzt mit Schnupfen, Husten und Halsschmerzen zu kämpfen haben, warten besser nicht, bis sich die Studienlage beim Sonnenhut geklärt hat. Die Medizin und darunter die Naturheilkunde bieten bereits jetzt Möglichkeiten, die lästigen Symptome einer Erkältung zu mindern. Ein echtes "Grippemittel" in dem Sinne, dass dadurch die Krankheiten verhindert oder beträchtlich verkürzt wird, gibt es derzeit nicht.

    Normalerweise muss die Wirksamkeit eines Medikaments bewiesen werden, bevor der Hersteller es auf den Markt bringen und damit Geld verdienen kann. Der Fall des Sonnenhuts ist nur ein Beispiel unter vielen pflanzlichen Mitteln, die nicht die strengen Kriterien erfüllen müssen, wie sie eigentlich für alle Medikamente gelten. Grund dafür ist ein Schlupfloch, das der Gesetzgeber für Medikamente der so genannten "besonderen Therapierichtungen"
    gelassen hat. Das Ergebnis für den Kranken: Er weiß nicht, von welchem der zahlreichen pflanzlichen Medikamente er eine gesicherte Wirkung erwarten kann und von welchem nicht. Und gegen diese Unsicherheit ist vorerst kein Kraut gewachsen.


    Quellen:
    Informationen zu Echinacea bei Herbmed.org:
    http://www.herbmed.org/Herbs/Herb6.htm
    "Study: Herbal cold remedy no help to kids" (Meldung der Associated Press):

    http://www.cnn.com/2003/HEALTH/paren...nacea.children .ap/index.html
    Wie soll man mit einem grippalen Infekt umgehen?
    Antworten von Elke Wolf in der "Pharmazeutische Zeitung"(1999):
    http://www.pharmazeutische-zeitung.d...99-4/titel.htm

    "ÖKOTEST Kompakt" zu Erkältungen (November 2003) - mit einem kritischen Blick aus Verbrauchersicht:
    http://www.oekotest.de/cgi/ot/otgs.cgi?doc=30702

    Melchart D, Linde K, Fischer P, Kaesmayr J: Echinacea for
    preventing and treating the common cold (Cochrane Review). In: The Cochrane Library,Issue 4, 2003 (Abstract):
    http://www.cochrane.org/cochrane/revabstr/AB000530.htm
    Bewertung von Echinacea-Präparaten im "American Family Physician" (von 2003, d.h. noch ohne Berücksichtigung der neuesten Studie):
    http://www.aafp.org/afp/20030101/77.html
    Barrett BP, Brown RL, Locken K, Maberry R, Bobula JA, D'Alessio D: Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea - A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial, Ann Intern Med
    137;12: 939-946 (2003) (Abstract):
    http://www.annals.org/cgi/content/abstract/137/12/939

    Diese Meldung der GWUP wurde erstmals am 18.1.2004 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht:
    http://gwup.org/aktuell/news.php?aktion=detail&id=171. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org.