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Erfahrungen mit Alzheimer

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  • Erfahrungen mit Alzheimer

    Am letzten Donnerstag verstarb mein lieber Vater. Er war in den letzten 3 Jahren seines Lebens von Alzheimer betroffen. Am 01.10.08 wurde er in einem Pflegeheim aufgenommen. Nach 3 Wochen in der Pflegestation erfolgte die Einweisung in ein Krankenhaus. Dort wurde bereits bei der Aufnahme ein Bündel verschiedener Symtome diagnostiziert. Am deutlichsten war eine massive Körperaustrochnung zu beobachten. Ihm wurden in der Pflegestation genügend Gelegenheiten geboten, sich mit Flüssigkeiten zu versorgen, in wie weit die Flüssigkeitsaufnahme beobachtet wurde, entzieht sich sich meiner Kenntnis. Zudem hatte er einen wohl sehr schmerzhaften Harnröhrenverschluss. Keinem fiel auf, dass er keinen Urinabgang hatte. Nachdem er sich sprachlich nicht mehr ausdrücken konnte, wurden seine körperlichen Gestikulationen medikamentös gedämpft. Eine Woche vor der Einlieferung ins Krankenhaus erhielt er einen sog. body. Die Pflegekräfte berichteten, dass er sich die Kleider vom Leib gerissen hatte. Um dieser Aktion Einhalt zu gebieten, erhielt er einen Anzug, den er nicht mehr öffnen konnte. Tatsächlich litt er an einer massiven Allergie, die starke Hautreizungen ausgelöst hatte. Im Krankenhaus erhielt er zunächst intravenös Flüssigkeitsunterstützung. Bereits nach 2 Tagen war seine Allergie behandelt, so dass er keinerlei Juckreiz hatte. Der Harnröhrenverschluss verursachte wohl ein partielles Nierenversagen bzw. eine eingeschränkte Tätigkeit der Niere. Auf Grund einer fantastischen Fürsorge im Krankenhaus verbesserten sich seine Werte täglich. Nach 5 Tagen im Krankenhaus wurde seine Entlassung diskutiert. In dieser Phase stellten sich dann plötzlich Körperkrämpfe ein. Sein ganzer Körper verkrampfte sich und schüttelte sich, wie ich es nur von Einsatzfällen eines Defi kenne. Nach 5 dieser sehr schweren Krampfanfällen (verteilt auf 20 Stunden) erhielt er von der Ärztin einer Nachbarstation (seine Ärzte waren in diesem Moment nicht auf Station) eine galertähnliche Flüssigkeit gespritzt. Wenige Sekunden nach dieser Injektion wurde er dann ganz ruhig und friedlich und schlief für immer ein. Aus dieser Erfahrung ist mir klar, dass die Fürsorge eines Alzheimer Patienten mehr als nur Pflege und Verfügbarkeit von wichtigen Ernährungsmitteln ist. Gleichzeitig sind nicht alle Reaktionen krankheitsbedingt, sondern auch Ursache eines nachvollziehbaren Störungszustands. Ich selbst bin mir sicher, dass mein Vater den Zustand geistiger Schwächung nie und nimmer leben wollte. Insoweit hätte er selbst den irdischen Abschied jeder weiteren Krankheitssituation vorgezogen. Nach den letzten CT`s war die vorangeschrittene Krankheit durch geschrumpfte Gehirnmasse festgestellt. Daher wäre er aus meiner Sicht nie mehr in das Leben zurückgekehrt, das er subjektiv für lebenswert gehalten hat.

  • Re: Erfahrungen mit Alzheimer


    Lieber robertfauser,
    Ihre Beschreibung deckt sich mit meinen Beobachtungen - nur hat man als Angehöriger erschreckend wenige Möglichkeiten für derlei Gehör zu finden, wenn man nicht die Pflege selbst zu Hause übernehmen kann. Es ist grauenvoll sich vorzustellen, dass ein kranker Mensch seine Beschwerden nicht mehr mitteilen kann und dass seine verzweifelten Versuche dann derart fehlgedeutet werden, dass nur mit Ruhigstellung reagiert wird. Mich überläuft es eiskalt. - Ihre Schlussfolgerung ist sicher richtig - wer von uns möchte schon derart ausgeliefert und vieler Ausdrucksmöglichkeiten beraubt, weiterleben? Trotzdem würde mich interessieren, was die Ärztin "Gallertiges" gespritzt hat.
    Ihnen alles Gute, Leona

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    • Re: Erfahrungen mit Alzheimer


      Sehr geehrter Herr Fauser,

      ich möchte Ihnen mein Beileid aussprechen und Ihnen sagen, dass ich es gut finde dass Sie trotzdem im Forum geschrieben haben was sich abspielte. Auch wenn sicherlich die Lebensqualität nicht wünschenswert war, ist es doch tragisch was sich abgespielt hat. Latent bemerke ich die Einstellung dritter auch desöfteren, dass bei dementen oder auch überhaupt kranken Menschen es anscheinend sowieso nicht mehr als besonders "erstrebenswert" erachtet wird, ein möglichst gutes Leben zu führen, trotz ihrer Einschränkung.
      Und natürlich kommt nicht immer alles primär von einer Demenzkrankheit, vor allem auch vieles von Medikamenten oder eben auch Flüssigkeitsmangel.
      Ihnen wünsche ich alles Gute
      Flieder

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      • Re: Erfahrungen mit Alzheimer


        Liebe Leona,

        natürlich bin ich sehr daran interessiert zu erfahren, welche Medikamente mein Vater erhalten hat.
        Ich werde nach seiner Urnenbeisetzung die ärtzlich geführten Akten anfordern.
        Sobald ich eine Erkenntnis habe, informiere ich unverzüglich.

        Viele Grüße
        Robert

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