Frau schreibt in Journal
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Pflegetagebuch führen: PDF-Vorlage und Tipps für pflegende Angehörige

Von: Antje Fischer (Medizinautorin und Pflege-Expertin)
Letzte Aktualisierung: 18.05.2026

Ein Pflegetagebuch ist für Angehörige und Pflegebedürftige ein hilfreiches Tool, das Aufschluss über den tatsächlichen Pflegebedarf gibt. Bei der Begutachtung zur Feststellung des Pflegegrads kann es vorgelegt werden, um den Unterstützungsbedarf nachvollziehbar darzustellen. Was in ein Pflegetagebuch gehört, wie lange es geführt wird sowie eine kostenlose PDF-Vorlage zum Ausdrucken finden Sie hier.

Was ist ein Pflegetagebuch?

Wer pflegebedürftig wird, braucht zunehmend Unterstützung bei der Verrichtung alltäglicher Dinge wie der Körperpflege, der Medikamenteneinnahme, der Mobilität oder im Haushalt. In einem Pflegetagebuch notieren Sie über einen gewissen Zeitraum, wie groß dieser Unterstützungsbedarf ist. 

Pflegetagebuch: Kostenlose PDF-Vorlage zum Ausdrucken

Einen kostenlosen Vordruck für ein Pflegetagebuch finden Sie hier:

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Das Pflegetagebuch soll Ihnen dabei helfen, den Pflegebedarf möglichst einfach festhalten zu können. Drucken Sie dafür das Dokument in der Anzahl der Tage aus, an denen Sie den Pflegeaufwand protokollieren möchten. 

Wofür braucht man ein Pflegetagebuch?

Ein Pflegetagebuch ist freiwillig und hilft Ihnen zuallererst, sich auf die Begutachtung zur Feststellung des Pflegegrads vorzubereiten. Denn mit der Selbsteinschätzung können Sie sich selbst einen ehrlichen Überblick verschaffen, wie groß der Bedarf an Unterstützung tatsächlich ist. 

Zudem können Sie das Pflegetagebuch beim Begutachtungstermin vorlegen. Die Gutachter und Gutachterinnen des Medizinischen Dienstes (MD) oder von Medicproof prüfen bei der Begutachtung, wie selbstständig eine pflegebedürftige Person ihren Alltag noch bewältigen kann und in welchen Bereichen Unterstützung notwendig ist.

In der Regel wird dafür die pflegebedürftige Person befragt. Häufig werden dabei aber aus Scham oder Fehleinschätzung unzutreffende Angaben gemacht. Ebenso können aufgrund von Aufregung während des Termins wichtige Details vergessen werden.

Ein sorgfältig geführtes Pflegeprotokoll hilft, den tatsächlichen Pflegeaufwand realistisch darzustellen. Das kann maßgeblich dazu beitragen, dass der Pflegeaufwand richtig eingeschätzt und die passende Unterstützung bewilligt wird.

Angehörige oder Pflegebedürftige: Wer das Pflegetagebuch führen sollte

Das Pflegetagebuch sollte von der Person geführt werden, die die Pflege hauptsächlich übernimmt. Meistens sind das nahe Angehörige wie der Ehepartner, die Ehepartnerin oder ein Kind.

Natürlich kann diese Aufgabe auch die pflegebedürftige Person übernehmen. Dabei ist es aber besonders wichtig, dass jede Hilfe vollständig und ehrlich dokumentiert wird – auch wenn diese zunächst unangenehm erscheint. Denn aus Scham einen bestimmten Hilfebedarf zu verschweigen, könnte sich nachteilig für die Beurteilung des Pflegegrads auswirken.

Wann und wie lange: So führen Sie das Pflegetagebuch

Sinnvoll ist es, ein Pflegetagebuch zu starten, wenn

  • erstmalig Pflege eintritt und Sie einen Pflegegrad beantragen wollen oder
  • wenn sich der Pflegeaufwand verändert und eine Höherstufung des Pflegegrads notwendig wird.

Das Pflegetagebuch sollte etwa über einen Zeitraum von zwei Wochen geführt werden. So erhalten Sie eine gute Übersicht der Aktivitäten, bei denen Unterstützung notwendig ist. Zudem ist der Pflegebedarf nicht jeden Tag gleich. Es gibt Tage, an denen die pflegebedürftige Person noch viel selbstständig übernehmen kann, während sie an anderen Tagen mehr Zuspruch und Unterstützung braucht.

Inhalt des Pflegetagebuchs

Die Begutachtung zur Feststellung des Pflegegrads durch den MD oder durch Medicproof erfolgt auf Grundlage eines einheitlichen Bewertungssystems, das für alle pflegebedürftigen Menschen angewandt wird. Dieses Verfahren umfasst die Abfrage von sechs verschiedenen Lebensbereichen:

  1. Mobilität
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Anhand umfangreicher Fragen in jedem Lebensbereich ermitteln die Gutachter*innen, wie selbstständig die pflegebedürftige Person im Alltag zurechtkommt und wo sie Unterstützung braucht.

Das Pflegetagebuch bildet im Idealfall diese Lebensbereiche ab. Allerdings würde es den zeitlichen Rahmen pflegender Angehöriger deutlich überschreiten, täglich einen so umfangreichen Fragenkatalog vollständig zu beantworten.

Deshalb ist es empfehlenswert, sich einmal mit dem Bewertungssystem der Begutachtung auseinanderzusetzen, um dessen Inhalte zu kennen und im Pflegetagebuch die wichtigsten Aktivitäten zu dokumentieren, bei denen täglich oder regelmäßig Hilfe notwendig ist.

Wichtige Lebensbereiche für das Pflegeprotokoll

Bestimmte Lebensbereiche lassen sich mit einem Pflegetagebuch gut erfassen, weil sie meist wiederkehrende Tätigkeiten abbilden, die zeigen, wie selbstständig die Person noch ist. Folgende Tätigkeiten könnten mit dem Pflegetagebuch aufgezeichnet werden:

Mobilität

  • Bewegen in der Wohnung
  • Treppen steigen
  • Positionswechsel im Bett
  • aufrecht sitzen
  • Umsetzen, z.B. von einem Stuhl aufstehen oder vom Rollstuhl auf die Toilette umsetzen

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

  • örtliche Orientierung
  • zeitliche Orientierung
  • Alltagsentscheidungen treffen
  • an Gesprächen beteiligen

Selbstversorgung

  • Ganzkörperpflege
  • Teilkörperpflege
  • Pflege des Intimbereichs
  • Zähneputzen
  • Kämmen
  • An- und Auskleiden des Oberkörpers
  • An- und Auskleiden des Unterkörpers
  • Nahrungszubereitung und Getränke eingießen
  • Essen
  • Trinken
  • Toilettennutzung

Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

  • Tagesablauf gestalten
  • Schlafen und Ruhen
  • Selbstbeschäftigung
  • Zukunftspläne schmieden
  • Interaktionen mit Personen
  • Kontaktpflege zum Umfeld

Nicht der Zeitaufwand zählt, sondern die Selbstständigkeit

Zu beachten ist, dass für die Einstufung in einen Pflegegrad nicht der pflegerische Zeitaufwand entscheidend ist, sondern wie selbstständig oder unselbstständig die pflegebedürftige Person einzelne Aktivitäten durchführen kann. Dies wird wie folgt im Pflegetagebuch dokumentiert:

  • selbstständig: Die Person kann die Tätigkeit ohne fremde Hilfe durchführen
  • überwiegend selbstständig: Die Person kann die Tätigkeit selbstständig durchführen, braucht aber Anleitung, Aufforderung oder eine leichte Unterstützung
  • überwiegend unselbstständig: Die Person braucht umfassende Motivation, starke Anleitung oder ein erheblicher Teil der Aktivität muss übernommen werden.
  • unselbstständig: Die Person kann die Aktivität nicht eigenständig durchführen

Zusätzliche Hinweise und Notizen

Notieren Sie zusätzlich Ereignisse und Aktivitäten, die sich während des Dokumentationszeitraums ergeben. So haben Sie für den Begutachtungstermin konkrete Beispiele, mit denen Sie den tatsächlichen Unterstützungsbedarf anschaulich schildern können, zum Beispiel:

  • Verwechslung von Medikamenten und Unterstützung bei der täglichen Medikation
  • Unterstützung bei Arztbesuchen
  • nächtliches Umherwandern in der Wohnung
  •  Verwirrtheit
  • aggressives Verhalten
  • falsches situationsbedingtes Verhalten
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit und depressive Stimmungslage

Fehler im Pflegetagebuch vermeiden

Das Pflegetagebuch ist für den Begutachtungstermin nicht zwingend erforderlich. Deswegen können Sie grundsätzlich nicht viel falsch machen. Es ist aber ein hilfreiches Instrument, um den tatsächlichen Pflegebedarf nachvollziehbar darzustellen. Achten Sie deshalb besonders auf folgende Aspekte:

  • Führen Sie das Pflegetagebuch konsequent über einen festen Zeitraum. Mit unregelmäßigen oder vereinzelten Einträgen erhalten Sie kein vollständiges Bild.

  • Schätzen Sie den Hilfebedarf möglichst realistisch ein. Wenn Sie den Unterstützungsbedarf verharmlosen, kann das dazu führen, dass der Pflegebedarf zu niedrig bewertet wird.

  • Füllen Sie das Pflegetagebuch täglich aus statt einmal für die ganze Woche. Im Nachhinein lassen sich viele Situationen nicht mehr genau erinnern, sodass wichtige Details verloren gehen können, die für die Einschätzung des Pflegebedarfs relevant sind.