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Rituximab

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  • Rituximab

    Lieber Herr Prof. Wust,
    ich habe eine Frage, die meinen Vater betrifft, er ist 71 Jahre alt. Eine CLL wurde diagnostiziert und nun wollen die Ärtze im Evangelischen Krankenhaus Hamm - nachdem sie bereits einmal mit Leukeran behandelt haben -eine Chemotherapie starten und meinen Vater in eine Studie mit Rituximab einbeziehen.
    1. Problem: Es fragt sich, ob man Papa schon jetzt mit der Chemo behandeln soll. Seine Leukos liegen zuletzt bei 43000, aber ihr Anstieg, gerade nach Ende der Leukeran-Therapie, ist den Ärzten zu rapide. Einige Werte, damit Sie sehen:
    21.05.04: 51.700 Leukos, 12,8 Hb, Lymphos 92.
    Dann Beginn der Leukeran Behandlung.
    17.08.04: Leukos 43100, Hb 12,40, Lymphos 92. 01.03.05: Leukos 21050, HB 11,20, Lymphos 85,4.
    25.04.05: Leukos 30600, 12,20
    Ende der Leukeran Behandlung
    20.06.05: Leukos 50.000, HB 11,7, 71
    21.07.05: Leukos 43.440, Hb 10, 92,5

    Klinisch ist die Milz vergrößert, Lymphknoten in der Leiste tastbar. Das Befinden meines Vater ist gut, er schwitzt vermehrt, das ist alles:

    Frage 1: Soll man jetzt mit der Chemotherapie beginnen oder warten?

    Frage 2: Rituximab: Sind die Nebenwirkungen wirklich so harmlos, wie es in der Patienteninfo klingt, die mein Vater erhalten hat? Das hört sich dort an wie die Nebenwirkungen von Aspirin. Kann das Präparat z.B. auch die CLL verschlechtern?

    Frage 3: Das Infomaterial zu der Studie hört sich vielversprechend an. Aber natürlich ist ja die Wahrscheinlichkeit nur 50%, dass mein Vater das Präparat erhält. Jetzt konfligieren wahrscheinlich Ihre Interessen, aber: Gäbe es auch Möglichkeiten für meinen Vater, etwa im Ausland eine Therapie zu erhalten, bei der Rituximab sicher eingesetzt wird?

    Für Hilfe wäre ich sehr dankbar!!

    Herzliche Grüße:
    Bernward Gesang

  • RE: Rituximab


    Rituximab ist ein Antikörper, der die Wirksamkeit der Chemotherapie erhöhen soll. In vergleichbaren Studien wurden schon solche Effekte gefunden, aber für diese Anwendung wurde es noch nicht gezeigt (sonst würde man die Studie nicht durchführen). Über die Notwendigkeit zur Therapie könnte man streiten. Immerhin bestehen Nachtschweiss (?) und Adenopathie (LK), aber wohl nicht sehr ausgeprägt. Auch die Anämie hat sich verschlechtert. Natürlich ist der Rat eines Onkologen, der Ihren Vater und alle Details kennt, höher zu bewerten als eine Beurteilung mit diesen Infos über das Internet. Aber es könnte ein Grenzfall sein. Die NW der Antikörper sind tatsächlich eher gering. Deswegen werden sie ja auch so favorisiert. Das Mittel ist außerhalb von Studien für diese Anwendung nicht zugelassen. Die Studie ist ja gerade dazu da, die Wirksamkeit nachzuweisen. Wenn alle die Studie boykottieren, wird man es nie erfahren und ein Fortschritt in der Medizin ist nicht möglich. Rein theoretisch können Sie das Mittel vielleicht bekommen, wenn Sie es selbst bezahlen. Das würde aber sehr teuer. Und wie gesagt: es könnte auch nicht wirksam sein. Solche Studien können durchaus auch negativ ausgehen (also ohne Wirksamkeitsnachweis). Man kann nur immer wieder empfehlen, an solchen Studien teilzunehmen. Alle wollen immer den Fortschritt. Hier kann man sogar selbst einen Beitrag leisten.

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