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Bulimie (Bulimia nervosa)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (08. April 2015)

© Jupiterimages/PhotoDisc

Die Bulimie (Bulimia nervosa) ist eine Essstörung, die man umgangssprachlich oft als Ess-Brech-Sucht bezeichnet, denn: Kennzeichnend sind wiederkehrende, unkontrollierbare Essanfälle und anschließendes gegensteuerndes Verhalten (etwa bewusst herbeigeführtes Erbrechen) aus Angst vor einer Gewichtszunahme.

Menschen mit Bulimie bekommen nicht nur Essanfälle, sondern nehmen auch ihren Körper falsch wahr (sog. Körperschemastörung): Trotz eines normalen Gewichts fühlen sie sich zu dick. Dabei wissen viele Bulimiker, dass sie krank sind, verspüren deswegen einen hohen Leidensdruck und haben ein geringes Selbstwertgefühl. Depressionen können daher eine Folge der Bulimia nervosa sein.

Was ist Bulimie (Bulimia nervosa)?

Bulimie (Bulimia nervosa) ist eine Essstörung, bei der sich die Betroffenen stark mit ihrem Gewicht auseinandersetzen und große Angst vor einer Gewichtszunahme haben. Gleichzeitig beschäftigen sie sich permanent mit Essen und verspüren ein starkes Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln, was zu den typischen Essattacken führt: Bei einer Bulimia nervosa führen sich die Betroffenen während einer Essattacke in kurzer Zeit große Mengen Energie zu. Je nachdem, mit welchen Verhaltensweisen sie verhindern, dass sich diese Essanfälle auf das Gewicht auswirken, unterscheidet man zwischen dem Purging-Typ (Erbrechen) und dem Non-purging-Typ (Diäten und Fasten).

Das Wort Bulimia stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß Ochsenhunger; das Wort nervosa deutet auf die psychische Komponente der Bulimie hin.

Bulimie (Bulimia nervosa): Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Worin die Bulimie (Bulimia nervosa) ihre Ursachen hat, ist in der Regel schwer zu erfassen, da eine Essstörung nicht die Folge einer einzigen Begebenheit, Eigenschaft oder eines einzelnen Erlebnisses ist. Meist finden sich die Auslöser der Bulimie in der gesamten Lebensgeschichte der Betroffenen.

Die Bulimie ist eine multifaktoriell ausgelöste Erkrankung – das bedeutet, sie entsteht aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Dabei bestehen die Ursachen der Bulimia nervosa meist in einer Kombination aus:

  • psychologischen,
  • biologischen,
  • familiären,
  • erblich bedingten,
  • sozialen und
  • umgebungsbedingten Faktoren.

Eine besondere Rolle bei der Entstehung von Bulimie spielen Selbstwertprobleme: Bei vielen Betroffenen bestimmt das eigene Körperbild das Selbstwertgefühl – schlank zu sein gilt ihnen als Voraussetzung für den eigenen Wert, sodass der Gedanke, sie könnten zunehmen, unerträglich ist.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist bei Bulimie jedoch typischerweise gestört (sog. Körperschemastörung) – das heißt: Menschen mit Bulimia nervosa nehmen ihre Figur trotz eines normalen Gewichts als zu dick wahr, sodass sie wegen ihres Aussehens Minderwertigkeitskomplexe haben.

In vielen Fällen gehen einer Bulimia nervosa belastende Ereignisse voraus – zum Beispiel der Tod eines Angehörigen oder besondere, überfordernde Leistungssituationen. Auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit und Jugend, wie sexueller oder körperlicher Missbrauch, kommen für eine Bulimie als Ursachen mit infrage.

Das bei einer Bulimia nervosa veränderte Essverhalten hat biologische und psychologische Folgen. Diese führen dazu, dass die Bulimie auch dann bestehen bleiben kann, wenn ihre eigentlichen Ursachen nicht mehr vorhanden sind.

Gesellschaftliches Schlankheitsideal

Die einer Bulimie (Bulimia nervosa) zugrunde liegenden Ursachen sind unter anderem in der Gesellschaft zu finden: In der westlichen Welt herrscht ein gesellschaftliches Schlankheitsideal vor, das besonders für Frauen gilt. Die Konfrontation mit diesem Ideal findet Tag für Tag statt, beispielsweise in der Werbung.

Viele Frauen halten daher regelmäßig Diät. Führt sie zum gewünschten Erfolg, hat dies häufig positive Konsequenzen – wie Komplimente oder Respekt. Gewichtskontrolle und Schlanksein können somit zu einer wichtigen Quelle des Selbstbewusstseins werden. Deshalb sind gerade junge Frauen, die während der Pubertät bezüglich ihres Körpers unsicher sind, besonders anfällig für Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie, wenn sie versuchen, ihr Gewicht dem Schönheitsideal anzupassen.

Familiäre Einflüsse

Für Bulimie (Bulimia nervosa) gelten auch familiäre Einflüsse als mögliche Ursachen. Die Familie von Menschen mit Bulimie weist in ihrer Struktur häufig bestimmte Auffälligkeiten auf:

  • Die von der Essstörung Betroffenen wachsen meist sehr behütet auf.
  • In der Familie herrscht in der Regel ein erhöhter Leistungsdruck.
  • Konflikte bleiben oft unangesprochen und ungelöst.

Ob diese Faktoren bei der Entstehung der Bulimie tatsächlich eine Rolle spielen, ist umstritten: Menschen mit Bulimia nervosa haben häufig Schwierigkeiten, selbstständig zu werden. Das kann die Folge einer Überbehütung sein. Möglicherweise hat aber erst die mangelnde Selbstständigkeit dazu geführt, dass die Eltern sich besonders stark um ihr Kind kümmern.

Eventuell können auch andere schwere Spannungszustände in der Familie dazu führen, dass sich eine psychische Störung wie die Bulimie entwickelt.

Biologische Faktoren

Für Essstörungen wie die Bulimie kommen als Ursachen außerdem biologische Faktoren mit infrage. So haben zum einen Verwandte von Menschen mit Essstörungen ein erhöhtes Risiko, selbst eine Essstörung zu entwickeln, was auf eine mögliche erbliche (genetische) Ursache einer Bulimia nervosa hinweist: Ist bei eineiigen Zwillingen einer bulimisch, hat der andere beispielsweise ein sehr viel höheres Bulimie-Risiko als normale Geschwister. Zum anderen kann ein erblich bedingter niedriger Energieverbrauch ein weiterer Risikofaktor für die Entwicklung einer Bulimie sein: In diesem Fall neigen die Betroffenen trotz normaler Nahrungsaufnahme zu einem höheren Körpergewicht.

Häufigkeit

Die Bulimie tritt am häufigsten bei jungen Menschen auf, vor allem bei Frauen. Zwar kommt die Bulimia nervosa inzwischen auch bei immer mehr Jungen und jungen Männern vor – Frauen sind jedoch nach wie vor die Hauptbetroffenen: Sie entwickeln die Essstörung etwa zehnmal häufiger als Männer. Die meisten Betroffenen sind zwischen 15 und 35 Jahren alt. Insgesamt bekommen etwa zwei Prozent aller Mädchen und jungen Frauen eine Bulimie, wobei die genaue Häufigkeit wegen der hohen Dunkelziffer schwierig festzustellen ist.

Bei vielen Bulimikern ging der Bulimie eine Magersucht (Anorexie) voraus.

Symptome

Die für Bulimie (Bulimia nervosa) kennzeichnenden Symptome erinnern an ein Suchtverhalten: Typisch für die Essstörung sind wiederholte Essanfälle, bei denen die Betroffenen in kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich nehmen, ohne die Nahrungsaufnahme kontrollieren zu können. Meist sind dies kohlenhydrat- und kalorienreiche Speisen wie Gebäck, Schokolade, Kartoffelchips oder Pudding. Die Kalorienaufnahme kann bei einem solchen Essanfall bis zu 10.000 Kalorien betragen.

Die für Bulimie typischen Essattacken treten in der Regel mehrmals wöchentlich auf, in einigen Fällen täglich – besonders oft abends und nachts. Damit ihr enormer Verbrauch an Nahrungsmitteln nicht auffällt, gehen die Betroffenen häufig in viele verschiedene Supermärkte, in denen sie jeweils nur eine kleine Menge einkaufen.

Gleichzeitig haben Menschen mit Bulimie große Angst vor einer Gewichtszunahme und beschäftigen sich andauernd und übertrieben mit ihrem Gewicht. Ihre Figur ist entscheidend für ihr Selbstwertgefühl. Ein häufiges Anzeichen für Bulimia nervosa ist die sogenannte Körperschemastörung: Die Betroffenen nehmen sich selbst als dicker wahr, als sie wirklich sind. Entsprechend erleben bulimische Menschen die nach der Essattacke befürchtete Gewichtszunahme als sehr bedrohlich und greifen zu Maßnahmen der Gewichtskontrolle: Dazu führen sie meist ein Erbrechen herbei (weshalb die Bulimie auch als Ess-Brech-Sucht bekannt ist) oder nehmen große Mengen harntreibender Medikamente oder Abführmittel ein.

Als weitere Maßnahmen zur Gewichtssenkung machen Menschen mit Bulimie häufig Diäten, fasten, vermeiden kalorienreiche Lebensmittel und treiben übermäßig viel Sport. Diese typischen Symptome der Bulimia nervosa – Fressattacken und Maßnahmen, die verhindern, dass die Betroffenen zunehmen – sind in der Regel mindestens zweimal pro Woche zu beobachten.

Je nachdem, mit welchem Verhalten der Bulimiker versucht, die Gewichtszunahme zu verhindern, unterscheidet man zwischen zwei Formen der Bulimia nervosa:

  • Purging-Typ: Bei diesem häufigen Bulimie-Typ erbrechen die Betroffenen nach dem Essen oder nehmen Abführmittel oder harntreibende Mittel ein. Entsprechend nennt man die Bulimia nervosa umgangssprachlich häufig auch Ess-Brech-Sucht.
  • Non-purging-Typ: Bei diesem selteneren Bulimie-Typ fehlen Erbrechen und Medikamentenmissbrauch; stattdessen fasten die Betroffenen zwischen den Essattacken oder treiben übermäßig viel Sport.

Abgrenzung zu anderen Essstörungen

Die Bulimie (Bulimia nervosa) kann oft klar gegenüber anderen Essstörungen abgegrenzt werden, obwohl die Übergänge auch fließend sein können:

Eine typische Essstörung neben der Bulimie ist die Magersucht (Anorexia nervosa). Der Unterschied zwischen Magersucht und Bulimie ist auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen: Gemeinsam ist beiden Essstörungen die extreme Angst, Gewicht zuzunehmen. Sowohl bei Bulimie als auch bei Magersucht können die Betroffenen versuchen abzunehmen oder ihr Gewicht zu halten, indem sie zum Beispiel

  • hungern,
  • Diät halten,
  • erbrechen oder
  • Abführmittel, harntreibende Mittel (Diuretika) oder Appetitzügler einnehmen.

Im Gegensatz zur Bulimie treten jedoch bei der Anorexie keine wiederholten Essattacken auf. Magersüchtige sind daher in der Regel stark untergewichtig, da sie nur extrem wenig und sehr kontrolliert essen. Menschen mit einer Bulimia nervosa sind dagegen oft normalgewichtig.

Eine weitere Essstörung ist die sogenannte Binge-Eating-Störung: Hier kommt es – ähnlich wie bei der Bulimia nervosa – regelmäßig zu Essanfällen, bei denen die Betroffenen große Nahrungsmengen verzehren. Jedoch besteht ein Unterschied zwischen Bulimie und Binge-Eating-Störung darin, dass bei Letzterer oft keine genaue zeitliche Definition von Beginn und Ende der Essanfälle möglich ist. Außerdem tun Menschen mit Binge-Eating-Störung nicht regelmäßig etwas, um eine Gewichtszunahme infolge der Fressanfälle zu verhindern. Sie sind deshalb meist übergewichtig. Daher kann die Messung des Körpergewichts nicht nur dabei helfen, Magersucht und Bulimie voneinander abzugrenzen, sondern trägt auch zur Abgrenzung der Binge-Eating-Störung bei.

Es können jedoch auch Mischformen von Bulimie und anderen Essstörungen auftreten. Nicht selten kommt es im Krankheitsverlauf zu einem Wechsel von einer Essstörung in die andere, sodass eine klare Abgrenzung nicht immer möglich ist.

Essstörungen im Vergleich

Erkrankung Erbrechen Gewicht Essattacken
Bulimie ja normal bis niedrig ja
Magersucht ja niedrig nein
Binge-Eating-Störung nein eher übergewichtig ja

Bulimie-Folgen

Bulimie kann schwerwiegende Folgen für den gesamten Körper haben. Einige Folgen von Bulimie gehen auf das häufige, selbst herbeigeführte Erbrechen zurück – dazu gehören:

Kommt es bei Bulimie zu übermäßigem Gebrauch von Abführmitteln oder entwässernden Medikamenten (Diuretika), kann dies darüber hinaus zu Problemen mit den Nieren sowie im Magen-Darm-Bereich führen – zum Beispiel zu Durchfall (Diarrhö), aber auch zu Verstopfung (Obstipation).

Starke Gewichtsschwankungen sind ebenfalls für Bulimie typische Folgen. Dabei kann das Gewicht immer wieder in den Bereich eines Über- oder Untergewichts geraten. Im Durchschnitt bleibt das Gewicht jedoch im Normalbereich.

Durch die mangelhafte Ernährung kann Bulimie außerdem Folgen haben wie:

  • Veränderungen im Vitamin- oder Elektrolythaushalt: Durch Kaliummangel können in ausgeprägten Fällen Herzrhythmusstörungen entstehen. Kalziummangel begünstigt Osteoporose (Knochenschwund).
  • hormonelle Veränderungen: Bei vielen Frauen mit Bulimia nervosa ist die Regelblutung (Menstruation) nur unregelmäßig oder setzt ganz aus. Eine Bulimie kann daher zu Unfruchtbarkeit führen.
  • Stoffwechselveränderungen: Der Körper setzt den Stoffwechsel bei einer Bulimie "auf Sparflamme" und senkt dadurch den Energieverbrauch. Die Folgen: Selbst wenn die Betroffenen normal essen, nehmen sie bereits zu. Deshalb versuchen sie, ihr Gewicht noch stärker zu kontrollieren – ein Teufelskreis entsteht.
  • Risiko von Schwangerschaftskomplikationen: Schwangere Bulimikerinnen haben häufiger Fehlgeburten oder gebären sehr leichte Kinder.

Die Bulimia nervosa kann sich auch mehr oder weniger stark auf das seelische Befinden auswirken. So ist es typisch für Bulimie, dass auf die Essanfälle Selbstvorwürfe folgen – die Betroffenen sind der Meinung, sich selbst nicht ausreichend unter Kontrolle zu haben. Das Gefühl der Erleichterung nach dem Erbrechen ist nur von kurzer Dauer und weicht einer Niedergeschlagenheit.

Zudem können einer Bulimie andere psychische Erkrankungen folgen: Relativ häufig kommen bei Bulimia nervosa depressive Symptome vor. In extremen Fällen führt der extreme Leidensdruck sogar zu Selbstmordgedanken oder zum Selbstmord (Suizid) der Betroffenen.

Des Weiteren sind bei Bulimie soziale Folgen möglich, da die Betroffenen oft ihr Sozialverhalten verändern: Menschen mit Bulimia nervosa ziehen sich von Freunden und Familie zurück und verlieren zunehmend das Interesse an anderen Dingen. Diese Isolierung kann den Mangel an Selbstwertgefühl verstärken, was die Betroffenen wiederum motiviert, durch die Gewichtskontrolle ein vermeintlich attraktiveres Äußeres zu erreichen.

Diagnose

Bei der Bulimie (Bulimia nervosa) ergibt sich die Diagnose vor allem aus den Angaben der Betroffenen oder ihrer Angehörigen. Daher bildet ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen und mit einem oder mehreren nahe stehenden Menschen einen wichtigen Schritt, um das Essverhalten und das Körperbild einschätzen zu können.

Ein deutlicher Hinweis auf eine Bulimie sind Essattacken, die über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten mindestens zwei Mal pro Woche auftreten. Für eine Bulimia nervosa sprechen darüber hinaus regelmäßig ergriffene Maßnahmen, die verhindern sollen, dass die Essattacken zu einer Gewichtszunahme führen – zum Beispiel:

Hat der Arzt den Verdacht, dass eine Essstörung wie Bulimie vorliegen könnte, versucht er herauszufinden, ob der Betroffene ein geringes Selbstwertgefühl hat und ob es in seiner Lebensgeschichte Ereignisse gab, die die Erkrankung eventuell begünstigen konnten. Dazu gehören zum Beispiel

  • emotionale oder körperliche Vernachlässigung
  • körperliche oder sexuelle Gewalt

Ob Persönlichkeitsstörungen neben der Bulimie bestehen, kann ein psychologischer Test aufdecken.

Wichtig ist es, die Bulimie von anderen Essstörungen abzugrenzen. Um eine Magersucht (Anorexie) auszuschließen, beurteilt der Arzt das Körpergewicht mithilfe des Body-Mass-Index (BMI): Während das Gewicht bei der Bulimia nervosa in der Regel im unteren Normbereich liegt, gelten Menschen mit Essstörung ab einem bestimmten Untergewicht als magersüchtig. Diese Unterscheidung ist jedoch nicht immer einfach, da Menschen mit Bulimie auch Phasen der Magersucht zeigen können (und umgekehrt).

Eine weitere Essstörung, die bei Verdacht auf Bulimie auszuschließen ist, ist die sogenannte Binge-Eating-Störung: Diese ist (wie die Bulimia nervosa) durch wiederholte Fressanfälle gekennzeichnet; anders als bulimische Menschen ergreifen die Betroffenen jedoch keine regelmäßigen Gegenmaßnahmen, um eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Die weitere Diagnostik dient vor allem dem Zweck, die als Folgen von Bulimie entstandenen Gesundheitsprobleme zu erkennen. Da einige körperliche Veränderungen charakteristisch für die Bulimia nervosa sind, kann die körperliche Untersuchung die Diagnose außerdem zusätzlich sichern: So sind bei einer Bulimie vom Purging-Typ (sog. Ess-Brech-Sucht) oft die Zähne geschädigt und die Speicheldrüsen geschwollen. Zudem können die Hände durch das selbst herbeigeführte Erbrechen Verletzungen oder Narben aufweisen.

Bei der körperlichen Untersuchung misst der Arzt außerdem Puls, Blutdruck und Temperatur; daneben prüft er in einer neurologischen Untersuchung, ob Nervenfunktionen gestört sind. Des Weiteren ist bei Bulimie eine Blutprobe hilfreich, um im Blut neben den Routinewerten die Elektrolyte oder auch die Nierenwerte zu überprüfen. Ob der infolge einer Bulimia nervosa häufig auftretende Kaliummangel Herzrhythmusstörungen verursacht, kann ein EKG zeigen.

Therapie

Bei einer Bulimie (Bulimia nervosa) zielt die Therapie langfristig darauf ab, den Auslöser der Essstörung zu erkennen und dagegen anzugehen. Da eine tiefer liegende psychische Ursache für die Bulimie anzunehmen ist, liegt der Schwerpunkt der Behandlung darauf, auf psychischer und Verhaltensebene Wege aus der Essstörung und dem damit verbundenen Suchtverhalten zu finden.

Daneben ist es ratsam, die körperlichen Folgen der Bulimie zu behandeln – also zum Beispiel Elektrolytstörungen zu beheben und eine zahnärztliche Behandlung einzuleiten.

In der Regel kann man die Bulimie ambulant behandeln. In manchen Fällen ist jedoch eine stationäre Therapie der Bulimia nervosa nötig – unter anderem, wenn:

  • medizinische Komplikationen auftreten,
  • die Betroffenen psychisch stark belastet sind oder
  • die ambulante Behandlung der Bulimie unwirksam ist.

Psychotherapie

Bei einer Bulimie bieten sich vor allem kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden der Psychotherapie an. Bei Kindern und Jugendlichen mit Bulimia nervosa ist es ratsam, die Familienangehörigen in diese Therapie einzubeziehen.

Ziel der Psychotherapie ist es, das Essverhalten zu normalisieren und die der Bulimie zugrunde liegenden oder gleichzeitig vorhandenen seelischen Probleme zu bewältigen.

Im Laufe der Bulimie haben sich gewichtsregulierende Maßnahmen (aufgrund der Angst vor der Gewichtszunahme) als eine Art der Problemlösung festgesetzt. In der Psychotherapie sollen die Betroffenen lernen, wieder mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen Nahrung zu sich zu nehmen – und nicht durch Abführmittel oder Erbrechen in den normalen Prozess der Verdauung einzugreifen. Die Therapie soll außerdem vermitteln, dass beim Essen nicht nur eine ausreichende Kalorienzufuhr eine Rolle spielt, sondern auch eine angemessene Nahrungszusammensetzung und die zeitliche Verteilung des Essens wichtig sind.

Zunächst untersucht der Therapeut das Essverhalten im Gespräch mit dem Betroffenen, gegebenenfalls auch mit den Eltern. In diesem Rahmen erklärt er, welche körperlichen und psychischen Folgen die bei Bulimie herrschende Mangelernährung haben kann. Ist der Bulimiker bereit, eine Psychotherapie zu machen, folgt danach eine Übungsphase, bei der der Betroffene gemeinsam mit dem Therapeuten versucht, das Essen wieder in den Alltag zu integrieren.

Häufig ist es beim Ernährungsmanagement erforderlich, einen Menschen mit Bulimie stark zu kontrollieren, da dieser sich zwar oft scheinbar auf die Umstellung der Ernährung einlässt, aus Angst vor einer Gewichtszunahme aber heimlich gewichtsreduzierende Maßnahmen ergreift. Es ist daher erfolgversprechend, wenn der Betroffene ein Essprotokoll führt und zusammen mit dem Therapeuten Belohnungen für das Einhalten der erarbeiteten Therapie-Ziele entwickelt.

Bei der Therapie der Bulimie ist es außerdem wichtig, die der Essstörung zugrunde liegenden irrationalen Annahmen zu bearbeiten und Strategien zur Problemlösung zu lernen. So kann zum Beispiel die Überzeugung, nur schlank liebenswert zu sein, ein Motiv für die strikte Gewichtskontrolle bei Bulimia nervosa sein. In diesem Fall suchen Therapeut und Betroffener gemeinsam nach anderen Eigenschaften, die einen Menschen liebenswürdig machen.

Um einen Menschen mit Bulimie unabhängiger von der Meinung anderer zu machen, ist es außerdem ratsam, in der Psychotherapie geeignete Strategien zu erlernen. Alternative Lebensinhalte und Quellen der Befriedigung sind dabei eine große Hilfe.

Übungen zur Körperwahrnehmung (z.B. mit Umrisszeichnungen oder Videoaufnahmen) sollen dazu beitragen, die bei der Bulimie bestehende Körperschemastörung zu beseitigen oder zu vermindern. Da die Ess- und Brechanfälle häufig nach Belastungssituationen auftreten, vermittelt die Psychotherapie bei einer Bulimie auch Hilfe im Umgang mit solchen Situationen: So sollen Betroffene andere Problemlösungsstrategien einüben, die ihnen den Umgang mit Stress und Problemen ermöglichen. Die gelingt zum Beispiel durch Rollenspiele, bei denen Situationen nachgestellt werden, die gewöhnlich einen Essanfall auslösen. Im Rollenspiel suchen Patient und Therapeut gemeinsam nach Strategien, um die Essattacke zu verhindern. Eine Lösung kann für Menschen mit Bulimia nervosa zum Beispiel eine Entspannungsübung sein.

Selbsthilfe

Nicht immer sind bei Bulimie (Bulimia nervosa) psychotherapeutische Maßnahmen nötig – zur Therapie reicht in manchen Fällen eine sogenannte angeleitete Selbsthilfe aus: Wer an einem geeigneten Selbsthilfeprogramm teilnimmt, das unter Anleitung eines Therapeuten erfolgt und auf Elementen der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungsmethoden beruht, kann womöglich auch ohne Psychotherapie und/oder Medikamente seine Bulimie besiegen.

Medikamente

Bei der gegen Bulimie eingesetzten Therapie spielen Medikamente normalerweise eine untergeordnete Rolle. Es kann allerdings sinnvoll sein, bei einer Bulimia nervosa begleitend zu einer Psychotherapie bestimmte Antidepressiva einzunehmen: Eine solche Behandlung bietet nicht nur Hilfe bei einer Depression, sondern wirkt auch gegen die Essstörung selbst.

In Deutschland ist der Wirkstoff Fluoxetin für Bulimie-Betroffene über 18 Jahre zugelassen. Voraussetzung ist jedoch, dass gleichzeitig eine Psychotherapie stattfindet. Fluoxetin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Verlauf

Unbehandelt nimmt Bulimie (Bulimia nervosa) einen schwankenden Verlauf, in dem sich Phasen mit starken und weniger starken Symptomen abwechseln. Die meisten Menschen mit Bulimie versuchen, ihre Essstörung geheim zu halten. Daher suchen sie in der Regel erst relativ spät Hilfe.

Wer sich seiner Essstörung stellt und sich behandeln lässt, hat aber gute Chancen, die Bulimie zu besiegen: Etwa acht von zehn behandelten Bulimikern bekommen ihre Bulimia nervosa in den Griff. Dabei ist es wichtig, bei Rückschlägen nicht aufzugeben. Falls eine Psychotherapie nicht anschlägt, kann ein Wechsel des Therapeuten und/oder der Therapieform hilfreich sein. Schlägt eine ambulante Therapie nicht an, besteht die Möglichkeit, sich stationär in einer Klinik behandeln zu lassen.

Nur ein kleiner Teil der Menschen mit Bulimie spricht nicht auf die Behandlung an: Eine solche chronische Bulimia nervosa kommt besonders dann vor, wenn zusätzlich zur Essstörung andere psychische Störungen (wie depressive Symptome, Angst- oder Zwangsstörungen) vorliegen.

Vorbeugen

Einer Bulimie (Bulimia nervosa) können Sie nicht direkt vorbeugen. Fällt Ihnen im Familien- oder Freundeskreis ein Verhalten auf, das auf eine mögliche Essstörung hindeutet, können Sie versuchen, die Betroffenen vorsichtig und einfühlsam zu einer Beratung zu motivieren, ohne Druck auszuüben. Dadurch gelingt es möglicherweise, die Ausprägung und den Verlauf der Bulimie positiv zu beeinflussen. Allgemein ist es für Eltern ratsam, ihren Kindern immer als vertrauensvoller Gesprächspartner zur Seite zu stehen und deren Selbstbewusstsein zu fördern.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Bulimie (Bulimia nervosa)":

Linktipps:

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betreibt ein eigenes Portal, das sich mit Essstörungen beschäftigt. Hier finden Sie auch Kontaktadressen und weiterführende Links. Außerdem können Sie verschiedene Broschüren bestellen.
www.bzga-essstoerungen.de

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Waage e.V.
Eimsbüttelerstr. 53
22769 Hamburg
Mo 9.30-11 Uhr, Do 15.30-17 Uhr: 040 / 491 49 41
info@waage-hh.de
www.waage-hh.de

Beratungsstelle für Essstörungen Cinderella e.V.
Westendstraße 35
80339 München
Mo-Do 11-13 Uhr und 14-18 Uhr: 089/ 502 12 12
089/ 50 25 75
cinderellaberatg@aol.com
www.cinderella-rat-bei-essstoerungen.de

Frankfurter Zentrum für Essstörungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt/M.
069/ 55 01 76
069/ 596 17 23
info@essstoerungen-frankfurt.de
www.essstoerungen-frankfurt.de

Beratungszentrum bei Ess-Störungen – Dick & Dünn e.V.
Innsbrucker Straße 37
10825 Berlin
030/ 854 49 94
030/ 854 84 42
info@dick-und-duenn-berlin.de
www.dick-und-duenn-berlin.de

ANAD e.V. – Therapeutische Wohngruppen
Poccistr. 5
80336 München
089 / 21 99 73-0
089 / 21 99 73-23
kontakt@anad.de
www.anad.de

Quellen:

Online-Information der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.bzga-essstoerungen.de (Abrufdatum: 8.4.2015)

Forman, S.: Eating disorders: Overview of epidemiology, pathogenesis, and course of illness. Online-Publikation, Up-to-Date (Stand: 24.1.2015)

Forman, S.: Eating disorders: Overview of treatment. Online-Publikation, Up-to-Date (Stand: 25.1.2015)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015

Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Online-Informationen der Kinder- und Jugendärzte im Netz: www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: 18.3.2014)

Möller, H., Laux, G., Deister, A.: Duale Reihe Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) (Hrsg.): Essstörungen – Leitfaden für Eltern, Angehörige und Lehrkräfte. Köln 2011

Emminger, H., Kia, T.: Exaplan – Das Kompendium der klinischen Medizin. Urban & Fischer, München 2010

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM) et al.: Diagnostik und Therapie der Essstörungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 051/026 (Stand: 12.12.2010)

Kempe, A., Löffler, B.C.: Crashkurs Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2009

Rupprecht, R. Hampel, H.: Lehrbuch der Psychiatrie und Psychotherapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2006

Stand: 8. April 2015

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