Keuchhusten (Pertussis): Hochansteckend und langwierig

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (10. November 2017)

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Keuchhusten (Pertussis) ist längst keine Kinderkrankheit mehr: Zunehmend sind Jugendliche und Erwachsene betroffen. Zwar sind mittlerweile über 90 Prozent der Kinder bei ihrer Einschulung gegen Keuchhusten geimpft. Wer nicht rechtzeitig an eine Auffrischimpfung denkt, ist jedoch nicht mehr ausreichend geschützt.

In Deutschland tritt Keuchhusten am häufigsten im Herbst und Winter auf. Grundsätzlich kann die Pertussis aber in jeder Jahreszeit ausbrechen.

Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten ist eine akute, durch das Bakterium Bordetella pertussis hervorgerufene Infektionskrankheit der Atemwege. Kennzeichnend für die Erkrankung sind Hustenanfälle, die bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen manchmal lebensbedrohlich sein können.

Keuchhusten ist sehr ansteckend und gilt seit dem 29.3.2013 als meldepflichtige Erkrankung. Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) zu melden sind:

  • der Verdacht auf Pertussis,
  • die Erkrankung selbst,
  • der Tod durch Pertussis sowie
  • (bei Hinweisen auf eine akute Infektion) der direkte oder indirekte Nachweis der Erreger.

Außerdem sind Leitungen von Gemeinschaftseinrichtungen (v.a. von Einrichtungen mit Säuglingen und Kleinkindern) dazu verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt sofort über Keuchhusten-Fälle zu informieren.

Für Neugeborene ist der Schutz vor Keuchhusten besonders wichtig. © iStock

Um Babys vor Keuchhusten zu schützen, sollten sich frischgebackene Mütter, deren Impfschutz vor der Schwangerschaft nicht aufgefrischt wurde, in den ersten Tagen nach der Geburt impfen lassen. Und auch für alle anderen engen Kontaktpersonen, deren letzte Pertussis-Impfung über zehn Jahre zurückliegt, ist eine Auffrischimpfung ratsam.

Keuchhusten (Pertussis): Symptome

Bei Keuchhusten (Pertussis) halten die Symptome meistens wochen- bis monatelang an. Dabei kann man anhand der auftretenden Krankheitszeichen drei Stadien unterscheiden:

  • erkältungsartiges Stadium
  • Anfallsstadium
  • Erholungsstadium

Erkältungsartiges Stadium (Stadium catarrhale)

Im ersten Stadium von Keuchhusten ähneln die Symptome einer Erkältung. Entsprechend bezeichnet man es als erkältungsartiges Stadium (bzw. Stadium catarrhale) der Pertussis. Zu den typischen Anzeichen gehören:

Das Stadium catarrhale dauert etwa ein bis zwei Wochen an. In dieser Zeit ist Keuchhusten besonders ansteckend!

Anfallsstadium (Stadium convulsivum)

Im zweiten Stadium treten die für Keuchhusten namensgebenden Symptome auf: Hustenanfälle mit anschließendem Keuchen beim Einatmen. Dieses sogenannte Anfallsstadium (bzw. Stadium convulsivum) der Pertussis kann drei bis sechs Wochen andauern. Die Hustenanfälle klingen erst nach mehreren Wochen langsam ab.

Die für Keuchhusten typischen Hustenanfälle treten vor allem bei Kindern auf. Dabei husten sie mit vorgestreckter Zunge mehrfach schnell hintereinander (sog. Stakkatohusten). Oft atmen sie anschließend keuchend oder juchzend ein.

Das keuchende Geräusch am Ende eines Hustenanfalls tritt bei etwa jedem zweiten Kind mit Keuchhusten im Stadium convulsivum auf. Es entsteht durch das plötzliche Einatmen gegen die geschlossenen Stimmlippen (Glottis).

Neben dem typischen Keuchhusten sind im Stadium convulsivum folgende Symptome möglich:

  • zäher, glasiger Auswurf
  • Erbrechen des hochgewürgten Auswurfs
  • nächtliche Häufung der Beschwerden
  • selten Fieber

Je nach Alter können die bei Keuchhusten auftretenden Symptome aber unterschiedlich ausfallen.

Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen macht sich oft nur durch lang anhaltenden, trockenen Husten bemerkbar, ohne dass es zum Stadium convulsivum kommt.

Auch Keuchhusten beim Baby entspricht nicht immer dem typischen Bild des Stadium convulsivum. In den ersten Lebensmonaten verläuft die Pertussis allerdings häufig besonders schwer: Die Hustenanfälle sind zwar oft weniger stark, es können aber Atemstillstände (Apnoen) auftreten. Außerdem können gerade Babys mit Keuchhusten eher Komplikationen entwickeln, wie:

Erholungsstadium (Stadium decrementi)

In der letzten Phase von Keuchhusten schwächen sich die Symptome langsam immer weiter ab. Dieses Erholungsstadium (bzw. Stadium decrementi) der Pertussis bezeichnet man auch als Rekonvaleszenzstadium (lat. convalescere = kräftig werden, erstarken). Es dauert etwa sechs bis zehn Wochen.

Keuchhusten (Pertussis): Ursachen

Erreger

Keuchhusten (Pertussis) entsteht durch das Bakterium namens Bordetella pertussis. Dieser Erreger kommt nur beim Menschen vor. Er vermehrt sich auf den Schleimhäuten der menschlichen Atemwege und setzt unter anderem ein spezifisches Gift frei: das Pertussis-Toxin (PT). Dieses Bakteriengift verursacht die Krankheitssymptome:

  • Es zerstört die Schleimhäute,
  • schädigt umliegendes Gewebe und
  • schwächt die Abwehrkräfte.

Ein anderes Bakterium namens Bordetella parapertussis kann Symptome verursachen, die dem Keuchhusten ähneln. Die Erkrankung durch diesen Erreger verläuft jedoch in der Regel milder und kürzer als Pertussis. Zudem kann Bordetella parapertussis neben dem Menschen auch Schafe infizieren.

Ansteckung

Keuchhusten überträgt sich durch Tröpfcheninfektion. Die Ansteckung geschieht also über winzige Tropfen, in denen die Krankheitserreger enthalten sind und die – zum Beispiel durch Niesen oder Husten – aus den Atemwegen der Infizierten in die Luft gelangen. Auch beim Küssen und über gemeinsam genutztes Geschirr oder Besteck kann sich Bordetella pertussis verbreiten.

Keuchhusten ist sehr ansteckend: Etwa 80 Prozent der nicht geimpften Menschen, die mit dem Bakterium Bordetella pertussis in Kontakt kommen, erkranken daran.

Doch wer einmal Keuchhusten hatte oder ausreichend geimpft wurde, ist anschließend mehrere Jahre lang immun dagegen. Der Schutz vor einer erneuten Ansteckung hält aber nicht lebenslang an, sodass eine Auffrischimpfung gegen Pertussis sinnvoll ist.

Keuchhusten trotz Impfung übertragen – geht das?

Ja: Wenn sich ausreichend geimpfte Menschen Bordetella pertussis einfangen, sind sie selbst zwar weitgehend vor Keuchhusten geschützt. Jedoch können sie für kurze Zeit den Erreger trotz Impfung weiterverbreiten.

Inkubationszeit

Bei Keuchhusten beträgt die Inkubationszeit (d.h. die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome) etwa 7 bis 20 Tage. Im Anschluss an die Inkubationszeit ist das Risiko, andere anzustecken, am höchsten; nach der 6. Erkrankungswoche sinkt das Ansteckungsrisiko langsam.

Keuchhusten (Pertussis): Diagnose

Meist kann man Keuchhusten (Pertussis) bereits anhand der typischen Symptome erkennen. Im Anfangsstadium der Erkrankung bietet sich außerdem ein Rachenabstrich an, um den Erreger Bordetella pertussis unter geeigneten Bedingungen anzuzüchten (d.h. eine Kultur anzulegen) und so nachzuweisen. Allerdings gelingt dieser Nachweis im Labor nicht immer, da der Erreger sehr empfindlich ist.

Ein sehr aufwendiges und teures Verfahren zur Diagnose von Keuchhusten ist die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Mit dieser Methode kann man ebenfalls den Erreger im Sekret des Nasen-Rachen-Raums nachweisen. Die Methode besteht jedoch darin, das Erbmaterial (die DNA) von Bordetella pertussis zu vervielfältigen und zu untersuchen.

Im weiteren Krankheitsverlauf kann eine Blutprobe dazu beitragen, Keuchhusten festzustellen: Dann hat das Immunsystem Antikörper gegen den Erreger gebildet, die man im Blut nachweisen kann. Dies ist jedoch frühestens ab dem Anfallsstadium (Stadium convulsivum) der Pertussis möglich.

Keuchhusten (Pertussis): Behandlung

Bei Keuchhusten (Pertussis) ist eine frühzeitige Behandlung mit einem Antibiotikum ratsam. Geeignet ist zum Beispiel der Wirkstoff Azithromycin, Clarithromycin oder Cotrimoxazol.

Warum Antibiotika bei Keuchhusten?

Antibiotika können bewirken, dass der Keuchhusten schneller und unkomplizierter ausheilt. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Behandlung früh genug beginnt – das heißt spätestens drei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle.

Zudem sorgen Antibiotika dafür, dass der Keuchhusten weniger lange ansteckend ist: Nach etwa fünftägiger Behandlung besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Die Medikamente tragen also dazu bei, die Verbreitung der Pertussis einzudämmen.

Was kann man bei Keuchhusten selbst tun?

Zu Hause können einfache Maßnahmen die mit Keuchhusten verbundenen Beschwerden lindern – sinnvoll sind vor allem:

  • eine ruhige Umgebung
  • viel Flüssigkeit und häufige kleine Mahlzeiten
  • kühle und feuchte Raumluft (z.B. durch das Aufhängen feuchter Handtücher im Zimmer)

Ein Kind mit Keuchhusten braucht zudem viel Zuneigung. Es ist wichtig, es während der Hustenanfälle zu beruhigen.

Bei Keuchhusten im Säuglingsalter muss das Kind zur Behandlung allerdings ins Krankenhaus. Dort wird seine Atmung mit einem Monitor überwacht. Außerdem können Babys Schleim häufig nicht selbstständig abhusten, sodass man ihn absaugen muss.

Keuchhusten (Pertussis): Verlauf

Keuchhusten (Pertussis) ist typischerweise langwierig: Nach der Anfangsphase (1–2 Wochen) mit erkältungsähnlichen Symptomen kommt es im zweiten Stadium (4–6 Wochen) oft zu den kennzeichnenden Hustenanfällen, die im letzten Stadium (6–10 Wochen) langsam wieder abklingen. Die Erkrankung zieht sich also über Wochen bis Monate hin.

Wie sich Pertussis entwickelt, hängt jedoch in hohem Maß vom Alter der Betroffenen ab: Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen äußert sich oft nur durch lang anhaltenden Husten.

Dagegen nimmt Keuchhusten bei Kindern im Säuglingsalter oft einen besonders schweren Verlauf: Obwohl die Hustenanfälle in dem Alter weniger stark ausgeprägt sind, kann die Pertussis beim Baby Atemstillstände (Apnoen) auslösen. Außerdem können gerade im ersten Lebensjahr gehäuft Komplikationen auftreten, zum Beispiel:

Keuchhusten (Pertussis): Impfung kann vorbeugen

Keuchhusten (Pertussis) können Sie wirksam vorbeugen, indem Sie sich und Ihre Kinder frühzeitig und vollständig impfen lassen!

Zum Schutz vor Keuchhusten reicht eine Impfung aber nicht aus: Um so gut wie möglich vor Pertussis geschützt zu sein, ist zunächst eine sogenannte Grundimmunisierung nötig, die aus mehreren Impfdurchgängen besteht.

Erst wenn die Grundimmunisierung abgeschlossen ist, besteht ein weitreichender Schutz vor Ansteckung. Da der Impfschutz gegen Keuchhusten nicht lebenslang anhält, sind nachfolgend Auffrischimpfungen wichtig.

Zur Keuchhusten-Impfung kommt ein Kombinationsimpfstoff zum Einsatz, der auch gegen Tetanus und Diphtherie immun macht. Das empfohlene Impfschema für die Impfungen gegen Pertussis sieht wie folgt aus:

  • 1. bis 3. Impfung: im Alter von 2, 3 und 4 Monaten
  • 4. Impfung: zur vollständigen Grundimmunisierung im Alter von 11 bis 14 Monaten
  • 1. Auffrischung: im Alter von 5 bis 6 Jahren
  • 2. Auffrischung: im Alter von 9 bis 17 Jahren

Die Impfung schützt allerdings nur etwa 4 bis 12 Jahre lang vor Keuchhusten. Und auch wer auf natürlichem Weg durch das Bakterium Bordetella pertussis erkrankt, ist anschließend 4 bis höchstens 20 Jahre lang immun gegen Keuchhusten. Jugendliche und Erwachsene können sich also jederzeit wieder anstecken – darum sollten sie rechtzeitig an eine Impfauffrischung denken.

Denn Erwachsene spielen als potenzielle Überträger von Keuchhusten eine immer größere Rolle. Darum gilt für alle Erwachsenen die Empfehlung, die nächste fällige Impfung gegen Tetanus und Diphterie einmalig als eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (Tdap-Impfung) durchzuführen.

Wann immer also im Erwachsenenalter eine Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie ansteht (auch im Verletzungsfall), sollte dies Anlass sein, den Impfschutz gegen Keuchhusten zu prüfen und sich gegebenenfalls für eine kombinierte Impfung zu entscheiden.

Babys brauchen besonderen Schutz

Denn gerade im ersten Lebensjahr – also ausgerechnet dann, wenn das Baby selbst noch keinen vollständigen Impfschutz hat – verläuft Keuchhusten oft schwerwiegend. Die Impfung gegen Pertussis ist darum allgemein für Frauen im gebärfähigen Alter und speziell für Kontaktpersonen von Babys wichtig – und zwar schon vor deren Geburt. Im Einzelnen bedeutet das:

  • Haushaltskontaktpersonen (Eltern, Geschwister) und Betreuer (z.B. Tagesmutter, Großeltern, Babysitter) von Neugeborenen und Schwangeren sollten sich spätestens 4 Wochen vor Geburt des Kindes eine Dosis Pertussis-Impfstoff verabreichen lassen, wenn sie in den letzten 10 Jahren keine Keuchhusten-Impfung erhalten haben.
  • Frischgebackene Mütter, die vor der Empfängnis keine Auffrischung erhalten haben, lassen sich am besten in den ersten Tagen nach der Geburt ihres Kindes gegen Keuchhusten impfen.
  • Eine Impfung mit einer Impfstoff-Dosis ist außerdem bei Menschen angezeigt, die im Gesundheitsdienst sowie in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten und sich den letzten zehn Jahren nicht gegen Keuchhusten haben impfen lassen.

Wenn Sie vor Keuchhusten nicht ausreichend durch Impfung geschützt sind, können Sie die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung nur verringern, indem Sie den Kontakt zu infizierten Personen meiden.

Haben Sie oder Ihre Kinder sich mit Bordetella pertussis angesteckt, ist eine Behandlung mit Antibiotika ratsam, um die Dauer der Ansteckungsfähigkeit zu verkürzen: So können Sie der weiteren Ausbreitung von Keuchhusten vorbeugen.

Keuchhusten (Pertussis): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Keuchhusten (Pertussis)":

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2017: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 24.8.2017)

Pertussis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 24.5.2017)

Erregersteckbrief Keuchhusten. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Stand: 25.4.2016)

RKI-Ratgeber für Ärzte: Pertussis (Keuchhusten). Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: August 2014)

Epidemiologisches Bulletin Nr. 1/2014: Keuchhusten-Erkrankungen in den neuen Bundesländern, 2002 bis 2012. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: Januar 2014)

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Aktualisiert am: 10. November 2017

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