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Gebärmutterhalskrebs: Risikofaktor HP-Viren

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (11. August 2017)

© iStock

Bis aus einer Gewebeveränderung Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entsteht, vergehen viele Jahre bis Jahrzehnte. Im Rahmen der gynäkologischen Früherkennung kann der Frauenarzt frühzeitig erste Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs erkennen. Einmal pro Jahr sollte daher die Früherkennung auf dem Terminplan stehen.

Was ist Gebärmutterhalskrebs?

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist ein bösartiger Tumor, der aus verändertem Gewebe des Gebärmutterhalses (Zervix) entsteht. Der größte Risikofaktor für Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit einem bestimmten Virus – dem humanen Papillomavirus (HPV).

Wie häufig ist Gebärmutterhalskrebs?

In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Bei der Diagnose sind die Patientinnen im Durchschnitt 53 Jahre alt.

In den 1970er Jahren war Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Bis heute ist die Zahl der erkrankten Frauen immer weiter zurückgegangen, und das Zervixkarzinom belegt 2012 nur noch Platz 12 in der Statistik. Dies liegt vermutlich an den besseren Früherkennungsmethoden, mit deren Hilfe der Arzt auch Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs entdecken kann.

Wie ist die Gebärmutter aufgebaut?

Die Gebärmutter dient der Fortpflanzung: Hier kann sich eine befruchtete Eizelle einnisten und der Embryo heranwachsen. Während der Geburt sorgen die Muskelkontraktionen der Gebärmutter dafür, dass das Kind durch den Gebärmutterhals und durch die Scheide nach außen gelangt.

Die Gebärmutter besteht hauptsächlich aus Muskel- und Bindegewebe. Der Gebärmutterhals verbindet das obere Scheidenende mit der Gebärmutter. Das untere Ende des Gebärmutterhalses ist der Muttermund. Er ragt zapfenförmig in die Scheide hinein.

Bösartige Tumoren der Gebärmutter (Endometriumkarzinom, Korpuskarzinom) unterscheiden sich in vielen Punkten von Tumoren des Gebärmutterhalses und werden anders behandelt. Mediziner betrachten diese beiden Tumorarten daher gesondert.

Eine grafische Abbildung der weiblichen Geschlechtsorgane.

Die Gebärmutter zählt zu den weiblichen Geschlechtsorganen.

Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich innerhalb vieler Jahre bis Jahrzehnte aus zunächst gutartigen Zellveränderungen.

Zellveränderungen nennen Ärzte Dysplasien. Eine Veränderung im Gebärmutterhals heißt zervikale oder epitheliale Dysplasie.

Wichtig zu wissen: Der Begriff "Krebsvorstufe" bedeutet nicht, dass eine Frau Krebs hat oder zwingend Krebs bekommt. Er bedeutet lediglich, dass sich aus diesen Vorstufen Krebs entwickeln könnte. Daher wird der Arzt eine epitheliale Dysplasie engmaschig überwachen und gegebenenfalls behandeln.

Der Gebärmutterhals wird von Schleimhaut ausgekleidet, dem Epithel. Je nachdem, bis in welche Schicht der Schleimhaut die Zellveränderungen reicht, unterscheiden Ärzte drei Schweregrade – auch CIN-Stufen genannt. CIN ist die Abkürzung für cervical intraepithelial neoplasia (zervikale intraepitheliale Neoplasie). Es gibt folgende CIN-Stufen:

  • CIN I:leichte Dysplasie (Zellveränderungen in der oberen Epithelschicht)
  • CIN II:mittelschwere Dysplasie (Zellveränderungen in mehreren Schichten des Epithels)
  • CIN III:schwere Dysplasie (Zellveränderungen im gesamten Epithel)

Je höher die Stufe, desto höher ist das Risiko, dass sich aus den Zellveränderungen Gebärmutterhalskrebs entwickelt.

Auch aus CIN I und CIN II kann theoretisch Krebs entstehen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering. In mehr als fünf von zehn Fällen bilden sich die Veränderungen einer CIN I und CIN II von selber zurück. Daher wird der Arzt diese Stufen in der Regel zunächst überwachen und prüfen, ob sie sich von selbst zurückbilden. Bleiben die Veränderungen über mehr als zwölf bestehen oder entwickelt sich eine CIN III, wird der Arzt die Dysplasie operativ entfernen.

Gebärmutterhals­krebs (Zervixkarzinom): Symptome

Wichtig zu wissen: Die meisten Frauen mit Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) spüren zu Beginn keine oder nur unspezifische Symptome. Erste Anzeichen können zum Beispiel Müdigkeit oder unregelmäßige Blutungen sein.

Beschwerden treten erst auf, wenn die Erkrankung fortgeschritten ist. Mögliche Symptome von Gebärmutterhalskrebs sind:

Auch immer wiederkehrende Rücken- oder Flankenschmerzen oder ein unerklärlicher Gewichtsverlust können Anzeichen für ein Zervixkarzinom sein.

Beachten Sie: Die genannten Symptome sind kein Beweis für Gebärmutterhalskrebs. Vielmehr haben sie oft deutlich harmlosere Ursachen. Dennoch ist es wichtig, dass Sie länger anhaltende oder starke Beschwerden von Ihrem Arzt abklären lassen.

Gebärmutterhals­krebs (Zervixkarzinom): Ursachen

Hauptrisikofaktor HPV

Die meisten Frauen mit Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) sind mit bestimmten Viren infiziert: den humanen Papillomaviren, kurz HPV.  HPV werden durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen, vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

HPV können unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen, zum Beispiel Hautwarzen oder Genitalwarzen. Bestimmte Untergruppen dieser Viren können Krebs auslösen. Vor allem die HPV-Typen 16 und 18, die Ärzte als Hochrisikotypen bezeichnen, sind an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt.

Eine Infektion mit humanen Papillomaviren ist der Hauptrisikofaktor für Gebärmutterhalskrebs. Aber: Das bedeutet nicht, dass jede Frau, die mit HPV infiziert ist, Gebärmutterhalskrebs bekommt. Nur etwa drei von hundert infizierten Frauen entwickeln später tatsächlich ein Zervixkarzinom.

In mehr als 90 von 100 Fällen heilt die Infektion innerhalb von ein bis zwei Jahren folgenlos ab. Viele Menschen waren schon einmal mit HPV infiziert, ohne etwas davon zu bemerken. Bei manchen Personen verbleiben die Viren dauerhaft im Körper. Aber selbst dann ist das Risiko, dass sich daraus Gebärmutterhalskrebs entwickelt, gering.

Weitere Risikofaktoren

Neben einer Infektion mit humanen Papillomaviren gibt es weitere Faktoren, die das Risiko für  Gebärmutterhalskrebs erhöhen:

  • Rauchen und Passivrauchen: In der Schleimhaut des Gebärmutterhalses von Raucherinnen lassen sich krebserregende Abbauprodukte von Tabakrauch nachweisen. Dadurch können Krankheitserreger wahrscheinlich leichter in die Schleimhautzellen eindringen. Je mehr eine Frau raucht und je früher sie damit anfängt, desto höher das Risiko.
  • zusätzliche Infekte im Genitalbereich:Frauen, die mit HPV-infiziert sind, haben möglicherweise ein höheres Krebsrisiko, wenn sie zusätzlich eine andere sexuell übertragbare Erkrankung haben – etwa Genitalherpes oder eine Chlamydien-Infektion.
  • schwaches Immunsystem:Ist das Immunsystem geschwächt, kann es Erreger schlechter abwehren. Die Folge: Das Risiko für Infektionen steigt, so auch für eine HPV-Infektion. Das Immunsystem kann z.B. durch eine HIV-Infektion geschwächt sein oder durch Medikamente, die das Immunsystem gezielt unterdrücken (z.B. nach einer Organtransplantation).
  • hormonelle Verhütungsmittel: Hormonelle Verhütungsmittel wie die "Pille" erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs leicht, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Dies gilt allerdings nur, wenn die Frau zeitgleich mit HP-Viren vom Hochrisikotyp infiziert ist.
  • mangelnde Hygiene, ungeschützter Sex: Wer den Intimbereich nicht ausreichend pflegt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich mit HP-Viren anzustecken. Das gleiche gilt für ungeschützten Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern.

Genetische Faktoren scheinen dagegen kaum Einfluss auf das Risiko für Gebärmutterhalskrebs zu haben.

Gebärmutterhals­krebs (Zervixkarzinom): Diagnose

Je früher Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) oder seine Vorstufen erkannt werden, desto besser.

Da sich Gebärmutterhalskrebs meist erst spät bemerkbar macht, sind Früherkennungsuntersuchungen besonders wichtig! Alle Frauen ab dem 20. Lebensjahr können kostenlos die jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen in Anspruch nehmen.

Körperliche Untersuchung

Im Rahmen der Früherkennung tastet der Frauenarzt Muttermund, Gebärmutterhals, Gebärmutterkörper, Eierstöcke und umliegende Lymphknoten ab.

Gegebenenfalls wird der Arzt eine Scheidenspiegelung (Kolposkopie) durchführen. Dabei führt er ein kleines Untersuchungsinstrument, das Kolposkop, in die Scheide ein. Am Ende des Kolposkops befindet sich eine Lupe. So kann der Arzt kleinste Veränderungen auf der Schleimhaut erkennen.

Pap-Test

Außerdem macht der Arzt einen Abstrich: Er entnimmt eine kleine Zellprobe aus dem Muttermund und dem Hals des Gebärmutterkanals. Der Abstrich wird anschließend auf Veränderungen untersucht. Diese Untersuchung wird Pap-Test genannt.

Möglicherweise wird der Arzt auch Zellmaterial für einen HPV-Test entnehmen, wenn er den Verdacht hat, dass das Krebsrisiko erhöht sein könnte.

Gewebeprobe

Hat sich der Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs erhärtet, entnimmt der Arzt Gewebeproben (Biopsie). So kann er unter anderem beurteilen, aus welchen Zellen die Veränderungen besteht, wie weit sich die Veränderungen ausgedehnt haben und ob bereits benachbartes Gewebe betroffen ist.

Konisation

Ist der Befund nicht eindeutig, wird der Arzt vorschlagen, das veränderte Gewebe in einem kleinen Eingriff möglichst komplett zu entfernen. Diesen Eingriff nennt man Konisation. Der entnimmt eine kegelförmige (konusförmige) Gewebeprobe aus dem Gebärmutterhals. Diese Probe wird anschließend genau untersucht. Zusätzlich schabt der Arzt die Gebärmutterschleimhaut im Muttermund aus. So kann er ausschließen, dass ein möglicher Krebs in das Innere der Gebärmutter gelangt ist. Das Ausschaben nennt man Kürretage.

Die Konisation kann ambulant unter Kurznarkose oder stationär im Krankenhaus erfolgen. Bei Gebärmutterhalskrebs dient eine Konisation nicht nur der Diagnose, sondern ist gleichzeitig oft schon Teil der Therapie. In frühen Stadien von Gebärmutterhalskrebs kann es gelingen, den Krebs mithilfe der Konisation komplett zu entfernen, sodass keine weitere Behandlung notwendig ist.

Auch nach einer Konisation können Frauen in der Regel schwanger werden. Das Risiko für eine Frühgeburt ist allerdings erhöht.

Diagnose Gebärmutterhalskrebs: Weitere Untersuchungen

Handelt es sich tatsächlich um Gebärmutterhalskrebs, schließen sich weitere Untersuchungen an. Der Arzt wird unter anderem herausfinden wollen, wie groß der Tumor ist oder ob er in andere Körperbereiche gestreut hat. Zu möglichen Untersuchungen zählen:

Zur Routine gehört in der Regel auch eine Blutuntersuchung; sie ermöglicht eine Aussage über die allgemeine körperliche Verfassung der Patientin.

Gebärmutterhals­krebs (Zervixkarzinom): Therapie

Die Therapie von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) hängt von mehreren Faktoren ab, so vor allem davon,

  • wie groß der Tumor ist und welches Krebsstadium vorliegt,
  • ob der Krebs gestreut hat und
  • in welchem körperlichen Zustand die Patientin ist und ob sie noch andere Erkrankungen hat.

Nicht zuletzt wird der Arzt die persönlichen Wünsche seiner Patientin berücksichtigen. Dazu kann zum Beispiel gehören, dass sich die Patientin noch Kinder wünscht.

Die wichtigsten Behandlungsverfahren sind

Die Operation bietet sich vor allem in frühen Stadien von Gebärmutterhalskrebs an. Bestrahlung und/oder Chemotherapie sind insbesondere dann geeignet, wenn eine Operation nicht mehr möglich ist.

Krebsvorstufen behandeln

Hat der Arzt Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs entdeckt, richtet sich die Therapie danach, wie sehr das Gewebe verändert ist. Leichte Unregelmäßigkeiten der Zellen bilden sich häufig von selbst zurück. Oft reicht es daher aus, wenn der Arzt den Gebärmutterhals regelmäßig kontrolliert. Wenn die Zellveränderungen längere Zeit bestehen bleiben oder sich verstärken, entfernt der Arzt den auffälligen Bereich.

Operation

Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn der Tumor noch klein ist. Ziel der OP ist es, den kompletten Tumor und eventuell befallene Lymphknoten vollständig zu entfernen.

Bei Vorstufen und Krebs im Frühstadium: Konisation

Bei der Konisation entnimmt der Arzt ein kegelförmiges Gewebestück (Konus) mitsamt dem veränderten Gewebe aus dem Gebärmutterhals und schabt die Gebärmutter aus. Die Ausschabung soll verhindern, dass sich das bösartig veränderte Gewebe auf das Innere der Gebärmutter ausbreitet. Nach der Ausschabung regeneriert sich die Schleimhaut vollständig.

Bei jungen Frauen mit Kinderwunsch versucht der Arzt, die veränderten Strukturen besonders gewebeschonend zu entfernen. Nach der Konisation heilt die Wunde normalerweise innerhalb von vier bis sechs Wochen ab.

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Konisation (Therapieverfahren) bei Gebärmutterhalskrebs

Konisation: Der Arzt entnimmt ein Gewebestück aus dem Gebärmutterhals.

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Ist der Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium oder tritt er wiederholt auf, wird der Arzt möglicherweise empfehlen, die Gebärmutter ganz oder teilweise zu entfernen. Es kommen verschiedene Operationsmethoden infrage:

  • Gebärmutter-Teilentfernung: Bei der sog. Trachelektomie entfernt der Arzt einen Teil der Gebärmutter. Die Trachelektomie ist geeignet, wenn das Zervixkarzinom bereits tieferliegende Gebärmutterbereiche befallen hat und eine Konisation nicht ausreicht. Nach der Teilentfernung ist es unter Umständen noch möglich, Kinder zu bekommen.
  • einfache Gebärmutterentfernung: Der Chirurg entfernt die komplette Gebärmutter und, falls nötig, einzelne Lymphknoten. Anderes umliegendes Gewebe, wie der Halteapparat der Gebärmutter oder der obere Scheidenbereich, bleibt unangetastet.
  • vollständige Gebärmutterentfernung:Eine vollständige, sog. radikale Gebärmutterentfernung ist notwendig, wenn sich der Gebärmutterhalskrebs auf größere Bereiche ausgedehnt hat. Bei der Operation entnimmt der Arzt nicht nur die komplette Gebärmutter. Je nach Ausgangslage entfernt er die zur Region gehörigen Lymphknoten, Teile der Scheide oder die Haltebänder der Gebärmutter. Seltener wird die Operation auf weitere Bereiche ausgedehnt: Dann operiert der Chirurg auch die Eierstöcke und Eileiter heraus.  

Strahlentherapie & Chemotherapie

Gegebenenfalls wird der Arzt eine Strahlentherapie empfehlen – oft in Kombination mit einer Chemotherapie. Diese Kombination heißt Radiochemotherapie. Die Radiochemotherapie ist geeignet, wenn eine Operation nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Im fortgeschrittenen Stadium von Gebärmutterhalskrebs ist die Radiochemotherapie eine der wichtigsten Therapie-Optionen. Spätestens, wenn der Tumor weit fortgeschritten ist und die Beckenwand erreicht hat, ist die Strahlentherapie einer Operation vorzuziehen. Eine Strahlentherapie ist auch sinnvoll, wenn nach einer Operation noch ein Resttumor vorhanden ist oder wenn sich erneut ein Tumor gebildet hat (Rezidiv).

Was passiert bei der Strahlentherapie?

Für die Bestrahlung benötigt man mehrere Sitzungen über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg. Bei Gebärmutterhalskrebs wird die Patientin in der Regel zunächst mehrmals von außen bestrahlt. Die Strahlen richten sich auf alle Regionen, die vom Krebs befallen sind, aber auch auf benachbarte Körperbereiche. Es schließen sich weitere Termine für eine Bestrahlung von innen an. Der Arzt führt eine Strahlungsquelle über die Scheide ein und platziert die Quelle möglichst nah am Tumor. So kann er die Strahlen gezielt auf den Tumor lenken.

Was passiert bei der Chemotherapie?

Bei einer Chemotherapie setzt der Arzt Wirkstoffe ein, die auf alle Körperzellen wirken und deren Wachstum bremsen: die sogenannten Zytostatika. Krebszellen teilen sich schneller als die meisten gesunden Zellen und sprechen daher besonders gut auf Zytostatika an.

Eine Chemotherapie allein ist bei Gebärmutterhalskrebs meist wenig erfolgreich. Sie ist jedoch angebracht, wenn sich zum Beispiel Tochtergeschwulste außerhalb des Bauchraums gebildet haben. Da eine Ganzkörperbestrahlung nicht möglich ist, kann eine Chemotherapie in solch einem Fall das Krebswachstum verlangsamen, wenn auch nicht stoppen.

Auch wenn der Gebärmutterhalskrebs fortgeschritten ist und nicht operiert werden kann, setzen Ärzte zum Teil eine Chemotherapie ein, um den Tumor etwas zu verkleinern (sog. Downstaging) – und so die Ausgangsbedingungen vor einer Operation zu verbessern.

Gebärmutterhals­krebs (Zervixkarzinom): Verlauf

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entwickelt sich aus Krebsvorstufen. Bis aus solchen Gewebeveränderungen tatsächlich Krebs entstanden ist, vergehen oft Jahre bis Jahrzehnte.

Der Verlauf der Erkrankung richtet sich vor allem danach, wie früh der Krebs erkannt wird. Entdeckt der Frauenarzt Vorstufen oder einen Tumor in einem frühen Stadium, ist eine vollständige Heilung möglich. Schreitet die Erkrankung unentdeckt und unbehandelt voran, verringert sich die Chance auf eine vollständige Heilung.

Eher ungünstig ist die Prognose, wenn sich Tochtergeschwulste außerhalb der Bauchregion gebildet haben (Fernmetastasen) oder wenn Nachbarorgane beteiligt sind.

Dank verbesserter Untersuchungs- und Behandlungsmethoden hat sich die Prognose für Frauen mit Gebärmutterhalskrebs insgesamt deutlich verbessert.

Gebärmutterhals­krebs vorbeugen

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) können Sie zum einen vorbeugen, indem Sie sich vor einer Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) schützen, denn: Wer sich mit HPV angesteckt hat, erhöht das Krebsrisiko deutlich. Zum anderen sollten Sie die gynäkologische Früherkennung wahrnehmen.

Angebot zur Früherkennung nutzen

Frauen ab dem 20. Lebensjahr haben Anspruch auf eine jährliche Untersuchung zur gynäkologischen Krebsfrüherkennung. Dabei untersucht der Frauenarzt die inneren und äußeren Geschlechtsorgane und macht einen Abstrich. Wenn Sie die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrnehmen, kann der Arzt eventuelle Gewebeveränderungen früh entdecken und umgehend mit therapeutischen Maßnahmen beginnen.

Schutz vor HPV

Mit Kondomen können Sie einer HPV-Infektion zwar ein Stück weit vorbeugen. Allerdings bieten sie keinen 100-prozentigen Schutz. Der Grund: Auch über die Schamhaare oder die Haut können die HP-Viren in den Körper eindringen. Ein Kondom kann zwar das Infektionsrisiko senken. Eine Garantie, dass man sich nicht trotzdem ansteckt, gibt es jedoch nicht.

Der beste Schutz vor einer HPV-Infektion ist die HPV-Impfung.     

Gebärmutterhalskrebs-Impfung (HPV-Impfung)

Gegen die Hochrisikotypen HPV 16 und 18 aus der Gruppe der humanen Papillomaviren (HPV) gibt es eine Impfung. Im Idealfall lassen sich Frauen vor dem ersten Sexualkontakt impfen.

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren.

Die Impfung senkt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs deutlich. Sie wirkt jedoch nicht gegen alle Typen von HP-Viren. Außerdem können auch Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken, die nicht mit HPV infiziert sind. Daher sollten Sie weiterhin die jährliche Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt nutzen.

Gebärmutterhals­krebs (Zervixkarzinom): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Gebärmutterhals­krebs (Zervixkarzinom)":


Onmeda-Lesetipps:

Besuchen Sie unser expertenbetreutes Forum Gebärmutterhalskrebs.

Linktipps:

www.zervita.de
Informationen und Aufklärung über Gebärmutterhalskrebs und HPV von der Projektgruppe Zervita

www.krebshilfe.de
Deutsche Krebshilfe e.V.: Informationsmaterialien zu Krebs, Beratung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen bzw. Betroffenen.

www.frauenselbsthilfe.deFrauenselbsthilfe nach Krebs e.V.

Quellen:

Gebärmutterhalskrebs. Online-Informationen des Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 11.8.2017)

Gebärmutterhalskrebs. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de (Stand: 31.1.2017)

Epidemiologisches Bulletin 34/2016: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Robert Koch-Institut, Berlin (29.8.2016)

„Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Gebärmutterhalskrebs. Eine Leitlinie für Patientinnen. Online-Publikation: www.krebshilfe.de (Stand: September 2015)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/033OL (Stand: September 2014)

Gebärmutterhalskrebs. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 16.4.2013)

Haag, P., Hanhart, N., Müller, M.: Gynäkologie und Urologie. Med. Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2011/2012. Häufigkeiten und Trends. Berlin 2013

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Goerke, K., Steller, J. und Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie, Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2012

Stand: 11. August 2017

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