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Dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeits­störung)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (19. April 2016)

© Jupiterimages/iStockphoto

Hinweis für Betroffene beim Lesen des Texts: Mögliche Auslösereize für Betroffene sind in diesem Text nicht durch Sternchen (*) maskiert worden.

Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) – auch bekannt als multiple Persönlichkeitsstörung (MPS) – kann zu Erinnerungslücken und merkwürdigen Begebenheiten führen: So kann es zum Beispiel passieren, dass sich die Betroffenen plötzlich an einem unbekannten Ort wiederfinden oder in ihrem Kleiderschrank fremde Kleidungsstücke hängen.

Wer eine dissoziative Identitätsstörung hat, kann solche und ähnliche Situationen erleben, ohne dass eine direkte körperliche Wirkung von Substanzen (wie Alkohol) oder Krankheit dahintersteckt, denn: Bei dieser Störung sind zwei oder mehr unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszustände vorhanden, die wiederholt die Kontrolle über das Verhalten übernehmen (sog. multiple Persönlichkeit).

Weil die Identität, die den Großteil des normalen Alltags bestreitet, sich der weiteren Identitäten häufig nicht bewusst ist, kann sich eine multiple Persönlichkeit oft nicht an wichtige persönliche Informationen erinnern. Die für eine dissoziative Identitätsstörung kennzeichnenden Teilidentitäten unterscheiden sich beispielsweise in ihren Namen, Vorlieben und Verhaltensweisen voneinander. Darüber hinaus können sie auch physiologische Unterschiede zeigen: So kann beispielsweise eine Teilpersönlichkeit allergisch auf Substanzen reagieren, die bei einer anderen keine Allergie auslöst.

Die dissoziative Identitätsstörung stellt eine Art Schutzreaktion dar: Ursache für die Aufspaltung in zwei oder mehr Teilidentitäten ist eine starke Traumatisierung in der Kindheit (z.B. wiederholter Missbrauch). Die multiple Persönlichkeitsstörung ist dabei als Versuch zu verstehen, mit dem erlebten Trauma zurechtzukommen: Die Betroffenen dissoziieren – das heißt, sie trennen das reale Geschehen vom Bewusstsein ab. Im Erwachsenenalter ist die multiple Persönlichkeit bei der Bewältigung des Alltags jedoch hinderlich, sodass sie sich zunehmend belastend auswirken kann.

Überwiegend tritt die multiple Persönlichkeitsstörung zusammen mit einer Reihe anderer Symptome auf (z.B. Depressionen, Aggressionen, selbstverletzendes Verhalten usw.). Dadurch kommt es häufig zu Fehldiagnosen. Um die dissoziative Identitätsstörung richtig diagnostizieren zu können, steht ein Fragebogen zur Verfügung.

Eine dissoziative Identitätsstörung zu behandeln ist meist langwierig. Die Therapie zielt darauf ab, eine größtmögliche Stabilisierung der Betroffenen zu erreichen. Neben der Alltagsbewältigung stehen dabei das Kennenlernen und die Kooperation der Teilidentitäten untereinander im Vordergrund.

Soweit es die dissoziative Identitätsstörung zulässt, ist es ratsam, bei der Behandlung auch die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten – mit dem Ziel, die Teilidentitäten miteinander zu verschmelzen. Dabei ist es aber wichtig, immer die Möglichkeiten und Bedürfnisse jedes einzelnen Betroffenen in den Vordergrund zu stellen: Nicht selten lehnt eine multiple Persönlichkeit die Verschmelzung der Teilidentitäten als Therapieziel ab.

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