Stuhlinkontinenz: ein oft verschwiegenes Symptom

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. Juli 2015)

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Wer eine Stuhlinkontinenz hat, kann Darmgase und/oder den Stuhlgang nicht mehr richtig kontrollieren. Die Folge: Der Darm kann sich ungewollt von selbst entleeren – was meist mit starkem Schamgefühl und erheblichen Einschränkungen im Alltagsleben verbunden ist.

Die Inkontinenz aus Scham zu verschweigen, hilft aber niemandem: In den allermeisten Fällen ist es möglich, eine Stuhlinkontinenz zu beheben. Trauen Sie sich also, ärztliche Hilfe zu suchen – Ihrer Lebensqualität zuliebe!

Im frühen Kindesalter lernt man, den Stuhl am richtigen Ort und zur richtigen Zeit bewusst – also vom eigenen Willen gesteuert – abzusetzen. Wenn diese Fähigkeit – etwa durch eine bestimmte Erkrankung und Störung – wieder verloren geht, spricht man von Stuhlinkontinenz (Fachausdruck: anorektale Inkontinenz). Den Betroffenen gelingt es dann nicht mehr, den Darminhalt – also flüssigen oder festen Stuhl, Darmgase und Darmschleim – willentlich zurückzuhalten.

Je nachdem, wie gut es noch gelingt, den Stuhlgang zurückzuhalten, spricht man von Inkontinenz ersten bis dritten Grades:

  • Schweregrad 1 (leichte Inkontinenz): Darmgase gehen unkontrolliert ab.
  • Schweregrad 2 (mittlere Inkontinenz): Die Betroffenen können flüssigen Darminhalt nicht halten.
  • Schweregrad 3 (schwere Inkontinenz): Es kommt zu einem totalen Kontrollverlust über die Darmentleerung – den Darminhalt willentlich oder reflektorisch zurückzuhalten ist unmöglich; auch fester Stuhl geht unkontrolliert ab.

Eine Stuhlinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. Im Alter etwa lässt die Gewebespannung und Muskelkraft nach, wovon auch der Schließmuskel betroffen sein kann. Speziell bei Frauen kann die Inkontinenz auch als Spätfolge einer Schwangerschaft auftreten, da durch die Geburt der Beckenboden sehr stark gedehnt und eventuell verletzt wird.

Außerdem können Verletzungen im Bereich des Afters eine Stuhlinkontinenz bewirken. Nervenschäden können ebenfalls der Grund sein, warum der Schließmuskel am After nicht mehr (vollständig) funktioniert. In manchen Fällen tritt die Inkontinenz auch infolge einer Hämorrhoiden-Operation auf. Des Weiteren sind seelische Ursachen möglich.

Video über die Ursachen von Stuhlinkontinenz

Die Therapie einer Stuhlinkontinenz richtet sich nach ihrer jeweiligen Ursache. Allgemein ist es sinnvoll, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken, um die Kontinenz zu verbessern oder der Inkontinenz vorzubeugen. Zudem stehen Hilfsmittel zur Verfügung, die den Alltag erleichtern – zum Beispiel spezielle Einlagen, um die Wäsche zu schonen.

Häufigkeit

Die Stuhlinkontinenz kommt mit großer Häufigkeit vor: In Deutschland sind rund fünf Prozent der Bevölkerung mehr oder wenige stark stuhlinkontinent. Vor allem ältere Menschen und Frauen sind betroffen. Die Gründe:

  • Im Alter lässt die Beckenbodenmuskulatur nach und häufig entwickelt sich auch eine Schwäche des Schließmuskels am After. Zudem treten im Alter öfter Krankheiten auf, die das Risiko für eine Inkontinenz erhöhen (wie Schlaganfälle, Demenz).
  • Bei Frauen sind der Beckenboden und der Schließmuskel schwächer; zudem kann eine Frau als langfristige Folge des Gebärens inkontinent werden.
Insgesamt bekommen vier- bis fünfmal mehr Frauen als Männer eine Stuhlinkontinenz.

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