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Durchfall (Diarrhö) – zu oft, zu viel, zu flüssig

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (08. August 2017)

© iStock

Mit Durchfall (Diarrhö) hat jeder Mensch früher oder später einmal zu kämpfen. Statistisch gesehen leidet in Deutschland pro Jahr etwa jeder Dritte für einige Tage daran.

Was ist Durchfall?
Durchfall liegt vor, wenn

  • es zu mehr als drei Stuhlgängen pro Tag kommt,
  • der Stuhls dabei zu weich oder flüssig ist (mehr als 75 Prozent Wassergehalt)
  • und die Stuhlmenge mehr als 200 Gramm pro Tag beträgt.

Häufig wird Durchfall von weiteren Symptomen begleitet, wie

Tritt Durchfall plötzlich auf und dauert nicht länger als zwei bis maximal drei Wochen an, sprechen Mediziner von akutem Durchfall (akute Diarrhö). Dauert er dagegen länger als zwei bis drei Wochen an, handelt es sich um chronischen Durchfall (chronische Diarrhö).

Durchfall: Das Bild zeigt eine Frau, die ihre Hände auf den Bauch gelegt hat. © Jupiterimages/iStockphoto

Fast jeder hat hin und wieder einmal Durchfall: Pro Jahr leidet durchschnittlich jeder dritte Deutsche ein paar Tage daran.

Durchfall (Diarrhö): Mögliche Ursachen

Für Durchfall (Diarrhö) kommen verschiedene Ursachen infrage. In vielen Fällen ist Durchfall die Folge eines Magen-Darm-Infekts. Zu den typischen Durchfall-Erregern zählen:

Neben Bakterien und Viren können aber auch andere Erreger zu Durchfall führen, wie etwa:

Weitere mögliche Durchfall-Ursachen sind:

Bei akutem Durchfall sind die Ursachen in den meisten Fällen eher harmlos und die Beschwerden bessern sich nach kurzer Zeit von selbst.

Durchfall (Diarrhö): Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Ob bei Durchfall eine genauere Diagnose erforderlich ist, hängt davon ab, wie lange der Durchfall andauert. In den meisten Fällen bessert sich Durchfall spätestens nach ein bis drei Tagen von selbst, sodass ein Arztbesuch selten erforderlich ist.

Dauert der Durchfall jedoch länger an, sollten Sie die Ursachen von einem Arzt abklären lassen. Für den Arzt sind verschiedene Informationen von Interesse, wie zum Beispiel:

  • Seit wann besteht der Durchfall?
  • Wie oft müssen Sie zur Toilette?
  • Ist der Stuhl flüssig, schleimig oder blutig?
  • Welche Farbe hat der Stuhl?
  • Bestehen weitere Beschwerden wie Übelkeit oder Bauchschmerzen?
  • Was haben Sie zuletzt gegessen?
  • Sind Sie kürzlich verreist?
  • Gibt es Vorerkrankungen, z.B. eine chronische Darmerkrankung?
  • Nehmen Sie Medikamente ein und wenn ja, welche?

Am besten machen Sie sich schon vor dem Arztbesuch kurz Gedanken darüber, welche Informationen für den Arzt relevant sein könnten. Wenn der Arzt dann fragt, was Sie zu ihm führt, sind Sie gut vorbereitet. So fällt es Ihnen leichter genau zu schildern, was das Problem ist und welche Umstände möglicherweise zu den Beschwerden beitragen. Falls Sie bestimmte Fragen an den Arzt haben, können Sie sich diese auch vorher aufschreiben. So müssen Sie keine Angst haben, diese im Eifer des Gefechts zu vergessen.

Im Anschluss an das Gespräch folgt meist eine gründliche körperliche Untersuchung. Hierbei tastet der Arzt Ihren Bauch ab und horcht mit dem Stethoskop, ob es verdächtige Bauchgeräusche gibt. Mitunter kann es auch erforderlich sein, dass er den Enddarm mit dem Finger austastet (sog. rektale Untersuchung).

Die Untersuchung einer Stuhlprobe im Labor kann zeigen, ob Krankheitserreger (z.B. Bakterien oder Pilze) für den Durchfall verantwortlich sind. In manchen Fällen ist es außerdem sinnvoll, dass der Arzt Blut abnimmt und zum Beispiel auf erhöhte Entzündungswerte untersuchen lässt.

Je nach vermuteter Ursache der Diarrhö veranlasst der Arzt weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel:

Ob und welche Untersuchungen im Einzelfall notwendig sind, wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen.

Durchfall (Diarrhö): Therapie – was kann man tun?

Akuter Durchfall ist in den meisten Fällen harmlos und bessert sich nach etwa ein bis drei Tagen von selbst. Ziehen Sie jedoch unbedingt einen Arzt zurate, wenn:

  • der Durchfall länger als drei Tage anhält.
  • zusätzlich Fieber auftritt.
  • Sie sich sehr erschöpft fühlen.
  • der Durchfall Blutbeimengungen enthält.

Was hilft bei Durchfall?

Flüssigkeit und Elektrolyte

Bei Durchfall verliert der Körper Flüssigkeit und Elektrolyte. Diese Verluste gilt es auszugleichen, zum Beispiel durch Getränke wie Leitungswasser, stilles Mineralwasser oder Kräutertee. Auch spezielle Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke sind eine Möglichkeit – sie beinhalten genau die Elektrolyt-Mischung, die der Körper braucht.

Ist der Durchfall sehr stark, reicht das als Therapie jedoch möglicherweise nicht aus, um die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen. Kann man das Getränk nicht lange bei sich behalten, ist es daher in einigen Fällen erforderlich, dem Körper Flüssigkeit und Elektrolyte als Infusion über die Vene zuzuführen.

Durchfall: Eine Frau trinkt aus einem Glas Wasser. © Jupiterimages/Creatas Images

Bei Durchfall sollte man viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Medikamente gegen Durchfall

Medikamente gegen Durchfall reduzieren die übermäßigen Darmbewegungen auf ein normales Maß (z.B. der Wirkstoff Loperamid) oder hemmen die Abgabe von Flüssigkeit in den Darm (z.B. der Wirkstoff Racecadotril). Eine über zwei Tage hinausgehende Behandlung mit Loperamid sollte jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Bei Bauchkrämpfen helfen krampflösende Mittel (z.B. Butylscopolamin oder eine Wirkstoffkombination aus Loperamid und Simeticon).

Ist der Durchfall die Folge einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (wie Morbus CrohnColitis ulcerosa) oder einer Krebserkrankung, ist eine gezielte Behandlung dieser Grunderkrankung notwendig.

Sind Krankheitserreger wie Bakterien oder Pilze die Ursache eines länger andauernden Durchfalls, richtet sich die Therapie nach dem jeweiligen Erreger. Der Arzt wird gegebenenfalls Antibiotika oder ein Antipilzmittel verschreiben.

Probiotika gegen Durchfall

Ob Probiotika gegen Durchfall helfen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Zwar gibt es inzwischen zahlreiche Studien zu diesem Thema, häufig sind diese jedoch wenig aussagekräftig oder widersprüchlich. Ob Probiotika helfen können, hängt zudem wahrscheinlich auch davon ab, was genau die Ursache des Durchfalls ist.

Sicher scheint, dass Probiotika bei akutem Durchfall infolge eines Magen-Darm-Infekts die Erkrankung um etwa drei Tage verkürzen können. Unklar bleibt hierbei jedoch, in welcher Form man Probiotika dafür am besten einnimmt. Also, ob es ausreicht, probiotischen Joghurt zu verzehren oder man Probiotika in Kapsel- oder Pulverform zu sich nehmen sollte.

Als Probiotika bezeichnet man spezielle Mikroorganismen, die nach dem Verzehr die Passage durch den sauren Magen größtenteils überleben. Im Dickdarm angelangt, sollen sie sich günstig auf die Darmflora auswirken können. Man vermutet, dass sie bei einem Magen-Darm-Infekt die Durchfallerreger aus der Darmflora verdrängen und so eine Genesung fördern.

Durchfall: Welche Hausmittel helfen?

Bei akutem Durchfall lassen sich die Beschwerden oft durch Hausmittel lindern. Sofern der Durchfall nicht bereits länger auftritt, können Sie zunächst versuchen, sich selbst zu behandeln.

Viel trinken gegen den Wasserverlust

Wer Durchfall hat, verliert viel Flüssigkeit. Trinken Sie deshalb viel, zum Beispiel Leitungswasser oder Mineralwasser. Achten Sie bei Mineralwasser darauf, stilles Wasser zu nehmen oder schütteln Sie bei kohlensäurehaltigem Mineralwasser die Kohlensäure heraus. Denn bei Durchfall verträgt der Darm kohlensäurehaltige Getränke in der Regel nicht so gut. Verzichten Sie auch auf Vollmilch, da diese bei akuter Diarrhö zu fett und damit nicht gut verträglich ist.

Schwarzer Tee und Kräutertees bei Durchfall

Sie können Ihren Flüssigkeitshaushalt auch mit (ungesüßtem) schwarzem Tee oder mit Kräutertees auffüllen. Schwarzer Tee enthält Gerbstoffe, die den gereizten Darm beruhigen können. Daneben können viele Kräutertees zum Flüssigkeitshaushalt beitragen und unter Umständen auch Beschwerden bei Durchfall lindern. Folgende Kräutertees kommen häufig als Hausmittel gegen Durchfall zum Einsatz:

Apfel gegen Durchfall

Ein traditionelles Hausmittel gegen Durchfall ist außerdem geriebener roher Apfel, wissenschaftlich gesichert ist seine Wirksamkeit jedoch nicht. Das im Apfel enthaltene Pektin soll zum einen als Quellstoff wirken, der den Stuhl eindickt. Außerdem soll sich das Pektin im Darm wie ein Schutzfilm über die Darmwand legen, sodass möglicherweise im Darm vorhandene bakterielle Giftstoffe keinen Schaden anrichten und einfach ausgeschieden werden.

Und so geht’s: Reiben Sie 250 Gramm Apfel mit Schale auf der Feinreibe oder noch besser auf einer Obst- oder Glasreibe. Apfelkerne und Kerngehäuse werden vorher entfernt. Reiben Sie die Äpfel zu jeder Mahlzeit frisch und geben Sie ein paar Tropfen Zitrone auf den Brei, so wird der Apfel nicht braun.

Durchfall: Mehrere Äpfel, einer davon aufgeschnitten. © Jupiterimages/iStockphoto

Geriebene Äpfel können bei Durchfall helfen.

Karotten gegen Durchfall

Karotten haben ebenfalls einen hohen Pektin-Gehalt. Deswegen gilt wahrscheinlich auch selbstgekochte Karottensuppe als traditionelles Hausmittel gegen Durchfall. Aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit gibt es hierzu nicht.

So geht’s: Schneiden Sie hierfür 500 Gramm Karotten in kleine Stücke und kochen Sie diese in einem Liter Wasser. Im Anschluss pürieren Sie die Karotten im Kochwasser oder streichen diese durch ein feines Sieb. Gießen Sie die Suppe in einen Messbecher. Geben Sie so viel Wasser dazu, dass Sie einen Liter erhalten. Fügen Sie drei Gramm Kochsalz zur Suppe hinzu.

Durchfall: Jemand schiebt geschnittene Karottenstücke von einem Brotbrett in einen Kochtopf. © Jupiterimages/iStockphoto

Auch zu empfehlen: Karottensuppe gegen Durchfall.

Was essen bei Durchfall?

Bei Durchfall sollte man beim Essen auf ein paar Dinge achten. Generell sollten Sie den Darmtrakt durch das Essen nicht überfordern. Vermeiden Sie daher schwerverdauliche Lebensmittel, zum Beispiel sehr fetthaltige Speisen. Gut verträgliche Lebensmittel sind im Allgemeinen:

  • Zwieback
  • Knäckebrot
  • zerdrückte Banane
  • Kartoffelbrei (mit fettarmer Milch und ohne Butter zubereiten)
  • fettarmes Fleisch
  • fettarmer Fisch
  • Magerquark
  • Magerjoghurt
  • in Brühe weichgekochter Reis
  • in Brühe weichgekochte Nudeln
  • Haferschleim
  • Rührei (ohne Milch oder mit fettarmer Milch anrühren)

Nicht geeignet bei Durchfall sind:

  • sehr fette oder stark gewürzte Gerichte
  • Süßigkeiten
  • Hülsenfrüchte

Nichts für Kinder: Cola und Salzstangen

Viele Menschen halten Cola und Salzstangen für ein gutes Hausmittel gegen Durchfall. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Wer Durchfall hat, verliert viel Wasser und Elektrolyte. Das Salz der Salzstangen liefert vor allem Natrium. Der Körper benötigt bei Durchfall aber auch Kalium. Falls Sie auf Salzstangen als Hausmittel nicht verzichten wollen, essen Sie am besten auch Bananen dazu, denn diese sind sehr kaliumreich.

Cola-Getränke sind vor allem sehr zuckerhaltig und deshalb kein ideales Hausmittel gegen Durchfall. Der viele Zucker führt dazu, dass der Körper noch mehr Wasser ins Darminnere abgibt. Das zusätzliche Wasser im Darm macht den Stuhl jedoch flüssiger und kann den Durchfall verschlimmern – und dadurch den ohnehin bestehenden Flüssigkeitsmangel verstärken. Das in der Cola enthaltene Koffein kann zudem, den Kaliumverlust ankurbeln, vor allem bei Kindern.

Fazit: Wer nur leichten Durchfall hat, dem wird die Cola-Salzstangen-Kombination als Hausmittel in der Regel zwar nicht schaden, jedoch auch nicht richtig nützen.

Vorsicht bei Kindern: Für Kinder mit Durchfall ist der Cola-Salzstangen-Mix nicht zu empfehlen! Denn das Hausmittel kann bei ihnen den Wasserverlust empfindlich verstärken. Das ist besonders kritisch, da der Kreislauf von Kindern im Vergleich zu Erwachsenen sehr viel empfindlicher auf Wasserverluste reagiert.

Durchfall (Diarrhö): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Durchfall (Diarrhö)":

Onmeda-Lesetipps:

Durchfall: Häufige Irrtümer
Durchfall bei Baby und Kleinkind
Reisedurchdall: Was tun?
Arzneimittelinformation zu Durchfall
Fragen Sie Frau Dr. Schönenberg um Rat im Forum Reizdarm, Durchfall & Co.

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 8.8.2017)

Können Probiotika bei Durchfall helfen? Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 4.5.2016)

Oft ein Fall für die Selbstmedikation. Online-Informationen der Deutschen Apotheker Zeitung: www.deutsche-apotheker-zeitung.de (Stand: 6.6.2013)

Braun, J., Dormann A. J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013

Eppinger, M., Müller, M., et al.: Pädiatrie. Für Studium und Praxis. 2013/14. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013

Biesalski, H.-K., et al.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010

Koletzko, S., et al.: Akute infektiöse Durchfallerkrankung im Kindesalter. Deutsches Ärzteblatt Jg. 106, Bd. 33, S. 539-47 (14.8.2009)

Wenzel, P.: Hausapotheke. Gräfe und Unzer, München 2007

Bachmann, S.: Hausmittel in der modernen Medizin. Elsevier, München 2005

Hoek, T., et al.: Sichere Hausmittel für mein Kind. Springer, Berlin 2001

Burkart, G.: Durchfall: Vorsicht vor den "Hausmitteln". Deutsches Ärzteblatt, Jg. 94, Bd. 21, Supplement (23.5.1997)

Aktualisiert am: 8. August 2017

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