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Thrombose, Blutgerinnsel

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (17. Oktober 2016)

© Jupiterimages/iStockphoto

Pro Jahr erleben in Deutschland etwa 90 bis 130 von 100.000 Einwohnern (entspricht etwa 1 von 1.000 Personen) die Thrombose einer tiefen Vene. Dabei sind Frauen insgesamt etwas häufiger betroffen als Männer.

Neben Geschlecht und Alter gibt es weitere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose erhöhen können.

Was ist eine Thrombose?

Eine Thrombose ist der Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (sog. Thrombus). Am häufigsten sind die tiefen Bein- und Beckenvenen davon betroffen. Als Folge kann es zu Symptomen wie Schmerzen und einer Schwellung der Wade oder des Beins kommen – abhängig davon, wo genau die Thrombose sitzt.

Haben Sie den Verdacht, dass bei Ihnen eine Thrombose vorliegen könnte, sollten Sie Ihre Beschwerden baldmöglichst von einem Arzt abklären lassen. Denn bei einer Thrombose ist vor allem ein rascher Therapiebeginn wichtig.

 Thrombose, Blutgerinnsel: Inhaltsverzeichnis

Thrombose, Blutgerinnsel: Was sind die Ursachen?

Wenn ein Blutgerinnsel ein Gefäß verschließt (sog. Thrombose) lässt sich in der Regel auf eine oder mehrere der folgenden Ursachen zurückführen:

  • eine Schädigung der Gefäßwand
  • einen verlangsamten Blutfluss
  • eine erhöhte Gerinnungsneigung des Bluts aufgrund einer veränderten Blutzusammensetzung

Diese drei ursächlichen Mechanismen nennt man auch Virchow-Trias, benannt nach dem Arzt Rudolf Virchow, der diese bereits 1856 beschrieben hatte.

Bei einer Thrombose der Venen – auch venöse Thrombose oder Phlebothrombose genannt – sind die Ursachen meist ein verlangsamter Blutfluss und eine erhöhte Gerinnungsneigung.

Thrombosen der Arterien (auch arterielle Thrombose genannt) entsteht vor allem durch eine Schädigung der Gefäßwand. Solch eine Schädigung ist meist eine Folge der Arteriosklerose, bei der sich Bindegewebe, Blutfette und Kalk an den Gefäßwänden ablagern.

Blutgerinnsel: Die schematische Darstellung von Arteriosklerose. © Jupiterimages/iStockphoto

Entstehung eines Blutgerinnsels in einer Arterie durch Ablagerungen in den Gefäßen

Diese Ablagerungen heißen in der Fachsprache Plaques. Wenn die Plaques aufbrechen (Plaqueruptur), kann sich an diesen Stellen durch Blutgerinnungsreaktionen ein Blutgerinnsel auflagern und das Gefäß verschließen. Arterielle Thrombosen können zum Beispiel in den Herzkranzgefäßen auftreten – Mediziner sprechen dann nicht von einer Thrombose, sondern von einem Herzinfarkt.

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen, dass ein Blutgerinnsel entsteht:

Reisethrombose: relativ unwahrscheinlich
Die Wahrscheinlichkeit, auf einem Langstreckenflug eine Reisethrombose zu bekommen, ist geringer, als häufig beschrieben. Tatsächlich beträgt das Risiko für ansonsten gesunde Menschen nur etwa 0,02 bis 0,05 Prozent, also 2 bis 5 zu 10.000. Personen mit bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Blutgerinnungsstörungen) haben ein etwas höheres Risiko, wenngleich esauf Flügen, die kürzer als vier bis sechs Stunden dauern, auch nur sehr gering ist.

Thrombose, Blutgerinnsel: Symptome

Bei einer Thrombose sind die Symptome in der Anfangsphase oft untypisch. Je nachdem, an welcher Stelle die Thrombose auftritt – wo sich das Blutgerinnsel also befindet –, verursacht sie unterschiedliche Anzeichen und Beschwerden.

Als Hinweise auf eine Thrombose der Beinvenen gelten folgende Symptome

  • spontane oder belastungsabhängige Schmerzen, die sich durch Hochlagerung des betroffenen Beins bessern
  • bei Tieflagerung des Beins empfindet der Betroffene ein Spannungsgefühl, einen ziehenden Schmerz oder eine Art Muskelkater
  • Druckschmerz an der Innenseite der Fußsohle (sog. Payr-Zeichen) und im Verlauf der von der Thrombose betroffenen Vene
  • Wadenschmerzen bei Beugung des Fußes (sog. Homans-Zeichen)
  • Wadenschmerzen auf Druck (sog. Meyer-Zeichen)
  • zunehmende Schwellung mit Zunahme des Beinumfangs
  • Überwärmung des Beins
  • oberflächliche Venen zeichnen sich stärker ab (Warnvenen)

Bei einer Thrombose können solche Symptome auftreten, müssen aber nicht. Zu welchen Anzeichen es kommt, fällt von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus.

Entwickelt sich als Folge der Thrombose eine Lungenembolie, treten Symptome hinzu, die die Atmung und den Kreislauf betreffen: Je nach Schweregrad der Embolie reichen die Beschwerden von leichter Atemnot und Schwindel bis hin zu starker Luftnot und großer Angst und Unruhe. Wer solche Anzeichen feststellt, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen oder den Notarzt rufen.

Eine Thrombose im Arm ist häufig sehr schmerzhaft. Der Arm ist dabei geschwollen und die Venen zeichnen sich verstärkt an der Oberfläche ab. Eine Thrombose im Arm ruft demnach eindeutigere Symptome hervor, als es bei einer Thrombose des Beins der Fall ist – bei dieser fehlen klare Anzeichen oft.

Thrombose, Blutgerinnsel: Diagnose

Besteht aufgrund der Beschwerden der Verdacht auf eine Thrombose, sichert der Arzt die Diagnose mit bildgebenden Verfahren wie einer Ultraschalluntersuchung. Da der Therapie-Erfolg entscheidend davon abhängt, wie lange das Blutgerinnsel schon besteht, ist bei Verdacht auf eine Thrombose eine schnelle Diagnose wichtig.

Um ein Blutgerinnsel auszuschließen, kann der Arzt zudem die Konzentration der sogenannten D-Dimere im Blut bestimmen. D-Dimere entstehen bei der Spaltung von Fibrin, einem wichtigen Eiweiß der Blutgerinnung. Die Konzentration der D-Dimere steigt im Falle einer Thrombose, aber auch durch andere Umstände. Von einem erhöhten Wert kann man deshalb nicht automatisch auf ein Blutgerinnsel schließen.

Um eine Thrombose nachzuweisen beziehungsweise auszuschließen, eignen sich spezielle Ultraschalluntersuchungen (Kompressionssonographie, Dopplersonographie) – sie gelten heute als Standardverfahren, um eine Thrombose nachzuweisen. Auch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Phlebographie) kann Aufschluss bringen, hierbei ist aber die Strahlenbelastung zu bedenken; zudem reagieren manche Menschen allergisch auf das verabreichte Kontrastmittel.

Thrombose, Blutgerinnsel: Therapie

Bei einer Thrombose (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel) ist das vorrangige Ziel der Therapie, das Blutgerinnsel aufzulösen und den Blutfluss wiederherzustellen. Mediziner nennen das "Thrombolyse". Die genaue Therapie hängt davon ab, wie lange das Blutgerinnsel schon besteht.

Das Auflösen des Blutgerinnsels ist nur für einen begrenzten Zeitraum möglich: in der Anfangsphase einer Thrombose. Die Behandlung sollte daher möglichst rasch beginnen.

Der Blutfluss lässt sich wiederherstellen, indem man das Blutgerinnsel mithilfe von Medikamenten wie Heparin auflöst (Thrombolyse). Heparin hemmt die Blutgerinnung und kann dabei helfen, Blutgerinnsel aufzulösen. Weitere wichtige Erstmaßnahmen bestehen darin, die Beine hochzulagern und einen straffen Verband anzulegen, der das gesamte Bein oder den Arm umfasst (Kompressionsverband).

Teilweise kommen bei einer Thrombose zur Behandlung auch chirurgische Methoden zum Einsatz. Für die operative Entfernung des Blutgerinnsels (Thrombektomie) stehen drei verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, die mit der Gabe von Medikamenten kombiniert werden:

  • Offene Thrombektomie: Der Operateur öffnet die Stelle, an der sich das Blutgerinnsel im Blutgefäß befindet und entfernt das Gerinnsel. Danach vernäht er die Stelle. Dieses Verfahren ist nur möglich, wenn lediglich ein kurzer Gefäßabschnitt betroffen ist.
  • Ballonkatheter: Hierbei führt der Arzt durch einen kleinen Hautschnitt einen Katheter mit einem aufblasbaren Ballon an der Spitze in das betroffene Gefäß ein. Diesen Katheter schiebt er an dem Gerinnsel vorbei. Anschließend wird der Ballon aufgepumpt und langsam zurückgezogen. Auf diese Weise kann der Arzt das Blutgerinnsel bis zur Öffnungsstelle vorschieben, wo er es dann entfernt.
  • Kompressionsthrombektomie: Wenn sich das Blutgerinnsel in den Beinvenen befindet, kann man versuchen, es nach Öffnen der Vene durch Druckanwendung (Kompression) aus der Vene heraus zu pressen.

Für diese operativen Verfahren liegen kaum Langzeitergebnisse vor. Fachleute empfehlen, sie nur in Kliniken vornehmen zu lassen, die viel Erfahrung mit diesen Techniken haben.

Außerdem zielt die Thrombose-Behandlung darauf ab, zu verhindern, dass das Blutgerinnsel weiter wächst beziehungsweise dass sich neue Blutgerinnsel bilden. Gleichzeitig soll die Therapie Spätfolgen beziehungsweise Komplikationen vermeiden. Etwa eine Woche lang erhält der Betroffene Heparin über eine Vene (Infusion). Nach circa einer Woche kann der Betroffene dann blutverdünnende Tabletten mit dem Wirkstoff Phenprocoumon einnehmen, einem sogenannten Vitamin-K-Antagonisten. Um zu vermeiden, dass erneut eine Thrombose auftritt, sollte man diese Behandlung mindestens drei Monate fortführen.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen ist es notwendig, dass Betroffene mit einem Blutgerinnsel Kompressionsstrümpfe tragen. Um den Krankheitsverlauf beurteilen zu können, kontrolliert der Arzt das von der Thrombose betroffene Bein oder den Arm regelmäßig unter anderem auf Schwellungen. Bei Bedarf leitet er erneut eine Behandlung ein.

Thrombose, Blutgerinnsel: Verlauf

Komplikationen

Im Verlauf einer Thrombose kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen.

Die am meisten gefürchtete Komplikation ist die Embolie. Diese entsteht, wenn sich das Blutgerinnsel oder ein Teil davon löst und mit dem Blut fortgeschwemmt wird. Das Gerinnsel kann über die Venen und das rechte Herz in die Lunge gelangen und dort eine Lungenembolie verursachen. Bei bis zu jedem zweiten Betroffenen mit tiefer Beinvenenthrombose tritt als Komplikation eine Lungenembolie unterschiedlichen Schweregrads auf.

Eine ebenfalls ernst zu nehmende und lebensbedrohende Komplikation besteht, wenn Bakterien das Blutgerinnsel besiedeln und sich diese auf dem Blutweg ausbreiten (Blutvergiftung). In solch einem Fall kann eine Behandlung mit Antibiotika helfen.

Manchmal entwickelt sich ein sogenanntes postthrombotisches Syndrom – es äußert sich durch eine sogenannte chronisch-venöse Insuffizienz. Darunter versteht man eine bleibende Venenschwäche mit den dazugehörigen Folgen:

  • Wasser lagert sich im Gewebe ein (Ödem).
  • Es entstehen Krampfadern (Varizen).
  • Die Haut entzündet sich (Dermatitis).
  • Es können sich Geschwüre (Ulcera) bilden.

Krampfadern entstehen, wenn das betroffene Gefäß verschlossen bleibt. Dann bilden sich Umgehungswege über die oberflächlichen Venen. Ist der Blutabstrom – besonders aus den Beinen – dauerhaft behindert, können sich dadurch Geschwüre (Ulcus cruris) bilden: das sogenannte offene Bein. Ein offenes Bein heilt in der Regel eher schlecht ab.

Prognose

Bei einer Thrombose hängt die Prognose stark von der Vorgeschichte ab. Personen, die bereits eine Thrombose gehabt haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine weitere Thrombose. Wenn Risikofaktoren vorliegen, sollten Betroffene daher konsequent vorbeugende Maßnahmen (Thromboseprophylaxe) einhalten.

Außerdem ist bei einer Thrombose entscheidend, wie schnell eine angemessene Behandlung begonnen wurde. Ein Blutgerinnsel lässt sich nur innerhalb eines kurzen Zeitraums in der Anfangsphase des Venenverschlusses medikamentös auflösen. Deshalb ist es wichtig, bei Verdacht auf eine Thrombose schnell zu handeln, um eine möglichst gute Prognose zu erreichen.

Thrombose, Blutgerinnsel: Vorbeugen

Einer Thrombose (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel) können Sie mit verschiedenen Maßnahmen vorbeugen. Folgende Empfehlungen eignen sich zur Thromboseprophylaxe:

  • Bewegen Sie sich viel (Radfahren, Schwimmen, zügiges Spazierengehen etc.).
  • Brausen Sie Ihre Beine am Ende einer Dusche kalt ab.
  • Trinken Sie ausreichend (z.B. Leitungswasser, Mineralwasser, Saftschorlen, ungesüßte Früchte- oder Kräutertees).
  • Machen Sie Krankengymnastik, falls Sie bereits eine Thrombose hatten.
  • Tragen Sie nach Operationen oder Entbindungen Stützstrümpfe.

Sie können einer Thrombose außerdem bedingt vorbeugen, indem Sie zusätzlich folgende Risikofaktoren vermeiden oder reduzieren:

Nach einer Thrombose können Sie weiteren Gefäßverschlüssen in Absprache mit Ihrem Arzt mithilfe von gerinnungshemmenden Medikamenten vorbeugen. Zu den Medikamenten, die Ärzte zur Thromboseprophylaxe nach vorangegangenen Venenverschlüssen verschreiben, gehören die sogenannten Antikoagulanzien (u.a. Heparin und Phenprocoumon, zudem neuere Wirkstoffe, die sich für eine längerfristige Vorbeugung eignen).

Nach einer Beinvenenthrombose kann außerdem ein speziellen Venenkissens die anderen Prophylaxemaßnahmen unterstützen. Durch das Venenkissen liegen die Beine beim Schlafen etwa 15 bis 20 Zentimeter höher als das Herz – das Blut kann so leichter aus den Venen zum Herz zurückfließen und staut sich nicht in den Venen des Beins.

Thrombose, Blutgerinnsel: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Thrombose, Blutgerinnsel":

Onmeda-Lesetipps:

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Quellen:

Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Tiefe Venenthrombose (TVT): Vorbeugung auf Flugreisen. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 17.1.2013)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Angiologie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 065/002 (Stand: 10.10.2015)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie: Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 003/001 (Stand: 15.10.2015)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Robert Koch-Institut: Venenerkrankungen der Beine. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 44, Berlin 2009

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie: Diagnostik und Therapie der tiefen Bein- und Beckenvenenthrombose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 037/002 (Stand: September 2003)

Marshall, M., Loew, D.: Venenerkrankungen. Springer, Berlin 2003

Dingermann, T., et al.: Pharmazeutische Biologie. Springer, Berlin 2002

Encke, A., Breddin, H. K.: Die venöse Thrombose. Prophylaxe und Therapie. Schattauer, Stuttgart 2000

Stand: 17. Oktober 2016

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