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Schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans, "Schnappfinger")

Veröffentlicht von: Till von Bracht (20. April 2016)

© Jupiterimages/iStockphoto

Der Begriff schnellender Finger bezeichnet eine Erkrankung der Fingersehnen, bei der die Beugesehnen des Fingers knötchenartig verdickt sind. Dadurch gleitet die Fingersehne nicht mehr ruhig in ihrer Sehnenscheide, sondern schnalzt beim Strecken nach vorn – daher der Name schnellender Finger oder umgangssprachlich "Schnappfinger". Ärzte bezeichnen den Schnappfinger als Tendovaginitis stenosans. 

Beim Strecken des "Schnappfingers" bleibt die verdickte Sehne im verengten Kanal der Ringbänder hängen, wodurch ein ruckartiger Bewegungsablauf entsteht. Bei einigen Betroffenen ist außerdem ein entsprechendes Geräusch zu hören, wenn der Finger vorschnellt. Die Verdickungen lassen sich häufig ertasten. Am häufigsten verdickt sich beim Schnappfinger die Beugesehne auf der Innenseite der Hand, direkt oberhalb des Fingerknöchels. 

Eine Variante des schnellenden Fingers ist die sogenannte Tendovaginitis stenosans de Quervain – umgangssprachlich auch SMS-Daumen oder Hausfrauendaumen genannt. Dabei handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung im Daumen, die durch ungewohnt hohe Belastungen entsteht. Durch die Entzündung schwillt das Sehnengleitgewebe an, was wiederum die Gleitfähigkeit der Daumensehne behindert. 

Eine grafische Darstellung eines Schnappfingers mit einer knötchenartigen Verdickung der Beugesehne.

Typisch für einen Schnappfinger: Die Beugesehne ist an einer Stelle verdickt. Dadurch gleitet sie nicht mehr ruhig in ihrer Sehnenscheide, sondern bleibt häufig im verengten Kanal der Ringbänder hängen.

Doch ein schnellender Finger äußert sich nicht nur durch ein auffälliges Bewegungsmuster: Viele Betroffenen haben außerdem Schmerzen, wenn sie versuchen, den Finger zu strecken. Es gilt: Je länger ein schnellener Finger unbehandelt bleibt, desto unbeweglicher wird der Finger in der Regel. Im fortgeschrittenen Stadium lässt sich der Finger oft nur noch passiv (z.B. mithilfe der anderen Hand) und unter Schmerzen strecken. 

Die genauen Ursachen für die knotigen Verdickungen bei einem Schnappfinger sind noch nicht geklärt. Möglicherweise spielt eine chronische Überlastung der Beugesehnen eine Rolle – zum Beispiel durch häufig wiederholende Greifbewegungen

  • bei Hausarbeiten,
  • beim Handwerken
  • oder beim Sport (etwa Rudern oder Klettern). 

Ein schnellender Finger tritt überwiegend bei Frauen mittleren Alters auf, kann aber grundsätzlich in jedem Lebensalter vorkommen. Bei Kindern sind "Schnappfinger" allerdings selten (angeborene Verdickung der Daumenbeugesehne).

Ist die sogenannte Tendovaginitis stenosans nur leicht ausgeprägt, können nichtsteroidale Antiphlogistika (Diclofenac, Ibuprofen) oder eine Kortison-Spritze in die betroffene Stelle die Beschwerden lindern. Im späteren Stadium – wenn die Beugesehne schon stark verdickt ist – helfen diese konservativen Maßnahmen allerdings nicht mehr ausreichend. Dann empfiehlt sich eine Operation

Bei der Schnappfinger-OP handelt es sich um einen kleinen Eingriff, der in der Regel ambulant erfolgt – das heißt, die Patienten können nach der Operation wieder nach Hause gehen. Dabei betäubt der Arzt zunächst die Stelle und durchtrennt anschließend das einengende Ringband (häufig das A1-Ringband). Die Sehne gleitet dann wieder ungehindert in ihrer Sehnenscheide. 

Die gute Nachricht: Regelmäßige Fingergymnastik und das Vermeiden von einseitigen Bewegungen stärken die Fingermuskeln und -sehnen und beugen Fehlbelastungen und so eventuell auch einem schnellenden Finger vor.



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