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Schnarchen (Rhonchopathie) – nächtliche Atemgeräusche

Veröffentlicht von: Silke Wesemann (21. Januar 2016)

© Jupiterimages/iStockphoto

Schnarchen (Rhonchopathie) ist ein weit verbreitetes Phänomen. Es tritt im Schlaf auf und belastet in der Mehrzahl der Fälle insbesondere die Nachtruhe des Bettpartners. Es existieren unterschiedliche Angaben über die Häufigkeit des Schnarchens, wobei sich eine Abhängigkeit von Alter und Geschlecht ausmachen lässt.

Am häufigsten schnarchen Männer im mittleren bis hohen Lebensalter, hier schwanken die Angaben zwischen 20 und 46 Prozent. Unter den Frauen in der gleichen Altersspanne sind 8 bis 25 Prozent von Rhonchopathie betroffen.

Was ist Schnarchen?

Unter Schnarchen versteht man im Schlaf auftretende, geräuschvolle Atemgeräusche. Schnarchen ist auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen: Der Großteil der Schnarcher weist das sogenannte primäre Schnarchen auf, das entsteht, wenn im Schlaf die Gaumenmuskeln entspannen und das Gaumensegel im Atemluftstrom hin- und her flattert. Hierbei empfindet der Schnarcher den Schlaf grundsätzlich als erholsam. Aus medizinischer Sicht ist diese Form der Rhonchopathie unbedenklich für die Gesundheit und bedarf in der Regel keiner Behandlung.

Durch das primäre oder habituelle (gewohnheitsmäßiges) Schnarchen kommt es nicht zu Beeinträchtigungen der Kreislauffunktion und des Sauerstoffgehalts im Blut und die Zahl der Weckreaktionen im Elektroenzephalogramm (EEG) steigt nicht an. Bei primären Schnarchern finden sich keine Schlafstörungen und selten Tagesmüdigkeit.

Schnarchen kann aber auch in Zusammenhang mit Atemstörungen wie der Schlafapnoe beziehungsweise dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS) stehen. Dabei ist es häufig besonders laut und unregelmäßig. Der Betroffene empfindet den Schlaf als nicht erholsam und klagt über Tagesmüdigkeit.

Beim obstruktiven Schlafapnoesyndrom, das etwa 90 Prozent aller Schlafapnoe-Fälle ausmacht, werden durch Erschlaffung der Schlundmuskulatur im Schlaf die Atemwege verlegt. Dadurch kommt es zu einem Sauerstoffmangel und einem Kohlendioxidanstieg mit deutlich verlangsamter Pulsfrequenz. Dies führt in der Lunge zu Gefäßverengungen und nachfolgend zur Erhöhung des pulmonalen Widerstands. Es besteht die Gefahr einer Rechtsherzvergrößerung und einer Rechtsherzschwäche.

Abgrenzung zur Schlafapnoe

Wichtig ist die Abgrenzung des primären Schnarchens gegenüber der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe (OSAS). Letztere kann langfristige gesundheitliche Folgen haben und geht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.

Etwa vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen im mittleren Erwachsenenalter haben eine Schlafapnoe.

Ursachen

Schnarchen (Rhonchopathie) hat recht simple Ursachen. Das charakteristische Geräusch entsteht, wenn beim Schlafen die Gaumenmuskeln entspannen und das Gaumensegel im Atemluftstrom hin- und her flattert.

Beim Schnarchen spielt die Körperlage eine wesentliche Rolle. Sie kann die Ursachen begünstigen: Während in Rückenlage ein Zurücksinken des Zungengrunds (hinterer Teil der Zunge am Übergang zum Rachen) das Schnarchen häufig fördert, kann die Bauchlage die Schnarchgeräusche oft reduzieren oder sogar vollständig verschwinden lassen.

Risikofaktoren

Folgende Faktoren begünstigen das Auftreten des Schnarchens:

  • Übergewicht: Es findet sich ein Bezug zwischen der Höhe des Body Mass Index (BMI) und dem Auftreten von Schnarchen. Dies erklärt sich unter anderem durch eine vermehrte Einlagerung von Fett im Bereich des Halses, was zu einer Einengung der Atemwege führt.
  • Alter
  • Männliches Geschlecht
  • Konsum von Alkohol kurz vor dem Schlafengehen
  • Rauchen
  • Einnahme von Schlafmitteln
  • Nasenatmungsbehinderung, z.B. durch Schnupfen (Rhinitis)

In selteneren Fällen entstehen die Schnarchgeräusche nicht im Rachen, sondern in der Nase. Weitere anatomische Gegebenheiten können das Schnarchen begünstigen, so etwa ein langer, tiefstehender und schlaffer Gaumen oder ein langes und breites Gaumenzäpfchen. Zu den Ursachen kann auch ein Schleimhautüberschuss im Bereich des weichen Gaumens oder eine Vermehrung von Weichteilgewebe im Rachen zählen.

Symptome

Primäres Schnarchen (Rhonchopathie) ruft typische Symptome hervor. Dazu gehören beispielsweise:

Liegt dem Schnarchen eine Krankheit wie etwa die Schlafapnoe zugrunde, können weitere Symptome auftreten, wie:

Diagnose

Um beim primären Schnarchen (Rhonchopathie) die Diagnose zu stellen, ist zunächst eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) des Schnarchers durch einen Schlafmediziner erforderlich. Neben dem Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Arzt können auch speziell ausgebildete Nerven- und Lungenärzte geeignete Ansprechpartner für Betroffene sein.

Schlafapnoe-Ausschluss

Durch die fachärztliche Klärung folgender Aspekte lassen sich primäres Schnarchen und Schlafapnoe voneinander unterscheiden:

  • Wie sind die normalen Schlafgewohnheiten?
  • Wie verläuft der normale Arbeits- bzw. Tagesrhythmus?
  • Wie ist das abendliche Trink- und Essverhalten?
  • Liegen nächtliche Atmungsstörungen vor?
  • Kommt es zu Ein- oder Durchschlafstörungen?
  • Wird über Morgen- oder Tagesmüdigkeit geklagt?
  • Ist die Leistungsfähigkeit vermindert?
  • Zeigt sich am Tage eine Einschlafneigung oder kommt es zu Mikroschlafattacken (Sekundenschlaf)?

HNO-ärztliche Untersuchung

Dem Anamnesegespräch schließt sich eine HNO-ärztliche Untersuchung an. Diese umfasst die Begutachtung der Nase, des Rachens und des Kehlkopfs. Der Facharzt kann so feststellen, ob es Hinweise auf eine anatomische Ursache für das Schnarchen gibt.

Besteht der Verdacht auf eine Obstruktive Schlafapnoe kann es durch Messung von Druckschwankungen im Lauf einer Nacht gelingen, die Rhonchopathie-Entstehung einer gewissen Höhe im oberen Atemweg zuzuordnen (z.B. Nase oder Rachen). Dies geschieht mittels spezieller, gut verträglicher Katheter, die durch die Nase eingeführt werden.

Je nach Befund können weitere Diagnose-Maßnahmen zum Einsatz kommen. Um den Luftstrom durch die Nase zu überprüfen, können verschiedene Funktionstests durchgeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel Rhinomanometrie, Rhinoresistometrie und akustische Rhinometrie.

Um die Beschaffenheit des Mund-, Nasen- und Rachenraums zu begutachten, können bildgebende Verfahren helfen:


Während Veränderungen von Struktur und Form des Rachen-, Mund- und Nasenraums im Zusammenhang mit der Obstruktiven Schlafapnoe stehen können, ist dies beim alleinigen Schnarchen nicht zwangsläufig der Fall.

Endoskopie

Mit einer Spiegelung (Endoskopie) der oberen Atemwege können zum Beispiel die Größe der Gaumenmandeln, der Zunge, die Länge des Zäpfchens, die Größe und Spannkraft des Gaumensegels sowie die Nasenanatomie beurteilt werden.

Polygraphie

Besteht der Verdacht auf eine schlafbezogenen Atmungsstörung ist mitunter eine Polygraphie sinnvoll. Hierbei werden

  • Atmung und Schnarchen,
  • Sauerstoffsättigung im Blut,
  • Herzfrequenz,
  • Körperlage,
  • und Atembewegungen von Bauch und Brustkorb

überprüft.

Schlaflabor

Sofern sich Hinweise auf ein obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS) oder eine anderweitig gestörte Schlafphysiologie finden, sollte sich der HNO-Untersuchung eine Untersuchung im Schlaflabor anschließen.

Therapie

Schnarchen (Rhonchopathie) lässt sich auf verschiedene Weise behandeln: Die Therapie setzt sich zusammen aus konservativer und operativer Behandlung.

Primäres Schnarchen verhindern: Konservative Therapie

Es gibt kein Standard-Mittel gegen Schnarchen (Rhonchopathie), das allen Betroffenen weiterhelfen kann. Primäres Schnarchen lässt sich allerdings häufig mit einfachen Therapie-Maßnahmen und Verhaltensregeln verhindern, bezwiehungsweise es lässt sich eine deutliche Besserung erzielen.

Der Betroffene selbst hat großen Einfluss auf die primäre Form des Schnarchens. Alle Personen, die aufgrund eines zu hohen Körpergewichts schnarchen, können durch schrittweises Abnehmen selber aktiv zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen. Nikotinverzicht und die Einschränkung des abendlichen Alkoholkonsums sowie einen tabilen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten können ebenfalls eine geeignete Hilfe darstellen, um das Schnarchen zu verhindern.

Darüber hinaus können Schnarcher heute auf eine Vielzahl technischer Hilfsmittel und operativer Eingriffe zurückgreifen, um die Ursachen zu bekämpfen. Wenige dieser Maßnahmen jedoch bekämpfen das Schnarchen vollständig.

Generell gilt: Jede Behandlung des primären Schnarchens versucht begünstigende Faktoren konsequent auszuschließen, um geräuschvolles Schnarchen zu verhindern.

Grundvoraussetzungen für die Verbesserung des Schnarchens im Überblick:

Weitere Verhaltensregeln zur Verbesserung des Schnarchens sind:

  • Aufgabe des Rauchens
  • Verzicht auf Schlafmittel
  • Vorverlagerung des Unterkiefers mithilfe einer zahnärztlichen Bissschiene zur Erweiterung der Atemwege
  • Bei erschwerter Nasenatmung Linderung durch den Naseneingang erweiternde Einsätze

Operative Therapie

Die operative Therapie umfasst verschiedene Methoden. Wichtig ist, die Therapie individuell auf den Betroffenen abzustimmen.

Ergeben die klinischen Untersuchungen, dass das Schnarchen anatomisch bedingt ist, so können operative Verfahren zum Einsatz kommen. Ziel ist es, das Schnarchen zu verhindern oder zumindest soweit zu vermindern, dass es seinen sozial mitunter stark störenden Charakter verliert.

Weichgaumenchirurgie

Im Bereich des Mundraums ist neben der Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) die Weichgaumenchirurgie eine Behandlungsoption für das Schnarchen. Hierzu zählen verschiedene Techniken, wie etwa:

  • Minimalinvasive Radiofrequenz-Chirurgie: Versteifung des Weichgaumens

  • UPPP (Uvulopalatopharyngoplastik): Gaumenzäpfchen (Uvula), Teile des weichen Gaumens und in einigen Fällen die Mandeln, werden entfernt.

Verlauf

Die Gesundheit wird durch primäres Schnarchen (Rhonchopathie) nicht beeinträchtigt. Sofern Betroffene die konservative Behandlung (Abnehmen etc.) diszipliniert einhalten, verspricht sie derzeit die meiste Hoffnung auf langzeitlichen Erfolg und einen positiven Verlauf des Schnarchens.

Vorbeugen

Primärem Schnarchen (Rhonchopathie) kann man durch eine Gewichtsreduktion (bei übergewichtigen Patienten) sowie durch Einhalten einiger Verhaltensregeln vorbeugen:

  • Einschränkung des abendlichen Alkoholkonsums
  • Aufgabe des Rauchens
  • Verzicht auf Schlafmittel
  • Vorverlagerung des Unterkiefers mithilfe einer zahnärztlichen Bissschiene zur Erweiterung der Atemwege
  • Bei erschwerter Nasenatmung Linderung durch den Naseneingang erweiternde Einsätze

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.dgsm.de

Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin

www.schnarcherhilfe.de

Schnarcherhilfe ist eine bundesweite Initiative der Interessengemeinschaft baden-württembergischer Selbsthilfegruppen.

Quellen:

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Kopf-und Hals-Chirurgie e.V.: Diagnostik und Therapie des Schnarchens beim Erwachsenen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/068 (Stand: 7/2013)

Online-Publikation der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Patientenratgeber: Schnarchen des Erwachsenen. (Stand: 24.10.2011)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Nicht erholsamer Schlaf. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 063/001 (Stand: 11/2009)

Stuck, B.A., Maurer, J.T., Schredl, M., Weeß, H.-G.: Schlafstörungen bei Erwachsenen und Kindern. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2009

Dreher, A. et al.: Einsatz der ösophagopharyngealen Druckmessung zur Topodiagnostik des Schnarchens. Laryngo-Rhino-Otol, Vol. 86, pp. 789-793 (2007)

Schulz R., Eisele, H.J., Weissmann, N., Seeger, W.: Obstruktive Schlafapnoe – ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 103, Heft 12 (24. März 2006)

Maurer, J.T.: Aktuelle Trends in der Diagnostik schlafbezogener Atmungsstörungen. Laryngo-Rhino-Otol, Vol. 85, Supplement 1, pp. 11-25 (2006)

Stuck, B.A.: Die operative Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen – eine kritische Betrachtung. Laryngo-Rhino-Otol, Vol. 85 , Supplement 1, pp. S30-S38 (2006)

Stuck, B.A., Maurer, J.T., Verse, T., Hörmann, K.: Diagnostik und Therapie des primären Schnarchens. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 99, Heft 11 (15. März 2002)

Stand: 21. Januar 2016

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