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Neurodermitis: Entzündliche Hauterkrankung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. Mai 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Neurodermitis (atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis) ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Vor allem bei Kindern ist sie verbreitet. Neurodermitis ist weder ansteckend noch gefährlich – sie kann jedoch die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine Hautkrankheit, die mit andauernden oder immer wiederkehrenden Entzündungsreaktionen auf der Haut einhergeht. Typische Symptome sind schuppige, trockene und meist stark juckende Hautbereiche.

Die Neurodermitis zählt zu den atopischen Erkrankungen: Dabei reagiert das Immunsystem übertrieben auf eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt (sog. Allergene – wie Nahrungsmittel oder Pollen). Atopisch bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie „fehl am Platz“.

Der Begriff Neurodermitis (griech. neuron = Nerv, derma = Haut, -itis für Entzündung) stammt aus dem 19. Jahrhundert, als noch eine Nervenentzündung als Ursache für die atopische Dermatitis galt.

Andere Bezeichnungen für die Neurodermitis sind:

  • atopisches Ekzem
  • atopische Dermatitis
  • Neurodermitis atopica
  • endogenes Ekzem
  • konstitutionelles Ekzem

Wie häufig ist eine Neurodermitis?

Die Neurodermitis zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen. Überdurchschnittlich oft sind Kinder oder auch Säuglinge betroffen. 10 bis 15 von 100 Vorschulkindern in Europa leiden zumindest vorübergehend an einer Neurodermitis. Bei 50 bis 70 von 100 Kindern und Jugendlichen gehen die Beschwerden bis zum 15. Lebensjahr von selbst zurück, bei vielen treten die Symptome dann gar nicht mehr auf. Manche erleiden als Erwachsener einen Rückfall, vor allem an den Händen.

Im Erwachsenenalter kommt die Neurodermitis seltener vor: In Deutschland haben etwa 1,5 bis 3 Prozent der Erwachsenen Neurodermitis. Bei Erwachsenen verläuft eine Neurodermitis oft schwerer als bei Kindern.

Immer mehr Erkrankungen

Während 1960 lediglich jedes 30. Kind im Vorschulalter ein atopisches Ekzem hatte, ist es heute fast jedes 6. Ein möglicher Grund für diesen sprunghaften Anstieg ist die Verbesserung der Lebensumstände und hygienischen Bedingungen. In einer sauberen Umgebung ist das Immunsystem nur wenig Keimen ausgesetzt, sodass es unter Umständen beginnt, auf eigentlich harmlose Substanzen zu reagieren. Atopische Erkrankungen wie Neurodermitis, Heuschnupfenund Asthma scheinen häufiger Stadtkinder aus sozial besser gestellten Schichten zu treffen.

Neurodermitis in den Beugefalten der Kniekehlen. © Okapia

Neurodermitis in den Beugefalten der Kniekehlen.

Neurodermitis: Ursachen unbekannt

Die genauen Ursachen einer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) sind noch unbekannt. Experten gehen davon aus, dass die Ursachen in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu finden sind.

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Neurodermitis spielt die erbliche Veranlagung: Wenn ein Zwilling ein atopisches Ekzem entwickelt, dann sind bei eineiigen Zwillingen in 75 Prozent der Fälle beide Kinder betroffen. Bei zweieiigen Zwillingen erkranken nur in 23 Prozent der Fälle beide Kinder. Wenn beide Elternteile eine Neurodermitis haben, entwickelt ihr Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent ebenfalls ein atopisches Ekzem. Die genetische Komponente einer Neurodermitis ist bei der Suche nach den Ursachen also in jedem Fall von Bedeutung.

Überreaktion des Immunsystems

Die charakteristischen entzündlichen Hautveränderungen entstehen, weil der Körper auf eigentlich harmlose Stoffe wie Nahrungsmittel, Hausstaub oder Blütenpollen übertrieben reagiert. Diese Stoffe nennt man Allergene. Bei der Neurodermitis richten sich bestimmte weiße Blutkörperchen, die Lymphozyten, die eigentlich für die Bekämpfung schädlicher körperfremder Substanzen verantwortlich sind, gegen diese Allergene. Die genauen Ursachen dieser Abwehrreaktion sind noch unklar.

Um die eigentlich ungefährlichen Allergene abzuwehren, bildet der Körper große Mengen Abwehrstoffe (sog. Antikörper). Ein wichtiger Abwehrstoff ist das Immunglobulin E (IgE). Im Zusammenspiel mit verschiedenen Botenstoffen des Immunsystems, den Zytokinen, bewirkt IgE eine entzündliche Abwehrreaktion der Haut. Zytokine sind Bausteine des Immunsystems, die die Abwehr von Krankheitserregern steuern. Verschiedene weiße Blutkörperchen (vor allem die T-Lymphozyten) halten die Entzündungsreaktion in Gang. Zusätzlich schüttet der Körper den entzündungsfördernden Botenstoff Histamin aus. Dies verstärkt die Abwehrreaktion zusätzlich – das Histamin ist auch die Ursache für den typischen Juckreiz.

Gut zu wissen: Eine Neurodermitis ist nicht ansteckend!

Begünstigende Faktoren

Ob und wie stark sich ein atopisches Ekzem entwickelt, bestimmen in hohem Maß auch Umwelteinflüsse. Es gibt verschiedene Ursachen, die einen Neurodermitis-Schub begünstigen können. Hierzu zählen unter anderem:

  • verschiedene Allergene (z.B. Pollen, Hausstaubmilben)
  • mechanische Reizung der Haut (z.B. durch Kontakt mit Wolle oder durch Schwitzen)
  • bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, Milch, Weizen)
  • Infektionen
  • klimatische Bedingungen (z.B. extreme Kälte, Schwüle)

In vielen Fällen verstärkt psychischer Stress eine Neurodermitis. Auch beim Kleinkind kann ein atopisches Ekzem stressbedingt sein.

Von Person zu Person kann es ganz verschieden sein, welche Faktoren einen Schub begünstigen.

Neurodermitis: Typische Symptome

Typische Symptome einer Neurodermitis (atopisches Exzem, atopische Dermatitis) sind zum Beispiel:

  • trockene, rote, raue Hautstellen
  • Hautschuppen
  • nässende Hautbläschen
  • starker Juckreiz

Die Haut ist trockener als normale Haut und kann weniger Feuchtigkeit speichern. Außerdem fehlen ihr bestimmte Hautfette. Durch diesen Mangel ist die Haut zunehmend rau und schuppt leicht. Außerdem verliert sie ihre wichtige Funktion als Barriere gegen Umweltstoffe. Auch die Regulierung weiterer Hautfunktionen ist gestört – so zum Beispiel die Schweißbildung, die Hautdurchblutung und die Temperaturregelung.

Das Bild zeigt Neurodermitis. © Okapia

Typische Symptome einer Neurodermitis sind ein starker Juckreiz sowie schuppige und trockene Haut. (© Ulrich Zillmann/OKAPIA)

Egal, wie stark die Symptome sind: Auch eine leicht ausgeprägte Neurodermitis kann eine schwere seelische Belastung bedeuten. Ein atopisches Ekzem kann die Leistungen in der Schule oder am Arbeitsplatz mindern, zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld führen und auch Depressionen zur Folge haben.

Juckreiz

Juckreiz ist in jeder Phase der Neurodermitis eines der wichtigsten Symptome: Das quälende Hautjucken ist für viele Menschen mit Neurodermitis das Symptom, das besonders belastend ist. Wer dem Juckreiz nachgibt und sich kratzt, kann die Neurodermitis zusätzlich verstärken. Der Juckreiz im Rahmen einer Neurodermitis kann die Lebensqualität ähnlich stark beeinträchtigen wie ein chronischer Schmerz.

Formen

Die Symptome einer Neurodermitis verändern sich oft im Lauf des Lebens. Anhand des Lebensalters und der betroffenen Körperstellen unterscheidet man drei Formen der Neurodermitis:

  • Milchschorf bei Säuglingen: Häufig zeigt sich eine Neurodermitis schon im Säuglingsalter als sogenannter Milchschorf. Der Name rührt von der Ähnlichkeit der Hautveränderungen mit verbrannter Milch her und hat nichts mit einer (oft als Milchallergie bezeichneten) Laktoseintoleranz zu tun. Bei Milchschorf handelt es sich um gelblich-weiße Krusten in Kombination mit nässenden Entzündungsreaktionen der Haut (Ekzeme), die sich flächenartig ausdehnen können. Meist befällt diese Form von Neurodermitis die Außenseiten (Streckseiten) der Arme und Beine und das Gesicht. Häufig besiedeln Viren und Bakterien die angegriffenen Hautbereiche.
  • Beugenekzeme: Beugenekzeme sind Hautveränderungen, die in den Beugefalten der Gelenke entstehen, etwa in den Kniekehlen und Ellenbeugen. Von dieser Form der Neurodermitis sind auch die Hände, der Hals und der Nacken häufig betroffen. Die Symptome treten ab dem Kindes- und Jugendalter auf. Während bei jungen Menschen die Haut durch die Entzündung oft gerötet ist, entstehen im Lauf der Jahre baumrindenartige Vergröberungen der trockenen und verdickten Haut. Diese Veränderung bezeichnet man als Flechtenbildung (Lichenifikation).
  • Prurigoform: Das Wort Prurigo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Juckreiz. Die Prurigoform ist eine Sonderform der Neurodermitis, die vor allem bei Erwachsenen vorkommt. Typische Symptome sind am ganzen Körper auftretende, stark zerkratzte Knoten.

Neurodermitis: Diagnose

Erste Hinweise auf die Diagnose Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) ergeben sich aus den typischen Hautveränderungen.

Der Arzt wird zum einen einige Fragen zur Krankengeschichte stellen (sog. Anamnese). Er erkundigt sich zum Beispiel danach,

  • ob Verwandte Neurodermitis haben,
  • ob psychosomatische oder ernährungsbedingte Auslösefaktoren infrage kommen oder
  • ob der Patient Anzeichen für eine Allergie an sich bemerkt hat.

Anschließend wird der Arzt seinen Patienten körperlich untersuchen. Bestimmte körperliche Merkmale können zur Diagnose beitragen: So haben Menschen mit Neurodermitis beispielsweise öfter Schatten unter den Augen (übernächtigtes Aussehen), vertiefte Handlinien (Ichthyosis-Hände) oder eine doppelte Falte am Augenunterlid (sog. Dennie-Morgan-Falte).

Hauttests

Verschiedene Hauttests können darüber hinaus Aufschluss darüber geben, wie empfindlich der Betroffene auf bestimmte Fremdstoffe reagiert. Dies können zum Beispiel Blütenpollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel oder Tierhaare sein. Beim sogenannten Prick-Test bringt der Arzt Flüssigkeiten, in denen Allergene gelöst sind, durch kleine Kratzer in die Haut ein oder befestigt sie mit Pflastern auf der Haut. Je nach Test steht das Ergebnis nach Minuten oder wenigen Tagen fest.

Blutuntersuchung

Durch eine Blutuntersuchung kann der Arzt feststellen, ob sich im Blut Abwehrstoffe (Immunglobuline) befinden, welche die Entzündungsreaktion der Haut hervorrufen. So kann er zum Beispiel die Menge an Immunglobulin E (IgE) bestimmen, das bei Allergien und auch bei Neurodermitis vermehrt vorhanden ist. In einem weiteren Schritt ist es möglich herauszufinden, gegen welchen Stoff (sog. Allergen) sich das IgE richtet.

Neurodermitis: Behandlung

Bei Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) hat sich eine Behandlung bewährt, die sich aus zwei Komponenten zusammensetzt. Dazu gehören

  • die Basistherapie und
  • die Behandlung der Hautentzündungen.

Ziel der Basistherapie ist es, die Haut ausreichend mit Feuchtigkeit zu versorgen. Besonders wichtig ist hierbei die sorgfältige und regelmäßige Hautpflege. Tragen Sie die Pflegepräparate großzügig auf, um die Haut mit Feuchtigkeit und Fett zu versorgen.

Gegen die Hautentzündungen während eines Schubs kann der Arzt Medikamente verschreiben – dabei richtet sich die Behandlung danach, wie die Neurodermitis verläuft und welche Körperstellen wie stark betroffen sind. Zum einen geht es bei der medikamentösen Behandlung darum, akute Hautveränderungen zu behandeln. Zum anderen soll die Therapie einem neuen Neurodermitis-Schub vorbeugen. Bei der medikamentösen Behandlung unterscheiden Ärzte

  • die äußerliche (topische) Neurodermitis-Behandlung mit einer Salbe, Creme oder Emulsion und
  • die innerliche (systemische) Neurodermitis-Behandlung, meist in Form von Tabletten.

Bei einer leichten bis mittelschweren Neurodermitis reicht meist eine äußerliche Behandlung aus, um die Beschwerden der Betroffenen ausreichend zu bessern. Zusätzlich können gut verträgliche Medikamente wie Antihistaminika zum Einsatz kommen. Nur in schweren Fällen ist die innerliche Neurodermitis-Therapie mit entzündungshemmenden Substanzen nötig.

Die Behandlung sollte so früh wie möglich einsetzen, um die Neurodermitis besser kontrollieren zu können und neue Schübe möglichst lange hinauszuzögern.

Äußerliche Behandlung

In den meisten Fällen reicht es aus, einen Neurodermitis-Schub mit Medikamenten in den Griff zu bekommen, die auf die Haut aufgetragen werden. Dabei spielen vor allem zwei Wirkstoffgruppen eine Rolle:

Kortisonpräparate

Für einen kurzzeitigen Effekt ist Kortison ein sehr wirksames Mittel. Bei Neurodermitis im Gesicht und an empfindlichen Hautstellen, zum Beispiel am Hals, sollte man für die äußerliche Behandlung allerdings nur eine schwache Kortisonsalbe verwenden – und dies auch nur für eine begrenzte Zeit. Kortison unterdrückt die Überreaktion des Immunsystems. Das atopische Ekzem bildet sich zurück und der Juckreiz wird gelindert.

Für eine lang andauernde äußerliche Neurodermitis-Behandlung sind Kortisonsalben nicht geeignet: Auf Dauer kann Kortison dazu führen, dass die Haut dünner und zunehmend empfindlicher wird (sog. Atrophie). Weitere mögliche Nebenwirkungen durch eine zu lange Kortisonbehandlung sind Dehnungsstreifen, kleinfleckige Kapillarblutungen in die Haut (Purpura) und die Mundrose, eine Entzündung der Gesichtshaut. Auch kann es passieren, dass das Kortison nach längerer Anwendungszeit nicht mehr so gut wirkt.

Calcineurin-Hemmer

Calcineurin-Hemmer beeinflussen die Immunreaktion des Körpers. Sie verhindern, dass bestimmte Botenstoffe (Zytokine) in der Haut ausgeschüttet werden, sodass die Entzündungsreaktion abklingt.

Wenn Ihr Arzt Ihnen Salben oder Cremes mit Calcineurin-Hemmern wie Pimecrolimus oder Tacrolimus verschrieben hat, tragen Sie diese am besten auf, sobald Sie die ersten Symptome eines atopischen Ekzems bemerken. Dies gilt auch, wenn Sie mögliche Anzeichen eines Rückfalls feststellen. So können Sie Krankheitsschübe abfangen beziehungsweise dazu beitragen, dass die Schübe schwächer verlaufen.

Für die äußerliche Behandlung einer Neurodermitis sind Calcineurin-Hemmer auch in empfindlichen Bereichen wie Gesicht und Hals geeignet. Am restlichen Körper kommen Calcineurin-Hemmer nur dann zum Einsatz, wenn Kortisonsalben nicht genügend wirken oder die Betroffenen sie nicht vertragen. Im Gegensatz zu Kortison, das bei dauerhafter Anwendung zu Nebenwirkungen führen kann, sind die Wirkstoffe Pimecrolimus oder Tacrolimus auch für die langfristige Neurodermitis-Behandlung geeignet. Wenn Sie zeitweise oder dauerhaft Pimecrolimus-Creme gegen die Neurodermitis verwenden, ist unter Umständen weniger Kortison notwendig. Bei der äußerlichen Neurodermitis-Behandlung mit Tacrolimus-Salbe können Sie womöglich ganz auf Kortisonsalben verzichten.

Die Behandlung mit Calcineurin-Hemmern bietet nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Der Arzt wird sorgfältig abwägen, ob er Calcineurin-Hemmer verschreibt, denn: Es ist nicht auszuschließen, dass die äußerliche Neurodermitis-Behandlung mit Tacrolimus und Pimecrolimus das Risiko für Lymphome und womöglich auch für Hautkrebs erhöht. Darum ist es ratsam, Calcineurin-Hemmer bei einem atopischen Ekzem nur dann zu verwenden, wenn dies aus medizinischer Sicht gerechtfertigt ist, zum Beispiel weil Kortison nicht infrage kommt oder nicht die gewünschte Wirkung zeigt. Wichtig ist ebenfalls, sich immer streng an die empfohlene Dosierung zu halten. Kleinkinder unter zwei Jahren sollten nicht mit Calcineurin-Hemmern behandelt werden.

Wenn Sie Calcineurin-Hemmer über einen längeren Zeitraum anwenden, lassen Sie sich am besten regelmäßig auf verdächtige Hautveränderungen untersuchen. Außerdem ist es ratsam, die Haut während der Therapie nicht dem natürlichen oder künstlichen Sonnenlicht auszusetzen – daher sollten Calcineurin-Hemmer auch nicht gleichzeitig mit einer Lichttherapie zum Einsatz kommen.

Innerliche Behandlung

Wenn die äußerliche Therapie der Neurodermitis nicht ausreicht, wird der Arzt eine innerliche (systemische) Behandlung in Betracht ziehen.

Kortison, Zyklosporin A

Nur in schweren Fällen einer Neurodermitis wird der Arzt die innerliche Gabe von Kortison oder Zyklosporin A empfehlen. Beide Substanzen wirken gegen ein atopisches Ekzem, indem sie die überschießende Immunreaktion dämpfen.

Mittel gegen Allergien (Antiallergika)

Sogenannte Antiallergika (bzw. Antihistaminikahemmen die allergische Reaktion in der Haut. Die innerliche Behandlung mit Antiallergika ist mit relativ geringen Nebenwirkungen verbunden und kann den Juckreiz reduzieren, der für ein atopisches Ekzem typisch ist.

Mittel gegen Mikroorganismen

In manchen Fällen kann auch eine innerliche antimikrobielle Neurodermitis-Behandlung notwendig sein – nämlich dann, wenn schädliche Pilze oder Bakterien die bereits geschädigte Haut besiedeln. Welches Präparat der Arzt wählt, richtet sich danach, um welche Mikroorganismen es sich handelt: Sogenannte Antimykotika wirken gegen Pilze, Antibiotika helfen gegen Bakterien.

Lichttherapie (Phototherapie)

Mithilfe einer Lichttherapie (Phototherapie) werden die Entzündungszellen in der Haut, die bei Neurodermitis aktiv sind, gehemmt.

Bei der Behandlung kommt nur Licht ganz bestimmter Wellenlängen zum Einsatz. In der Regel handelt es sich um ultraviolettes Licht – oft ist es eine Kombination aus UVA- und UVB-Strahlen. In besonders schweren Fällen von Neurodermitis kann die sogenannte PUVA-Therapie helfen. Hierbei nehmen die Betroffenen vor der Bestrahlung ein Medikament (Psoralen) ein, das die Wirkung der Strahlen in der Haut vervielfacht (Psoralen + UVA = PUVA).

Besonders nach der PUVA-Therapie ist die Haut sehr lichtempfindlich. Ein erhöhtes Krebsrisiko durch die UV-Strahlung ist nicht vollkommen auszuschließen, weshalb diese Form der Lichttherapie zur Neurodermitis-Behandlung vor allem bei Kindern nur sehr zurückhaltend eingesetzt wird.

Weitere Maßnahmen

Es gibt viele weitere Möglichkeiten, um die Symptome einer Neurodermitis zu lindern:

  • Zur kurzfristigen Behandlung einer Neurodermitis ist die sogenannte Klimatherapie geeignet: Durch Aufenthalte im Hochgebirge oder an der Nordsee können Sie die Symptome deutlich abschwächen.
  • Entspannungstechniken können sich positiv auswirken. Der oftmals quälende Juckreiz kann sich zu einem übermächtigen, die Lebensqualität beeinträchtigenden Problem entwickeln. Hier kann Entspannung Erleichterung bringen, zum Beispiel autogenes Training.
  • Bei Neurodermitis ist die Haut empfindlicher als gesunde Haut. Daher ist es wichtig, dass Sie zur Pflege der Haut auf keinen Fall aggressive Seifen und Waschmittel verwenden. Stattdessen ist es empfehlenswert, der trockenen Haut Feuchtigkeit zuzuführen. Geeignet sind im Rahmen der Neurodermitis-Behandlung harnstoffhaltige Pflegeprodukte oder spezielle medizinische Ölbäder.

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Neurodermitis: Verlauf

Eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) verläuft bei jedem Betroffenen anders. Einzelne Schübe können unterschiedlich lang und schwer ausgeprägt sein. Oft zeigt sich eine Neurodermitis schon im Kindesalter: Bis zu 15 Prozent aller Vorschulkinder weisen zumindest zeitweise Anzeichen einer Neurodermitis auf. Die Neurodermitis kann jederzeit von selbst abklingen. Doch mindestens 30 Prozent aller Kinder mit Neurodermitis leiden auch im Erwachsenenalter darunter.

Auch wenn die Symptome nur leicht ausgeprägt sind: Eine Neurodermitis kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und für den Betroffenen mit einer hohen seelischen Belastung verbunden sein. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Betroffene von anderen Menschen ausgegrenzt werden. Diese psychische Belastung kann weitere Beschwerden nach sich ziehen, so zum Beispiel Depressionen.

Mithilfe einer frühzeitigen und intensiven Therapie kann man den Verlauf einer Neurodermitis günstig beeinflussen. Es ist zwar bislang nicht möglich, ein atopisches Ekzem vollständig zu heilen. Jedoch können viele Betroffene dank moderner Therapieverfahren heutzutage ein normales Leben führen.

Neurodermitis: Vorbeugen

Einer Neurodermitis können Sie nur bedingt vorbeugen, denn die genau Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt.

In den ersten Lebensmonaten ist es eventuell möglich, eine Neurodermitis durch entsprechende Ernährung hinauszuzögern: Experten empfehlen, ein Baby über die ersten vier bis sechs Lebensmonate konsequent zu stillen, ohne Fremdeiweiße (z.B. Kuhmilch) zuzuführen. Möglicherweise kann dies die Häufigkeit und Schwere der Neurodermitis bei Kleinkindern verringern.

Wer bereits eine Neurodermitis hat, kann neuen Schüben ein Stück weit vorbeugen. Hilfreich können folgende Tipps sein:

  • Versuchen Sie herauszufinden, welche Faktoren einen Schub bei Ihnen begünstigen (sog. Trigger). Wenn Sie diese Faktoren identifiziert haben, sollten Sie diese meiden, sofern das möglich ist. Mögliche Auslöser für einen Neurodermitis-Schub sind zum Beispiel:
    • verschiedene allergieauslösende Stoffe (sog. Allergene wie z.B. Pollen, Hausstaubmilben)
    • mechanische Reizung der Haut (z.B. durch Kontakt mit Wolle oder durch Schwitzen),
    • bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, Milch, Weizen)
    • Infektionen
    • klimatische Bedingungen (z.B. extreme Kälte, Schwüle)
  • Sobald Sie erste Anzeichen eines Schubs bemerken, können Sie die Haut äußerlich mit Calcineurin-Hemmern So ist es möglich, den Schub abzufangen oder zumindest abzuschwächen. Calcineurin-Hemmer wirken speziell auf die bei der Entzündung beteiligten weißen Blutkörperchen (T-Lymphozyten).
  • Wenn Sie auf Hausstaubmilbenallergene reagieren, sind besondere Bettbezüge geeignet, welche die Konzentration der Allergene herabsetzen.
  • Falls Sie eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel wie Hühner- oder Kuhmilcheiweiß bei sich beobachtet haben, sollten Sie solche Allergene meiden. Wichtig ist es, dass Sie auch auf die Nahrungsmittel verzichten, in denen diese Eiweiße in versteckter Form vorkommen. Für Säuglinge steht spezielle allergenarme Nahrung zur Verfügung.
  • Wenn Sie überempfindlich auf Tierhaare reagieren, ist es ratsam, dass Sie den Kontakt mit Tieren möglichst einschränken.
  • Bei einer Neurodermitis spielt auch die richtige Wahl der Kleidung eine Rolle. Besonders Wolle kann zur Überempfindlichkeit führen. Tragen Sie Wolle daher besser nicht direkt auf der Haut.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Haushalt rauchfrei ist – denn Zigarettenrauch kann eine Neurodermitis verstärken.

Neurodermitis: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis)":


Onmeda-Lesetipps:


Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)
An der Eickesmühle 15-19
41238 Mönchengladbach
0 21 66 / 64 78 820

www.daab.de

Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind (AAK) e.V.
Augustastr. 20
35745 Herborn
0 27 72 / 92 87 - 0
www.aak.de

Bundesverband Neurodermitis e.V.
Heerstraße 189-191 
56154 Boppard
067 42 / 871 30
info@neurodermitis.net
www.neurodermitis.net

Deutscher Neurodermitis-Bund e.V. (DNB)

Baumkamp 18
22299 Hamburg
040 / 23 07 44
info@neurodermitis-bund.de
www.neurodermitis-bund.de

Quellen:

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de (Abrufdatum: 12.9.2016)

Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Neurodermitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/027 (Stand: 31.3.2015)

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen (BVDD): Dermatologische stationäre Rehabilitation bei atopischer Dermatitis Erwachsener. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/026 (Stand: Dezember 2014)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 26.9.2013)

Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkDÄ): Multiple aktinische Keratosen (Carcinomata in situ der Haut) nach langjähriger topischer Anwendung von Tacrolimus (Protopic ®). Deutsches Ärzteblatt Jg. 108, Heft 10, 11. März 2011

Sterry, W.: Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011

Sterry, W., Burgdorf, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Stand: 9. Mai 2017

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