Junger Mann mit Hörsturz sitzt auf dem Sofa und fasst sich ans Ohr.
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Hörsturz: Anzeichen, Ursachen und Behandlung

Von: Jessica Rothberg (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 20.08.2025

Ein Hörsturz kommt wie aus dem Nichts: Plötzlich können Betroffene schlechter oder gar nichts mehr hören. Weitere Beschwerden sind oftmals Schwindel oder Ohrgeräusche. Was sollten Betroffene mit Hörsturz tun und welche Behandlung hilft?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zum Thema Hörsturz

Medizinisch gesehen handelt es sich bei einem Hörsturz zwar nicht um einen Notfall, dennoch sollten sich Betroffene bei den ersten Symptomen möglichst schnell ärztlich untersuchen lassen – spätestens jedoch nach ein bis zwei Tagen. 

Was ist ein Hörsturz?

Als Hörsturz (auch Gehörsturz oder Ohrinfarkt) bezeichnen Fachleute plötzliche, meist einseitige Hörprobleme bis hin zum vollständigen Hörverlust. Betroffene beschreiben ein dumpfes Gefühl, das sich wie Watte im Ohr anfühlt. Oftmals kommt es auch zu Ohrgeräuschen. 

Ein Hörsturz tritt überwiegend um das 50. Lebensjahr auf. Allerdings steigt der Anteil jüngerer Personen stetig. Im Kindesalter ist ein Ohrinfarkt eher selten. Laut der Deutschen Tinnitus-Liga erleiden rund 150.000 Deutsche jährlich einen Gehörsturz, wobei die Ursache oft unbekannt ist (idiopathischer Hörsturz). Fachleute vermuten mitunter eine gestörte Durchblutung im Innenohr – auch Stress scheint eine Rolle zu spielen. 

Hörsturz: Symptome und Anzeichen

Typische Symptome für einen Hörsturz sind:

  • plötzliche Hörminderung bis hin zur Taubheit
  • meist einseitig Hörprobleme, seltener sind beide Ohren betroffen
  • dumpfes Druckgefühl im Ohr, als würde Watte im Ohr stecken
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schwindel
  • Fehlhörigkeit (Betroffene nehmen Töne verzerrt wahr)
  • Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis)

Der Hörverlust kann in einzelnen oder mehreren Frequenzen auftreten. Das bedeutet, Betroffene nehmen bestimmte Tonhöhen nicht beziehungsweise schlechter wahr – andere Tonhöhen hingegen ohne Probleme.

Ein weiteres Anzeichen für einen Hörsturz ist das sogenannte Doppelhören. Dabei hören Betroffene denselben Ton auf einem Ohr normal, auf dem erkrankten hingegen höher oder tiefer. 

Hörsturz: Welche Ursachen sind möglich?

Die Ursachen für einen Hörsturz sind bisher nicht eindeutig geklärt. Forschende vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, welche die Durchblutung des Innenohres beeinträchtigen. Deshalb wird die Erkrankung auch als Innenohrinfarkt bezeichnet.

Aufgrund dieser Durchblutungsstörung werden die Schnecke im Innenohr und das Hörorgan unzureichend mit Nährstoffen versorgt und zugleich der Abtransport von schädlichen Stoffwechselprodukten verhindert. Das führt zu Schäden der Sinnes- und Haarzellen im Ohr, was letztlich Hörprobleme verursacht.

Risikofaktoren von Durchblutungsstörungen im Innenohr

Als mögliche Risikofaktoren und Auslöser für Durchblutungsstörungen im Innenohr und somit für einen plötzlichen Hörsturz gelten:

  • Probleme mit der Wirbelsäule, besonders Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule
  • Schädel- und Schleudertrauma
  • Schwankungen des Blutdrucks
  • Stress
  • Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus
  • kleine Blutgerinnsel (Thromben), die die Blutgefäße verschließen
  • Arteriosklerose
  • Konsum von Nikotin

Auch Faktoren, die das Blut verdicken oder die Gerinnungsneigung erhöhen, können eine Durchblutungsstörung im Innenohr mit sich bringen. Dazu zählen etwa

  • erhöhte Blutfettwerte (insbesondere Cholesterin) oder
  • eine zu hohe Konzentration von gerinnungsfördernden Stoffen (zum Beispiel Fibrinogen).

Weitere Ursachen und Risikofaktoren für einen Hörsturz

Neben einer mangelnden Durchblutung des Innenohrs können vermutlich auch andere Faktoren einen Hörsturz begünstigen. Dazu zählen:

Auch durch eine Perilymphfistel (Verbindung zwischen Innen- und Mittelohr) kann ein Hörsturz entstehen. Dabei reißt das runde Fenster im Innenohr ein. Das kann geschehen, wenn durch starkes Pressen – etwa beim Heben sehr schwerer Lasten – der Druck im Kopf ansteigt. So gelangt Flüssigkeit aus dem Innenohr ins Mittelohr. Auch durch andere äußere Einwirkungen kann es so zu einem Hörsturz kommen.

Wie wird ein Hörsturz diagnostiziert?

Fachkräfte einer Hals-Nasen-Ohren-Praxis (HNO) können feststellen, ob es sich bei der Schwerhörigkeit um einen Hörsturz oder eine andere Erkrankung beziehungsweise Verletzung des Ohres handelt. Dazu steht zunächst ein Anamnesegespräch an, bei dem Fragen zu den genauen Beschwerden, Vorerkrankungen und Einnahme von Medikamenten gestellt werden. 

Anschließend überprüft die*der Ärztin*Arzt die Funktionsfähigkeit des Ohrs mithilfe verschiedener Untersuchungen. Dazu zählen möglicherweise:

  • Ohrspiegelung (Otoskopie)
  • Blutdruckmessung
  • Überprüfung des Gleichgewichtsorgans (Vestibularisprüfung)
  • Überprüfung des Gehörgangs und des Trommelfells (Tympanometrie)
  • Hörtests (mittels Stimmgabelprüfung und Tonaudiogramm)

Zur gezielten Diagnose kommen unter Umständen weitere spezielle Untersuchungen zum Einsatz, etwa: 

  • bildgebende Untersuchungsverfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Blutuntersuchungen
  • Tonaudiometrie nach Fowler (Recruitmentmessung)
  • Hirnstammaudiometrie (BERA)
  • Messung otoakustischer Emissionen (OAE)

Hörsturz: Wie erfolgt die Behandlung?

Nicht jeder Hörsturz muss behandelt werden. In 50 bis 70 Prozent der Fälle verschwindet er innerhalb weniger Tage von selbst wieder – gerade bei jungen Patient*innen mit nur geringem Hörverlust.

Eine rasche Behandlung des Hörsturzes ist jedoch wichtig, wenn

  • sich die Beschwerden nicht bessern,
  • ein ausgeprägter Hörverlust vorliegt,
  • die Ohren vorgeschädigt sind oder
  • Schwindel oder Benommenheit bestehen.

Ärzt*innen stellen bei einem Hörsturz eine Krankschreibung aus. Die Dauer ist allerdings individuell und kann wenige Tage bis einige Wochen betragen.

Wie wird ein akuter Hörsturz behandelt?

Zur Behandlung empfiehlt die offizielle Leitlinie Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der sogenannten Glukokortikoide (Kortison). Diese wirken gegen die Entzündung und Schwellung, die beim Hörsturz im Ohr auftreten können. Die Wirkstoffe werden als Tablette oder Infusion verabreicht. In schweren Fällen spritzen Fachleute Kortison direkt in das Ohr (intratympanale Therapie).

Besteht der Hörsturz aufgrund eines verletzten runden Fensters im Innenohr, kommt eine Operation infrage, bei der die Ruptur abgedeckt wird.

Weitere Maßnahmen zur Behandlung eines Hörsturzes

Je nachdem, ob eine zugrunde liegende Krankheit den Hörsturz verursacht, können weitere Maßnahmen zur Behandlung infrage kommen. Möglich sind zum Beispiel:

  • Antibiotika bei bakteriellen Infektionen
  • virushemmende Medikamente (Virustatika) bei viralen Infektionen
  • Physiotherapie bei Problemen der Halswirbelsäule

Zudem können Präparate mit Ginkgo aufgrund ihrer durchblutungsfördernden Eigenschaften die Therapie des Hörsturzes unterstützen – die Wirksamkeit ist jedoch umstritten. Ihre Einnahme sowie die Anwendung anderer Hausmittel sollten deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. 

Wer unter einem vollständigen Hörverlust leidet, erhält möglicherweise ein Hörgerät. Bei einem sensorineuralen Hörverlust, also einer Schädigung des Innenohrs (Schnecke oder Cochlea), kann ein Cochlea-Implantat eingesetzt werden.

Hörsturz: Was sollten Betroffene noch tun?

Menschen mit Hörsturz sollten auf ausreichend Ruhe und Erholung achten. Stress ist zu vermeiden, da er scheinbar eine wesentliche Rolle bei der Entstehung eines Hörsturzes spielt. Betroffene sollten zudem vollständig auf den Konsum von Nikotin verzichten. 

Hörsturz: Verlauf und Dauer

Bei einem Hörsturz sind der Verlauf und die Dauer sehr unterschiedlich. In vielen Fällen bessert sich das Hörvermögen in einigen Tagen von selbst (Spontanremission). Bei anderen stellen sich das dumpfe Gefühl im Ohr und die Hörbeschwerden erst durch eine Therapie ein. Im Einzelfall bleiben die Symptome dauerhaft bestehen.

Liegt nur ein leichter Hörverlust vor, ist die Prognose meist besonders günstig. Auch schwere Hörstörungen können sich durch eine erfolgreiche Behandlung oftmals vollständig einstellen. 

Bei 30 Prozent der Betroffenen entsteht jedoch ein erneuter Hörsturz, weshalb vor allem anhaltender Stress vermieden und etwa Bluthochdruck behandelt werden sollte.

Wie lässt sich einem Hörsturz vorbeugen?

Oftmals tritt ein Gehörsturz dann auf, wenn der Stress am größten ist. Wer bereits einen Hörsturz hatte, kann mithilfe von Entspannungstechniken wie autogenem Training, Yoga oder Meditation zu einer nachhaltigen Stressreduktion beitragen. Auch eine übermäßige Lärmbelastung sollte grundsätzlich vermieden werden.

Eine gesunde Lebensweise trägt zum körperlichen Wohlbefinden bei, wirkt aber auch möglichen Risikofaktoren eines Hörsturzes wie etwa erhöhten Blutfettwerte entgegen. Dazu empfiehlt sich:

  • eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung
  • regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Sport
  • eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • der Verzicht auf Rauchen und Alkohol