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Hörsturz: Was ist das? Und was kann man tun?

Veröffentlicht von: Till von Bracht (28. September 2016)

© iStock

Ein Hörsturz tritt meist "aus heiterem Himmel" auf: Auf einmal kann der Betroffene auf einem oder – seltener – beiden Ohren nur noch schlecht oder gar nicht mehr hören. Aber woher kommt der plötzliche Hörverlust? Und was kann man tun, damit man schnell wieder normal hören kann?

Einige Forscher vermuten, dass ein Hörsturz mit Durchblutungsstörungen des Innenohrs zusammenhängt. Dennoch: Bis heute weiß man nicht genau, welche Ursachen hinter einem Hörsturz stecken. Die Symptome treten wie aus dem Nichts auf – ohne erkennbaren Grund. Dies unterscheidet den Hörsturz zum Beispiel von einem sogenannten Knalltrauma, bei dem plötzlicher Lärm das Innenohr schadet.

Neben Durchblutungsstörungen stehen aber auch andere Ursachen in Verdacht, einen Hörsturz hervorzurufen – dazu zählen zum Beispiel

In der Wissenschaft wird auch immer wieder Stress als Ursache für einen Hörsturz diskutiert: So haben zum Beispiel Studien gezeigt, dass ein Großteil der Betroffenen vor dem Hörsturz akutem oder anhaltendem Stress ausgesetzt waren. Allerdings ist die Datenlage hier noch zu dünn, um evidenzbasierte Aussagen treffen zu können. 

Wissenswertes: So könnte ein Hörsturz entstehen

Im Innenohr, genauer gesagt in der Hörschnecke, befinden sich sogenannte Haarzellen. Diese sensiblen Zellen haben die Aufgabe, die aufgenommenen Schallwellen aus der Umwelt in elektrochemische Signale umzuwandeln und über den Hörnerv ans Gehirn weiterzuleiten.

Im Gehirn selbst verarbeitet ein bestimmter Bereich (sog. Hörrinde) diese Signale zu Hörwahrnehmungen, zum Beispiel Sprache, Musik oder Umgebungsgeräusche. Wenn die Haarzellen nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden, kann dies die Hörfähigkeit einschränken und somit möglicherweise einen Hörsturz verursachen.

Was tun, wenn man plötzlich nicht mehr richtig hören kann?

Viele Betroffene beschreiben das Gefühl bei einem Hörsturz so, als würde ein Stück Watte oder ein Ohrstöpsel in ihrem Ohr stecken. Sie nehmen Geräusche nur noch dumpf wahr – manchmal geht ein Hörsturz auch mit Ohrgeräuschen (Tinnitus) oder Schwindel einher.

Medizinisch gesehen handelt es sich bei einem Hörsturz zwar nicht um einen Notfall – dennoch sollte man bei den ersten Symptomen möglichst schnell einen Arzt aufsuchen. Denn hinter einem plötzlichen Hörverlust können auch Krankheiten stecken, die unter Umständen rasch behandelt oder weiter abgeklärt werden müssen – zum Beispiel eine Mittelohrentzündung oder die Menière-Krankheit.

Auf jeden Fall sollten Sie ich nach einem Hörsturz Ruhe gönnen. Daher wird Sie Ihr Arzt eventuell krankschreiben oder unter Umständen sogar zur Behandlung in ein Krankenhaus überweisen.

Die gute Nachricht: Bei etwa der Hälfte aller Fälle bildet sich der Hörsturz innerhalb der ersten 24 Stunden spontan zurück. Je geringer der Hörverlust ausfällt, desto besser ist die Prognose.

Forscher vermuten, dass ein Hörsturz mit Durchblutungsstörungen des Innenohrs zusammenhängt. Die genauen Ursachen sind jedoch nicht bekannt. © Jupiterimages/Stockbyte

Forscher vermuten, dass ein Hörsturz mit Durchblutungsstörungen des Innenohrs zusammenhängt. Die genauen Ursachen sind jedoch nicht bekannt.

Welche Therapie ist bei einem Hörsturz am besten geeignet?

Die Frage nach der richtigen Behandlung lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt zwar eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsmaßnahmen, die in den letzten Jahren erprobt wurden – bis heute ist allerdings nicht genau bekannt, welche Therapie bei einem Hörsturz am besten hilft. 

Betroffene müssen individuell mit ihrem Arzt besprechen, welche Hörsturz-Therapie bei ihnen am geeignetsten erscheinen und ob eine Behandlung überhaupt nötig ist. In etwa der Hälfte der Fälle heilt ein Hörsturz ohne jegliche Behandlung wieder aus.

Bei einem leichten Hörsturz raten viele Ärzte zunächst dazu, ein paar Tage abzuwarten. Sollte sich bei einem Hörsturz nach spätestens drei Tagen keine Besserung eingestellt haben, kann der Hals-Nasen-Ohrenarzt zum Beispiel bestimmte Medikamente einsetzen, die gegen eine Entzündung und Schwellung im Ohr wirken.

Es handelt sich dabei um sogenannte Glukokortikoide, auch Kortikosteroide genannt. Diese Medikamente (z.B. Prednisolon) kann der Arzt sowohl

  • in Form von Tabletten
  • als auch über ein Infusionslösung verabreichen
  • oder sogar direkt in das betroffene Ohr spritzen. 

Manchmal verordnet der Arzt zusätzlich (oder auch nur) Pentoxifyllin oder Ginkgo als Tabletten, die die Durchblutung im Ohr steigern sollen – diese Medikamente werden von der aktuellen Leitlinie allerdings nicht empfohlen.

Zusammenfassung:

Sollte ein Hörsturz nicht von selbst ausheilen, empfiehlt die in Deutschland aktuell geltende Leitlinie eine Behandlung mit hochdosierten Kortison als Infusionslösung oder auch in Tablettenform. Sollte sich trotz dieser Kortison-Behandlung nach einigen Tagen keine Besserung einstellen, dann kann der Arzt das Glukokortikoid auch direkt in das Mittelohr (intratympanal) spritzen. 

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