Hepatitis (Leberentzündung) – Symptome, Ursachen, Behandlung

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (25. September 2017)

© iStock

Weltweit gibt es Millionen von Menschen, die an einer Hepatitis erkrankt sind. Die häufigste Hepatitis-Form ist in Deutschland die Hepatitis C.

Was ist Hepatitis?

Von einer Hepatitis spricht man, wenn die Leber entzündet ist. Eine Hepatitis kann die Leberzellen schädigen und damit die Funktion der Leber beeinträchtigen.

Woher kommt der Begriff Hepatitis?

Der Begriff Hepatitis leitet sich aus dem Griechischen ab: hépar beziehungsweise hépatos bedeutet Leber, die Endung -itis steht für Entzündung.

Hepatitis (Leberentzündung): Typische Symptome

Bei einer Hepatitis (Leberentzündung) können verschiedene Symptome auftreten. Zu Beginn zeigen sich jedoch bei allen Hepatitis-Arten in der Regel eher allgemeine Symptome wie:

Im Anschluss daran kann sich die Leberentzündung durch typische Symptome bemerkbar machen, wie beispielsweise:

  • eine Dunkelfärbung des Urins,
  • eine Hellfärbung des Stuhls oder
  • eine Gelbfärbung der Haut bzw. der Augen (sog. Ikterus).

Mitunter tritt in der akuten Phase der Hepatitis zudem ein starker Juckreiz auf. Abhängig davon, welche Hepatitis-Form vorliegt, verläuft die Erkrankung möglicherweise auch ohne jegliche Symptome.

Video: Hepatitis – wenn Viren die Leber schädigen.

Hepatitis (Leberentzündung): Verschiedene Ursachen möglich

Eine Hepatitis (Leberentzündung) kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Ursachen zählen Infektionen mit Viren. In der Medizin unterscheidet man bei den virusbedingten Leberentzündungen zwei Formen:

  • Leberentzündungen, bei denen die Leberzellen direkt von den Viren infiziert werden (sog. Virushepatitis) und
  • Leberentzündungen, die im Rahmen einer allgemeinen Viruserkrankung (z.B. Herpes, pfeiffersches Drüsenfieber) auftreten (sog. Virusbegleithepatitis).

Weitere mögliche Ursachen neben Infektionen mit Viren sind:

Hepatitis: Man sieht eine grafische Darstellung von Hepatitisviren. © iStock

Die häufigste Ursache für eine Hepatitis ist eine Infektion mit Viren.

Virushepatitis

Mediziner unterscheiden fünf Formen der Virushepatitis:

Merkmal Hepatitis A Hepatitis B Hepatitis C
Übertragung fäkal-oral, also durch Schmierinfektionen sexuell, Speichel, Blut(produkte), Geburt (Mutter –> Kind) sexuell, Blut(produkte), Geburt (Mutter –> Kind)
Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen (Inkubationszeit) 2 bis 7 Wochen 6 Wochen bis 7 Monate 6 bis 10 Wochen
schneller, schwerwiegender Verlauf bei akuter Hepatitis bei weniger als 2 % der Fälle bei 0,1 bis 0,5 % der Fälle sehr selten
chronischer Verlauf nein bei Erwachsenen bei 5 bis 10 % der Fälle,
bei Neugeborenen bei 90 % der Fälle
bei 50 bis 85 % der Fälle
Impfung ja ja nein

Merkmal Hepatitis D Hepatitis E
Übertragung Blut(produkte), Geburt (Mutter –> Kind), sexuell fäkal-oral, also durch Schmierinfektionen
Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen (Inkubationszeit) bei 5 bis 10 Wochen 3 bis 8 Wochen
schneller, schwerwiegender Verlauf bei akuter Hepatitis bei Koinfektion* bei 1 bis 2 % der Fälle,
bei Superinfektion** mit Hepatitis B bei bis zu 50 % der Fälle
bei 0,5 bis 4 % der Fälle,
bei Schwangeren bei bis zu 20 % der Fälle
chronischer Verlauf bei Koinfektion* bei 1 bis 2 Prozent der Fälle,
bei Superinfektion** bei 70 bis 90 Prozent der Fälle
nein, sofern kein geschwächtes Immunsystem vorliegt
Impfung ja: denn die Hepatitis-B-Impfung schützt auch vor Hepatitis D Europa: nein,
China: ja

* Koinfektion (Simultaninfektion) = Die Infektion mit Hepatitis B und D erfolgt gleichzeitig, in diesem Fall verläuft die Hepatitis D wie Hepatitis B.
** Superinfektion = Die Infektion mit Hepatitis D erfolgt bei bereits bestehender Hepatitis B.

Virusbegleithepatitis

Auslöser einer begleitenden Hepatitis können zum Beispiel folgende Viren sein:

Häufigkeit von Hepatitis

Weltweit sind rund 352 Millionen Menschen von einer chronischen Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Infektion betroffen. Pro Jahr sterben circa 1,4 Millionen Menschen an den Folgen einer Hepatitis.

In Deutschland sah die Häufigkeit der Hepatitis-Infektionen in den Jahren 2015 und 2016 wie folgt aus:

Virushepatitis Fallzahlen 2016 Fallzahlen 2015
Hepatitis A 736 855
Hepatitis B 3.006 1.982
Hepatitis C 4.368 4.913
Hepatitis D 33 21
Hepatitis E 1.991 1.264

Hepatitis (Leberentzündung): Diagnose

Besteht ein Verdacht auf Hepatitis (Leberentzündung), lässt sich das durch entsprechende Laborwerte rasch bestätigen. In der Regel nimmt der Arzt dazu eine Blutprobe und ordnet eine Blutuntersuchung an. Lassen sich im Blut spezifische Antikörper gegen das jeweilige Hepatitis-Virus oder Virusbestandteile (Antigene) nachweisen, gilt die Diagnose Leberentzündung als gesichert. Bei einer chronischen Hepatitis können weitere Untersuchungen notwendig werden, wie zum Beispiel eine Gewebeprobe der Leber (Leberbiopsie).

Eine Virushepatitis ist meldepflichtig

Jede Virushepatitis vom Typ A, B, C, D oder E ist laut Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung. Besteht der Verdacht, dass beim Betroffenen eine Virushepatitis vorliegt oder weisen Tests diese nach, muss der behandelnde Arzt die Erkrankung melden und den Namen des Betroffenen angeben. Dies gilt auch im Todesfall des Erkrankten. Die Meldepflicht besteht auch, wenn bei einer Hepatitis A, Hepatitis B oder Hepatitis C keine Krankheitszeichen auftreten.

Hepatitis (Leberentzündung): Therapie – was kann man tun?

Je nachdem, welche Form der Hepatitis (Leberentzündung) vorliegt, unterscheiden sich die Therapie-Möglichkeiten.

Hepatitis A, Hepatitis D, Hepatitis E

Gegen Hepatitis A, Hepatitis D und Hepatitis E gibt es derzeit keine wirksamen Medikamente, sie heilen in der Regel von allein aus. Die Therapie konzentriert sich daher vor allem auf die Behandlung der Symptome (z.B. Erbrechen oder grippeartige Beschwerden).

Im Falle einer Hepatitis A ist es für den Heilungsprozess wichtig, dass der Betroffene auf Alkohol verzichtet. Auch Medikamente mit leberschädigenden Eigenschaften wie zum Beispiel Paracetamol oder Wirkstoffe aus der Gruppe der Zytostatika sind vorerst nicht zu empfehlen.

Um die Heilungsprozesse zu unterstützen, kann anfangs eine Ernährung mit wenig Fetten und vielen Kohlenhydraten sinnvoll sein. Sofern sich der Patient durch die Leberentzündung müde fühlt und ein allgemeines Krankheitsgefühl hat, ist eine vorübergehende Bettruhe zu empfehlen.

Hepatitis B

Um die Heilung einer akuten Hepatitis B zu unterstützen, sollte der Betroffene auf Alkohol verzichten und Bettruhe halten. Medikamente mit leberschädigender Wirkung sollten möglichst erstmal nicht zum Einsatz kommen.

Zur Therapie der chronischen Hepatitis B setzt man vor allem folgende Medikamente ein:

Hepatitis C

Bei einer akuten Hepatitis C verhindert in den meisten Fällen eine 24-wöchige Therapie mit dem Wirkstoff Peginterferon alfa-2a den Übergang in eine chronische Leberentzündung.

Eine chronische Hepatitis C behandelt man mit einer Kombination aus dem Wirkstoff Peginterferon alfa-2a und dem virenhemmenden Wirkstoff Ribavirin.

In der letzten Zeit hat sich im Bereich der Hepatitis-C-Forschung einiges getan. Inzwischen sind verschiedene neue Wirkstoffe zur Hepatitis-C-Therapie zugelassen, wie unter anderem Simeprivir, Ombitasvir oder Sofosbuvir.

Alkoholische Hepatitis

Das oberste Gebot bei einer alkoholischen Hepatitis ist der Verzicht auf Alkohol. Ohne Alkohol kann sich die Leber selbst von den schädlichen Auswirkungen des Alkohols erholen.

Autoimmunhepatitis

Zur Therapie der seltenen Autoimmunhepatitis kommen Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem unterdrücken.

Hepatitis im Rahmen anderer Erkrankungen

Ist die Hepatitis die Folge einer anderen Erkrankung, bessert sich diese in der Regel von selbst sobald diese ausgeheilt ist beziehungsweise behandelt wird.

Hepatitis (Leberentzündung): Verlauf

Eine Hepatitis (Leberentzündung) kann einen akuten oder chronischen Verlauf nehmen. Eine akute Hepatitis tritt plötzlich auf und klingt nach einigen Wochen oder Monaten wieder ab.

Eine chronische Hepatitis hält dagegen länger als sechs Monate an. Bei einem günstigen Verlauf der Leberentzündung bleiben die Leberläppchen funktionsfähig (sog. chronisch-persistierende Form). Im ungünstigen Fall entwickelt sich im Verlauf der Hepatitis frühzeitig eine Leberzirrhose (sog. Schrumpfleber). Hierbei schrumpft das Lebergewebe, verhärtet sich und vernarbt, sodass die Leberläppchen ihre Funktionsfähigkeit verlieren.

Hepatitis (Leberentzündung): Vorbeugen

Einer Hepatitis (Leberentzündung) vom Typ A, B, C, D oder E können Sie mit verschiedenen Maßnahmen vorbeugen.

Hepatitis-Impfung

Vor Hepatitis A oder B können Sie sich am besten durch eine Impfung schützen:

Die Hepatitis-B-Impfung schützt Sie zudem gleichzeitig gegen Hepatitis D. Gegen Hepatitis C und Hepatitis E existieren dagegen in Europa bisher noch keine Impfstoffe. In China ist allerdings inzwischen eine Impfung gegen Hepatitis E zugelassen.

Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen

Außerdem können Sie sich mit allgemeinen Vorsichtmaßnahmen vor einer Hepatitis-Infektion schützen:

  • Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome.
  • Vermeiden Sie direkten Blutkontakt.
  • Für Menschen, die drogenabhängig sind und Spritzen benutzen, gilt: Verwenden Sie keine Spritzen, die bereits von anderen benutzt wurden. Denn die Blutreste an der Nadel können zu einer Ansteckung mit Hepatitis führen.
Hepatitis: Man sieht mehrere bunte Kondome. © Jupiterimages/iStockphoto

Kondome können vor Hepatitis schützen.

Reisen in Länder mit schlechten hygienischen Bedingungen

Zur Übertragung von Hepatitis A kommt es vor allem durch Schmierinfektionen. Der Erreger gelangt hierbei aus dem Stuhl an Gegenstände oder Lebensmittel sowie ins Wasser und kann dadurch weitere Menschen infizieren. Insbesondere bei Reisen in Regionen mit schlechten hygienischen Bedingungen, wie zum Beispiel manchen Gebieten in Asien oder Afrika, sollten Sie deshalb einige Hygieneregeln einhalten, um sich vor einer Ansteckung zu schützen:

  • Waschen Sie sich regelmäßig und vor allem nach dem Toilettengang und vor dem Essen die Hände.
  • Kochen Sie Trinkwasser ab.
  • Verzichten Sie auf Eiswürfel.
  • Bevorzugen Sie Getränke aus verschlossenen Behältern (Dose, Flasche).
  • Schälen Sie Obst und Gemüse.

Am besten können Sie sich vor einer Ansteckung mit Hepatitis A oder Hepatitis B jedoch durch eine Impfung schützen.

Vor einer Leberentzündung, die nicht durch eine Infektion mit Hepatitis-Viren entsteht, können Sie sich indirekt schützen, indem Sie zum Beispiel:

  • Alkohol nur in Maßen genießen.
  • leberschädigende Medikamente nur auf Anweisung des Arztes einnehmen.

Hepatitis (Leberentzündung): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hepatitis (Leberentzündung)":

Onmeda-Lesetipps:

Arzneimittelinformationen zu LeberentzündungThemeninsel: HepatitisHepatitis A: Infos zur KrankheitHepatitis B: Infos zur KrankheitHepatitis C: Infos zur KrankheitHepatitis D: Infos zur KrankheitHepatitis E: Infos zur Krankheit

Linktipps:

www.leberhilfe.orgDeutsche Leberhilfe e.V.

www.deutsche-leberstiftung.deDeutsche Leberstiftung

Quellen:

Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Abrufdatum: 25.9.2017)

Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): www.who.int (Abrufdatum: 25.9.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2017

Hepatitis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 28.6.2017)

Robert-Koch-Institut (Hg.): Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016. Robert-Koch-Institut, Berlin (1.3.2017)

Hepatitis. Online-Informationen des National Health Service: www.nhs.uk (Stand: 7.3.2016)

Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Verlag, Heidelberg 2016

Arastéh, K., et al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Faller, A, et al.: Der Körper des Menschen. Thieme, Stuttgart 2012

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen: Hepatitis-B-Virus-(HBV-)Infektion – Prophylaxe, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/011 (Stand: 31.1.2011)

Aktualisiert: 25. September 2017