Wenn Hämorrhoiden Probleme bereiten

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (01. September 2017)

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Über das Thema Hämorrhoiden spricht kaum jemand gerne – und doch haben viele Menschen Probleme damit. Genau genommen hat sogar jeder von uns Hämorrhoiden, denn sie gehören zur menschlichen Anatomie dazu. Beschwerden wie Nässen, Jucken oder Brennen bereiten sie erst, wenn sie krankhaft vergrößert sind. 

Vergrößerte Hämorrhoiden machen so manchem das Leben schwer. Schätzungen zufolge haben über 50 Prozent der Erwachsenen über 30 Jahren damit zu tun. Nicht nur ältere Menschen sind von vergrößerten Hämorrhoiden betroffen, sondern auch viele jüngere.  

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden (griech. haíma = Blut, rhéin = fließen; auch: Hämorriden, fälschlicherweise liest man öfter auch den Begriff "Hämoriden ") sind Schwellkörper, die in der Schleimhaut des unteren Enddarms (Analkanal) ein dichtes Gefäßpolster bilden. Arterien und Venen versorgen diese Schwellkörper mit Blut. Krankhaft werden Hämorrhoiden erst dann, wenn sich in diesem Gefäßpolster das Blut staut und nicht mehr ungestört abfließen kann. Die Hämorrhoiden vergrößern sich und machen sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar – Ärzte sprechen dann von einem Hämorrhoidalleiden.

Jeder Mensch hat von Natur aus Hämorrhoiden – und das ist gut so: Zusammen mit dem inneren und äußeren Schließmuskel des Afters dichten Hämorrhoiden den Darm nach außen hin ab. Hämorrhoiden helfen der Schließmuskulatur, den Darmausgang auch bei Belastung verschlossen zu halten, so zum Beispiel beim Niesen oder Lachen. Meist wölben drei Knoten, die an der Einmündung der Arterien in den Schwellkörper liegen, hierfür die Schleimhaut vor.

Typische Symptome durch vergrößerte Hämorrhoiden sind schmerzlose, hellrote Blutungen im Analbereich. Der Betroffene sieht häufig Blut am Toilettenpapier oder auf dem Stuhl. Hinzu kommen Beschwerden wie Jucken, Stechen, Brennen, Nässen und das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können.

Vergrößerte Hämorrhoiden: Schweregrade

Je nachdem, wie stark ein Hämorrhoidalleiden ausgeprägt ist, teilen Mediziner vergrößerte Hämorrhoiden in vier Grade ein:

Hämorrhoiden Grad I

In diesem Stadium sind die Hämorrhoiden zwar vergrößert, aber noch relativ klein und von außen nicht sichtbar. Nur mithilfe einer Spiegelung des Analkanals und des Enddarms (Proktoskopie) kann der Arzt die Hämorrhoiden erkennen. Sie verursachen häufig keinerlei Beschwerden.

Hämorrhoiden Grad I

Vergrößerte Hämorrhoiden vom Grad I sind von außen nicht zu erkennen.

Hämorrhoiden Grad II

Im zweiten Stadium eines Hämorrhoidalleidens sind die Knoten bereits größer und treten beim Pressen sichtbar hervor. Mitunter werden sie beim Stuhlgang teilweise vor die Afteröffnung gedrückt und ziehen sich anschließend von selbst wieder in den Analkanal zurück.

Hämorrhoiden Grad II

Hämorrhoiden II. Grades werden beim Pressen von außen sichtbar.

Hämorrhoiden Grad III

In diesem Stadium "fallen" die Knoten bei der Stuhlentleerung oder auch spontan vollständig vor die Afteröffnung. Man spricht von einem Prolaps. Die Hämorrhoiden ziehen sich nicht mehr von selbst in den Analkanal zurück. Der Betroffene kann die Knoten lediglich mit dem Finger in den Analkanal zurückschieben.

Hämorrhoiden Grad III

Wenn die Hämorrhoiden nicht mehr von allein in den Analkanal geraten, liegen Hämorrhoiden vom Grad III vor.

Hämorrhoiden Grad IV

Im letzten Stadium eines Hämorrhoidalleidens liegen die Hämorrhoiden permanent vor der Afteröffnung und können auch nicht mehr manuell zurückgeschoben werden (fixierter Prolaps). Sie sind somit ständig sichtbar.

Hämorrhoiden Grad IV

Hämorrhoiden vom Grad IV sind permanent von außen sichtbar und lassen sich nicht mehr mit den Fingern in den Analkanal zurückschieben.

Was sind die Ursachen für vergrößerte Hämorrhoiden?

Krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) können viele Ursachen haben. Sie entstehen, wenn sich die Gefäße am Darmausgang – im sogenannten hämorrhoidalen Schwellkörper – vorwölben. Dies passiert vor allem dann, wenn der Analbereich unter einem hohen Druck steht. Dies kann zum Beispiel bei einer Verstopfung der Fall sein, wenn der Betroffene bei der Stuhlentleerung stark pressen muss. Insbesondere eine ballaststoffarme Ernährung, wenig Bewegung und zu wenig Flüssigkeit können eine Verstopfung begünstigen. 

Mögliche Einflüsse, die ein Hämorrhoidalleiden fördern, sind etwa:

  • eine angeborene Schwäche des Bindegewebes, die zur Erschlaffung der Schließmuskeln führt
  • eine ballaststoffarme Ernährung
  • eine überwiegend sitzende Tätigkeit, Bewegungsmangel
  • Verstopfung
  • wenig Flüssigkeitsaufnahme
  • starkes Pressen auf der Toilette
  • Übergewicht
  • eine Schwangerschaft

Vergrößerte Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Vergrößerte Hämorrhoiden sind eine häufige Begleiterscheinung während der Schwangerschaft. Der Grund: Durch die Zunahme von Gewicht und Blutflüssigkeit lastet auf den Gefäßen im Analbereich ein hoher Druck. Darüber hinaus sorgen Schwangerschaftshormone dafür, dass die Gefäße leichter dehnbar sind. Hinzu kommt, dass Schwangere oft auch mit Verstopfung zu kämpfen haben. All diese Faktoren begünstigen ein Hämorrhoidalleiden.

Hämorrhoiden: Typische Symptome

Vergrößerte Hämorrhoiden (auch: Hämorriden) bereiten anfangs oft keine Symptome. Bei einem Hämorrhoidalleiden ersten Grades kann man die krankhaften Ausstülpungen des hämorrhoidalen Schwellkörpers von außen noch nicht sehen und es treten nicht immer Beschwerden auf. Da die Afterschleimhaut im Inneren des Afterkanals schmerzunempfindlich ist, haben viele Personen mit vergrößerten Hämorrhoiden zu Beginn keine Schmerzen. Die Betroffenen bemerken die Hämorrhoiden erstmals meist durch gelegentlich auftretende Auflagerungen von hellrotem Blut auf dem Stuhl oder auf dem Toilettenpapier, manchmal auch durch Juckreiz (Pruritus) im Analbereich. Die schmerzlosen Blutungen entstehen, wenn harter Stuhl die Gefäßwände der Hämorrhoiden beschädigt.

Im weiteren Verlauf können weitere Symptome hinzutreten, so etwa Nässen und Brennen in der Analregion oder ein Druckgefühl. Das Sitzen kann dadurch sehr unangenehm sein. Auch haben manche den Eindruck, der Darm sei nach dem Stuhlgang nicht vollständig entleert.

Video: Hämorrhoiden

Wenn das Hämorrhoidalleiden fortgeschritten ist, treten die Hämorrhoiden zeitweise oder permanent vor die Afteröffnung. Sie können im Analkanal eingeklemmt werden, was zu Schmerzen führen kann.

Überblick: Häufige Symptome eines Hämorrhoidalleidens

Je nach Ausprägung können unterschiedliche Beschwerden auftreten, so zum Beispiel:

  • schmerzlose Blutungen bei der Stuhlentleerung, die entweder als Stuhlauflagerung oder als tropfende Blutungen auftreten können
  • Brennen, Juckreiz, entzündlich gerötete Haut und Nässen im Afterbereich
  • das Gefühl unvollständiger Entleerung nach dem Stuhlgang
  • unwillkürlicher Abgang von Schleim oder Stuhl
  • ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Analbereich
  • bei vergrößerten Hämorrhoiden im fortgeschrittenen Stadium: (starke) Schmerzen

Diese Symptome können auf vergrößerte Hämorrhoiden hinweisen, aber auch andere Ursachen haben. Suchen Sie bei anhaltenden oder starken Beschwerden daher immer den Arzt auf! Bei Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier ist auf jeden Fall eine ärztliche Untersuchung ratsam.

Hämorrhoiden: Diagnose

Symptome wie Blut im Stuhl oder Schmerzen im Analbereich können Anzeichen für vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) sein. Diese Beschwerden können aber auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. Um die Diagnose zu sichern, ist daher eine Untersuchung erforderlich. Der Arzt tastet den Analbereich mit dem Finger ab. So kann er knotige Veränderungen leicht feststellen. Zudem spiegelt er den Analkanal (Proktoskopie) und den Enddarm (Rektoskopie). Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzlos und ungefährlich

Vergrößerte Hämorrhoiden müssen nicht zwingend behandelt werden, wenn sie keine oder nur gelegentliche Beschwerden verursachen. Wichtig ist allerdings, dass der Arzt einen bösartigen Tumor im Bereich des Dick- und Mastdarms (kolorektales Karzinomausschließt. In diesem Fall kann eine Spiegelung des Dickdarms (Koloskopie) Gewissheit verschaffen. Insbesondere bei Blutauflagerungen auf dem Stuhl ist eine solche Untersuchung erforderlich.

Hämorrhoiden: Selbsthilfe & Hausmittel

Wer vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) hat, kann in leichten Fällen zunächst selbst versuchen, die Beschwerden zu lindern. So können Sie zum Beispiel auf Hämorrhoiden-Salben, Cremes, Zäpfchen, Analtampons oder Hausmittel wie Sitzbäder zurückgreifen.

Fest steht: Hausmittel und andere Selbsthilfemaßnahmen können zwar die Beschwerden vorübergehend lindern. Die Ursache beseitigen sie jedoch nicht. Ist das Hämorrhoidalleiden fortgeschritten, ist in jedem Fall eine Behandlung durch den Arzt ratsam. Welche Therapie dann infrage kommt, richtet sich vor allem danach, wie ausgeprägt das Hämorrhoidalleiden ist. Erster Ansprechpartner kann Ihr Hausarzt sein – oder aber ein Proktologe. Proktologen sind Mediziner, die Erkrankungen des Enddarms behandeln.

Bitte beachten Sie: Suchen Sie bei Blut auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier in jedem Fall den Arzt auf. Oft sind vergrößerte Hämorrhoiden die Ursache – es können aber auch erste Erkrankungen dahinterstecken. Daher ist zur Sicherheit eine körperliche Untersuchung durch den Arzt zu empfehlen! Das Gleiche gilt für länger anhaltende Stuhlunregelmäßigkeiten und Schleimabsonderungen.

Verstopfung entgegenwirken

Ideal ist ein weicher, geformter Stuhlgang, den Sie ohne Pressen entleeren können.

So können Sie einen weichen Stuhlgang fördern:

  • Achten Sie auf ausreichend Bewegung! Gerade, wenn Sie tagsüber viel sitzen müssen, sollten Sie für Ausgleich sorgen. Wer sich ausreichend bewegt, fördert die Darmbewegung (Peristaltik) und verhindert so, dass der Darmträge wird. Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren wirken sich positiv aus.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und ballaststoffreich und essen Sie viel Gemüse und Obst. Reichlich Ballaststoffe enthalten zum Beispiel Vollkornprodukte wie Vollkornnudeln und -brot, Leinsamen, Trockenfrüchte oder Nüsse.
  • Vermeiden Sie blähende Speisen.
  • Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken, mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag.

Wenn Sie unter dauerhaften Verstopfungsbeschwerden leiden, können Sie auf ein Hausmittel zurückgreifen: Nehmen Sie täglich Weizenkleie mit viel Flüssigkeit ein.

Analhygiene: Gründlich, aber nicht übertrieben

Zur Behandlung von vergrößerten Hämorrhoiden gehört auch eine gründliche, aber sanfte Analhygiene. Reiben Sie nach dem Toilettengang nicht zu stark mit dem Toilettenpapier. Tupfen Sie stattdessen etwas vorsichtiger oder befeuchten Sie das Toilettenpapier vorher mit Wasser und tupfen Sie den Hautbereich danach trocken. Auf Toilettenfeuchtpapier aus dem Supermarkt sollten Sie eher verzichten oder nur unterwegs darauf zurückgreifen. Die Inhaltsstoffe sind häufig zu aggressiv für die empfindliche Haut des Analbereichs. Achten Sie beim Baden darauf, seifenfreie Waschlotionen zu verwenden, damit Sie den After nicht reizen.

Hausmittel: Sitzbäder
Sitzbäder
 mit klarem Wasser können als Hausmittel hilfreich sein. Badezusätze mit entzündungshemmenden Stoffen wie KamilleHamamelis oder Eichenrinde können wohltuend sein – inwieweit diese Hausmittel tatsächlich einen Nutzen haben, wurde bislang jedoch nicht ausreichend belegt.

Hämorrhoiden-Salbe, Cremes & Co.

Leichtere Beschwerden durch Hämorrhoiden können Sie möglicherweise vorübergehend mit Salbe, Creme, speziellen Analtampons oder Zäpfchen abschwächen. Dabei kommen zum Beispiel Substanzen zur Wundheilung (Adstringenzien) oder entzündungshemmende Präparate mit Zink, Panthenol, Hamamelis oder Aloe vera infrage. Jedoch ist nicht abschließend geklärt, inwieweit diese Präparate tatsächlich die Symptome reduzieren können.

Wenn Sie Schmerzen haben, kann der Arzt Salben mit dem Wirkstoff Lidocain verordnen, der die Haut betäubt. Auch kann er kortisonhaltige Salben empfehlen, die eine entzündungshemmende Wirkung haben. Solche Präparate sollten jedoch nur für eine kurze Zeit verwendet werden.

Beachten Sie: Hämorrhoiden-Salben, Analtampons und Zäpfchen können die Beschwerden vielleicht für eine Weile abschwächen – die vergrößerten Hämorrhoiden werden dadurch jedoch nicht verkleinert. Wenn die Symptome anhalten oder erneut auftreten, sollten Sie daher Ihren Arzt aufsuchen.

Hämorrhoiden-Salben können Beschwerden lindern – die Ursachen beseitigen sie jedoch nicht. © iStock

Hämorrhoiden-Salben können Beschwerden lindern – die Ursachen beseitigen sie jedoch nicht.

Baumwolle oder Kunstfasern?

Bei Beschwerden durch Hämorrhoiden sollten Sie bevorzugt Baumwollunterwäsche tragen und auf Kunstfasern verzichten. Baumwolle nimmt Schweiß besser auf und ist verträglicher für die gereizte Haut.

Hämorrhoiden: Behandlung durch den Arzt

Wenn Sie länger anhaltende oder stärkere Problemen durch Hämorrhoiden haben, empfiehlt sich eine Behandlung durch den Arzt – denn Maßnahmen zur Selbsthilfe reichen dann nicht mehr aus. Welche Therapie infrage kommt, richtet sich vor allem danach, wie sehr das Hämorrhoidalleiden fortgeschritten ist.

Bei Hämorrhoiden im Anfangsstadium bieten sich zur Behandlung die Verödung und die Gummibandligatur an. Bei Hämorrhoiden ab dem III. Stadium oder wenn die nichtchirurgischen Therapiemöglichkeiten erfolglos bleiben, kann es angebracht sein, die vergrößerten Hämorrhoiden mithilfe eines chirurgischen Eingriffs zu entfernen beziehungsweise den natürlichen Zustand wiederherzustellen.  

Hämorrhoidalleiden: Behandlungsmethoden

Methode Beschreibung Wann kommt die Methode infrage?
Verödung / Sklerosierungstechnik Der Arzt spritzt dem Betroffenen ein gewebeschrumpfendes und -festigendes Mittel in die Gefäßzuflüsse der Hämorrhoiden. Die Blutgefäße werden dadurch kleiner und ziehen sich in den Enddarm zurück. Die Verödung eignet sich insbesondere bei vergrößerten Hämorrhoiden im Anfangsstadium (Grad I und II).
Gummibandligatur Der Arzt schnürt die vergrößerten Hämorrhoiden mithilfe eines Gummibands ab. Diese Methode unterbindet die Durchblutung der Hämorrhoiden, das Hämorrhoidalgewebe stirbt ab und wird abgestoßen. Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant und ohne Narkose. Die Gummibandligatur wendet der Arzt vor allem bei vergrößerten Hämorrhoiden im fortgeschrittenen Stadium an (Hämorrhoiden 2. Grades oder auch bei kleinen Hämorrhoiden 3. Grades).
Chirurgischer Eingriff Der Chirurg entfernt die vergrößerten Hämorrhoiden bzw. stellt die normalen anatomischen Gegebenheiten wieder her. Es stehen hierbei verschiedene chirurgische Verfahren zur Verfügung. Kleinere Eingriffe können ambulant operiert werden, in schwereren Fällen ist ein stationärer Aufenthalt erforderlich. Bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden ab dem III. Stadium oder wenn die nichtchirurgischen Therapiemöglichkeiten erfolglos bleiben, kann die chirurgische Behandlung erforderlich sein.

Hämorrhoiden veröden oder abbinden

Rufen vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) stärkere Symptome hervor, reichen Salben zur alleinigen Symptomlinderung nicht mehr aus.

Hämorrhoiden der Grade I und II kann der Arzt mit der sogenannten Sklerosierungstechnik veröden. Hierbei spritzt er an den Gefäßzuflüssen der Hämorrhoiden ein Mittel, welches das Gewebe schrumpfen und verfestigen lässt.

Auch die Gummibandligatur (Ligatur = Abbinden) kann bei Hämorrhoiden helfen. Bei dieser Behandlung schnürt der Arzt die Hämorrhoidalknoten mithilfe eines Gummibands ab. Die Knoten sterben innerhalb weniger Tage ab, sodass der Körper sie abstößt. Die Gummibandligatur kommt insbesondere bei Hämorrhoiden der Grade II und III in Betracht.

In schweren Fällen: Hämorrhoiden-OP

Bleibt die bisherige Behandlung erfolglos oder liegen Hämorrhoiden im weiter fortgeschrittenen Stadium ab Grad III vor, kann es nötig werden, die Knoten operativ entfernen zu lassen. Das Entfernen von vergrößerten Hämorrhoiden bezeichnen Ärzte als Hämorrhektomie.

Je nach Ausprägung kommen verschiedene OP-Methoden und in Betracht. Während die Wunde bei sogenannten "offenen" Verfahren direkt nach der Operation offen bleibt, wird sie bei "halboffenen" oder "geschlossenen" Verfahren ganz oder teilweise verschlossen. Eine neuere Variante der Hämorrhoiden-OP ist die Stapler-Operation: Nachdem der Chirurg einen Teil der vergrößerten Hämorrhoide entfernt hat, fixiert er den verbliebenen Teil an der Schleimhaut des Analtrakts.

Nach einer Hämorrhoiden-OP können Beschwerden auftreten, etwa Schmerzen beim Sitzen oder beim Toilettengang. In der Regel sind die Schmerzen nur vorübergehend und lassen sich mit Schmerzmitteln gut behandeln. Zu möglichen Komplikationen einer Hämorrhoiden-OP zählen beispielsweise Nachblutungen, eine Verengung des Darmausgangs oder Abszesse. In seltenen Fällen funktioniert der Schließmuskel nach der OP nicht mehr richtig, sodass die Betroffenen keine Kontrolle mehr über ihren Stuhlgang haben.

Hämorrhoiden: Verlauf

Vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) können meist gut behandelt werden – insbesondere, wenn man frühzeitig etwas dagegen tut. Es ist allerdings möglich, dass die Beschwerden im weiteren Verlauf zurückkehren (sog. Rezidivbildung).

Je früher Sie bei Anzeichen von vergrößerten Hämorrhoiden einen Arzt aufsuchen, desto besser!

Viele Menschen scheuen sich davor, mit ihren Beschwerden einen Arzt aufzusuchen, sodass die Erkrankung längere Zeit unbehandelt fortschreitet. Falsche Scham ist allerdings unangebracht!

Komplikationen

Hämorrhoidalknoten vierten Grades, die permanent vor der Afteröffnung liegen, sind durch das Wischen mit Toilettenpapier häufig wund. Nässende, ekzemartige Hautveränderungen (Ekzem = "Juckflechte") und Geschwüre, sogenannte Analfissuren, können entstehen.

Da der Stuhl viele Bakterien enthält, bilden sich an wundgeriebenen Knoten leicht Infektionen. Mitunter entstehen aus solchen Infektionen größere Eiterherde – Abszesse, die chirurgisch entfernt werden müssen. Zudem ist es möglich, dass sich sogenannte Analfisteln bilden. Dies sind tiefe, ständig entzündete Gänge, die zur Haut, zum Mastdarm oder in das Becken führen können.

Werden die vergrößerten Hämorrhoiden verletzt, zum Beispiel durch starkes Pressen beim Stuhlgang oder durch das Wischen mit Toilettenpapier, können stärkere arterielle Blutungen entstehen, die medizinisch behandelt werden müssen. Insbesondere Personen mit arteriellem Bluthochdruck (Hypertonie) sind hierfür gefährdet.

Werden aus dem After heraustretende Hämorrhoiden eingeklemmt, können starke Schmerzen die Folge sein. Da die Gefäße des Knotens eingeengt sind, staut sich das Blut. Bedingt durch diesen Blutstau durchströmt das Blut die Venen des Schwellkörpers langsamer, wodurch sich Blutgerinnsel (Thrombosen) bilden und zum Verschluss der Venen führen können. Darüber hinaus kann das Gewebe des eingeklemmten Knotens absterben, wenn die Durchblutung für längere Zeit gestört ist.

Viele dieser Komplikationen ließen sich durch einen frühzeitigen Arztbesuch vermeiden. Manche Menschen scheuen den Gang zum Arzt, sodass die Erkrankung längere Zeit unbehandelt fortschreitet. Die Untersuchung ist in der Regel schmerzlos – und gerade in frühen Stadien sind vergrößerte Hämorrhoiden gut behandelbar.

Hämorrhoiden: So beugen Sie vor!

Vergrößerten Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) können Sie nicht zu 100 Prozent vorbeugen, denn auch angeborene Faktoren wie eine Bindegewebsschwäche können bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Allerdings können Sie eine Menge tun, um die Wahrscheinlichkeit für ein Hämorrhoidalleiden zu senken oder das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern.

Besonders wichtig ist, eine geregelte Stuhlentleerung mit einem weichen Stuhlgang zu erreichen. Eine gesunde Ernährung und viel Bewegung helfen Ihnen bei diesem Vorhaben.

Hämorrhoiden vorbeugen: Tipps

  • Achten Sie auf eine ballaststoffreiche und ausgewogene Ernährung!
  • Trinken Sie ausreichend – mindestens 1,5 bis zwei Liter sollten es am Tag sein, am besten in Form von Wasser, Kräuter- oder Früchtetees beziehungsweise Fruchtsaftschorlen.
  • Gehen Sie zur Toilette, wenn Sie Stuhldrang verspüren. Weder langes Aufschieben noch ein forcierter Gang zur Toilette sind förderlich. Stundenlanges Sitzen auf der Toilette sowie starkes Nachpressen sollten Sie ebenfalls vermeiden. Halten Sie bei Stuhldrang nicht stundenlang ein, sondern geben Sie Ihren Körpersignalen, soweit es geht, nach. Regelmäßiger Stuhlgang bedeutet nicht zwangsläufig, dass er täglich erfolgen muss. Dies ist von Mensch zu Mensch verschieden. Alles im Bereich von zwei- bis dreimal am Tag bis zwei- bis dreimal in der Woche ist hier normal. 
  • Vermeiden Sie es, zu lange auf der Toilette zu verweilen sowie stark zu pressen. Durch zu starkes Pressen wird ein hoher Druck auf den Analbereich ausgeübt, was vergrößerte Hämorrhoiden begünstigt.
  • Sie müssen tagsüber lange sitzen? Achten Sie auf entsprechenden Ausgleich in Ihrer Freizeit. Denn andauerndes Sitzen kann zu einem trägen Darm und einem Blutstau unterhalb der Hüfte führen und so ein Hämorrhoidalleiden fördern. Fahren Sie daher zum Beispiel regelmäßig Rad, gehen Sie spazieren oder schwimmen: So beeinflussen Sie nicht nur Ihre Darmbewegungen positiv, sondern auch alle anderen Körperfunktionen sowie Ihr persönliches Wohlbefinden. Ihren Beckenboden können Sie zusätzlich mit Beckenbodentraining stärken.
  • Versuchen Sie, Übergewicht zu vermeiden! Ein hohes Körpergewicht belastet den Enddarm und erschwert dort den Blutkreislauf. Die Gefäße im Analbereich können sich dadurch weiten. Wenn Sie Übergewicht vorbeugen bzw. abbauen, schalten Sie einen Risikofaktor für vergrößerte Hämorrhoiden aus.

Hämorrhoiden: Weiterführende Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hämorrhoiden":


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Hämorrhoiden. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 27.5.2017)

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Bänkler, W.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

Vergrößerte Hämorrhoiden. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 2.4.2014)

Was kann man selbst gegen Hämorrhoiden tun? Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 29.1.2014)

Hahn, J.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013

Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011

Sterry, W.: Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011

Hämorriden. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Stand: 10.8.2010)

Stand: 1. September 2017

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