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Borreliose (Lyme-Borreliose)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (04. Mai 2017)

© Jupiterimages/Hemera

Eine Borreliose (Lyme-Borreliose) entwickelt sich langsam und durchläuft verschiedene Stadien. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika ist wichtig, um spätere Komplikationen zu vermeiden.

Was ist Borreliose?
Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Auslöser sind bestimmte Bakterien, die sogenannten Borrelien.

Häufigkeit

Wie häufig Borreliose in Deutschland auftritt, lässt sich nur schätzen, da es keine bundesweite Meldepflicht gibt. Nur in einzelnen Bundesländern (z.B. Berlin, Thüringen, Bayern) besteht eine Meldepflicht. Zwischen 2009 und 2012 meldeten die östlichen Bundesländer fast 19.000 Borreliose-Fälle. Schätzungen zufolge erkranken in ganz Deutschland jedes Jahr etwa 100.000 bis 200.000 Menschen neu an Borreliose.

Das Borreliose-Risiko ist vor allem in solchen Gebieten hoch, in denen viele mit Borrelien infizierte Zecken leben (sog. Endemiegebiete, z.B. die deutschen Mittelgebirge). Man führt die hohen Erkrankungszahlen unter anderem auf ein verändertes Freizeitverhalten zurück. Das gestiegene Bewusstsein für die Erkrankung und die verbesserten Diagnosemethoden führen zudem dazu, dass mehr Borreliose-Fälle entdeckt werden.

Nicht nur in verschiedenen Regionen ist das Borreliose-Risiko unterschiedlich hoch, auch bei der Altersverteilung zeigen sich zwei Risikogruppen:

  • Kinder zwischen 5 und 9 Jahren
  • ältere Erwachsene zwischen 60 und 64 Jahren

Inwieweit man diese Verteilung auf "typische" Freizeitgestaltung dieser Altersgruppen (z.B. Spielen im Freien bzw. Spaziergänge, Gartenarbeit) zurückführen kann, ist nicht eindeutig geklärt.

Zu den meisten Borreliose-Infektionen kommt es in den Monaten März bis Oktober, insbesondere aber von Juni bis August, da Zecken dann besonders aktiv sind.

Bildergalerie: Zeckenbiss – Tipps zum Zeckenentfernen & Wanderröte-Bilder

Das sind die Ursachen

Ursache einer Borreliose (Lyme-Borreliose) ist eine Infektion mit bestimmten Bakterien: den Borrelien.

Es gibt vier verschiedene Arten, die eine Borreliose auslösen können – sie zählen zum sogenannten Borrelia-burgdorferi-(sensu lato)-Komplex, bestehend aus:

  • Borrelia burgdorferi
  • Borrelia garinii
  • Borrelia afzelii
  • Borrelia spielmanii

Was sind Borrelien?

Borrelien sind spiralig geformte Bakterien, die an ihren Enden mit Flagellenbündeln besetzt sind. Dank der Flagellen (haarähnlichen Gebilden), die ähnlich wie ein Propeller wirken, können sie sich rotierend fortbewegen. Borrelien findet man häufig im Blut von Vögeln oder kleinen Nagetieren wie Mäusen – sie sind das hauptsächliche Erregerreservoir dieser Bakterien. Zecken infizieren sich beim Blutsaugen bei befallenen Tieren und können so die Borrelien bei der nächsten Blutmahlzeit auf weitere Tiere oder Menschen übertragen.

Borreliose: Man sieht eine Aufnahme von Borrelia burgdorferi mit dem Rasterelektronenmikroskop. © CDC

Borrelia burgdorferi, Aufnahme mit dem Rasterelektronenmikroskop

In der Zecke findet man Borrelien vor allem im Darm. Hat die Zecke einen neuen Wirt gefunden und beginnt damit, Blut zu saugen, wandern die Borrelien in die Speicheldrüse der Zecke. Da bei einem Zeckenbiss (genaugenommen Zeckenstich) auch immer Speichel mit in die Haut abgegeben wird, können die Borrelien so ins Blut übertragen werden.

Borreliose: Erkrankungsrisiko vergleichsweise gering
Die in Nordamerika und Europa weit verbreiteten Zecken sind in unterschiedlichem Ausmaß mit Borrelien infiziert. Mit Borrelien befallene Zecken kommen in Deutschland in allen Regionen vor: Gebietsabhängig sind 5 bis 35 Prozent aller Zecken von Borrelien befallen. Allerdings kommt es nach einem Zeckenbiss nur bei 1,5 bis 6 Prozent der Betroffenen zu einer Infektion durch die Borrelien. Und lediglich bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Gestochenen treten tatsächlich Symptome einer Lyme-Borreliose auf.

In seltenen Fällen kann Borreliose auch durch Mücken und möglicherweise auch über Pferdebremsen übertragen werden. Für die Verbreitung der Krankheit spielt dieser Übertragungsweg im Vergleich zum Zeckenbiss jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

Video Borreliose: Wenn Zecken krank machen

Schon gewusst?
Die Bezeichnung Lyme-Borreliose geht auf die US-amerikanischen Orte Lyme und Old-Lyme in Connecticut zurück. Dort fiel in den Jahren 1974 / 1975 erstmals der Zusammenhang zwischen entzündlichen Gelenkerkrankungen bei Kindern und Zeckenbissen auf.

Typische Symptome

Borreliose (Lyme-Borreliose) verläuft schleichend und in verschiedenen Stadien. Als typisches Anzeichen tritt kurz nach der Infektion die sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) auf: eine meist etwa handtellergroße Rötung im Bereich der Stichstelle, wobei die Größe durchaus stark schwanken kann. Insgesamt sind die Symptome einer Borreliose jedoch vielfältig und können verschiedene Organe betreffen. Mediziner bezeichnen Borreliose deshalb auch als Multisystemerkrankung.

Man unterscheidet bei einer Borelliose drei Stadien.

Borreliose-Stadium I – Wanderröte & Co.

Infiziert man sich durch einen Zeckenbiss (genaugenommen Zeckenstich) mit Borrelien aus dem Borrelia-burgdorferi-Komplex, kann nach wenigen Tagen und Wochen eine kreis- oder ringförmige, rote Hauterscheinung auftreten, deren Größe von Fall zu Fall stark variieren kann (von etwa handtellergroß bis zu einem Durchmesser von 65 cm). Diese sogenannte Wanderröte, fachsprachlich als Erythema migrans bezeichnet, ist scharf abgegrenzt und schmerzt oder juckt nicht. In ihrer Mitte ist sie oft aufgehellt. Die Wanderröte breitet sich allmählich von der Stichstelle aus und verschwindet meist spontan wieder.

In manchen Fällen von Borreliose tritt die Wanderröte wiederkehrend zu anderen Symptomen auf, dann aber oft nicht mit dem kompletten Ring, sondern nur mit Abschnitten. Die Wanderröte ist für die Lyme-Borreliose so typisch, dass Ärzte anhand des Anblicks ziemlich sicher andere Erkrankungen ausschließen können.

Man siehte eine für Borreliose typische Hautrötung nach einem Zeckenbiss. © CDC

Die Wanderröte ist ein typisches Anzeichen für Borreliose.

Harmlose Rötung oder Wanderröte?
Die Wanderröte ist nicht zu verwechseln mit der harmlosen Rötung, die sich oft direkt an der Stelle des Zeckenstichs bildet und circa ein bis zwei Zentimeter groß ist. Diese harmlose Rötung juckt meist stark und verschwindet nach einigen Tagen oder spätestens einer Woche wieder. Zudem fehlen die Anzeichen einer Infektion.

Im Borreliose-Stadium I können neben der Wanderröte allgemeine Symptome auftreten, wie:

Borreliose-Stadium II

Das Borreliose-Stadium II stellt sich wenige Monate nach dem Zeckenbiss ein. Während dieses Stadiums treten oft grippeähnliche Symptome auf. Die Infektion betrifft nun neben der Haut auch weitere Organe.

Erkrankt das Nervensystem, spricht man auch von einer Neuroborreliose. Die Beteiligung des Nervensystems verläuft in Form einer Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündung (sog. Meningopolyneuritis oder Bannwarth-Syndrom). Bei einer Neuroborreliose können Symptome wie Schmerzen, Lähmungen und neurologische Ausfälle auftreten, die von den Nerven im Rückenmark ausgehen. In manchen Fällen ist auch ein einzelner Körpernerv entzündet (sog. periphere Neuropathie). Die Entzündung kann aber zum Beispiel auch den Gesichtsnerv lähmen (sog. Fazialisparese). Ein typisches Symptom für eine solche Lähmung ist ein einseitig herabhängender Mundwinkel.

Darüber hinaus kann die Lyme-Borreliose das Herz befallen. Sie führt dann zu einer Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung und löst typische Herzrhythmusstörungen aus. Auch Teile der Augen können sich entzünden, etwa die mittlere Augenhaut (sog. Uveitis).

Im Borreliose-Stadium II kann zusätzlich zu den anderen Symptomen eine seltenere Hauterscheinung auftreten: die sogenannte Lymphadenosis cutis benigna. Dabei schwillt die Haut an und bildet mehrere zentimetergroße, rot-bläuliche Flecken. Sie tritt vor allem an den Ohrläppchen, den Brustwarzen und am Hodensack auf.

Borreliose-Stadium III

Das Borreliose-Stadium III tritt Monate bis Jahre nach dem Zeckenbiss ein. Dieses sehr schwere Borreliose-Stadium ist unter anderem durch die sogenannte Lyme-Arthritis und eine zusätzliche Beteiligung des Nervensystems gekennzeichnet.

Bei der Lyme-Arthritis handelt es sich um eine schubweise oder chronisch verlaufende Gelenkentzündung – dabei können ein einzelnes Gelenk (Monoarthritis) oder gleichzeitig mehrere Gelenke betroffen sein (Oligoarthritis). Besonders häufig sind die Kniegelenke entzündet. Schmerzen der Sehnen und Muskeln können vorkommen, lassen sich aber oft nur schwer von anderen Erkrankungen unterscheiden.

Im Stadium III der Lyme-Borreliose wird mitunter die Haut an den Händen und Füßen sehr dünn und bläulich (sog. Acrodermatitis atrophicans Herxheimer).

Auch die Nerven können weiteren Schaden nehmen. In seltenen Fällen verläuft das Stadium III der Borreliose so schwer, dass Teile des Körpers gelähmt sind (Paresen).

Diagnose

Eine Borreliose (Lyme-Borreliose) erkennt der Arzt meist, ohne viele Untersuchungen vornehmen zu müssen: Krankengeschichte und Befund (z.B. Wanderröte oder akute Neuroborreliose) sind in der Regel so typisch, dass sie für eine Diagnose ausreichen und eine Blutuntersuchung nicht unbedingt erforderlich machen.

Bei einer Borreliose sind außerdem allgemeine Beschwerden wie Kopf- und Muskelschmerzen zu erwarten. Liegt zwar ein Zeckenbiss (genaugenommen Zeckenstich) vor, fehlen aber weitere Beschwerden, ist eine Lyme-Borreliose dagegen eher unwahrscheinlich. Die Diagnose kann der Arzt bei unklaren Fällen aber mit verschiedenen Verfahren sichern.

Antikörpernachweis

Hatte der Betroffene Kontakt zu Borrelien, liegen Antikörper gegen den Erreger im Blut vor. Der Nachweis von Antikörpern im Blut zeigt, dass sich das Abwehrsystem des Körpers (Immunsystem) mit den Erregern auseinandergesetzt hat. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass der Betroffene auch an Lyme-Borreliose erkrankt ist – das kann die Blutuntersuchung nicht zeigen. Eine Erkrankung besteht, wenn zusätzlich zu dem Laborergebnis typische Symptome wie die Wanderröte und allgemeine Beschwerden wie etwa Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber oder Lymphknotenschwellungen vorhanden sind. Die Borreliose kann sehr vielgestaltig ablaufen – das erschwert es manchmal, sie als solche zu erkennen.

Suchtests & Bestätigungstests

Bei den Antikörpernachweisen gibt es zum einen die einfacheren Suchtests wie den ELISA-Test (ELISA = Enzyme-Linked Immunosorbent Assay). Zum anderen sind auch kompliziertere Bestätigungstests wie der Immuno-Blot oder der Western-Blot möglich. Die Bestätigungstests garantieren, dass ein Suchtest nicht falsch-positiv war. Um sicherzugehen führt der Arzt bei einem positiven Suchtest am gleichen Tag einen Bestätigungstest durch.

Der Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Blut bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass der Betroffene auch an einer Borreliose erkrankt ist und reicht alleine für eine Diagnose nicht aus. Denn nicht jede Borrelien-Infektion führt zu Beschwerden. Liegt lediglich ein Antikörpernachweis vor, ohne dass Beschwerden bestehen, bedarf es keiner Behandlung.

Neben dem Antikörpernachweis im Blut kann der Arzt nach Antikörpern im Nervenwasser (Liquor) suchen. Das bietet sich an, wenn das Gehirn oder das Rückenmark von der Borreliose betroffen sind (Neuroborreliose). Besteht der Verdacht auf eine Neuroborreliose, entnimmt der Arzt dem Betroffenen mithilfe einer Liquorpunktion Nervenwasser.

Erregernachweis

Dauert die Krankheit erst sehr kurz an, sind eventuell noch keine Antikörper nachweisbar. Der Arzt kann die Infektion dann nur sicher feststellen, wenn es ihm gelingt, die Bakterien aufzuspüren. Da ein direkter mikroskopischer Nachweis der Borrelien nicht möglich ist, setzt man zur Diagnose oft ein anderes Verfahren ein: die Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Sie weist das genetische Material des Erregers nach. Eine weitere, allerdings sehr arbeits- und zeitaufwändige Möglichkeit besteht darin, die Bakterien anzuzüchten.

Lymphozyten-Transformationstests (LTT)

Der sogenannte Lymphozyten-Transformationstest (LTT) kommt relativ häufig zum Einsatz, obwohl er als kaum aussagekräftig gilt und häufig zu falsch-positiven Ergebnissen führt. Also positiv ausfällt, obwohl der Betroffene nie Kontakt zu Borrelien hatte und – würde man danach suchen – auch keine Antikörper gegen Borrelien aufweist. Der LTT soll die Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Antigene messen. Hierfür entnimmt man dem Betroffenen Blut und setzt es den Antigenen von Borrelien aus. Vermehren sich daraufhin bestimmte Lymphozyten (eine Form der weißen Blutkörperchen), soll das als Hinweis auf eine aktiv ablaufende Infektion gelten. Erfolgen nach einem positiven LTT nun keine weiteren Tests, mit denen man den Erreger direkt nachweist, kann es schnell zu einer Fehldiagnose kommen – und unter Umständen zu einer unnötigen (Langzeit-)Behandlung mit Antibiotika.

Therapie

Liegt eine Borreliose (Lyme-Borreliose) vor, ist eine frühzeitige Therapie wichtig. Denn eine Antibiotika-Behandlung im frühen Stadium verspricht den besten Erfolg und trägt dazu bei, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern.

In der Frühphase der Borreliose ist eine zweiwöchige Antibiotika-Therapie am wirksamsten. Mittel der Wahl sind zum Beispiel die Wirkstoffe

Verträgt der Patient diese Antibiotika nicht, hilft der Wirkstoff Azithromycin.

In fortgeschrittenen Borreliose-Stadien und bei Neuroborreliose kommen zur Behandlung vor allem Antibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Cephalosporine (z.B. die Wirkstoffe Ceftriaxon, Cefotaxim) zum Einsatz und werden vom Arzt über eine Vene verabreicht. Die Behandlung dauert zu diesem Zeitpunkt in der Regel drei bis vier Wochen.

Verlauf

Eine Borreliose (Lyme-Borreliose) verläuft schleichend und in verschiedenen Stadien. Als typisches Zeichen tritt kurz nach der Infektion eine meist etwa handtellergroße Rötung im Bereich der Stichstelle auf, wobei die Größe durchaus stark schwanken kann. Diese sogenannte Wanderröte heißt in der Fachsprache Erythema migrans.

Eine unbehandelte Lyme-Borreliose kann im weiteren Verlauf nach Wochen, Monaten oder Jahren verschiedene Gewebe und Organe befallen, etwa:

  • Gelenke
  • Nerven
  • Hirnhäute
  • Herz
  • Auge
  • Haut

Welchen Verlauf eine Borreliose nimmt, hängt vor allem von einer rechtzeitigen Antibiotika-Therapie ab.

Je früher bei einer Borreliose die Therapie einsetzt, umso sicherer kann sie spätere Komplikationen wie eine bakterielle Gelenkentzündung (Lyme-Arthritis) und den Befall des Nervensystems (Neuroborreliose) verhindern. Diese Komplikationen können zu schweren, teilweise lebensbedrohlichen Schäden führen.

Vorbeugen

Einer Borreliose (Lyme-Borreliose) können Sie nicht direkt vorbeugen. Eine Impfung oder vorbeugende Medikamente gibt es bislang nicht. Am besten schützen Sie sich daher vor einer Lyme-Borreliose, indem Sie Zeckenbisse vermeiden.

So beugen Sie Zeckenbissen vor

Zecken sitzen vor allem in hohem Gras, Farnen, Sträuchern und niedrig hängenden Zweigen bis zu einer Höhe von etwa einem Meter.

Von Bäumen lassen sie sich dagegen nicht fallen, auch wenn viele dies vermuten. Meist erwischen Zecken einen deshalb an den Beinen und krabbeln von dort weiter – mit Vorliebe in Richtung warmfeuchte Körperbereiche wie Achseln, Leistengegend oder Brüsten.

Wenn Sie in der Natur unterwegs sind, tragen Sie am besten lange Kleidung, die den ganzen Körper bedeckt – so können Sie einem Zeckenbiss vorbeugen. Zecken können allerdings trotz langer Hosen von unten durch die Hosenbeine auf die Haut gelangen – ideal sind daher Hosen mit geschlossenen Bündchen. Wer durchs Gelände streift, kann sich aber auch einfach vorübergehend die Hosenbeine in die Socken stecken. Für die Dauer von etwa zwei Stunden können Zeckenschutzmittel Zecken abwehren.

Zeckenbisse werden nicht immer wahrgenommen: Etwa jeder zweite wird gar nicht bemerkt.

Suchen Sie deshalb nach Aufenthalten in der Natur vorsichtshalber den gesamten Körper sorgfältig nach Zecken ab – insbesondere bei Kindern. Achten Sie dabei auch auf die Kniekehlen und überprüfen Sie bei Kindern speziell den Haaransatz auf Zecken.

Zecken vorbeugen – Tipps:

  • Zecken halten sich mit Vorliebe in hohem Gras, in Sträuchern und im Laub auf. Bleiben Sie bei Waldspaziergängen auf festen Wegen.
  • Tragen Sie in Zeckengebieten am besten lange Kleidung, die den gesamten Körper bedeckt. Stecken Sie die Hosenbeine in die Socken, um zu verhindern, dass Zecken von unten in die Hosen krabbeln.
  • Tragen Sie vorzugsweise helle Kleidung – hierauf lassen sich Zecken leichter auffinden.
  • Verwenden Sie Zeckenschutzmittel, denken Sie jedoch daran, dass diese nur für eine begrenzte Dauer vor Zecken schützen.
  • Suchen Sie nach einem Aufenthalt in der Natur Ihren Körper sorgfältig nach Zecken ab.

Zecken entfernen

Falls eine Zecke Sie gestochen hat, sollten Sie diese so rasch wie möglich entfernen. Je länger die Zecke die Möglichkeit hat, Blut zu saugen, desto größer ist das Risiko, dass krankheitserregende Borrelien (sofern vorhanden) von der Zecke übertragen werden.

Ab dem Moment, in dem die Zecke beginnt, Blut zu saugen, dauert es im Durchschnitt zwischen 12 bis 24 Stunden, bis die Bakterien mit dem Speichel der Zecke in die Haut gelangen. Wenn Sie die Zecke also frühzeitig und vorsichtig entfernen, können Sie das Risiko einer Borreliose-Infektion deutlich senken.

Um die Zecke zu entfernen, packen Sie diese möglichst nah über der Haut und ziehen sie langsam aus der Haut heraus – zum Beispiel mit einer

  • (Zecken-)Pinzette,
  • Zeckenzange oder
  • Zeckenkarte.

Haben Sie kein Hilfsmittel dieser Art zur Hand, genügen notfalls auch die eigenen Fingernägel, sofern diese nicht zu kurz geschnitten sind. Leichtes Rütteln oder vorsichtiges Hin- und Herbewegen erleichtern das Herausziehen.

Wichtig: Drehen Sie die Zecke beim Herausziehen nicht – denn dabei kann der Stechrüssel abreißen und in der Haut verbleiben. Überprüfen Sie deshalb den Zeckenkopf auf seine Vollständigkeit, nachdem Sie das Tier entfernt haben. Es ist außerdem wichtig, den Zeckenkörper beim Entfernen nicht zu quetschen, damit Sie die Borrelien nicht aus der Zecke ins Blut pressen.

Ist die Zecke entfernt, desinfizieren Sie die Einstichstelle und vergewissern Sie sich, dass keine Zeckenreste zurückgeblieben sind. Sind Zeckenreste in der Einstichstelle sichtbar, sollten Sie einen Arzt aufsuchen; dieser kann die Reste mit einem kleinen chirurgischen Eingriff entfernen.

Auf Öl, Klebstoff, Alkohol & Co. verzichten

Träufeln Sie keinesfalls Öl, Klebstoff, Alkohol oder andere vermeintliche Hausmittel auf die Zecke! Das kann dazu führen, dass die Zecke verstärkt ihren erregerhaltigen Speichel ausstößt. Derartige Manöver erhöhen die Infektionsgefahr eher als dass sie helfen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Borreliose (Lyme-Borreliose)":

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.borreliose-bund.de Borreliose- und FSME-Bund Deutschland e.V. – Bundesverband der Borreliose Selbsthilfe

www.borreliose.de Borreliose Selbsthilfegruppe Kassel Stadt und Land e.V.

www.bzk-online.de Bundesverband Zecken-Krankheiten e.V. (BZK)

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2016

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Infektiologie: Kutane Manifestationen der Lyme Borreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/044 (Stand: 31.3.2016)

Melaun, C., et al.: Occurrence of Borrelia burgdorferi s.l. in different genera of mosquitoes (Culicidae) in Central Europe, Ticks and Tick-borne Diseases, Vol. 7, Iss. 2, pp. 256 - 263 (März 2016)

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neuroborreliose: falsche Diagnose und gefährliche Therapie (22.9.2016)

Wilking, H., et al.: Trends in surveillance data of human Lyme borreliosis from six federal states in eastern Germany, 2009–2012. Ticks and Tick-borne Diseases, Vol. 5, Iss. 3, pp. 219 -224 (April 2014)

Lyme-Borreliose. RKI-Ratgeber für Ärzte. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 1.3.2013)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neuroborreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/071 (Stand: September 2012)

Epidemiologisches Bulletin 12/2010: Lyme-Borreliose: Analyse der gemeldeten Erkrankungsfälle der Jahre 2007 bis 2009 aus den sechs östlichen Bundesländern. Robert Koch-Institut, Berlin (29.3.2010)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Nau, R., Christen, H.-J., Eiffert, H.: Lyme-Borreliose – aktueller Kenntnisstand. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 106, Heft 8, S. 72-82 (30.1.2009)

Stand: 4. Mai 2017

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