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Wundheilung

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (02. Juli 2015)

© Jupiterimages/Zoonar

Unter Wundheilung versteht man alle Prozesse, die dazu führen, dass eine Wunde sich wieder schließt. Dabei bildet der Körper neues Gewebe und lässt neue Blutgefäße entstehen.

Um eine Wunde zu verschließen, kann der Körper zwei verschiedene Mechanismen der Wundheilung nutzen – die Regeneration oder die Reparation:

  • Regeneration: Bei der Regeneration heilt die Wunde in der Regel ohne Narben aus, da das verletzte Gewebe ganz spezifisch ersetzt wird. Manche Gewebe regenerieren sich besonders gut, so z.B. Haut und Schleimhäute.
  • Reparation: Bei der Reparation von Gewebeschäden bleiben meist Narben zurück, denn das verletzte Gewebe wird nicht spezifisch ersetzt. Vielmehr dient unspezifisches Binde- und Stützgewebe dazu, die Wunde zu verschließen.

Phasen der Wundheilung

Die Wundheilung läuft dabei in verschiedenen Phasen ab, je nach Literaturquelle lässt sie sich in drei bis fünf Phasen unterteilen. Diese gehen in der Regel fließend ineinander über und überlappen sich etwas. Bei Betroffenen mit einer Wundheilungsstörung sind deshalb häufig mehrere Wundheilungsphasen nebeneinander zu beobachten. Wie lang eine einzelne Phase genau dauert, kann sich individuell unterscheiden. Die folgenden Zeitangaben geben deshalb nur einen ungefähren Anhaltspunkt über die tatsächliche Dauer:

  • Reinigungsphase:
    • Exsudative Phase: In den ersten Minuten bis Stunden nach der Verletzung ist der Körper vor allem damit beschäftigt, den durch die Verletzung entstandenen Schaden zu begrenzen. Wenn Gefäße verletzt wurden, entstehen Blutungen. Um den Blutverlust zu minimieren, versucht der Körper deshalb als Erstes, die Blutung zu stoppen. Verletzte Gefäße verengen sich, die Blutgerinnung setzt ein und Wundschorf bildet sich. Der Schorf schließt die Wunde nach außen ab und schützt die verletzte Gewebestelle vor dem Eindringen von Keimen und einer eventuellen Wundinfektion. Möglicherweise schwillt der Wundbereich etwas an (sog. Wundödem).
    • Entzündungsphase (resorptive Phase): Etwa ab dem ersten bis dritten Tag wandern verschiedene Zellen, Eiweiße und Botenstoffe des Immunsystems in den Wundbereich ein. Fresszellen (Makrophagen) beginnen damit, das geronnene Blut und Zelltrümmer zu entfernen sowie etwaige Keime zu bekämpfen.
  • Granulationsphase (proliferative Phase): Etwa ab Tag vier bis Tag sieben entstehen in der Wunde neue Hautzellen, Blutgefäße wachsen ein und Bindegewebe bildet sich nach. Je nach Wundart verheilen die Wundränder einfach (z.B. bei kleinen Schnittwunden) oder die Haut bildet in der Wunde sog. Granulationsgewebe aus, ein vorläufiges Füllgewebe.
  • Regenerationsphase (reparative Phase): Etwa ab dem achten Tag beginnt die Haut damit, den Wundbereich endgültig mit neuen Hautzellen zu verschließen – die Wunde wird nach und nach kleiner. Das Granulationsgewebe verfestigt und verdichtet sich. Das Narbengewebe ist meist heller und weniger elastisch als die umliegende Haut, Schweiß- oder Talgdrüsen fehlen. Diese Wundheilungsphase kann je nach Wunde mehrere Monate dauern.

Schematische Darstellung der Wundheilung © iStock

Schematische Darstellung der Wundheilungsprozesse

Formen der Wundheilung

Mediziner unterscheiden außerdem zwei verschiedene Formen der Wundheilung, die primäre und die sekundäre Wundheilung:

  • primäre Wundheilung: Von einer primären Wundheilung spricht man, wenn die Wundränder glatt sind und dicht beieinander liegen. Ist die Wunde keimfrei, heilt diese Art der Wunde in der Regel sehr schnell und hinterlässt keine oder eine kaum sichtbare Narbe. Primäre Wundheilung findet man meist bei kleinen Schnittwunden, chirurgischen Operationswunden, aber auch bei Schürfwunden.
  • sekundäre Wundheilung: Die sekundäre Wundheilung setzt dagegen bei infizierten Wunden oder bei Wunden ein, deren Wundränder sehr ungleichmäßig sind und weiter auseinander liegen (klaffende Wunde). Dann füllt Granulationsgewebe die Wunde von unten her auf und es bleibt meist eine sichtbare Narbe zurück. Im Vergleich zur primären Wundheilung benötigt die sekundäre Wundheilung mehr Zeit.


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