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"Pille danach": Nun auch rezeptfrei

Veröffentlicht von: Till von Bracht (24. August 2015)

© iStock

Kondom gerissen, die Pille falsch eingenommen oder im Rausch der Gefühle die Verhütung vergessen – eine Verhütungspanne kann schnell passieren. Um nach einem solchen Missgeschick eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, können Frauen auf die sogenannte "Pille danach" zurückgreifen. Frauen bekommen die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke – Mädchen unter 14 Jahren benötigen dafür die Zustimmung ihrer Eltern.

Die "Pille danach" ist kein Verhütungsmittel im eigentlichen Sinne, sondern eine Form der Notfallverhütung. Wie der Name "Pille danach" verdeutlicht, hilft sie ausschließlich rückwirkend – nimmt eine Frau die Pille danach vor dem Geschlechtsverkehr, schützt sie sich nicht vor einer Schwangerschaft.

Die Pille danach eignet sich, wenn:

  • eine Frau während ihrer fruchtbaren Tage ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte,
  • die angewandte Verhütungsmethode nicht funktioniert hat (Kondom verrutscht oder gerissen, Pille vergessen oder erbrochen, Diaphragma verrutscht)
  • oder der Geschlechtsverkehr erzwungen wurde.

Was muss man bei der Einnahme beachten?

Damit die Pille danach sicher vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen kann, müssen Sie sie so schnell wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen. Es gilt: Je früher die Frau die Pille danach einnimmt, desto besser wirkt sie! 

Am besten ist es, wenn Sie die Pille danach innerhalb von 12 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen. Dann liegt der Pearl-Index der klassischen Pille danach bei 1 – die Methode gilt damit als sehr sicher. Danach geht die Wirksamkeit allmählich zurück. 

Bei der Pille danach handelt es sich um eine einzige Tablette, die Sie einmalig einnehmen. Sollten Sie sie in den ersten drei Stunden nach der Einnahme allerdings wieder erbrechen, müssen Sie möglichst schnell eine neue Tablette mit dem gleichen Wirkstoff besorgen, damit die Wirksamkeit erhalten bleibt.

Die klassische Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wirkt bis maximal 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat ist für bis maximal 120 Stunden danach zugelassen. 

Wenn es also zur Verhütungspanne gekommen ist oder Sie aus anderen Gründen die Pille danach benötigen, sollten Sie nicht lange warten: Suchen Sie umgehend eine Apotheke auf. Passiert ein solches "Unglück" abends oder nachts, müssen Sie die nächstgelegene Notdienstapotheke aufsuchen.

Seit dem 15. März 2015 erhalten Frauen die Pille danach rezeptfrei in Apotheken. Dabei ist es ratsam, die Pille danach immer persönlich abzuholen – wird zum Beispiel der Partner oder eine Freundin geschickt, können Apotheker die Herausgabe auch verweigern. Der Grund: Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel für den regelmäßigen Gebrauch. Ihre Einnahme bedarf sorgfältiger Aufklärung, da einige – wenn auch nicht schwerwiegende – Nebenwirkungen möglich sind. 

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach verzögert oder unterdrückt einen noch nicht stattgefundenen Eisprung – dadurch kann sie nach einer Verhütungspanne eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie AIDS, Hepatitis B oder Chlamydien schützt sie jedoch nicht.

Wichtig: Die Pille danach kann eine ungewollte Schwangerschaft nur dann verhindern, wenn sie vor dem Eisprung eingenommen wird. Hat der Eisprung nach der Verhütungspanne bereits stattgefunden, wirkt die Pille danach mehr. Daher ist es so wichtig, dass Sie die Pille danach so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen. 

Für die Pille danach gibt verschiedene Präparate mit jeweils einem unterschiedlichen Wirkstoff: 

Sowohl der Wirkstoff Levonorgestrel als auch Ulipristal unterdrücken oder verzögern den Eisprung, sodass eine Befruchtung durch Spermien nicht stattfinden kann. Die Pille danach wirkt nicht, wenn sich das befruchtete Ei bereits in der Gebärmutter eingenistet hat.

Die Pille danach verhindert also nur den Eintritt einer Schwangerschaft – eine bereits eingetretene Schwangerschaft kann sie nicht beenden. Dies unterscheidet die Pille danach maßgeblich von der sogenannten Abtreibungspille: Die Abtreibungspille bewirkt, dass der Körper eine befruchtete Eizelle abstößt, nachdem sie sich bereits in der Gebärmutter eingenistet und geteilt hat.

"Klassische" Pille danach

Die "klassische" Pille danach enthält ausschließlich den Wirkstoff Levonorgestrel (eine synthetische Form des Hormons Gestagen). Je nachdem, wann die Frau Levonorgestrel im Laufe ihres Zyklus einnimmt, verzögert oder unterdrückt Levonorgestrel den Eisprung und verhindert so die Befruchtung. Die klassische Pille danach muss spätestens 72 Stunden (3 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, am besten jedoch so früh wie möglich.

Zeitspanne nach dem GeschlechtsverkehrWirksamkeit (%)
Bis zu 24 Stunden 95
24 bis 48 Stunden 85
48 bis 72 Stunden 58
Nach 72 Stunden -

"Neue" Pille danach

Seit Oktober 2009 gibt es eine "neue" Pille danach. Sie enthält den Wirkstoff Ulipristal. Er verhindert oder verzögert ebenfalls den Eisprung. Die neue Pille danach kann bis spätestens zum fünften Tag nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden und gilt inzwischen als Standard-Methode.

Erste Vergleichsstudien weisen darauf hin, dass Ulipristal effektiver vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen kann als die klassische Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. Die Studien belegen eine höhere Wirksamkeit innerhalb der ersten 24 Stunden, aber auch bis zu 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Die Ergebnisse stellen bisher lediglich eine Tendenz dar und müssen durch weitere Studien bestätigt werden.

Wissenswertes
Die Pille danach ist ausschließlich für
Notfälle vorgesehen und kann die eigentliche Verhütung nicht ersetzen! Da der Eisprung durch die Pille danach oft nur verschoben wird, können Frauen noch im selben Zyklus durch erneuten ungeschützten Geschlechterverkehr schwanger werden. Nach der Verwendung dieser Notfallverhütung sollten Frauen daher für den Rest Ihres Zyklus auf sichere, nicht-hormonelle Verhütungsmethoden (Kondom, Diaphragma) zurückgreifen. Es gibt in Deutschland zwei verschiedene Wirkstoffe, die als Pille danach auf dem Markt sind: Ulipristalacetat und Levonorgestrel.

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