Valproat - 1 A Pharma 600 mg magensaftresistente Filmtabletten

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 15.01.2018
Hersteller: 1A Pharma GmbH
Wirkstoff: Valproinsäure
Darreichnungsform: magensaft­resistente Tablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Valproat - 1 A Pharma 600 mg magensaftresistente Filmtabletten enthalten den Wirkstoff Valproinsäure. Zu beachten ist außerdem die besondere Wirkung von Valproat - 1 A Pharma 600 mg magensaftresistente Filmtabletten.

Valproinsäure verfügt bei Epilepsie über ein sehr breites Wirkungsspektrum. Besonders bei generalisierten Anfällen und generalisierten Absencen zeigt es eine gute Wirkung.

Der Wirkstoff wird aufgrund seiner guten Verträglichkeit, oftmals als Mittel der ersten Wahl, auch bei weiteren Arten der Epilepsie eingesetzt. Behandelt werden können Epilepsie-Formen wie:
  • Anfälle, die nur einen Teil des Gehirns betreffen (partielle oder fokale Anfälle), wie zum Beispiel Jackson-Anfälle
  • komplexe fokale Anfälle wie beispielsweise Temporallappenanfälle
  • myoklonische Anfälle im Jugendalter mit kurzen, unvermittelt auftretenden, schockartigen Muskelzuckungen
  • Anfälle, die zuerst nur einen Teil des Gehirns betreffen, sich dann aber auf das gesamte Gehirn ausdehnen (sekundär generalisierte Anfälle)
  • Anfälle, die von vornherein das gesamte Gehirn betreffen (primär generalisierte Anfälle), wie das sogenannte Grand mal in verschiedenen Ausprägungen
Valproinsäure kann auch in die Blutbahn gespritzt werden. Eine Kombination mit anderen Antiepileptika (zum Beispiel Phenobarbital oder Phenytoin) ist möglich, sofern die Behandlung mit einem dieser Einzelwirkstoffe (Monotherapie) keine ausreichenden Ergebnisse erzielt hat.

Bei psychischen Störungen kann Valproinsäure zur Behandlung von akuten Manien und bei Depressionen zur Vorbeugung sogenannter manisch-depressiver Phasen eingesetzt werden. Allerdings darf die Behandlung nur dann erfolgen, wenn sich Lithium verbietet oder nicht vertragen wird. Der Arzt wird nur solche Patienten nach einer manischen Episode mit Valproinsäure weiterbehandeln, die schon bei der Behandlung der akuten Manie auf Valproinsäure angesprochen haben.

Neben diesen anerkannten Anwendungsgebieten gibt es weitere Erkrankungen, bei denen ein Behandlungsversuch mit Valproinsäure unternommen werden kann. So kann der Wirkstoff Beschwerden beim Veitstanz (Chorea Huntington) sowie Krampfanfälle beim Status Epilepticus lindern. Außerdem vermindert Valproinsäure die Symptome bei Schizophrenien, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen und dient zur Vorbeugung bei Migräne.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Valproinsäure sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antiepileptika, zu welcher der Wirkstoff Valproinsäure gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • krankhafte Anfälle, die sich in verschiedenen Beschwerden äußern können, wie zum Beispiel in plötzlich einsetzendem, kurzzeitigem Bewusstseinsverlust mit Erinnerungsstörung, in kleinen Epilepsieanfällen, in Epilepsie mit ausgeprägten Muskelzuckungen und großen epileptischen Krampfanfällen (Hinweis: Bei Kleinkindern nur in Ausnahmefällen Mittel erster Wahl; nur bei besonderer Vorsicht nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung und möglichst als Einzelbehandlung anwenden)
  • von einem Gehirnbezirk ausgehende Epilepsie mit Beschränkung auf eine Muskelgruppe und Epilepsie mit von beiden Gehirnhälften ausgehenden Anfällen, die beide Körperseiten betreffen (Hinweis: bei Kleinkindern nur in Ausnahmefällen Mittel erster Wahl; nur bei besonderer Vorsicht nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung und möglichst als Einzelbehandlung anwenden)
  • Kombinationsbehandlung bei anderen Anfallsformen, zum Beispiel bei von einem Rindenbezirk ausgehender Epilepsie mit Beschränkung auf eine Muskelgruppe mit teilweiser und/oder komplexer Gesamtheit der Krankheitsbeschwerden sowie mit nachfolgender Krankheitsausbreitung, wenn diese Anfallsformen nicht mit den üblichen antiepileptischen Therapien behandelt werden können (Hinweis: bei Kleinkindern nur in Ausnahmefällen Mittel erster Wahl; nur bei besonderer Vorsicht nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung und möglichst als Einzelbehandlung anwenden)

Dosierung

Der Arzt wird die Dosierung des Medikaments langsam und stufenweise bis zum Erreichen der am besten wirkenden Konzentration vornehmen. Dies kann vier bis sechs Wochen dauern. Die Dosierung darf nicht zu früh über die Durchschnittsdosis hinaus gesteigert werden.

Bei alleiniger Behandlung (Monotherapie) beginnt der Arzt mit fünf bis zehn Milligramm Natrium-Valproat pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, eine Steigerung erfolgt ungefähr jede Woche. Valproinsäure wird von älteren Personen anders im Körper verstoffwechselt als von jüngeren. Bei Älteren wird der Wirkstoff weniger stark an Eiweiße des Blutes gebunden. Deshalb steigt die Wirkstoffkonzentration in ihrem Blut stärker an. Dem steuert der Arzt mit niedrigeren Dosierungen entgegen. Die mittlere tägliche Wirkdosis auf Dauer (Erhaltungsdosis) liegt daher für Erwachsene bei 20 Milligramm, für Jugendliche bei 25 Milligramm, für Kinder bei 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Dies entspricht durchschnittlichen Tagesdosen von 1200 bis 2100 Milligramm Valproinsäure für Erwachsene, 1000 bis 1500 Milligramm für Jugendliche, 600 bis 1200 Milligramm für Kinder und 350 bis 600 Milligramm für Kleinkinder (drei bis sechs Jahre) oder 150 bis 450 Milligramm (drei Monate bis drei Jahre).

Der Patient sollte die magensaftstabilen Tabletten unzerkaut, möglichst eine Stunde vor den Mahlzeiten mit reichlich Flüssigkeit einnehmen. Die Tagesdosis wird auf zwei bis vier Einzelgaben verteilt.

Über Einstellung, Behandlungsdauer und -Ende entscheidet ein Facharzt, in diesem Fall ein Nervenarzt oder ein entsprechender Kindernervenheilkundler. Bei Epilepsie ist grundsätzlich eine Langzeittherapie erforderlich. Normalerweise kann die Therapie mit dem Medikament erst nach zwei bis drei Jahren Anfallsfreiheit beendet werden. Um einen Anfall zu vermeiden, der durch plötzliches Absetzen des Medikaments bedingt sein kann, wird die Dosis dabei schrittweise vermindert ("ausschleichen").

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • mikrokristalline Cellulose
  • Titandioxid (E 171)
  • Gelatine
  • Glycerolmonostearat
  • Kieselsäure-Calciumsalz
  • Methacrylsäure-Ethylacrylat-Copolymer (1:1)
  • pflanzliches Magnesiumstearat
  • Triethylcitrat

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Erhöhung der Blutkonzantration an Ammonium.

Häufige Nebenwirkungen:
Hautausschläge mit Fleckenbildung, Juckreiz, Kopfschmerzen, Schwindel, Doppeltsehen, Verschwommensehen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Benommenheit, Müdigkeit, Appetitssteigerung, Gewichtssteigerung, Augenzittern (Nystagmus), Zittern (Tremor), Bewegungsunsicherheit, vorübergehender Haarausfall, nervliche Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen, Blutbildveränderungen, Blutgerinnungsstörungen.

Gelegentliche und seltene Nebenwirkungen:
Speichelflusserhöhung, Wassereinlagerungen, erhöhte Blutinsulinkonzentration, Blutungen, Muskelwiderstand gegen Bewegungen (Spastizität), Aggressivität, Verhaltensstörungen, Reglosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsstörungen, Magenschmerzen, Ohrgeräusche (Tinnitus), Wahnvorstellungen, Einnässen, Monatsblutungsstörungen, vorübergehende Gehirnschädigungen.

Sehr seltene oder vereinzelt auftretende Nebenwirkungen:
erhöhte Konzentration an Testosteron im Blut, Eierstockvergrößerung, Blutbildveränderungen wie Neutropenie, Leukopenie, Blutarmut, Thrombozytopenie, Panzytopenie, übersteigerter Bewegungsdrang, Verwirrtheit, Halluzinationen, Standunsicherheit, Bewegungsstörungen wie Choreoathetose, Verschlimmerung eines Parkinson-Syndroms, Anfallszunahme, Gefäßentzündungen, Hautveränderungen, schwere Hautreaktionen wie Erythema multiforme, Lupus erythematodes, Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom, Cystinspeicherkrankheit, Hirnleistungsstörungen (Demenz), Gehirnzellenrückbildung, chronische Gehirnschädigungen, Gehirnrinde-Funktionsstörungen, Muskelspannungs-Herabsetzung, krankhaft gesteigerte Muskelbewegungen (Choreatiforme Dyskinesien), schwere EEG-Veränderungen.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschläge mit Fieber, Lymphknotenerkrankungen (Lymphadenopathie) und Gesichtwassereinlagerungen (Gesichtsödeme), Leberwerteerhöhungen, Leberfunktionsstörungen, Leberversagen, Bewegungsablaufsstörungen (extrapyramidale Wirkungen), Bewegungsunruhe, Brustvergrößerung, Milchfluss, Ohrspeicheldrüsenschwellungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Doppeltsehen, Koordinationsstörungen, Angststörungen, Stimmungsumschwung, Depressionen, Psychosen, Hautflecken, Blutergüsse, Nasenbluten, Ohrenfluss, bestimmte Blutbildveränderungen wie Lymphozytose und Eosinophilie, Haarveränderungen, Lichtempfindlichkeit, Hörverlust, ungewollte Bewegungen (extrapyramidale Nebenwirkungen).

Besonderheiten:
Besonders bei Kindern unter zwei Jahren und bei Kombinationstherapien können meist innerhalb der ersten sechs Monate der Behandlung mit Valproinsäure Leberfunktionsstörungen und Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse mit Todesfolge auftreten.

Anscheinend erhöht die Einnahme des Wirkstoffes die Selbstmordneigung, deshalb sind die Patienten sorgfältig zu überwachen.

Eine Langzeitbehandlung mit Antiepileptika wie Valproinsäure erhöht das Risiko für eine Osteoporose. Sollte diese Krankheit schon bestehen oder werden gleichzeitig Hydrocortison oder andere Glukokortikoide eingenommen, sollte ein Arzt befragt werden.

Wechselwirkungen

In Kombination mit anderen Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon oder Phenytoin wird die Wirkung von Valproinsäure verringert, während sich die Wirkungen der anderen Antiepileptika verstärken.

So werden die Antiepileptika Primidon und Phenobarbital durch Valproinsäure in ihrer dämpfenden Wirkung auf das Nervensystem verstärkt. Bei entsprechenden Kombinationen sollten die Patienten sorgfältig ärztlich beobachtet und die Dosierungen gegebenenfalls durch den Arzt angepasst werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Phenytoin und Valproinsäure ist das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen, insbesondere einer Hirnschädigung, erhöht.

In der Kombinationstherapie von Valproinsäure mit Carbamazepin können die schädigenden Effekte von Carbamazepin durch Valproinsäure verstärkt auftreten. Eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist daher notwendig.

Zusammen mit dem Antiepileptikum Lamotrigin wird dessen Wirkung durch Valproinsäure verstärkt. Der Arzt muss hier die Lamotrigin-Dosis verringern.

Die Wirkstoffe Cimetidin (Magensäure-Hemmer), Erythromycin (Antibiotikum), Fluoxetin (Antidepressivum) und Felbamat (Antiepileptikum) erhöhen hingegen bei gleichzeitiger Gabe die Wirkung der Valproinsäure.

Mefloquin (Mittel gegen Malaria) verstärkt den Abbau von Valproinsäure und verringert dadurch die Valproinsäure-Wirkung. Eine gleichzeitige Anwendung kann zu epileptischen Anfällen führen.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Valproinsäure und Antibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Carbapeneme wie beispielsweise Doripenem, Meropenem oder Panipenem verringert sich die Valproinsäure-Wirkung auf unvorhersehbare Weise. Daher verbietet sich der gleichzeitige Einsatz von Valproinsäure und dieser Antibiotika-Gruppe.

Codein (starkes Schmerz- und Hustenmittel) oder Benzodiazepine wie Lorazepam werden bei gleichzeitiger Gabe in ihrem Abbau beeinflusst und wirken verstärkt.

Schlaf- und Beruhigungsmittel (Barbiturate), Antidepressiva, Neuroleptika sowie MAO-Hemmer werden durch Valproinsäure in ihrer dämpfenden Wirkung auf das Nervensystem verstärkt. Bei entsprechenden Kombinationen sollten die Patienten sorgfältig ärztlich beobachtet und die Dosierungen gegebenenfalls durch den Arzt angepasst werden.

Bei der Kombination von Valproinsäure mit Blutgerinnungshemmern (Antikoagulantien) oder Acetylsalicylsäure (nicht-opioides Schmerzmittel) besteht eine erhöhte Blutungsgefahr. Besonders bei Kindern sollten daher die Gerinnungswerte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. An Säuglinge und Kleinkinder dürfen die beiden Wirkstoffe, vor allem bei Fieber und Schmerzen, nicht gleichzeitig verabreicht werden.

Alkohol und leberschädigende Wirkstoffe wie zum Beispiel tetrazyklische Antibiotika oder Tetrazykline werden in ihrer schädlichen Wirkung auf die Leber durch Valproinsäure noch verstärkt.

Valproinsäure erhöht die Giftigkeit von Zidovudin, einem reversen Transkriptasehemmer, der zur Behandlung von HIV-Infektionen (AIDS) eingesetzt wird.

Der Nachweis von bestimmten Stoffwechselabbauprodukten (Ketonkörpern) kann bei Diabetikern, die mit Valproinsäure behandelt werden, falsch positiv ausfallen.

Gegenanzeigen

Der Wirkstoff darf bei Überempfindlichkeit gegen Valproinsäure oder ihre Salze (Valproat), schweren Funktionsstörungen der Leber oder Bauchspeicheldrüse sowie anderen Lebererkrankungen, auch wenn sie in der Familie vorkommen, nicht angewendet werden. Dies gilt insbesondere für Leberfunktionsstörungen mit tödlichem Ausgang während einer Valproinsäure-Therapie bei Geschwistern.

Bei Blutgerinnungsstörungen und bestimmten Störungen der Blutbildung (Porphyrie) darf Valproinsäure ebenfalls nicht eingenommen werden.

Es gibt spezielle Krankheiten der Mitochondrien (das sind die Energieproduzenten in den Zellen ), die durch eine erbliche Veränderung eines an der Eiweißproduktion beteiligten Enzyms bedingt sind sogenannte POLG-Mutationen; Mutationen in der mitochondrialen DNA-Polymerase Gamma). Patienten, die an einer solchen Erkrankung leiden, dürfen nicht mit dem Wirkstoff behandelt werden, weil er bei ihnen zu starken Leberschäden führen kann. Dies gilt besonders bei Kindern unter zwei Jahren, bei denen der Verdacht auf eine POLG-verwandte Krankheit besteht.

Bei Insulin-abhängiger Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder Nierenfunktionsstörungen darf der Wirkstoff nicht direkt in die Blutbahn gespritzt werden.

Nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung darf der Wirkstoff Kleinkindern, bei denen eine gleichzeitige Behandlung mit anderen Antiepileptika erforderlich ist oder die zeitgleich mit Acetylsalicylsäure behandelt werden, sowie mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen mit schweren Anfallsformen verabreicht werden.

Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind außerdem erforderlich bei Knochenmarkschädigungen, angeborenen Enzym-Mangelkrankheiten, einer Verminderung des Eiweißgehalts im Blut, Nierenfunktionsstörungen oder bestimmten Autoimmunerkrankungen der Haut (Lupus erythematodes).

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Valproinsäure gelangt über den Mutterkuchen in den Körper des Ungeborenen und erreicht dort teilweise höhere Wirkstoffkonzentrationen als im mütterlichen Körper. Bei den Kindern besteht ein hohes Risiko (bis zu 40%) für schwerwiegende Entwicklungsstörungen und angeborene Missbildungen (circa 10%). Vor allem bei Einnahme vor dem ersten Schwangerschafts-Drittel kann dies beim Kind zu schweren Fehlbildungen (beispielsweise "offenem Rücken" (Spina bifida) mit späteren geistigen Einschränkungen, vor allem einem verminderten Intelligenzgrad, führen. Valpronsäure soll Mädchen, weiblichen Jugendlichen und Frauen im gebärfähigen Alter nur verschrieben werden, wenn sie in ein Programm zur Schwangerschaftsvermeidung eingebunden sind und eine Schwangerschaft vorher sicher durch den Arzt ausgeschlossen wurde. Jährlich muss ein neues Bestätigungsformular zur Durchführung der Risikoauf­klärung unterschrieben werden.

Der Einsatz des Wirkstoffs bei manisch-depressiven Störungen und für die Vorbeugung gegen Migräne-Anfälle (wozu es keine offizielle Zulassung gibt) ist während der Schwangerschaft grundsätzlich verboten.

Bei Epilepsie dürfen Valproat-haltige Arzneimittel in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn keine geeigneten alternativen Behandlungen zur Verfügung stehen.

Bei Neugeborenen, deren Mutter mit Valproinsäure behandelt wurde, kann es zu Störungen der Blutgerinnung (hämorrhagisches Syndrom) mit Todesfällen kommen. Dieses Syndrom ist auf eine bestimmte Form der Blutarmut (Hypofibrinogenämie) zurückzuführen. Blutplättchen, Fibrinogenspiegel und die Gerinnungsfaktoren müssen daher bei diesen Neugeborenen regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Zudem sind durch Valproinsäure ausgelöste Entzugserscheinungen beim Neugeboren möglich. Ein plötzlicher Therapieabbruch oder unkontrollierte Dosisminderung kann zu epileptischen Anfällen der Mutter führen und dem Kind ebenfalls Schaden zufügen.

Valproinsäure geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Die Wirkstoffmengen sind gering, so dass ein Abstillen in der Regel nicht nötig ist. Dennoch sollte das Kind sorgfältig ärztlich beobachtet werden.

Der Arzt wird jeder Frau im gebärfähigen Alter, die mit dem Wirkstoff behandelt werden muss, eine Merkkarte zu den Risiken für eine Schwangerschaft aushändigen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Valproinsäure kann zur Behandlung von Epilepsien bereits bei Neugeborenen und Säuglingen in einer entsprechend geringen Dosierung angewendet werden. Allerdings sind dabei sorgfältige ärztliche Kontrollen der Leber- und Blutgerinnungswerte erforderlich, zumal bei Kindern unter drei Jahren die Gefahr eines Leberschadens mit tödlichem Ausgang besonders hoch ist. Wenn Valproinsäure an diese Patientengruppe verabreicht wird, darf dies nicht in Kombination mit anderen Antiepileptika erfolgen.

Auf Grund des Risikos von Leberschädigungen sollte bei Kindern unter zwölf Jahren die gleichzeitige Einnahme mit Salicylaten (beispielsweise Acetylsalicylsäure) unterbleiben

Es gibt spezielle Krankheiten der Mitochondrien (das sind die Energieproduzenten in den Zellen ), die durch eine erbliche Veränderung eines an der Eiweißproduktion beteiligten Enzyms bedingt sind sogenannte POLG-Mutationen; Mutationen in der mitochondrialen DNA-Polymerase Gamma). Kindern unter zwei Jahren, bei denen der Verdacht auf eine POLG-verwandte Krankheit besteht, dürfen nicht mit Valsproisäure beahndelt werden. Es könnte sonst zu einem gefährlichen Leberschaden kommen.


Bei Kleinkindern, bei denen eine Kombination mit anderen Antiepileptika erforderlich ist, sowie bei mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen darf Valproinsäure nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung gegeben werden. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind hier unbedingt erforderlich.

Vor Therapiebeginn mit Valproinsäure bei Kindern unter 15 Jahren sind ausführliche klinische Untersuchungen, inbesondere hinsichtlich Leberschäden (Hepatopathie), Stoffwechselstörungen, Bauchspeicheldrüsenfunktionsstörungen (Pankreasaffektionen) oder Blutgerinnungsstörungen sowie eine laborchemische Bestimmung sämtlicher Blutbildwerte (Thrombozyten, GOT, GPT, Bilirubin, gamma-GT, Lipase, alpha-Amylase im Blut, Blutzucker, Gesamteiweiß, Quick, PTT, Fibrinogen, Faktor VIII und -assoziierten Faktoren) vom behandelnden Arzt durchzuführen. In den ersten sechs Behandlungsmonaten müssen diese laborchemischen Untersuchungen in regelmäßigen Abständen wiederholt und die Kinder besonders sorgfältig ärztlich überwacht werden.

Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Valproinsäure bei der Behandlung manischer Episoden bei einer Depression mit Manie wurde bei Patienten unter 18 Jahren nicht in Studien untersucht. Die Behandlung obliegt also der Einschätzung des Arztes.

Warnhinweise

  • Das Reaktionsvermögen kann so weit eingeschränkt sein, dass Autofahren oder das Bedienen von Maschinen gefahrlich sind. Dies gilt insbesondere bei gleichzeitigem Alkoholkonsum.
  • Das Medikament kann die Ketonkörper-Messung bei Diabetikern verfälschen.
  • Das Medikament beschleunigt den Abbau von Schilddrüsenhormonen und kann so eine Unterfunktion vortäuschen.
  • Bei Stoffwechselstörungen, die die Harnsäure betreffen (beispielsweise Gicht), sollte vor Therapiebeginn eine genaue Abklärung der Erkrankung durch den Arzt erfolgen.
  • Bei Auftreten von Unverträglichkeitsreaktionen wie zum Beispiel Hautausschlägen, Fieber, Lymphknotenerkrankungen, Gesichtwassereinlagerungen muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen von Blutbild und Gerinnungswerten werden während der Therapie empfohlen.
  • Das Medikament darf nicht plötzlich angewendet oder abgesetzt werden, vielmehr sollte die Dosis über einen Zeitraum von zwei Wochen stufenweise erhöht, beziehungsweise vermindert werden.
  • Anscheinend erhöht die Einnahme des Medikaments die Selbstmordneigung, deshalb sind die Patienten vom Arzt und ihren Angehörigen sorgfältig zu überwachen.
  • Das Medikament erhöht bei Langzeitbehandlung das Risiko für eine Osteoporose. Dies gilt besonders bei Vorbestehen der Erkrankung oder gleichzeitiger Einnahme von Kortison.
  • Das Medikament darf auf keinen Fall in der Schwangerschaft angewendet werden, bei der Therapie sind wirksame Verhütungsmethoden zwingend.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück magensaft­resistente Tabletten)
200 Stück magensaft­resistente Tabletten
520,64 Milligramm Valproinsäure

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Valproat - 1 A Pharma 600 mg magensaftresistente Filmtabletten sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Valproinsäure (ggf. auch Generika).


Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.