Tranylcypromin-neuraxpharm 10mg/ -20mg Filmtabletten

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 06.06.2013
Hersteller: neuraxpharm Arzneimittel GmbH & Co. KG
Wirkstoff: Tranylcypromin
Darreichnungsform: Filmtablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Tranylcypromin-neuraxpharm 10mg/ -20mg Filmtabletten enthalten den Wirkstoff Tranylcypromin. Zu beachten ist außerdem die besondere Wirkung von Tranylcypromin-neuraxpharm 10mg/ -20mg Filmtabletten.

Tranylcypromin wird bei schweren Depressionen eingesetzt. Es wirkt antriebssteigernd und findet daher oft bei "gehemmten" Depressionen Anwendung. Auch wenn andere Antidepressiva nicht oder nicht ausreichend wirken, findet Tranylcypromin Anwendung.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Tranylcypromin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen MAO-Hemmer, Antidepressiva, zu welcher der Wirkstoff Tranylcypromin gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • depressive Erkrankungen, unabhängig von der Ursache

Dosierung

Der Arzt beginnt die Behandlung mit 10 Milligramm Tranylcypromin einmal täglich am Morgen. Mit dem Einsetzen der stimmungsaufhellenden und depressionslösenden Wirkung ist in der Regel erst nach einer bis drei Wochen zu rechnen. Die Anfangsdosis kann vom Arzt in Abhängigkeit von Wirkung und Verträglichkeit pro Woche um 10 Milligramm Tranylcypromin/Tag individuell bis zu einer befriedigenden Wirkung gesteigert werden. Üblicherweise reichen dafür 20 bis 40 Milligramm/Tag aus. Bei älteren Patienten muss eine Dosissteigerung besonders langsam und bei regelmäßiger Blutdruckkontrolle erfolgen.

Falls der Behandlungserfolg unzureichend ist, muss der Patient im Krankenhaus behandelt werden. Dort kann die Dosis weiter in Schritten von 10 Milligramm/Tag alle ein bis drei Wochen erhöht werden, bis 60 Milligramm/Tag erreicht sind.

Immer sollte die Gesamttagesdosis auf einen bis drei Einnahmezeitpunkte verteilt werden. Die letzte Einnahme des Tages sollte nicht später als 15 Uhr erfolgen, um Schlafstörungen zu vermeiden.

Auf Dauer sind in vielen Fällen 10 bis 20 Milligramm Tranylcypromin/Tag ausreichend. Die mittlere Dauer einer Behandlung bis zum Rückgang der Depressionen beträgt im Allgemeinen mindestens vier bis sechs Wochen. Ist ein Behandlungserfolg eingetreten, wird der Arzt die Dosis eventuell vermindern und die Therapie so vier bis sechs Monate weiterführen.

Das plötzliche Beenden einer längerfristigen Therapie mit Tranylcypromin sollte vermieden werden, da es dadurch zu Angst, Unruhe, Schlafstörungen,
Benommenheit oder Delirium kommen kann. Gegebenenfalls ist die Behandlung
durch langsame Verminderung der Dosis ("Ausschleichen") zu beenden.

Beim Wechsel von einem anderen Antidepressivum auf Tranylcypromin sollte im Allgemeinen eine Behandlungspause von mindestens sieben Tagen eingehalten werden. Zumindest für die erste Woche nach Behandlungsbeginn wird der Arzt dann nur 10 Milligramm/Tag verordnen.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A)
  • hochdisperses Siliciumdioxid
  • Hypromellose
  • Indigocarmin (E 132)
  • mikrokristalline Cellulose
  • Titandioxid (E 171)
  • Cellulosepulver
  • Chinolingelb ( E 104)
  • Lactose-Monohydrat
  • Natriumdodecylsulfat
  • pflanzliches Magnesiumstearat
  • Povidon (K 25)
  • Stearinsäure

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen, Blutdruckabfall.

Häufige Nebenwirkungen:
Blutdruckerhöhung, Angstzustände, Unruhe, Schwäche, Mundtrockenheit, Schwindel, Herzklopfen, Müdigkeit, Gewichtsveränderungen (Zu- oder Abnahme), Blutdruckkrise mit Gesichtsrötung, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Lichtscheu, Erbrechen oder Kopfschmerzen (besonders im Hinterkopf) und Herzklopfen-

Seltene bis sehr seltene Nebenwirkungen:
Verstopfung oder Durchfall, allergische Hauterscheinungen, Blutbildveränderungen, Wassereinlagerung ins Gewebe oder verminderte Wasserausscheidung, Leberfunktionsstörungen, Anstieg der Leberwerte, Nervenschmerzen, Halluzinationen, Krampfanfälle im Gehirn, Verwirrtheitszustände, psychische Abhängigkeit, ausbleibender Orgasmus, Ejakulationsstörungen, Impotenz, Muskelkrämpfe, Muskel- und Gelenkschmerzen, Akkommodationsstörungen (Störung, das Scharfstellen der Augen betreffend), Haarausfall, Schwitzen.
bei Blutdruckkrisen: Blutungen in der Schädelhöhle.
bei Überdosierung: bösartige Körperüberhitzung (maligne Hyperthermie, eine Komplikation, die bei Narkosen auftreten kann).

Besonderheiten:
Die Nebenwirkungen des Tranylcypromins sind besonders zu Beginn der Behandlung am ausgeprägtesten und lassen nach, wenn sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat.

Bei Auftreten einer manischen Verstimmung (= extrem übersteigerte Stimmung) und bei zusätzlichen depressiven Symptomen im Verlauf der Behandlung muss Tranylcypromin sofort abgesetzt werden.

Nach Beendigung der Therapie mit Tranylcypromin können Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit, Benommenheit, Halluzinationen oder Verwirrheitszustände auftreten. Daher muss die Dosis schrittweise reduziert werden ("ausschleichen").

Wechselwirkungen

Die wichtigsten Wechselwirkungen des Tranylcypromin betreffen Lebensmittel. Viele von ihnen enthalten sogenannte "biogene Amine" (unter anderem das Tyramin). Diese Stoffe können aufgrund der durch Tranylcypromin hervorgerufenen kompletten Hemmung des Enzyms Monoaminoxidase (MAO) vom Körper nicht mehr ausreichend abgebaut werden. Dies kann zum Blutdruckanstieg bis hin zur Blutdruckkrise mit Gehirnblutung führen! Deshalb muss bereits einen Tag vor bis 14 Tage nach Beendigung der Therapie eine strenge Diät eingehalten werden. Manche Lebensmittel sind komplett verboten (zum Beispiel Käse, Sojabohnen, Schokoladeneis oder Rotwein), andere dürfen nur in genau vorgeschriebenen Mengen verzehrt werden. Eine komplette Liste aufzuführen ist hier nicht möglich, der Patient bekommt sie jedoch zu Behandlungbeginn ausgehändigt.

Die Wirkung von Alkohol und von Arzneimitteln, die auf die Psyche wirken (wie Neuroleptika, Antidepressiva, Schmerzmittel oder Benzodiazepine wie z.B. Diazepam) wird durch Tranylcypromin verstärkt. Besonders schwerwiegende Wechselwirkungen treten mit Arzneimitteln auf, die ebenfalls auf den Botenstoff Serotonin wirken. Dies sind besonders die Antidepressiva aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer-wie z.B. Fluoxetin, Paroxetin und Fluvoxamin sowie das Clomipramin (ein trizyklisches Antidepressivum) und Venlafaxin (ein bicyclisches Antidepressivum). Hier kann es zu Fieber, Verwirrtheit und Unruhe bis hin zum schweren, sogenannten Serotoninsyndrom mit Steifheit oder übersteigerten Muskelreflexen kommen. Diese Arzneimittel dürfen daher keinesfalls kombiniert werden. Beim Wechsel von Tranylcypromin zu Antidepressiva aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) oder umgekehrt muss der Arzt daher auch eine ausreichend lange Behandlungspause (abhängig von der Wirkdauer des SSRI) beachtet werden! Die Pause kann bis zu fünf Wochen dauern. Auch vor einem Wechsel vom Tranylcypromin zu trizyklischen Antidepressiva ist eine mindestens 14-tägige Behandlungspause erforderlich. Bei anderen Antidepressiva dagegen ist zum Teil nur eine Woche Pause erforderlich. Nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen dürfen in Ausnahmefällen trizyklische Antidepressiva (aber nicht Clomipramin!) zusammen mit Tranylcypromin gegeben werden.

Die Kombination von L-Tryptophan (zum Beispiel als Schlafmittel) und Tranylcypromin kann zu Delirien und Verwirrtheit führen.

Mit Disulfiram (einem Alkoholentwöhnungsmittel) kommt es zu schweren, nicht vorhersehbaren Wechselwirkungen; eine gemeinsame Anwendung verbietet sich daher.

Auch starke opioide Schmerzmittel (besonders Pethidin) werden in ihrer Wirkung verstärkt und dürfen daher nicht gleichzeitig mit Tranylcypromin eingenommen werden. Die Wechselwirkungen treten bei Pethidin sogar noch auf, wenn Tranylcypromin bis zu 14 Tage vorher genommen wurde.

Auch der Hustendämpfer Dextromethorphan, der in frei verkäuflichen(!) Erkältungsmitteln vorkommt, hat ein ähnliches Wirkprinzip wie die genannten Schmerzmittel. Er kann zusammen mit Tranylcypromin zu schweren Störungen des Nervensystems führen und sollte daher ebenso nicht gleichzeitig verwendet werden.

Einige Arzneimittel können mit Tranylcypromin zu gefährlichen Blutdrucksteigerungen führen und sollten nicht gemeinsam angewendet werden. Dies sind zum Beispiel der angstlösende Arzneistoff Buspiron oder die sogenannten Triptane (wie Sumatriptan), die gegen Migräne eingesetzt werden. Auch Arzneimittel gegen niedrigen Blutdruck (die zum Teil frei verkauft werden) und andere sogenannte Alpha-Sympathomimetika werden in ihrer Wirkung verstärkt. Sympathomimetika kommen unter anderem in Kreislaufmitteln, Nasentropfen, Grippemitteln oder Appetitzüglern vor. Auch als gefäßverengender Zusatz in betäubenden Spritzen sind sie enthalten.

Arzneimittel, die den Blutdruck senken, wie Guanethedin oder Methyldopa, können in ihrer Wirkung verstärkt werden. Gelegentlich kann es paradoxerweise aber auch zu einer Blutdruckerhöhung mit diesen Mitteln kommen.

Auch die Wirkung von Insulinen und anderen Mitteln gegen Diabetes zum Einnehmen (orale Antidiabetika) wird durch Tranylcypromin verstärkt.

Narkosemedikamente dürfen nicht gleichzeitig mit Tranylcypromin angewendet werden. Sollte dennoch eine Narkose im Notfall unumgänglich sein, so sollten dabei Narkosemittel zum Einatmen (außer Äther) bevorzugt verwendet werden.

Außer mit Benserazid und Carbidopa darf Tranylcypromin nicht mit Antiparkinsonmitteln kombiniert werden.

Da es bei gleichzeitiger Anwendung von Tranylcypromin mit Amfebutanon (auch Bupropion genannt - ein atypisches Antidepressivum und Raucherentwöhnungsmittel) zu erhöhter Krampfanfälligkeit kommt, sollten diese Arzneimittel nicht gemeinsam angewendet werden.

Gegenanzeigen

Tranylcypromin darf nicht eingenommen werden, wenn Überempfindlichkeit gegenüber diesem Arzneimittel besteht.

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sollen nicht mit Tranylcypromin behandelt werden.

Auch Personen, die an akuten Verwirrtheitszuständen leiden, sollen es nicht bekommen. Keinesfalls darf bei akuten Vergiftungen oder Überdosierungen von Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka Tranylcypromin gegeben werden.

Die Anwendung von Tranylcypromin sollte unterlassen werden bei schweren Nieren- oder Leberschäden oder bekannten Schädigungen der Gehirn- oder Herzgefäße beispielsweise bei Zerebralsklerose oder Angina Pectoris. Aber auch bei älteren Menschen und bei Patienten mit Blutdruckproblemen (zu hohem oder zu niedrigem) ist besondere Vorsicht geboten.

Tranylcypromin ist verboten bei maligner Hyperthermie (eine seltene Komplikation, die bei Narkosen auftreten kann), auch wenn diese längere Zeit vor der antidepressiven Behandlung aufgetreten ist.
Auch bei Störungen der Harnausscheidung wie dem Diabetes insipidus oder einer bestimmten Störung der Blutbildung (sogenannte Porphyrie) darf Tranylcypromin nicht angewendet werden.

Bei Diabetikern, epileptischen Patienten und bei Schilddrüsenüberfunktion darf die Anwendung von Tranylcypromin nur unter sorgfältiger Kontrolle erfolgen.

Vierzehn Tage vor einer Allgemeinnarkose ist Tranylcypromin abzusetzen! Narkosemittel zum Einatmen (außer Äther) sollten dabei bevorzugt verwendet werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Nach bisherigen Erfahrungen führen therapeutische Dosen von Tranylcypromin in der Schwangerschaft zu keinen Schädigungen des Keims. Dennoch sollte das Mittel während der Schwangerschaft und insbesondere in den ersten drei Monaten nur bei wirklich zwingenden Gründen unter Abwägung aller Risiken zum Einsatz kommen.

Das Arzneimittel geht geringfügig in die Muttermilch über und kann möglicherweise den Säugling beeinträchtigen. Deswegen sollte bei Anwendung von Tranylcypromin abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren liegen keine Erfahrungen mit Tranylcypromin vor. Sie dürfen daher nicht mit diesem Arzneimittel behandelt werden.

Warnhinweise

  • Das Reaktionsvermögen kann - besonders in den ersten Tagen - durch das Medikament so weit beeinträchtigt sein, dass Autofahren und das bedienen von Maschinen gefährlich sind. Dies gilt besonders im Zusammenwirken mit Alkohol.
  • Während der Behandlung müssen strenge Diätvorschriften eingehalten werden, da es mit vielen Nahrungsmitteln zu starken Blutdrucksteigerungen kommen kann.
  • Schwer Depressive und junge Ewachsene unter 30 Jahren haben trotz Behandlung ein besonderes Selbstmordrisiko und müssen vor allem zu Therapiebeginn gut überwacht werden.
  • Selbstmordgefährdete Patienten dürfen stets nur die kleinsten Packungsgrößen erhalten, da sie ansonsten in den Besitz tödlicher Dosen des Arzneimittels gelangen könnten.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) verstärken die Wirkung des Medikaments und dürfen nicht zusammen mit diesem eingenommen werden.
  • Jeder Arzt oder Zahnarzt muss über die Einnahme von Tranylcypromin informiert werden.
  • Ist eine Operation mit Allgemeinnarkose geplant, so sollte das Medikament 14 Tage vorher abgesetzt werden.
  • Die Einnahme des Mediakments darf besonders nach Langzeitanwendung nicht plötzlich beendet werden. Es ist mit langsam verminderter Dosierung "auszuschleichen".
  • Das Medikament enthält Lactose (Milchzucker), die von manchen Patienten schlecht vertragen wird.
  • Das Medikament darf nicht wärmer als 25 Grad gelagert werden.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Filmtabletten)
20 Stück Filmtabletten
10 Milligramm Tranylcypromin
50 Stück Filmtabletten
10 Milligramm Tranylcypromin
100 Stück Filmtabletten
10 Milligramm Tranylcypromin
20 Stück Filmtabletten
20 Milligramm Tranylcypromin
50 Stück Filmtabletten
20 Milligramm Tranylcypromin
100 Stück Filmtabletten
20 Milligramm Tranylcypromin

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Tranylcypromin-neuraxpharm 10mg/ -20mg Filmtabletten sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Tranylcypromin (ggf. auch Generika).


Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.