Nortriptylin Glenmark 10 mg/ -25 mg Filmtabletten

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 08.12.2018
Hersteller: Glenmark Arzneimittel GmbH
Wirkstoff: Nortriptylin
Darreichnungsform: Filmtablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Nortriptylin Glenmark 10 mg/ -25 mg Filmtabletten enthalten den Wirkstoff Nortriptylin. Zu beachten ist außerdem die besondere Wirkung von Nortriptylin Glenmark 10 mg/ -25 mg Filmtabletten.

Nortiptylin wird bei depressiven Beschwerden unterschiedlicher Ursache eingesetzt, vor allem, wenn alltägliche soziale Aktivitäten erschwert sind und eine Antriebsverarmung zu erkennen ist.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Nortriptylin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen tri- und tetrazyklische Antidepressiva, Antidepressiva, zu welcher der Wirkstoff Nortriptylin gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • depressive Erkrankungen bei Erwachsenen

Dosierung

Dosierung und Dauer der Anwendung passt der Arzt der Situation des Patienten, der Art der Depression und der Schwere der Erkrankung an. Bei sichtbarem Behandlungserfolg wird er die Dosis so klein wie möglich halten, auf der anderen Seite aber bei einem anfänglichen Misserfolg den zur Verfügung stehenden Dosierungsbereich ausnutzen. Die Dosierung kann daher von 20 Milligramm Nortriptylin (zweimal ein 10-Milligramm-Dragee) bis 225 Milligramm (dreimal drei 25-Milligramm-Dragees) pro Tag reichen.

Ältere Patienten benötigen oft eine deutlich geringere Dosis und zeigen häufig schon bei der Hälfte der üblichen Tagesmengen einen zufriedenstellenden Behandlungserfolg. Auch bei geschwächten Patienten und Patienten mit Schädigungen des Herzens oder der Gehirnfunktion sowie bei Kreislauf- und Atemschwäche oder bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion werden deutlich niedrigere Dosierungen gewählt.

Der Beginn der Therapie ist durch schrittweise Dosissteigerung und die Beendigung der Therapie durch langsame Verringerung der Dosis vorzunehmen.

Mit dem Einsetzen der stimmungsaufhellenden beziehungsweise depressionslösenden Wirkung ist in der Regel erst nach ein bis drei Wochen zu rechnen. Die mittlere Dauer einer Behandlung bis zur Besserung der Beschwerden beträgt im Allgemeinen mindestens vier bis sechs Wochen. Bei Depressionen ohne äußeren Anlass sollte die Behandlung nach der akuten Phase eventuell mit einer verminderten Dosierung für vier bis sechs Monate weitergeführt werden, um die Besserung zu festigen.

Nehmen Sie die Dragees unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Glycerin
  • Hypromellose
  • Titandioxid (E 171)
  • vorverkleisterte Maisstärke
  • Calciumhydrogenphosphat-Dihydrat
  • Ethylcellulose
  • Lactose-Monohydrat
  • pflanzliches Magnesiumstearat

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Herzklopfen, Herzrasen, Zittern, Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen, Störungen des Scharfsehens, verstopfte Nase, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit, Schwitzen, Müdigkeit.

Häufige Nebenwirkungen:
Gewichtszunahme, EKG-Veränderungen, bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen (Verlängerung der QT-Zeit, Verlängerung des QRS-Komplexes, AV-Block, Rechts- oder Linksschenkelblock), Aufmerksamkeitsstörungen, innere Unruhe, Schmeckstörung, nervliche Missempfindung, Gangstörung, verkleinerte Pupillen, Harnentleerungsstörungen, Hautausschläge, niedriger Blutdruck, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, Durstgefühl, sexuelle Funktionsstörungen, Verwirrtheitszustände, verminderte Libido.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Erhöhung des Augeninnendrucks, Verstärkung einer Herzmuskelschwäche, Gehirnkrämpfe, Schlafstörungen, Nervenbeschwerden (Polyneuropathie), Anfälle erhöhten Augeninnendrucks, Ohrensausen, Durchfall, Erbrechen, Zungenschwellung, Harnverhaltung, allergische Reaktionen (besonders der Haut), Nesselsucht, Gesichtsschwellung, Bluthochdruck, Kreislaufzusammenbruch, Leberfunktionsstörungen (beispielsweise Gallenstau), krankhafte Milchabsonderung, Übersteigerung (Manie) und Vorstufen dazu, Angst, Schlaflosigkeit, Alpträume.

Seltene Nebenwirkungen:
Gewichtsabnahme, unnormale Leberwerte (meist vorübergehend), Erhöhung der alkalischen Phosphatase im Blut, Herzrhythmusstörungen, Störung der Knochenmarksfunktion, Blutbildveränderungen (Mangel an weißen Blutkörperchen, Fehlen von Granulozyten, Überschuss an Eosinophilen, Blutplättchenmangel), Bewegungsstörungen (unwillkürliche Bewegungen von Mund und Zunge), Vergrößerung der Speicheldrüse, Darmlähmung, Haarausfall, Lichtempfindlichkeit, verminderter Appetit, Fieber, Gelbsucht, Brustschwellung, Delirium (besonders bei älteren Patienten), Halluzination (bei schizophrenen Patienten).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche.

Wechselwirkungen

Eine Behandlung mit MAO-Hemmern (Antidepressiva und Mittel zur Behandlung der Parkinson-Krankheit) vom dauerhaften Hemmtyp wie Tranylcypromin, Phenelzin, Selegilin und Rasagilin muss in jedem Fall 14 Tage vor Beginn der Therapie mit Nortriptylin beendet werden. Für vorübergehende MAO-Hemmer wie Moclobemid gilt ein Sicherheitsabstand von mindestens einem Tag. Andernfalls muss mit schweren Nebenwirkungen wie Erregung, Delirium, Koma, Fieber, epileptischen Anfällen und starken Blutdruckschwankungen gerechnet werden. Eine Behandlung mit MAO-Hemmern kann 14 Tage nach Ende einer Nortriptylin-Therapie begonnen werden. Die gleichzeitige Anwendung von Nortriptylin und MAO-Hemmern kann zum Auftreten eines sogenannten Serotonin-Syndroms führen (typische Beschwerden sind: Aufregung, Verwirrung, Zittern, Muskelkrämpfe und Erhöhung der Körpertemperatur).

Die Wirkung von Alkohol und die Wirkung anderer auf die Gehirntätigkeit dämpfend wirkender Substanzen wie beispielsweise Barbiturate, Schlafmittel, Schmerzmittel und Psychopharmaka) können bei gleichzeitiger Einnahme von Nortriptylin verstärkt werden.

Bei gleichzeitiger Verabreichung anderer Substanzen, die ebenfalls die Wirkung des Nervenbotenstoffes Acetylcholin aufheben, ist mit einer Verstärkung der Nebenwirkungen am Auge (Pupillenverkleinerung), im Gehirn (Delirium, Erhöhung der Körpertemperatur), an der Harnblase (Harnverhalten) und dem Verdauungssystem (Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Darmlähmung) zu rechnen. Die gleichzeitige Anwendung sollte daher vom Arzt vermieden werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Substanzen, die von den gleichen Enzymen verstoffwechselt werden wie Nortriptylin kann es zu einer deutlichen Erhöhung vorher stabiler Blutkonzentrationen von Nortriptylin mit entsprechend mehr Nebenwirkungen kommen. Gegebenenfalls muss der Arzt die Dosis dann vermindern. Dies ist der Fall zusammen mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (gegen Depressionen), dem Antiepileptikum Carbamazepin, mit Phenothiazin (Neuroleptikum) und Propafenon (Antiarrhythmikum).

Nortriptylin kann die Effekte auf Herz und Kreislauf von Adrenalin, Ephedrin, Isoprenalin, Noradrenalin, Phenylephrin und Phenylpropanolamin verstärken und sollte daher nicht gleichzeitig angewendet werden. Diese Wirkstoffe können in Mitteln zur örtlichen Betäubung, Mitteln zur Vollnarkose sowie in Nasentropfen und -sprays enthalten sein.

Nortriptylin kann die Wirkung oraler Antikoagulanzien wie beispielsweise Warfarin beeinflussen. Bei gleichzeitiger Einnahme ist eine fortlaufende ärztliche Kontrolle der Blutgerinnungswerte erforderlich.

H1-Antihistaminika können die müde machende Nebenwirkung des Nortriptylin verstärken.

Nortriptylin kann die Wirksamkeit von Mitteln zur Blutdrucksenkung wie Guanethidin, Betanidin, Reserpin, Methyldopa und Clonidin abschwächen. Besonders bei Clonidin kann es dann bei Absetzen des Wirkstoffs zu einer überschießenden Blutdruckerhöhung kommen. Der Arzt wird daher bei Anwendung von Nortriptylin die ganze blutdrucksenkende Therapie einer Überprüfung unterziehen.

Nortriptylin verändert schon von sich aus den Herzrhythmus. Daher muss der Arzt bei der Verordnung weiterer Substanzen mit der gleichen Eigenschaft sehr vorsichtig sein. Dies ist der Fall bei Antiarrhythmika Klasse Ia (wie beispielsweise Chinidin) oder III (Amiodaron, Sotalol), manchen Antibiotika, Malaria-Mitteln wie beispielsweise Halofantrin, H1-Antihistaminika wie Astemizol und Terfenadin, Neuroleptika wie Pimozid und Sertindol oder dem Magenmittel Cisaprid. Auch die gleichzeitige Behandlung mit bestimmten Pilzmitteln wie Fluconazol und Terbinafin kann Herzrhythmusstörungen auslösen.

Mittel, die den Abbau von Nortriptylin in der Leber hemmen wie beispielsweise MAO-Hemmer, Pilzmittel wie Ketoconazol, Itraconazol, Fluconazol und Terbinafin), Antiepileptika (Valproinsäure, Phenytoin) sowie das Magenmittel Omeprazol können die Blutkonzentration von Nortriptylin erhöhen und so zu mehr Nebenwirkungen führen.

Andere Pilzmittel wie beispielsweise Griseofulvin sowie säurehemmende Mittel, Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung ("Pille"), das Tuberkulose-Mittel Rifampicin oder Johanniskraut (bei Depressionen) schwächen hingegen die Nortriptylin-Wirkung.

Nortriptylin kann die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin und oralen Antidiabetika verstärken. Bei gleichzeitigem Einsatz muss die Dosierung derselben daher möglicherweise vom Arzt verringert werden.

Hinweis:
Die gleichzeitige Anwendung von Narkosemitteln wie beispielsweise Halothan kann das Risiko für Herzrhythmusstörungen und niedrigen Blutdruck verstärken. Daher sollte Nortriptylin einige Tage vor geplanten Operationen abgesetzt werden. In Notfällen sollte der Narkosearzt von der Behandlung mit Nortriptylin unterrichtet werden.

Gegenanzeigen

Nortriptylin darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • gleichzeitiger antidepressiver Behandlung mit MAO-Hemmern wegen der Gefahr schwerer Nebenwirkungen wie Erregung, Delirium, Koma, Fieber, Krampfanfällen und starken Blutdruckschwankungen
  • akuter Vergiftung mit Schlafmitteln, Schmerzmitteln, Psychopharmaka oder Alkohol
  • akutem Harnverhalten
  • akutem Delirium
  • unbehandeltem Engwinkelglaukom (grüner Star)
  • gutartiger Prostatavergrößerung mit unvollständiger Blasenentleerung
  • Verengung im Bereich des Magenausganges
  • Darmlähmung.
Nortriptylin darf vom Arzt nur unter Berücksichtigung aller notwendigen Vorsichtsmaßnahmen verordnet werden bei
  • gutartiger Prostatavergrößerung ohne unvollständige Blasenentleerung
  • schweren Leberschäden
  • erhöhter Neigung zu epileptischen Anfällen
  • Anzeichen von Verfolgungswahn
  • Störungen der Blutbildung
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Kaliummangel im Blut
  • zu langsamem Herzschlag
  • Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen (beispielsweise angeborenem langen QT-Syndrom), Herzinfarkt und Angina pectoris.
  • Hinweis:
    Bei Patienten mit AV-Block 1. Grades oder anderen Störungen der Erregungsleitung am Herzen sollte häufig eine Kontrolle durch EKG erfolgen. Patienten mit höhergradigen AV-Blockierungen oder unklaren Herzrhythmusstörungen, die von den Herzkammern oder Vorhöfen ausgehen, sollten möglichst nicht mit Nortriptylin behandelt werden.

  • Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

    Zur Anwendung von Nortriptylin in der Schwangerschaft gibt es nicht genügend Studien, weder am Menschen noch am Tier, um Nutzen und Risiko abzuschätzen. Nortriptylin sollte daher während der Schwangerschaft, insbesondere in den ersten sowie den letzten drei Monaten nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für dringend erforderlich.

    Nach Gabe höherer Dosierungen anderer Antidepressiva vor der Geburt wurden beim Neugeborenen Entzugserscheinungen in Form von Störungen der Herz- und Atemfunktion, Harn- und Stuhlentleerung sowie Unruhe beobachtet.

    Nortriptylin und seine Abbauprodukte gehen in die Muttermilch über. Daher sollte es nicht während der Stillzeit eingenommen werden. Ist eine Einnahme dennoch nötig, sollte abgestillt werden.

    Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

    Nortriptylin sollte nicht zur Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden. In Studien zur Behandlung von Depressionen in dieser Altersgruppe zeigten trizyklische Antidepressiva keinen therapeutischen Nutzen. Studien mit anderen Antidepressiva haben ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Selbstschädigung, Selbstmordversuchen und feindseligem Verhalten im Zusammenhang mit der Anwendung dieser Wirkstoffe gezeigt. Diese Risiken können für Nortriptylin nicht ausgeschlossen werden. Außerdem ist Nortriptylin in allen Altersgruppen mit einem Risiko für Nebenwirkungen am Herz-Kreislauf-System verbunden.

    Darüber hinaus gibt es keine Studien zur Sicherheit bei Langzeitanwendung bei Kindern und Jugendlichen bezüglich Wachstum, Reifung sowie zur Entwicklung von Geist und Verhalten.

    Warnhinweise

    • Besonders in den ersten Behandlungstagen kann das Medikament die Fähigkeit zum Autofahren und der Maschinenbedienung stark einschränken. Dies gilt vor allem im Zusammenhang mit Alkohol und anderen Psychopharmaka.
    • Nach längerer Anwendung darf das Medikament nur mit langsam verringerter Dosierung abgesetzt ("ausgeschlichen") werden.
    • Besonders in der ersten Behandlungszeit besteht eine Selbstmordgefahr; die Patienten müssen sorgfältig überwacht werden.
    • Das Medikament sollte einige Tage vor Operationen abgesetzt oder der Narkosearzt informiert werden.
    • Das Medikament enthält Laktose (Milchzucker), die von manchen Patienten schlecht vertragen wird.

    Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

    Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

    Packungsgrößen

    Packungsgröße und Darreichungsform
    Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Filmtabletten)
    50 Stück Filmtabletten
    10 Milligramm Nortriptylin
    50 Stück Filmtabletten
    25 Milligramm Nortriptylin
    100 Stück Filmtabletten
    25 Milligramm Nortriptylin
    24 Stück Filmtabletten
    25 Milligramm Nortriptylin

    Vergleichbare Medikamente

    Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Nortriptylin Glenmark 10 mg/ -25 mg Filmtabletten sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Nortriptylin (ggf. auch Generika).


    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.