BENDAFOLIN 10 mg/ml Injektionslösung

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 29.04.2015

Hersteller: Bendalis GmbH
Wirkstoff: Folinsäure
Darreichnungsform: Injektionslösung

Rezeptpflichtig

Wirkung

BENDAFOLIN 10 mg/ml Injektionslösung enthält den Wirkstoff Folinsäure. Zu beachten ist außerdem die besondere Wirkung von BENDAFOLIN 10 mg/ml Injektionslösung.

 

Folinsäure wird wie die chemisch verwandte Folsäure eingesetzt, um die Giftigkeit und die Wirkung von Methotrexat bei der Krebs- oder Rheuma-Therapie oder bei Überdosierung bei Erwachsenen und Kindern zu verringern oder ihnen entgegenzuwirken. Ebenso wird Folinsäure gegen Nebenwirkungen und bei Überdosierung der Antibiotika Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim sowie des Malaria-Mittels Pyrimethamin verwendet.

Folinsäure findet Anwendung in Kombination mit dem Zytostatikum 5-Fluorouracil in der Behandlung des fortgeschrittenen End- und Dickdarmkrebses und solchen Formen, die bereits Tochtergeschwulste gebildet haben. Auch wird Folinsäure nach vorausgegangener völliger Entfernung des ursprünglichen Dickdarmkrebses eingesetzt, um mögliche gestreute Zellen abzutöten.

Ein zusätzliches Anwendungsgebiet für Folinsäure sind Folsäuremangelzustände unterschiedlicher Ursache, die durch eine Diät nicht zu beheben sind. Dies kann bei vollständiger Ernährung über die Blutbahn und schweren Störungen der Nährstoffaufnahme der Fall sein. Folinsäure wird auch bei der Behandlung einer bestimmten Form der Blutarmut (Megaloblasten-Anämie durch Folsäuremangel) eingesetzt, wenn die Einnahme von Folsäure nicht möglich ist.

Folinsäure kann auch eingenommen werden, wird aber meist in Form einer Injektionslösung angewendet.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Folinsäure sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Vitamine, zu welcher der Wirkstoff Folinsäure gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • Giftigkeit und der Wirkung von Folsäure-Antagonisten wie Methotrexat bei der zellabtötenden Therapie oder Überdosierung bei Erwachsenen und Kindern zu verringern oder ihnen entgegenzuwirken
  • fortgeschrittener Enddarmkrebs oder solcher, der bereits Tochtergewulste gebildet hat - in Kombination mit 5-Fluorouracil
  • Dickdarmkrebs im Stadium III (T1 – 4; N1 – 2) nach vorausgegangener operativer Entfernung des Tumors in heilender Absicht - als begleitende Therapie zusammen mit 5-Fluorouracil

Dosierung

Bei der Anwendung gegen die Nebenwirkungen oder eine Überdosierung von Methotrexat und andere Folsäure-Antagonisten hängt das Dosierungsschema stark von der Anwendungsart und -methode der mittel- oder hochdosierten Therapie ab. Daher bestimmt der Arzt nach diesen Vorgaben die Dosierung des Medikaments.

Auch bei der Anwendung zusammen mit 5-Fluorouracil in der Krebsbehandlung werden verschiedene Dosierungen verwendet, ohne dass eine Dosierung als die optimale nachgewiesen wurde. Der Arzt passt das Therapieschema entsprechend dem Patienten und seiner Erkrankung an.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Salzsäure 18 %
  • Trometamol
  • Wasser für Injektionszwecke

Nebenwirkungen

 

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Fieber.

Seltene Nebenwirkungen:
Anstieg der Anfallshäufigkeit bei Epileptikern.
nach hohen Dosen:
Schlaflosigkeit, Unruhe, Depression, Magen-Darm-Störungen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
allergische Reaktionen (einschließlich Schock und Nesselsucht).

Wird Folinsäure zu 5-Fluorouracil kombiniert, kommt es sehr häufig zu Übelkeit und Erbrechen sowie schweren Reizungen der Schleimhäute. Durchfall und Mundentzündungen sind ein Zeichen der Nebenwirkung auf die Schleimhäute. Der Arzt wird solche Patienten sorgfältig überwachen und je nach Ausprägung der Beschwerden die Therapie sofort abbrechen, längere Therapiepausen vorschreiben oder die Dosis von 5-Fluorouracil vermindern.

Wechselwirkungen

Wenn Folinsäure in Verbindung mit einem Folsäure-Antagonisten wie den Antibiotika Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim oder dem Malaria-Mittel Pyrimethamin gegeben wird, kann die Wirksamkeit des Folsäure-Antagonisten vermindert oder vollständig aufgehoben sein.

Bei Epileptikern, die mit Phenobarbital, Phenytoin, Primidon und Succinimid behandelt werden, besteht das Risiko, dass die Häufigkeit der Anfälle zunimmt. Folinsäure senkt nämlich die Konzentration der Antiepileptika im Blut. Während der Anwendung von Folinsäure und nach dem Ende der Therapie damit wird der Arzt den Patienten besonders sorgfältig überwachen und, falls notwendig, eine Dosisveränderung des Antiepileptikums vornehmen.

Die gleichzeitige Anwendung mit 5-Fluorouracil hat gezeigt, dass Folinsäure die Wirksamkeit und Giftigkeit des Zytostatikums verstärkt. Außerdem kann eine Mischinfusion des Calciumsalzes von Folinsäure (Calciumfolinat) mit 5-Fluorouracil aufgrund von Kristallbildungungen ein unkalkulierbares Risiko für die Patienten darstellen. Aus diesem Grund darf der Wirkstoff auch nicht gemeinsam mit dem Neuroleptikum Droperidol, dem virenhemmenden Mittel Foscarnet oder Methotrexat (gegen Rheuma und Krebs) in einer Mischinfusion gegeben werden.

Gegenanzeigen

Bei Überempfindlichkeit gegen Folinsäure oder bei Blutarmut (perniziöse Anämie oder andere Fomen durch Mangel an Vitamin B12) darf Folinsäure nicht angewendet werden. Eine Behandlung mit Folinsäure kann solche Formen der Blutarmut verschleiern.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine Hinweise, dass Folinsäure schädliche Wirkungen verursacht, wenn sie während der Schwangerschaft gegeben wird. Die Gefahr geht eher von den Wirkstoffen aus gegen oder mit denen zusammen Folinsäure angewendet wird:

So sollte Methotrexat während einer Schwangerschaft nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Prüfung eingesetzt werden. Sollte trotz Schwangerschaft oder Stillzeit eine Behandlung mit Methotrexat oder anderen Folsäure-Antagonisten, wie den Antibiotika Cotrimoxazol, Trimetrexat und Trimethoprim oder dem Malaria-Mittel Pyrimethamin, erfolgen, gibt es hinsichtlich der Anwendung von Folinsäure zur Verringerung der Nebenwirkungen keine Beschränkungen.

Die Anwendung von 5-Fluorouracil ist allgemein während der Schwangerschaft und während der Stillzeit verboten; dies gilt auch für die Kombination mit Folinsäure.

Ansonsten kann Folinsäure als Einzelwirkstoff während der Stillzeit angewandt werden, wenn der Arzt dies im Rahmen einer Behandlung als notwendig erachtet.

 

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Zur Anwendung bei Kindern machen die Hersteller keine Angaben. Der Einsatz liegt demnach im Ermessen des Arztes.

Warnhinweise

  • Das Medikament darf nicht mit 5-Fluorouracil, Droperidol, Foscarnet oder Methotrexat mit der gleichen Injektion oder Infusion gemischt werden.
  • Das Medikament ist in der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
  • Das Medikament ist bei zwei bis acht Grad im Kühlschrank zu lagern.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

 

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Milliliter Injektionslösung)
100 Milliliter Injektionslösung
10 Milligramm Folinsäure
5 Milliliter Injektionslösung
10 Milligramm Folinsäure
50 Milliliter Injektionslösung
10 Milligramm Folinsäure
500 Milliliter Injektionslösung
10 Milligramm Folinsäure
20 Milliliter Injektionslösung
10 Milligramm Folinsäure

 

Vergleichbare Medikamente

 

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über BENDAFOLIN 10 mg/ml Injektionslösung sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Folinsäure (ggf. auch Generika).

 
Medikament
Darreichungsform
Calciumfolinat Kabi 10 mg/ml Injektions-/ Infusionslösung
Infusionslösung
Calciumfolinat onkovis 10 mg/ml Injektionslösung
Injektionslösung

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.