Stimmungsschwankungen: Achterbahn der Gefühle

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (29. Dezember 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Stimmungsschwankungen in einem gewissen Ausmaß kennt wohl jeder von uns. Dass sich die Stimmung immer wieder verändert, ist völlig normal und von verschiedenen Faktoren abhängig. Ausgeprägte Stimmungsschwankungen können jedoch auch Anzeichen einer Erkrankung sein.

Was sind Stimmungsschwankungen?

Stimmungsschwankungen zeichnen sich durch einen plötzlichen Wechsel der Stimmung aus. Starke Stimmungsschwankungen mit raschen Wechseln der Stimmungslage bezeichnet man auch als Stimmungslabilität oder Affektlabilität.

Leichte Stimmungsschwankungen kommen bei jedem Menschen täglich vor. Sie sind nicht unbedingt ein Symptom für eine Erkrankung, sondern gehören zum menschlichen Leben dazu.

Erst, wenn Stimmungsschwankungen unangemessen stark oder unpassend sind, sind sie von medizinischer Bedeutung. Medizinisch relevante Stimmungsschwankungen sind mehr als nur normale Launen. Sie sind intensiver und/oder treten öfter auf als bei gesunden Menschen.

Stimmungsschwankungen: Was sind die Ursachen?

Stimmungsschwankungen können viele Ursachen haben und auch Teil einer hormonellen Umstellung sein, etwa während der Pubertät, während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Medizinisch relevant werden sie erst, wenn sie

  • besonders häufig auftreten,
  • unangemessen stark sind oder
  • unpassend erscheinen.

Bei der Borderline-Störung kommen Stimmungsschwankungen ebenfalls häufig vor. Daher bezeichnen Mediziner sie auch als emotional-instabile Persönlichkeitsstörung. Schon kleinste Ereignisse können die Stimmung des Betroffenen umkehren.

Die Ursachen vieler Stimmungsschwankungen sind psychischer Natur – aber auch körperliche Ursachen sind möglich.

Psychische Erkrankungen

Stimmungsschwankungen in einer extremen Form treten bei Menschen auf, die an einer bipolaren affektiven Störung (früher auch manisch-depressive Erkrankung) leiden. Dabei wechseln sich Phasen von unangemessener Euphorie (manische Phasen) mit Phasen tiefer Depressionen (depressive Phasen) ab:

  • In einer manischen Phase ist die Stimmung des Betroffenen gehoben oder gereizt. Sein Antrieb ist gesteigert und er neigt dazu, sich zu überschätzen.
  • Während der depressiven Episode hingegen hat die Person ihren Antrieb verloren, sie ist niedergeschlagen und hat keine Freude mehr an Dingen, die sie vorher interessiert haben. Die Phasen können unterschiedlich lange anhalten.
  • Zwischen zwei solchen Episoden liegen Phasen, in denen die Stimmung der Situation angemessen erscheint.

Auch Menschen, die an einer Depression ohne Manie leiden, erleben häufig Stimmungsschwankungen. Meist treten diese Schwankungen im Laufe eines Tages auf. Ein typisches, wenngleich auch nicht bei jedem Betroffenen auftretendes Zeichen einer Depression ist das sogenannte Morgentief: Morgens fühlt sich die Person besonders traurig und antriebslos, während sich die Stimmung nachmittags oder abends aufhellt.

Eine nachdenklich aussehende Frau liegt im Bett. © Jupiterimages/iStockphoto

Menschen mit Depressionen fühlen sich morgens häufig besonders schlecht – abends ist ihre Stimmung meist deutlich besser.

Bei der Borderline-Störung sind Stimmungsschwankungen ebenfalls häufig – daher bezeichnen Mediziner sie auch als emotional-instabile Persönlichkeitsstörung. Schon kleinste Ereignisse können die Stimmung des Betroffenen umkehren.

Weitere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen von Stimmungsschwankungen sind zum Beispiel:

  • Demenzerkrankungen, z.B. Alzheimer
  • starke psychische Belastungen, z.B. Stress oder Konflikte
  • hormonelle Behandlungen: Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können bei Frauen zu Stimmungsschwankungen führen.
  • Schilddrüsenerkrankungen, z.B. eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Stimmungsschwankungen, Nervosität und Gewichtsverlust sind einige Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion. Dabei bildet die Schilddrüse mehr Hormone, als der Körper benötigt.
  • Suchterkrankungen, z.B. Alkoholismus, aber auch Nikotinabhängigkeit: Suchtkranke wirken häufig reizbar und niedergeschlagen, dann wieder plötzlich fröhlich.
  • Drogenkonsum: Auffällige Stimmungsschwankungen und sozialer Rückzug bei Jugendlichen können ein Hinweis auf möglichen Substanzmissbrauch sein.
  • sexueller Missbrauch: Insbesondere bei Kindern kann sich ein sexueller Missbrauch unter anderem in Stimmungsschwankungen, Ängsten und körperlichen Beschwerden äußern.
  • Tumoren im Gehirn: Entsteht ein hoher Druck im Schädelinneren, kann sich das u.a. auch die Gemütslage verändern.

Natürliche hormonelle Umstellungen

Im Laufe des Lebens sind einzelne Lebensabschnitte oder -zyklen mit verschiedenen hormonellen Umstellungen verbunden. Diese Veränderungen im Hormonhaushalt können unter anderem starke Stimmungsschwankungen verursachen. Sie sind kein Grund zur Besorgnis, vielmehr gehören sie zum menschlichen Dasein dazu. Sie müssen nur dann behandelt werden, wenn sie in extremer Form auftreten.

Stimmungsschwankungen durch natürliche hormonelle Umstellungen treten beispielsweise in folgenden Lebensphasen auf:

  • Pubertät: Die hormonellen Veränderungen gehen oft mit einer Entwicklungskrise einher, sodass Stimmungsschwankungen in der Pubertät ganz normal sind.
  • Schwangerschaft: Stimmungsschwankungen sind gerade zu Beginn einer Schwangerschaft nicht selten. Normalerweise produzieren die Follikel der Eierstöcke Hormone wie Östrogen. Während der Schwangerschaft übernimmt der Mutterkuchen (Plazenta) nach und nach diese Funktion. Aber nicht nur diese hormonelle Umstellung, auch die veränderte Lebenssituation kann dazu führen, dass die Stimmung labil ist.
  • Menstruationszyklus: Manche Frauen haben monatlich mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen, insbesondere, wenn sie unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS) leiden. Mit PMS sind verschiedene körperliche und psychische Symptome gemeint, die etwa zehn Tage bis eine Woche vor der Menstruationsblutung
  • Wechseljahre: Die hormonellen Umstellungen zu Beginn der Wechseljahre können mit Stimmungsschwankungen verbunden sein.
  • Wochenbett: Viele frischgebackene Mütter erleben den sogenannten Baby-Blues oder die Heultage. Ausgelöst wird der Baby-Blues durch die plötzlichen hormonellen Veränderungen nach der Geburt. Der veränderte Hormonspiegel und die unbekannte neue Situation verursachen eine psychische Berg- und Talfahrt, die sich unter anderem durch Stimmungsschwankungen, Überempfindlichkeit oder Appetitlosigkeit äußert.

Stimmungsschwankungen: Diagnose

Bei starken Stimmungsschwankungen ist es ratsam, den Arzt aufzusuchen – denn für unangemessene Stimmungsschwankungen gibt es viele Ursachen, denen man auf den Grund gehen sollte.

Zunächst wird der Arzt einige Fragen stellen (sog. Anamnese). So wird er beispielsweise wissen wollen:

  • Wie häufig sind die Stimmungsschwankungen?
  • Wie ausgeprägt sind die Stimmungsschwankungen?
  • Gibt es bestimmte Auslöser für die Stimmungsschwankungen?
  • Welche anderen Symptome treten auf?

Darüber hinaus können verschiedene Tests nützlich sein, die zum Beispiel dabei helfen, eine mögliche Depression oder eine Demenzerkrankung zu identifizieren.

Um körperliche Ursachen für die Stimmungsschwankungen auszuschließen, wird der Arzt seinen Patienten körperlich untersuchen. Zusätzlich können verschiedene Laborwerte Aufschluss geben. Der Hormonspiegel kann beispielsweise Aufschluss darüber geben, ob eine Erkrankung der Schilddrüse vorliegt.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, können sich weitere Untersuchungen anschließen, so zum Beispiel EEGEKGMRTCT – oder auch ein Schwangerschaftstest.

Stimmungsschwankungen: Therapie

Stimmungsschwankungen bedürfen in der Regel nur dann einer Therapie, wenn sie besonders ausgeprägt sind oder immer wiederkehren. Stimmungsschwankungen, die etwa während der Schwangerschaft oder durch die Pubertät auftreten, sind in der Regel normal und nicht Symptom einer Erkrankung. Treten die Stimmungsschwankungen im Rahmen einer Erkrankung auf, kann eine Therapie notwendig werden.

Kommen Stimmungsschwankungen im Rahmen einer psychischen Erkrankung vor, ist meist eine medikamentöse Therapie erforderlich. So verordnet der Arzt bei depressiven Verstimmungen beispielsweise häufig Antidepressiva. Diese Medikamente greifen in den Gehirnstoffwechsel ein und beeinflussen so die Stimmung.

Ein Psychologe im Gespräch mit einer Klientin. © Jupiterimages/iStockphoto

Starken und raschen Stimmungsschwankungen sollten Sie auf den Grund gehen.

Gerade bei psychischen Erkrankungen ist es jedoch auch wichtig, der eigentlichen Ursache auf den Grund zu gehen, sodass psychologische Hilfe – etwa in Form einer Psychotherapie – meist sinnvoll ist. Auch nach einer traumatischen Erfahrung wie etwa sexuellem Missbrauch ist eine psychotherapeutische Behandlung erforderlich.

Suchen Sie bei starken, unerklärlichen Stimmungsschwankungen den Arzt auf.

Wenn eine körperliche Erkrankung die Stimmungsschwankungen verursacht, muss diese behandelt werden. In der Regel verschwinden dann auch die Stimmungsschwankungen. Ist beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) die Ursache, können bestimmte Medikamente, eine Operation oder eine Radiojodtherapie nötig sein.

Stimmungsschwankungen: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.schwanger-info.de (Abrufdatum: 29.12.2017)

Online-Informationen der Neurologen und Psychiater im Netz: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (Abrufdatum: 29.12.2017)

Stimmungsschwankung. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 18.4.2017)

Möller, H., Laux, G., Deister, S.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen e.V.: Bipolare Störungen – eine Erkrankung mit zwei Gesichtern. Online-Publikation (2011)

Stand: 29. Dezember 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?




Symptom-Check