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Schüttelfrost

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (26. Oktober 2016)

© iStock

Schüttelfrost ist ein typisches Allgemeinsymptom bei Infektionskrankheiten, die mit heftigem Fieber einhergehen: Es kommt zu Muskelzuckungen – vor allem an der Oberschenkel- und Rückenmuskulatur sowie der Kaumuskulatur, ohne dass man es willentlich beeinflussen kann. Ein Schub dauert meist einige Minuten und geht häufig direkt in den Schlaf über.

Was ist Schüttelfrost?

Schüttelfrost ist ein Kältegefühl, bei dem der gesamte Körper unkontrolliert zittert, sodass die Körpertemperatur schnell steigt. Das Zittern entsteht dadurch, dass die Skelettmuskulatur sich schnell und wiederholt zusammenzieht (kontrahiert) und wieder erschlafft.

Schüttelfrost bei Krankheiten ist also dem Zittern bei großer Kälte nicht nur in seinem Erscheinungsbild ähnlich, sondern dient auch demselben Zweck: Die Muskelkontraktionen sollen Wärme erzeugen.

Damit ist der Schüttelfrost maßgeblich am Fieberanstieg beteiligt. In der Anfangsphase des Fieberanstiegs kann es deshalb zu Schüttelfrost kommen, ohne dass schon Fieber besteht.

Schüttelfrost: Inhaltsverzeichnis

Schüttelfrost: Ursachen

Schüttelfrost kann verschiedene Ursachen haben. So tritt das unkontrollierbare Muskelzittern typischerweise auf, wenn eine starke Kälteeinwirkung dazu führt, dass die Körp­ertemperatur unter ihren Sollwert sinkt.

Häufig verursachen auch Infektionskrankheiten, die mit heftigem Fieber einhergehen, Schüttelfrost – vor allem, wenn der gesamte Körper in die Entzündungsreaktion miteinbezogen ist: Die ursächlichen Krankheitserreger (häufig Bakterien) führen dazu, dass der Körper im Rahmen der Abwehrreaktion Zytokine ausschüttet, darunter auch fiebererzeugende Stoffe (sog. Pyrogene). Diese Stoffe gelangen wahrscheinlich über den Blutweg ins Gehirn und lösen dort eine Fieberreaktion aus.

Für diese Fieberreaktion ist der als Hypothalamus bezeichnete Teil des Zwischenhirns verantwortlich: Er verstellt den Sollwert der Körperkerntemperatur – die normalerweise bei etwa 37 Grad Celsius liegt – nach oben. Daraufhin sorgt das Wärmeregulationssystem des Körpers wie folgt dafür, dass die Körpertemperatur steigt:

  • durch Muskelzittern (d.h. durch Schüttelfrost), was die Wärmeerzeugung erhöht,
  • durch einen veränderten Stoffwechsel und
  • durch eine verminderte Durchblutung der Haut, weshalb die Haut abkühlt und sich die Wärmeabgabe verringert.

Dieser Fieberanstieg dauert so lange an, bis der neue Temperatursollwert erreicht ist – dann verschwindet der Schüttelfrost.

Das Bild zeigt eine Frau, die mit Fieber im Bett liegt. © Jupiterimages/iStockphoto

Bei hohem Fieber kann es zu Schüttelfrost kommen.

Es kommen viele verschiedene Erkrankungen als Ursachen für Schüttelfrost infrage – zum Beispiel:

Wenn nach Reisen – vor allem in tropische Länder – plötzlich Schüttelfrost und Fieber auftreten, sind auch Erkrankungen als Ursachen in Betracht zu ziehen, die in Deutschland selten oder nicht vorkommen, zum Beispiel:

Daneben kann plötzlicher Schüttelfrost bei einem Sonnenstich oder Hitzschlag entstehen – verursacht durch lange oder übermäßige Sonneneinstrahlung und große Hitze. Eine sehr seltene Ursache für Schüttelfrost ist außerdem das akute Glaukom, eine Druckerhöhung im Auge, die eine sofortige Behandlung erfordert.

Zudem können medizinische Eingriffe Schüttelfrost verursachen: So kann das Symptom nach einer Operation (bzw. Anäst­hesie) auftreten – bedingt durch einen Wärm­ev­erl­ust vor, während oder nach der OP oder durch Nebenwirkungen von Medikamenten oder von über die Atemwege verabreichten Narkosemitteln.

Schüttelfrost: Diagnose

Bei Schüttelfrost besteht der erste Schritt zur Diagnose in einem Gespräch, wobei sich der Arzt nach der Krankengeschichte erkundigt (sog. Anamnese). Dabei interessiert unter anderem Folgendes:

  • Wann ist der Schüttelfrost das erste Mal aufgetreten?
  • Welche anderen Beschwerden liegen vor?
  • Sind andere Grunderkrankungen bekannt?
  • Liegt eine Fernreise erst kurz zurück?

Darauf folgt eine körperliche Untersuchung: Hierbei tastet der Arzt unter anderem die Lymphknoten ab, hört die Lunge ab und untersucht den Körper auf offensichtliche Entzündungsherde. Meist ist es schon dann möglich, auf die Ursache für den Schüttelfrost zu schließen.

Wenn alles darauf hindeutet, dass eine Infektionskrankheit hinter dem Schüttelfrost steckt, kann bei Bedarf ein Erregernachweis die Diagnose sichern. Um den genauen Krankheitserreger zu bestimmen, ist es nötig, eine Blutprobe oder einen Abstrich zu nehmen und daraus eine Erregerkultur anzulegen (d.h. die Erreger unter geeigneten Umgebungsbedingungen anzuzüchten).

Je nachdem, welchen Auslöser der Arzt für den Schüttelfrost vermutet, können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein – wie zum Beispiel:

Schüttelfrost: Therapie

Bei Schüttelfrost hängt die Therapie von der Ursache für das Zittern ab und kann darum von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein.

Wenn Schüttelfrost bei einer Infektionskrankheit in der Phase des Fieberanstiegs auftritt, gilt:

  • Kalte Wadenwickel sind zwar ein wirksames Mittel, um Fieber zu senken,
  • gegen Schüttelfrost eignet sich dieses Hausmittel aber nicht, da das Zittern Wärme erzeugt und zum Fieberanstieg beiträgt.

Stattdessen ist es bei einem infektionsbedingten Schüttelfrost ratsam, Wärme zuzuführen: zum Beispiel durch eine zusätzliche Decke, eine Wärmflasche und warme Getränke. Erst wenn das Fieber auf 39 bis 40 Grad Celsius gestiegen und der Schüttelfrost verschwunden ist, sind kalte Wadenwickel sinnvoll. Daneben können Sie dann fiebersenkende Medikamente (wie Paracetamol) gegen das Fieber einsetzen.

Außerdem gilt: Verständigen Sie besser einen Arzt, wenn – besonders bei Kindern – neben Fieber und Schüttelfrost

  • weitere Symptome (z.B. Übelkeit, Durchfall) hinzukommen,
  • das Fieber trotz Zäpfchen nicht sinkt,
  • das Fieber länger als einen Tag dauert oder
  • ein Fieberkrampf auftritt.

Der Arzt kann festlegen, was gegen die Ursache der Krankheitssymptome zu tun ist: Steckt eine Bakterien-Infektion hinter dem Schüttelfrost, ist eine Therapie mit Antibiotika wirksam (wobei eine gezieltere Behandlung möglich ist, wenn der Erreger bekannt ist). Liegt dem Schüttelfrost eine andere Erkrankung zugrunde (z.B. Grippe, Gelbfieber, eine Pilzvergiftung oder ein akutes Glaukom), ist eine gezielte Behandlung dieser Grunderkrankung notwendig.

Wenn ein Sonnenstich oder Hitzschlag zu Schüttelfrost führt, ist – anders als bei fieberhaften Erkrankungen – Kälte hilfreich: Bei solchen Hitzeschäden besteht die Sofortmaßnahme darin, den Körper mit kalten Tüchern oder Bädern zu kühlen. In manchen Fällen ist es auch notwendig, den Kreislauf zu stabilisieren. Wichtig ist in jedem Fall eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, um einen Wasser- und Elektrolytverlust auszugleichen.

Schüttelfrost: Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V. (Hrsg.): www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 26.10.2016)

Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. (Hrsg.): www.kinderaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 26.10.2016)

Silbernagl, S., Lang, F.: Taschenatlas Pathophysiologie. Thieme, Stuttgart 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Buchta, M., Höper, D.W., Sönnichsen, A.: Das Hammerexamen. Urban & Fischer, München 2008

Stand: 26. Oktober 2016

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