Reizhusten (trockener Husten)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (24. Juli 2017)

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Vielerlei Eindringlinge können die Atemwege in Aufruhr versetzen und Reizhusten auslösen: Pollen, Staub, Rauchpartikel, Krankheitserreger. Doch wie genau entsteht der trockene Husten und was kann man tun, um ihn zu lindern?

Tag für Tag setzen wir unsere Atemwege vielerlei Arten von Stress aus: Abgase, Zigarettenrauch, Feinstaub sowie Schimmelsporen und Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Um sich dagegen zu wappnen, verfügt der Körper über diverse Abwehrmechanismen. Husten ist einer von ihnen. Im besten Fall befreit er die Atemwege von Eindringlingen, bevor diese sich ausbreiten und Schaden anrichten können.

Der Hustenreflex ist ein angeborener Schutz. Überall in den Atemwegen – in der Nase, im Innenohr, im Rachen und vor allem im Kehlkopf – sitzen Rezeptoren, die über Nervenbahnen mit dem Gehirn kommunizieren können. Kommen sie mit einem Fremdkörper in Berührung, schlagen sie Alarm, und das Gehirn schickt der Atemmuskulatur den Befehl: Husten! Daraufhin verschließt sich der Kehlkopf, die Atemmuskeln ziehen sich zusammen, und schließlich entweicht explosionsartig die Luft aus den Lungen, und zwar mit bis zu 480 Stundenkilometern. 

Was ist Reizhusten?
Reizhusten ist ein trockener Husten ohne Auswurf, das heißt ohne Absonderung von Schleim. Ärzte sprechen auch von unproduktivem Husten.

Wenn die Schleimhäute der Atemwege mehr Sekret absondern als gewöhnlich, und dieses Sekret durch das Husten nach draußen befördert wird, handelt es sich nicht um Reizhusten, sondern um sogenannten produktiven Husten. Für den Arzt ist diese Unterscheidung wichtig, weil die Art des Hustens ihm einen ersten Hinweis auf die Ursache der Beschwerden liefert.

Beide Formen des Hustens können akut oder chronisch auftreten. Als akut stuft der Arzt Husten ein, der nicht länger als drei Wochen andauert. Halten die Beschwerden länger an, ist zunächst von subakutem Husten die Rede. Als chronisch gilt Husten, wenn er nach acht Wochen noch nicht abgeklungen ist.

Reizhusten: Ursachen

Fremdkörper aller Art, die in die Luftröhre eindringen, können die Atemwege reizen und trockenen Husten auslösen. Beginnende Erkältungskrankheiten und Grippeerkrankungen reizen typischerweise die oberen Atemwege, also Nase, Nasennebenhöhlen und Rachenraum. Meist geht der Reizhusten bei diesen Infektionen jedoch relativ schnell in den produktiven Husten mit Schleimbildung über.

Atmet man hingegen Schadstoffe wie Staub, Gase oder Chemikaliendämpfe ein, so reizen diese die unteren Atemwege. Das führt in der Regel zu schmerzhaftem Reizhusten und trockenen oder tränenden Augen. Gleichzeitig kommt es mitunter zu weiteren Beschwerden wie Kopfschmerzen. Manchmal sind die Betroffenen zudem weniger belastbar und schneller erschöpft.

Auch bestimmte Erkrankungen können die unteren Atemwege reizen. Etwa:

  • Refluxkrankheit, die sich dadurch äußert, dass Magenflüssigkeit in die Speiseröhre läuft (In diesem Fall tritt der trockene Husten vorwiegend morgens auf.)
  • Tumoren
  • chronische Herzinsuffizienz (Husten tritt typischerweise in Verbindung mit Kurzatmigkeit auf, zunächst vor allem bei Belastung)
  • Rippenfellentzündung (trockene Pleuritis) (diese führt ferner zu einseitigen, atemabhängigen Brustschmerzen)
  • chronisches Asthma (Wenn der Husten anhält und gleichzeitig die Atmung bei körperlicher Belastung erschwert ist, deutet dies möglicherweise auf chronisches Asthma hin – auch wenn bislang noch keine schweren Asthmaanfälle vorgekommen sind.)
  • Lungenfibrose (Vermehrung und Vernarbung des Lungengewebes)

Darüber hinaus kann Reizhusten als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten. Dazu zählen unter anderem ACE-Hemmer und AT-II-Blocker gegen Bluthochdruck und Herzinsuffizienz, Fentanyl, Amiodaron sowie Betablocker.

Husten, der länger als acht Wochen anhält und der sich nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückführen lässt, wird auch als chronischer idiopathischer Husten, kurz CIH, bezeichnet. Die Betroffenen reagieren übersensibel auf Reize – warum, lässt sich häufig nicht mit Sicherheit feststellen. Manchmal sind es virale Infekte, die die sogenannte Hypersensitivität des Hustenreizes auslösen.

Wenn sich keinerlei körperlichen Ursachen für die Beschwerden finden, und auch keine Hypersensitivität vorliegt, können auch seelische Probleme dahinterstecken. Dieser sogenannte psychogene Husten ist häufig daran zu erkennen, dass die Beschwerden sich bei emotionaler Anspannung verstärken und während des Schlafens aussetzen. Viele Betroffene verspüren darüber hinaus den Zwang, sich zu räuspern

Reizhusten: Diagnose

Ein Reizhusten kann auf verschiedene Grunderkrankungen hinweisen. Um die Diagnose zu stellen, wird der Arzt den Betroffenen zunächst ausführlich nach den Beschwerden befragen (Anamnese).

Zudem nimmt er eine körperliche Untersuchung vor, bei der er den Patienten abhört und abklopft. Um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen, folgen dann unter Umständen weitere Untersuchungen:

  • Ein Lungenfunktionstest gibt Aufschluss über den Atemstrom und das Lungenvolumen. Anhand der gemessenen Werte kann der Arzt Aussagen über Verengungen der Atemwege treffen.
  • Bei der Bronchoskopie führt der Arzt ein Endoskop – also eine an einem dünnen Schlauch befestigte kleine Videokamera – über Mund oder Nase in die unteren Atemwege ein und sucht diese nach Fremdkörpern und Veränderungen in der Schleimhaut (z.B. Tumoren) ab.
  • Mithilfe einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) kann der Arzt unter anderem feststellen, ob sich körpereigene Abwehrzellen in der Lunge angesammelt haben, ob diese also entzündet ist. Auch eine Lungenstauung wäre auf dem Röntgenbild zu erkennen.
  •  Aufnahmen mit dem sogenannten Computertomographen (CT) können verschiedenste Veränderungen im Brustkorb offenbaren – zum Beispiel Flüssigkeitsansammlungen, Lungenfibrosen und Lungenembolien.

Reizhusten: Was tun bei Reizhusten?

Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. In jedem Fall empfiehlt es sich, das Rauchen einzustellen, um die Atemwege nicht noch stärker zu belasten.

Da Husten normalerweise dazu dient, die Atemwege zu reinigen, sollte man ihn nicht zwangsläufig durch Medikamente unterdrücken. Wenn trockener Husten jedoch sehr stark und häufig auftritt, kann die Schleimhaut Schaden nehmen. Da Reizhusten zudem unproduktiv, das heißt ohne Schleimauswurf ist, können hustenhemmende Arzneimittel (Antitussiva) als Therapie-Maßnahme eingesetzt werden. Diese Mittel hemmen das Hustenzentrum im Gehirn.

Wirkstoffe von hustenhemmenden Arzneimitteln sind zum Beispiel Codein, Dihydrocodein, Pentoxyverin, Dextromethorphan, Benproperin und Noscapin. Betroffene sollten diese Arzneimittel jedoch nicht länger als eine Woche einnehmen – bei den Wirkstoffen Codein und Dihydrocodein besteht ein Abhängigkeitsrisiko. Außerdem können Nebenwirkungen wie Verstopfung auftreten oder eine Konzentrationsschwäche, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen kann.

Es gibt auch eine Reihe von pflanzlichen Hustenmitteln wie

  • Hustensirups mit Spitzwegerich- und Eibischextrakten,
  • Honig sowie
  • Lutschtabletten mit Isländisch Moos.

    Die meisten dieser Mittel wirken, indem sie eine Zuckerhülle um die Hustenrezeptoren im Rachen legen, welche diese vor Reizen schützt. Da der Zucker höchstens eine halbe Stunde auf den Rezeptoren haftet, wirken diese Mittel nur vorübergehend. Der Vorteil ist jedoch, dass sie nicht abhängig machen.
Welche Hausmittel lindern Reizhusten?
Viele Betroffene empfinden Hausmittel wie Hals- und Brustwickeln sowie Erkältungsbäder als wohltuend. Manchmal können auch Dampfbäder und Tees die Beschwerden vorübergehend lindern. Die Wirksamkeit der meisten Hausmittel ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen – mit einer Ausnahme: Honig. Einige (kleine) Studien haben gezeigt, dass Honig erkälteten Kindern beim Einschlafen hilft und nächtliche Hustenanfälle reduziert.

Weitere Informationen

Quellen:

Online Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (abgerufen am 24.7.2017)

Warum gibt es Schleim in der Lunge? Online-Informationen des Helmholtz Zentrum München: www.lungeninformationsdienst.de (Abrufdatum: 20.7.2017)

Lungenfibrose. Online-Informationen des Helmholtz Zentrum München: www.lungeninformationsdienst.de (Abrufdatum: 20.7.2017)

Schreiber, J.: Chronischer Husten. Was ist zu beachten? Perspektiven der Pneumologie und Allergologie. Deutsches Ärzteblatt Jg. 114, Nr. 9, S. 4-7 (März 2017)

Baenkler, H.-W., Goldschmidt, H., Hahn, J.-M., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

Schnupfen, Husten und Halsschmerzen lindern. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 23.4.2014)

Akuter und chronischer Husten, Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten. AWMF Register Nr. 020003 (Stand: 1.2.2010)

Aktualisiert am: 24. Juli 2017

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