Muskelschwäche: Was Sie wissen müssen

Veröffentlicht von: Till von Bracht (27. Dezember 2016)

© iStock

Bei einer Muskelschwäche, medizinisch als Myasthenie oder Myasthenia bezeichnet, tritt meist eine ungewöhnlich schnelle Muskelermüdung auf. In vielen Fällen ist es normal, dass nach einiger Zeit die Muskelkraft nachlässt: So kennt zum Beispiel fast jeder das Gefühl, nach körperlicher Anstrengung erst einmal schlapp und kraftlos zu sein.

Diese Form der Muskelschwäche ist in der Regel kein Grund zur Sorge. Die Muskulatur ist nach einer Erholungsphase wieder voll leistungsfähig – dauerhaftes Training führt sogar dazu, dass Muskelmasse und damit auch Kraft zunehmen.

Muskelschwäche kann aber auch ein Symptom einer Grunderkrankung (z.B. MS, Diabetes, COPD oder eine Schilddrüsenunter- bzw. -überfunktion) oder die Folge einer falschen Ernährung sein – zum Beispiel bei

Darüber hinaus können bestimmte Medikamente, wie etwa Abführmittel, ACE-Hemmer oder Betablocker, der Grund für die Muskelschwäche sein. Auch die Psyche spielt eine Rolle: In Stressphasen, Lebenskrisen oder im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen (z.B. Depressionen) klagen Betroffene nicht selten über allgemeine Erschöpfung – inklusive Muskelschwäche.

Bei Kindern können unter anderem verschiedene angeborene Erkrankungen dazu führen, dass sich die Muskeln nicht so gut entwickeln – zum Beispiel bei den kongenitalen Muskeldystrophien. Eine leichte Muskelschwäche bei Kindern fällt oft erst etwa ab dem sechsten Lebensmonat auf, wenn die Eltern feststellen, dass sich die motorische Entwicklung verzögert: Die Babys schaffen es zum Beispiel nicht, die Bauchlage einzunehmen oder lernen erst spät zu krabbeln. In einigen Fällen können hier physiotherapeutische Maßnahmen hilfreich sein. 

Was genau ist Muskelschwäche?

Jeder Mensch hat rund 650 Muskeln, die es ihm zusammen mit den Gelenken ermöglichen, sich zu bewegen und Kraft aufzubringen. Lässt diese Kraft nach, spricht man von Muskelschwäche.

Generell gilt: Je untrainierter der Körper ist, desto schwächer wird auch die Muskulatur. Deshalb haben zum Beispiel ältere Menschen oft weniger Kraft. Ihre Muskelschwäche ist durch den natürlichen, langsamen Abbau von Muskelgewebe (Muskelschwund) bedingt. Diesem lässt sich allerdings entgegenwirken: und zwar mit Training!

Wer sich weniger bewegt, verliert automatisch an Muskelkraft. Deshalb kann Muskelschwäche auch als Folge von Unfällen oder im Rahmen von Erkrankungen auftreten, die zu Bettlägerigkeit und allgemeiner Schwächung des Körpers führen (z.B. Schlaganfall oder Infektionen). 

Folgende Erkrankungen können ebenfalls die Muskulatur schwächen und in seltenen Fällen sogar bis zur Lähmung voranschreiten:

Meist werden die Fachbegriffe Mysthenie oder Myasthenie speziell bei diesen Formen der Muskelschwäche verwendet.

Eine seltene Erkrankung, deren Häufigkeit aber immer mehr steigt, ist die sogenannte Myasthenia gravis pseudoparalytica. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung bei der die Signalübertragung zwischen Muskel und Nerv gestört ist. Frauen sind häufiger von der Krankheit betroffen als Männer.

Eine weitere Erkrankung, bei der eine Muskelschwäche zu den Symptomen gehört, ist der sogenannte Botulismus. Dies ist eine Vergiftung mit dem Botulinumtoxin, welches in verdorbenen Lebensmitteln vorkommen kann. Oft handelt es sich dabei um Konserven, die nicht ausreichend erhitzt wurden, so dass sich Botulinumbakterien in ihnen vermehren und das Gift bilden konnten. Durch die hohen Hygieneanforderungen an Nahrungsmittel ist diese Erkrankung in Deutschland mittlerweile recht selten geworden.

Der Effekt des Botulinumtoxins spielt heute eher in der Behandlung eine Rolle: In kleinen Dosen in stark verkrampfte Muskeln (sog. Dystonie) gespritzt, kann der Arzt eine künstliche Muskelschwäche erzeugen. Das kann zum Beispiel bei Patienten mit Torticollis, einer verdrehten Schiefhaltung des Halses, hilfreich sein.

Auch die immer mehr in Mode kommende kosmetische Anwendung des Botulinumtoxins ("Botox-Party" etc.) im Gesicht führt letztlich zu einer Muskelschwäche: Die Muskelzellen unter der Haut erschlaffen, wodurch die Gesichtsfalten gemildert werden – die Anwender erhoffen sich davon ein jüngeres, attraktiveres Aussehen und nehmen dafür auch Nebenwirkungen in Kauf.


Wie steht es um Ihre Gesundheit?




Symptom-Check